Die Expansion und Kontraktion des Universums -

Die Evolution von Alpha bis Omega

Grundlage der kosmischen Poesie Cardenals:  Eine astrophysikalische Sicht


Kosmischer Gesang  II

Weitere Überlegungen folgen ...

Astrophysikalische Erkenntnisse

Expansion und Kontraktion des Universums

Die Evolution von Alpha bis Omega

Lichtgeschwindigkeit

1 Lichtsekunde = ca. 300.000 km

1 Lichtminute = ca. 18.000.000 km

1 Lichtjahr =  9.460.000.000.000  = 9,46 Billionen Kilometer 

1 Parsec = 3,3 Lichtjahre


Entfernungen im Weltall

Mond – Erde: ca. 1 Lichtsekunde – max. 410.000 km min 360.000 km

Sonne – Erde: ca. 8, 3 Lichtminuten – 150 Millionen Km (= 1 AE ; 1 Astronomische Einheit)

   (Wir sehen also die Sonne in ihrem Zustand vor 8,3 Minuten!)

Venus – Erde: maximal  261 Millionen km minimal 32,8 Millionen km

Andromedagalaxie  (mit ca. 1 Billion Sternen) - Erde: 2,5 Millionen Lichtjahre

   (Sehen wir also eine Unmenge inzwischen erloschener Sterne?)



Größen / Durchmesser im Universum

Erde: 12.742 km

Sonne: 1.392.700 km

Unser Sonnensystem: 2 - 3 Lichtjahre

Unsere Galaxie (mit über 200 Milliarden Sternen): 100.000 Lichtjahre

Durchmesser Universum: 93.000.000.000 Lichtjahre (93 Milliarden Lichtjahre)

Wissenschaftler gehen davon aus, dass wir knapp 46,6 Milliarden Lichtjahre in jede Richtung blicken.

  Der Urknall, der "Big Bang" vor 13,8 Milliarden Lichtjahren stand wie ein Paukenschlag am Beginn der kosmischen Symphonie. Und was war danach? Die Erkenntnisse, Theorien, Hypothesen moderner Astronomen und Astrophysiker, die Cardenal aufgreift, mögen manchen Experten ziemlich popularwissenschaftlich vorkommen; aber in ihrer Summe geben sie doch den heutigen Wissensstand wieder.

"Mitternacht in Solentiname,

und ich sehe vom Fenster neben meinem Bett aus die Sterne.

Unsere Galaxis mit 100.000 Lichtjahren Durchmesser

und 200 Milliarden Sternen...

Und unsere Teleskope entdecken Galaxien,

Milliarden Lichtjahre von uns entfernt,

Tausende und Abertausende großer und kleiner Galaxien,

Lichter, so alt wie das Universum."  (219)

Was war "Am Anfang"? oder besser: "Im Anfang"?

Was war "Im Ur-Anfang"? Im "Kosmischen Gesang" gibt Cardenal eine Vielzahl von Antworten:

(Ich übernehme die Fassung des Originals En el principio -  Im Anfang (Im zeit- und raumlosen Ursprung)

  Auf diese große Menschheitsfrage hat auch die Bibel - auf dem Hintergrund eines vor-ptolemäischen Weltbildes - Antworten versucht. Zwei grundlegende Schriften beginnen mit denselben Worten "Im Anfang": 1 Mose 1 auf hebräisch "bereschit" und das Johannes-Evangelium auf griechisch "en arche". Martin Buber übersetzt selbstverständlich - wie auch die neue Einheitsübersetzung - "Im   Anfang".

Die Andromedagalaxie M 31 ist die uns am nächsten gelegene Galaxie und 2,5 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Der Durchmesser beträgt etwa 150.000 Lichtjahre.

Während in unserem Milchstraßensystem etwa 200 Milliarden Sterne vereint sind, wird die Anzahl aller Sterne in der Andromedagalaxie auf etwa 1 Billion geschätzt.

"Wenn das Sonnensystem so groß wie eine Olive wäre,

dann hätte unsere Galaxie die Größe unserer Erde,

und Andromeda wäre so weit entfernt wie der Mond....

Unvorstellbar riesig,

sind die Galaxien im kosmischen Maßstab unwesentlich klein und die Galaxiengruppen sind die Atome der Kosmologie...

´Schreib nicht über so etwas Entferntes wie die Galaxie`,

sagt Silvia zu mir.

Ich antworte: ´Wir sind doch mitten drin.`" (S.221f)

  Am Anfang geschah der Urknall, der Big Bang, die Große Explosion - diese allgemein anerkannte moderne Theorie des Weltanfangs übernimmt natürlich auch Ernesto Cardenal. Aber der Theologe und Poet bohrt weiter: "Und was war davor?" Wie er auch später fragt: "Und was kommt danach, nach der großen Expansion und dem Verschwinden in Schwarzen Löchern?" Er gibt sich nicht zufrieden mit astronomischen und astrophysikalischen Erkenntnissen, weil ihm das Davor, Danach und Dahinter keine Ruhe lässt.

    Im Anfang war ...


