Ein Blick von außen, von einem Standpunkt außerhalb unserer Erde (oder sogar außerhalb unserer Galaxie) verändert das spirituelle Bewusstsein. Alexander Gerst, der 2014 sechs Monate an Bord der Raumstation ISS lebte, und viele andere Astronauten haben das erfahren. Unsere Erde: ein blauer Planet in der Schwärze des Weltalls, eine Oase in der unendlichen, stillen Wüste des Universums, wunderbar schön und zugleich erschreckend verletzbar, nur durch den zarten Schleier einer dünnen Atmosphäre geschützt, ein vollkommenes Ganzes.

  Ein solcher Standort- und Perspektivenwechsel kann heute von jedem „Erdling“  in einem mental-spirituellen Sinn vollzogen werden. Befreit von dem Eingebundensein in das Getriebe des Vielerleis und die gewohnte Froschperspektive nimmt der Gewahrende einen „göttlichen“ Blickpunkt ein, von dem aus Grenzen als von Menschen willkürlich gezogen erscheinen, wo die einzigartige Kostbarkeit und Verletzlichkeit des terrestrischen Lebens bewusst wird. Ins Bewusstsein tritt die vollkommene Schönheit, das Eine, das Gemeinsame, das Ganze, das Ungetrennte, Grenzenlose, Unendliche. Eine außer-terrestrische Sehweise wird auch die kirchliche Theologie und jedes Gott-Denken weiten. Ein Alles integrierendes, universales „Gottes“-Bewusstsein wird eines Tages alternativlos sein.

Fotos von Alexander Gerst aus der Raumstation ISS  2014

  Auf dem Weg in ein integrales kosmozentrisch-mystisches Christentum wird auch die Theologie selbstkritisch und wahrhaft universal denkend so manche fixierten Denkmuster aufbrechen und transzendieren, getreu dem nach Markus (1, 17) ersten Wort Jesu: „Die Zeit ist erfüllt und nahe ist das Königtum Gottes. Denkt um und darüber hinaus (griech. meta-noeite - was man auch so übersetzen könnte: Begebt euch auf eine Meta-Ebene, auf eine Darüber-Hinaus-Bewusstseinsstufe!) und getreu der Leitlinie in Eph  4, 23.24: „Erneuert euch in GEIST (pneuma) und Denken (nous) und zieht den neuen Menschen an, den (ursprünglich) nach Gott geschaffenen.“

  Ist das Christentum bereit, seine fragwürdigen dualistischen Denkmuster:  Gott         Welt; Natur         Gnade; Geist 
Fleisch; Erlösung 
Verdammung etc. zu hinterfragen und Modelle von Spiritualität zu konzipieren und existentiell einzuüben, die sich stützen auf die unverbrüchliche Einheit von „Gott“ und Welt,  auf die „creatio continua", die andauernde Erschaffung durch einen erfindungsreichen liebenden „Gott" und auf Seine „incarnatio continua", auf die kontinuierliche „Fleischwerdung" des Alles erfüllenden und umfassenden GEISTES?
 

  Alle Menschen sind Mitinhaber der göttlichen Natur

(2 Petr 1, 4) und im Grunde, in diesem göttlichen GRUND (Meister Eckhart) oder GEIST (K.Wilber) eins und ungetrennt.

  „Alle seid ihr Söhne (und Töchter) Gottes in Christus Jesus ... Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Freie und Sklaven, nicht Mann und Frau - denn alle seid ihr Einer in Christus Jesus“ (Gal 3, 26.28).

  „Angezogen habt ihr den Neuen Menschen, der zur Erkenntnis erneuert wird nach dem Bilde seines Schöpfers. Da gibt es nicht Grieche und Jude, Beschneidung und Unbeschnittenheit, Ausländer, Skythe, Sklave, Freier, sondern das Alles (griech. ta panta) und in Allem / Allen (ist) Christus“ (Kol 3, 10.11).

  Wie weit allerdings ist die Menschheit heute im Jahr 2015 von einem solchen universal-mystischen Bewusstsein der tiefen Einheit aller Menschen und einer politisch-wirtschaftlichen Realisierung dieses Eins-Seins entfernt!! Archaische, religiös motivierte Terroraktionen  durch IS beunruhigen die Welt, ökonomische Eigeninteressen einer zahlenmäßig kleinen plutokratischen Schicht und der „führenden“ Nationen verhindern „Liberté, Fraternité, Egalité, Divinité“ aller Menschen. Deswegen muss außer einer mystischen Bewusstseinsveränderung innerhalb der Religionen auch der Wille zum öffentlichen Widerstand gegen alle Aufspaltung in Super-Reiche und Habenichtse, in Ungläubige und Rechtgläubige wachsen.

  Dennoch scheint ein bestimmter mystagogischer Trend auch in den meisten kath. Bildungshäusern inzwischen fest etabliert zu sein: Dort werden traditionelle christliche Formen der nicht- bzw. übergegenständlichen Kontemplation eingeübt, die über die Zen-Meditation wieder entdeckt worden sind.

  Gott ist ohne Eigenschaft, ohne Weise, ohne Attribute, ohne irgendeine Zuschreibung. ER/SIE/ES  ist weder personal noch apersonal. SIE ist sowohl trans-personal als auch trans-apersonal. ER/SIE/ES ist das Eine, die Wirklichkeit der Wirklichkeiten, unanschaulich und unbegreifbar, unergründlich und unaussagbar, gestaltlose Göttlichkeit, UR-GRUND, GEIST. „Gott“ (jedes mentale Bild von Gott) muss um Gottes (der „nackten Gottheit“) willen gelassen werden. Denn das göttliche Geheimnis aller Wirklichkeit ist „stille Wüste“, „grundloser GRUND“, „Seinsgrund“ und „Seelengrund“, „Über-Geist“, „unaustrinkbares Licht“, „verborgene stille Finsternis“, „leer“, „bloß“, „nackt“, farb-, form-, raum- und zeitlose Leerheit - und auch nicht. ES ist weder Dies noch Das und sowohl Dies als auch Das: absolute Leere und absolute Fülle. Gott ist sowohl ES als auch DU wie auch ICH; und Gott ist sowohl Nicht-ES als auch Nicht-DU wie auch Nicht-ICH.

Mark Rothko (1903-70)


war einer der Hauptvertreter des abstrakten Expressionismus, einer nicht-gegenständlichen Kunst.  In den Augen seiner Mit- und Nachwelt war er ein „schweigender Mystiker der Kunstgeschichte" und galt als der „große Skeptiker des Wortes". Ihm ging es um die Freiheit der abstrakten Kunst von aller Gegenständlichkeit. Er war der Ansicht, dass nur sie imstande sei, „Wahrheit" in Form zeitloser, metaphysischer Ideen zu präsentieren und dass sie dazu inspiriere, die auf ewig verborgene Wahrheit zu entdecken. Rothkos Bilder werden zum „Symbol eines unbegrenzten geistigen Raumes“. Wie in der Musik und in allen Religionen geht es auch in seinem Werk darum, das nicht Mitteilbare zum Ausdruck zu bringen.


Rothko empfahl den Betrachtern seiner großformatigen monochromen Gemälde einen Abstand auf Armlänge (ca. 45 cm). Dadurch entsteht kein konkreter figurativer Bildeindruck, vielmehr versinkt das (innere) Auge in Gegenstands- und Formlosigkeit, weil die Eine oder auch zwei Grundfarben das Gesichtsfeld total ausfüllen, - ein ähnlicher Effekt wie in Zen-Meditation oder übergegenständlicher Kontemplation.

Aus: Publik-Forum 4/2015

Zen-Kreis und Goldkreis:: Erleuchtung

Leerheit und Fülle

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Meditation in der Rothko-Kapelle Houston

Zerstörung

oder

Transformation ???

  Der radikalste und tiefste Theologe unter den christlichen Mystikern war wohl der Dominikanermönch „Meister“ Eckhart (1260-1328). Seine „theologia negativa“, seine Erfahrung und sein Reden von „Gott“ bzw. der Gottheit als dem „grundlosen GRUND“ - unauslotbar, nicht-aussagbar, aber in Allem gegenwärtig und wirksam - ist ein Stachel geblieben in einer vermeintlich vielwissenden und allesberedenden Theologie.

  Ich zitiere aus seinen Predigten (Josef Quint, Diogenes-Taschenbuch 1979):

  „Es kann von Gott niemand das im eigentlichen Sinn aussagen, was er ist... Sankt Augustinus sagt: Was man von Gott aussagt, das ist nicht wahr; was man aber von ihm nicht aussagt, das ist wahr. Wovon immer man sagt, dass „Gott“ es sei, das ist er nicht; was man nicht von ihm aussagt, das ist er eigentlicher als das, von dem man sagt, dass er es sei."  (Predigt 20)

  Mir wurde immer klarer, dass es zukünftig immer unausweichlicher wird, dass auch das Christentum und seine Theologien sich im jeweils heutigen Erfahrungshorizont artikulieren, die evolutiven Manifestationen und Inkarnationen des Einen Gottes (nicht nur in Jesus von Nazareth !!) aufmerksam aufnehmen und mit Hilfe auch von außerkirchlichen Seh-Instrumenten (Wissenschaften, Conscious Evolution, Buddhismus etc.) verschüttete eigene Schätze (Mystik, kosmische Christologie) wieder aufdecken und bewundern und überholte Denkmodelle transformieren / überformen.

  Nach Ansicht von Marx Hubbard und anderen Evolutions-Forschern befinden wir uns zu Beginn des dritten Jahrtausend n. Chr. in einem weiteren Umbruch der Anthropogenese:

  Zum ersten Mal in dem Prozess der kosmischen Transformation sind Lebewesen nicht nur Produkte, sondern göttliche Mit-Schöpfer. Im Menschen hat sich der göttliche schöpferische GEIST  zentriert und er will Ausdruck finden in weiteren Entwicklungsstufen des Individuuums und in der Transformation unseres Lebensraums „Erde" durch die Spezies „Mensch“.

  Wir erleben heute die Morgendämmerung einer universellen Menschheit, die ihre Umwelt und sich selbst neu erschafft oder abschafft.


  Drei Sternstunden im Prozess der Menschwerdung gingen diesem vierten Quantensprung voraus:

1. Kognitive Revolution vor 70 ooo Jahren: Denken,

  1. 2.Kulturell-landwirtschaftliche Revolution in der Jungsteinzeit vor

    12 ooo Jahren: Ackerbau, Viehzucht, Städtebau. Der Mensch beginnt 

    seine Umwelt selbst zu gestalten,

  1. 3.Wissenschaftliche Revolution vor 5oo Jahren.

  Mit dem Wandel eines eng-dimensionierten geozentrischen in ein dynamisch-unendliches Weltbild und mit der modernen wissenschaftlichen Einsicht in die evolutive Entwicklung der menschlichen Spezies wandeln sich auch die Vorstellungen von Gott und Mensch. Vor allem amerikanische Bewusstseins- und Zukunftsforscher wie Ken Wilber und Barbara Marx Hubbard haben Modelle einer postmodernen Kosmologie und Anthropologie entwickelt, in die sich eine kosmische Christologie gut adaptieren lässt.

  Das neue spirituelle  Konzept der „Bewussten Evolution“ von  Barbara Marx Hubbard (geb. 1929) stieß bei der Kongregation amerikanischer Ordensfrauen auf ein sehr starkes Interesse, bei offiziellen Glaubenswächtern aber, wie dem Chef der röm.-kath.

  Um diese Rolle als göttliche*r Mit-Erschaffer*in verantwortungs- und wirkungsvoll übernehmen zu können, muss der neue Universelle Mensch allerdings eine essentielle Verwandlung seines  individuellen Wesens vollziehen.

  In ihrem Buch „Vom Ego zur Essenz. Zehn Entwicklungsschritte auf dem Weg vom Homo sapiens zum Homo universalis“  zeichnet Barbara Marx Hubbard sehr überzeugend ihre persönliche Entwickung nach, die Verschiebung ihrer Identität von einer egozentrierten Persönlichkeit zu dem göttlichen essentiellen Selbst, das sie selbst und jede*r ist im innersten Wesen, das sie mit „Meine Geliebte" anspricht, die sie jeden Morgen in ihrem inneren Heiligtum, ihrer „Rosenkammer" aufsucht, deren Präsenz sie den ganzen Tag spürt, der sie die Führung ihres Lebens überlässt und die sich immer offensichtlicher im Gesamt ihrer Persönlichkeit inkarniert.

  Die uralte Frage nach dem Sinn des Ganzen und der menschlichen Existenz kann im 3. Jahrtausend nach Christus nur beantwortet werden im Rahmen eines kosmisch-evolutiven  Modells.

  Auch wenn sich fundamentalistische Kreationisten vehement dagegen wehren - die Erkenntnis ist unumkehrbar: das Universum ist nicht vor ca. 5000 Jahren fix und fertig von „dem Gott" erschaffen worden, sondern ist ein noch andauernder dynamischer Prozess mit den uns bekannten, aber bisher kaum erklärten Quantensprüngen.

  Nach dem Ur-Wunder der Entstehung von „Materie aus ewigem GEIST", dem „Urknall“ vor ca. 14 Milliarden Jahren, erfolgte vor ca. 3,7 Milliarden Jahren der Übergang von Materie zu Leben (Einzeller, Mehrzeller ....). Eine Biosphäre entstand und entwickelte sich aus dem Wasser heraus über den gesamten Erdball. Der nächste Quantensprung vollzog sich, als in bestimmten Phylen der tierischen Entwicklung Denken und Bewusstsein erscheint. Mutter Erde / die Evolution gebärt eine neue Spezies. Zeitgleich und an verschiedenen Orten auf unserem Planeten tritt ein behaarter Zweibeiner mit aufrechtem Gang auf (nach heutigen vagen Erkenntnissen vor ca. 2 Millionen Jahren), Dieser Hominide entwickelte sich vor ca. 250 ooo Jahren zum „Homo sapiens". Der „weise Mensch" ist sozusagen das bisherige Spitzenprodukt der kosmischen Entwicklung, die aber mit ihm nicht beendet ist. Ständig entwickelt er sich weiter und in unserer Zeit auf einen völlig neuen Level.

Vorsicht Satire:

Der Kreislauf des Lebens -

aus dem Wasser zurück ins Wasser ?

Vom Steinzeit-Menschen zum Einstein-Menschen ?

  Die heutigen globalen Krisen deutet Hubbard als eine embryonale Phase der Menschwerdung, als „Morgendämmerung einer Universellen Menschheit", als  Anzeichen für die Geburt eines neuen Menschen und einer neuen globalen Gemeinschaft. „Wir sind wie ein langsam erwachender, planetarischer Riese (vgl. Hildegards „Kosmos-Mensch"), der gerade anfängt, sich selbst als einen einzigen Körper wahrzunehmen und zu erkennen, dass er selbst für seine Zukunft verantwortlich ist."

Aufbau einer "Neuen Erde",

der "Neuen Stadt Gottes" (Offg 21) ???

   Die Jahrgänge zwischen 1945 und 2050 sind nach Barbara Marx Hubbard entscheidende Übergangsgenerationen. Sie sind Pioniere einer vierten Revolution, einer evolutionär-mitschöpferischen Revolution. Wir leben in einer Zeit, in der eine Transformation des Individuums und der menschlichen Gattung auf die nächste Evolutionsstufe stattfindet. Die Menschheit gestaltet den weiteren Gang der Evolution auf diesem Planeten und darüber hinaus durch eigene Kräfte - konstruktive und destruktive.

   Erst in der Jungsteinzeit vor ca. 10 ooo Jahren begann der Homo sapiens sich von der Mutterbrust der Natur zu lösen und eine eigene Kultur aufzubauen. Er entdeckte Landwirtschaft und Viehzucht. Er fing an, gezielt Getreide und Feldfrüchte anzubauen sowie Tiere zu domestizieren, damit sie ihm Fleisch, Fell, Wolle und Milch lieferten. Und so wurden unsere Vorfahren, bisher umherstreifende Jäger und Sammler, im Laufe der Zeit sesshaft. Häuser bauten sie und erste Städte. Immer häufiger legten sie Korb und Speer beiseite und griffen zu Spaten und Dreschflegel, Steinmühle und Backofen.  Nahrungsproduktion und Vorratshaltung führten zu einer größeren Unabhängigkeit von der natürlichen Umwelt.

   Die bewusste Mit- und Umgestaltung unserer gesamten Lebenswelt hat nach 1945 eine neue Dimension erreicht - durch den Bau und Abwurf der Atombombe, durch Klimaveränderung aufgrund von Technisierung, durch Entschlüsselung genetischer Codes und die daraus folgende Möglichkeit, Nahrungsmittel und Lebewesen genetisch zu verändern und selbst herzustellen. Zur Zeit ist die Entwicklung von künstlicher Intelligenz ein brisantes Thema.  

Schöpfung (Thomas Zacharias 1966)

   Sie wirbt für ein „neues Verständnis des Universums als eines lebendigen, in sich verbundenen Ganzen". Sie spricht von einer „innewohnenden Ordnung", von tieferen göttlich-evolutiven Mustern des Kosmos, die im Laufe der Milliarden Jahre zu immer höherer Freiheit und Bewusstheit geführt hätten (173). Alles gründe in der „Quelle der Evolution". Sie ist davon überzeugt, dass alle Phasen und Räume des Universums erfüllt sind von „GEIST", von einer „tieferen Intelligenz". Alle diese Wörter und Bilder meinen DAS, was traditionell mit „Gott" bezeichnet wird (vgl. Joh 4,24: "Geist ist Gott").

   Aus ihrer Sicht ist der neue „Universelle Mensch" jemand, der sich im Innersten mit der Gesamtheit des Lebens verbunden weiß, und  sich von dem allumfassenden, allbelebenden GEIST des Kosmos dazu berufen fühlt, die grundlegende, der Evolution innewohnende Logistik (Entwicklung auf höhere Stufen der Freiheit und der Liebe) zu erkennen und mit allen Kräften fortzuführen.

  Das sind also die wesentlichen Aufgaben des künftigen universellen Menschen: sich der göttlichen Entelechie in der Evolution, der immanenten Energie, die die Kosmogenese und Anthropogenese vorantreibt und vollendet, bewusst zu werden, und sich ko-kreativ in diese Bewegung auf Einheit und Liebe hin einzuschwingen.

Erst vor 10 000 Jahren beginnt der Mensch seine Umwelt selbst zu gestalten

Erster Quantensprung vor 70 000 Jahren: Der Mensch beginnt zu denken

Dritter Quantensprung vor 500 Jahren: Der Mensch beginnt wissenschaftlich zu forschen

   Ein global-terrestrisches Bewusstsein entstand durch die Weltraumfahrt und durch neue Kommunikations-Technologien. Schon die ersten Fotos unserer Erdkugel von außerhalb machten die Einzigartigkeit und Verletzlichkeit unseres blauen Planeten in der Schwärze des Universums bewusst. Deutlicher wurde, dass die menschliche Spezies zusammen mit anderen Formen des Lebens auf einem Mini-Stern im Weltall  lebt. Auf Gedeih und Verderb müssen die Menschen unterschiedlicher Hautfarben, Sprachen, Kulturen, Religionen in diesem einen nicht duplizierbaren, gemeinsamen Haus kooperieren.

   Die Zukunft unseres blauen Planeten steht auf Messers Schneide: Zerstörung oder Humanisierung - das ist die Frage. Morgengrauen oder Morgenröte der Menschheitsgeschichte?

Anmerkung zu "Logistik" (Planung, Durchführung und Optimierung eines Projekts): abgeleitet von dem griechischen Wort "logos", "Wort", mit dem im Johannes-Evangelium der präexistente All-Erschaffer und All-Vollender Christus bezeichnet wird. 

  „Zuvor (d.h. vor ihrer „Geburt" mit 69 Jahren) hatte ich diese Präsenz in mir als Christus oder Gott erfahren, doch jetzt ... schien sie wirklicher und greifbarer zu werden. Sie schien ich selbst zu sein!" (S. 60f).

Diese vorsichtige Beschreibung wandelt sich dann in mutige Selbst-Aussagen:


Ich bin von der Quelle der Schöpfung nicht getrennt.

Ich bin eins mit der Essenz, die das ganze Universum durchdringt.

Ich bin ein Ausdruck des göttlichen Schöpfungsprozesses.

Ich bin die Gegenwart und der Prozess des Göttlichen in mir.

Ich bin ein*e Mitschöpfer*in neuer Welten.   (S. 39)


Ich bin selbst göttliche Essenz (Bewusstsein, Klarheit, Stärke, Vertrauen, Freude, Gelassenheit, Liebe, Frieden, Einssein, Weisheit, Kreativität, Ganzheit...).

  In christlichen Kreisen gilt ein solches Selbst-Bewusstsein immer noch als Egozentrik und wird als hochmütiges Aufbegehren gegen „Gott“ verteufelt. Die Überzeugung des Paulus von der  „Einwohnung Christi in uns" oder ein Wort des Kirchenlehrers Augustinus könnte da eine andere (hubbardsche) Perspektive eröffnen: „Wir sind nicht nur Christen geworden, sondern Christus selbst. Steh fest und staune voll Freude: wir sind Christus geworden! Christus spricht in uns, betet in uns, leidet in uns, lebt in uns: wir sind ER selbst (nos ipse sumus).“  (Johanneskommentar 21.8)


  Inzwischen hat Hubbard - wie viele andere Vertreter einer conscious evolution - konkrete Trainingsprogramme  (Foundation for Conscious Evolution) für die Bewältigung unserer individuellen und planetarischen Lebensaufgabe entwickelt, um der göttlichen (Christus-) Essenz in uns selbst und in der globalen Kultur Transparenz und Ausdruck zu verleihen.

Eine postmoderne Visionärin: Barbara Marx Hubbard (geb. 1929)

und ihr Konzept einer Bewussten Evolution

Ein vierter Quantensprung in der Menschheitsgeschichte:

der Mensch wird zum Mitschöpfer der Evolution

Mystisch-universales Bewusstsein

Unbedingte Voraussetzung für das Gelingen einer globalen Gesellschaft ist eine

individuelle Entwicklung vom Ego zum essentiellen Selbst

Mystisch-universales Christentum I


Weg von vormodernen statisch-dualistischen und doktrinären Paradigmen

hin zu

universal-evolutiven und mystischen Modellen christlicher Theologie und Spiritualität

I.  Integration eines evolutiven Bewusstseins in Theologie und Spiritualität

Glaubensbehörde Kardinal Müller, auf heftigste Ablehnung. Es geht um die Frage nach dem Ob und Wie einer Integration des tradierten christlichen Glaubens in die postmoderne Natur- und Sozialwissenschaft. Die grundlegenden Thesen der „conscious evolution" stünden „im Widerspruch zur christlichen Offenbarung“, meinte Müller in einem Interview vom 06.05.2014. Kardinal Müller aber und seine Mitstreiter „stehen auf verlorenem Posten" - scheint mir, weil sie grundlegende Aussagen der Bibel und der christlichen Tradition ignorieren und auf prämodernen Bastionen verharren.

Visionen des Kosmos-Menschen durch Hildegard von Bingen

II.  Weg von vormodernen statisch-dualistischen und doktrinären Paradigmen

hin zu

einem universal-evolutiven und mystischen Modell

christlicher Theologie und Spiritualität

  Die Evolution des Universums, die „Schöpfung“ ist der primäre Alles umgreifende Ort der göttlichen Präsenz und Selbst-Offenbarung. Sie bildet die Basis und den Rahmen für alle geschichtlichen Offenbarungen „Gottes". Auch die grundlegenden christlichen „Wahrheiten" - die Erschaffung des Universums, die Inkarnation des Göttlichen Logos in Jesus, seine Orthopraxie vor 2000 Jahren, sein Tod am Kreuz, seine Auferstehung und die endzeitliche Verklärung der Welt - müssen als integrale Phasen oder Gipfelpunkte dieses Einen prozesshaften Ganzen gesehen werden.

  Seit dem ersten Blick eines Astronauten auf unseren Blauen Planeten wächst die Erkenntnis und sie wird unumgänglich: die Menschheit sitzt in Einem Boot, sie muss gemeinsam auf der Oberfläche dieses engen Planeten leben. Aber die Einheit der Menschen ist nicht nur äußerlicher, sondern essentieller Natur. Das Wesen des Menschen - so stellt es uns die hebräische Bibel (1 Mose 2, 7) in einem großartigen Bild vor - besteht in der gemeinsamen Herkunft aus „Staub von dem Erdboden“ (hebr.  adamah), aus Sternenstaub, der vergeht und verweht, und aus „Hauch des Lebens“, aus unvergänglichem Göttlichen GEIST, dem Pneuma Christi, das „gestern, heute und in Ewigkeit“ in jedem Menschen atmet und das Alles in Allem erfüllt.

Umcodierung von Dualismen und Ausgrenzungen

in Einheit/Ganzheit/Universalität


Nicht-Getrenntheit von „Gott“ und Universum, essentielle Einheit aller Menschen

III.  Stärkere Beachtung der traditionellen theologia negativa

  Wenn sich die christliche Orthodoxie mutiger in die neuzeitliche Erfahrung der Einheit alles Entstandenen einschwingen würde, erhielten viele Kernstellen der Bibel eine neue Leuchtkraft: „Alles ist durch Ihn, Christus, den Logos Gottes, geworden und getrennt von Ihm ist nichts geworden, was geworden ist“ (Joh 1, 3); „Das Alles und in Allem: Christus“ (Kol 3, 11). Was der Evangelist Johannes und der Apostel Paulus „LOGOS“ oder „CHRISTUS“ nennen, bezeichnen Hindus, Taoisten, Buddhisten als „Brahman“ oder „GEIST“, der allgegenwärtig, allerfüllend und allumfassend ist. „Gott“ ist unteilbar. „Der GEIST ist nicht die gute Hälfte der Gegensätze, sondern der Urgrund  aller Gegensätze, und unser Heil besteht nicht darin, dass wir die gute Hälfte des Dualismus finden, sondern den Ursprung beider Hälften des Dualismus, denn dies sind wir in Wirklichkeit. Wir sind beide Seiten des großen Spiels des Lebens." (Ken Wilber: Einfach "Das" S. 261)

  „Gott erschuf alle Dinge so, dass sie nicht außerhalb von ihm sind, wie unwissende Menschen meinen. Vielmehr fließen zwar alle Kreaturen (aus Gott) aus, bleiben jedoch in Gott." (Meister Eckhart). Wenn man das Universum als Materialisation des GEISTES ansieht, dann gibt es keine Zeit und keinen Ort, wo der GEIST („Gott“, „Christus“) nicht IST. „Ubique Christus totus“  - „Überall ist CHRISTUS voll und ganz“, so heißt einer der Grundsätze der zisterziensischen Mystik im Mittelalter (Wilhelm von Thierry: Meditationes VI,8).

  „Gott ist weder dies noch das.“  (Predigt 10); vgl. Upanishaden: „neti - neti“„Gott ist namenlos. Denn von Ihm kann niemand etwas ansagen oder erkennen...

Sage ich: Gott ist ein Sein - es ist nicht wahr. Er ist vielmehr ein überseiendes Sein und eine überseiende Nichtheit! ... Schweig daher und klaffe nicht über Gott (klaffen: laut und viel schwatzen); denn damit, dass du über ihn klaffst, lügst du....

  ´Wie denn soll ich Gott lieben?`- Du sollst Gott lieben entblößt (ledig, nackt) aller Geistigkeit und bar aller Bilder. Denn liebst du Gott, wie er „Gott" ist, wie er Geist, wie er Person, wir er Bild ist - das alles muss weg. Du sollst ihn lieben, wie er ist: ein Nicht-Gott, ein Nicht-Geist, eine Nicht-Person, ein Nicht-Bild, mehr noch: wie ein lauteres, reines, klares Eines, abgesondert von aller Zweiheit. Und in diesem Einen sollen wir ewig versinken vom Etwas zum Nichts. Dazu helfe uns Gott. Amen.“   (Predigt 42)

Meister Eckart hat das

- Bildnisverbot der jüdischen Bibel („Du sollst dir kein Bild von Gott machen“ - 2 Mose 20,4,)

  1. -und die theologia negativa

    der Bibel: „Gott wohnt in unzugänglichem Licht“ (1 Tim 6,16)

    und gerühmter Theologen wie Dionysius Areopagita (um 500): „Göttliche überhelle Finsternis“)

    und von Thomas von Aquin (1225-74): „Das ist das Letzte in der menschlichen Erkenntnis von Gott,

        daß sie weiß, von Gott nichts zu wissen" u.v.a.m.

verinnerlicht und entfaltet:

  Die Übereinstimmungen Eckharts und anderer christlicher Mystiker/-innen mit den Grundaussagen östlicher Weisheitslehren sind frappierend. Das Göttliche Mysterium in Allem wird in ähnlicher Weise in Nicht-Kategorien und transpersonaler Begrifflichkeit ausgedrückt: Leerheit, Advaita: Nicht-Zweiheit, der Eine Geschmack, Nirvana, Tao, Brahman und Atman, reines Bewusstsein. Zugleich wird dieses „Be-greifen durch Sprache“ total in Frage gestellt.

   Leider ist der interreligiöse Austausch mit Hinduismus, Taoismus und Zen-Buddhismus, der durch Ordensleute wie Hugo Enomiya-Lassalle (1898-1990), Henri Le Saux (1910-1973), Raimon Panikkar (1918-2010), Willigis Jäger (1925- ), Johannes Kopp (1927- 2016), Anthony de Mello (1931-1987) einen ungeahnten Aufschwung nahm, von vielen offiziellen christlichen Gottes-Lehrern in vermeintlich „esoterisch-sektiererische“ Nischen abgedrängt worden.

  1. 1. Suche Dir einen Ort, an dem Du Dich wohlfühlst und nicht gestört wirst.

  2. 2. Nimm eine aufrechte Sitzhaltung ein.

  3. 3. Schließe die Augen und entspanne Dich. Nimm Deinen Leib und Deinen Atem bewusst wahr.

  4. 4. Lasse störende Empfindungen, Gedanken und Gefühle geschehen und vorbeiziehen.

  5. 5. Wiederhole innerlich im Rhythmus des Aus- und Einatmens eine Anrufung Gottes oder ein Heiliges Klang-Wort (Jesus,  Jissúuus, Christús, Maranatha, DU, AUM  oder Ich-Bin...)

  6. 6. Lade das Wort auf mit Hingabe und Liebe.

  7. 7.Kehre immer wieder zu diesem Wort zurück, wenn Du abgelenkt wirst.

  8. 8. Lasse alle Bilder und Vorstellungen, vergiss das Mantra und überlasse Dich dem nackten Sein und dem Schweigen. Bleibe in der unmittelbaren Gegenwart.

  9. 9. Halte diese Gebetsübung 20 Minuten einmal oder zweimal am Tag durch (in der Frühe und vor dem Abendessen)

  10. 10. Übe auch mitten im geschäftigen Alltag: konzentriere Dich auf Deinen Atem und atme Dein Mantra aus und ein.

  11. 11. Kehre immer wieder zu diesem Wort zurück, wenn Du abgelenkt wirst.

  12. 12. Lasse alle Bilder und Vorstellungen und überlasse Dich dem nackten Sein und dem Schweigen. Bleibe in der unmittelbaren Gegenwart.

  13. 13. Halte diese Gebetsübung 20 Minuten einmal oder zweimal am Tag durch (in der Frühe und vor dem Abendessen)

  14. 14. Übe auch mitten im geschäftigen Alltag: konzentriere Dich auf Deinen Atem und atme Dein Mantra aus und ein.

Spirituelle Übung

Nicht-gegenständliche Kontemplation

Gemeinsame non-duale Tiefenstrukturen

in der Mystik der Weltreligionen

(Judentum, Christentum, Islam -

Buddhismus, Taoismus, Hinduismus)

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Bewusstseinsstufen und Gottesbilder

transzendieren und integrieren

(Ken Wilber / Küstenmacher: GOTT 9.0)

März 2015