"Die Zeit vor der Zeit? ... Was geschah vor der Großen Explosion? Nichts, denn es gab kein Davor." 75

"nichts, weder Raum noch Zeit.“ (11)

"das Wort, das Wort der Liebe" (23) "die Liebe" (360)

"der Gesang" (24)

"ein Etwas" (29)

"nur der Eine" (14),

   Bevor ich den nicaraguanischen "kosmischen Sänger" zu Gehör bringe mit seinem Lobpreis auf den Beginn, die Entwicklung und das Ende der universalen Schöpfung, zunächst einige astronomische Grunddaten zu Größen und Entfernungen im uns bekannten Weltenraum:


   Geben wir es zu: Unser alltägliches, unreflektiertes Weltverständnis ist meistens lokal, regional, national fixiert und begrenzt. Nur in seltenen Augenblicken, wenn ein sternenübersäter Nachthimmel uns in einer glühlampenleeren Region überwältigt, öffnet sich unser Bewusstsein universal. Dieselbe Wirkung können neben solch raren Natur-Erfahrungen auch mediale Informationen auslösen; Staunen erregende Fotos, geschossen durch Hubble oder andere Weltraumteleskope, bewegen uns vielleicht, uns kundiger zu machen und Entfernungen und Größen im Universum zu "googeln". Angesichts dieser neuen die menschliche Vorstellungskraft übersteigenden Daten stellen wir dann fest, dass die klassische Defintion des Menschen durch Thomas von Aquin "capax universi" - "das Universum begreifend" zumindest ambivalent ist.

  "Nach der Urknall - Theorie entstand sämtliche Materie und Energie in einer gigantischen Explosion, eben diesem Urknall, oder auch „Big Bang" genannt, mit dem auch die Expansion des Universums ihren Anfang nahm. Im Urknall entstanden nicht nur Materie und Energie, sondern auch Raum und Zeit... Direkt nach dem Urknall war das Universum unendlich heiß und enthielt ausschließlich Energie. Doch schon nach wenigen Sekunden hatte sich das Universum genügend ausgedehnt und abgekühlt, dass aus der Energie atomare Teilchen wie Protonen, Neutronen und Elektronen entstehen konnten. Nach kurzer Zeit lagerten sich diese Teilchen zusammen und bildeten Atomkerne, insbesondere Heliumkerne. Bevor die Atomkerne Elektronen an sich binden und Atome entstehen konnten, vergingen mehrere Hunderttausend Jahre. Protonen (Wasserstoffkerne) und Heliumkerne banden Elektronen an sich, neutrale Wasserstoff - und Heliumatome entstanden. Sie sind die am häufigsten vertretenen Elemente des Universums. Wasserstoff ist der vornehmliche „ Brennstoff" der Sterne, der sie, wie unsere Sonne, zum Leuchten bringt. 

  Die Expansion und Abkühlung des Weltalls setzte sich weiter fort. Etwa 2 Milliarden Jahre später verdichteten sich Molekülwolken aus Wasserstoff - und Heliumgas unter Einfluss der eigenen Schwerkraft so sehr, dass die ersten Sterne entstanden. Seitdem bildeten sich fortwährend neue Sterne und Galaxien, und so entstand das heutige Erscheinungsbild des Universums." 

Aus: https://www.astronomie.de/das-sonnensystem/basiswissen/anfang-und-ende-des-universums/

1. Vor 13.800.000.000 Lichtjahren der Urknall

  Auch Ernesto Cardenal leitet viele seiner 43 Gesänge ein mit "En el principio" und nicht mit "al principio". Leider hat der deutsche Übersetzer den feinen Unterschied nicht gesehen und die 1990 noch übliche Übersetzung "Am Anfang" übernommen. Die Übersetzungen "Am Anfang" und "Im Anfang" unterscheiden sich aber in ihrer philosophisch-theologischen  Bedeutung.

  "Im Anfang" meint eher das bleibende, nicht messbare, ewige, anfang- und endlose Prinzipium der Wirklichkeit, das Ur-Prinzip, den grundlosen Grund, in dem Jedes gründet und sich entwickelt.

  "Am Anfang" stellt eher den zeitlch-räumlichen Beginn der Schöpfung heraus. Cardenal  gibt sowohl den zeit- und raumlosen Anfang als auch die anfängflichen Ereignisse in Raum und Zeit mit "En el principio". Je nach Inhalt der Aussage übersetze ich also unterschiedlich.

       haarez       -      weet          haschamajim          et               elohim                 bara              bereschit

        Erde  -  die        und            Himmel  -  den     und            Elohim                schuf            Anfang  -  Im

en            archä                 än     ho         logos

Im          Ur-Anfang       war     das        WORT

    Am Anfang war ...


"Die Große Explosion" (11)

"der Urknall" (445)

"Am Anfang war ein wildes Wirbeln

   (Der Geist Gottes war erregt ...)." 91

"die Expansion, die jetzt noch anhält" (213)

"der Gesang" (24)

3.  Wir Menschen heute auf einem lebendigen Blauen Planeten:

"Kinder der Erde und des Sternenhimmels"

  Der Mensch - ein Lebewesen zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos. Man könnte die von ihm zitierte in eine orphische Kulttafel eingemeißelte Inschrift auch auf Ernesto Cardenals Menschenbild und Selbstverständnis beziehen:

„Ich bin ein Kind der Erde und des Sternenhimmels.“ (48)

2.  "Lebende Erde - das blaue Zuhause des Lebens"  (S. 96)

   "Heiß und öde, rauchend, Lava speiend, flüssiges Glas,

schien es, die Erde habe keine Zukunft.

Wer hätte gedacht, dass aus jener züngelnden Magma

Wälder hervorkommen sollten, Städte, Gesänge und Sehnsucht.

Doch regnete es.

Strömender Regenfall für hunderttausend Jahre ...

Der Himmel begann, blau zu werden,

als er sich mit Sauerstoff füllte.

Der Himmel wurde blau, weil das Meer grün wurde

(voll Leben) und später auch grün die Erde.... (92)

    "Zuerst war das Leben sehr wässrig, verwundbar, leicht...

Der Schritt aufs Land war wie die Reise zu einem anderen Stern...

Es ist eine einzige lebende, klopfende Erde.

Der Ball lernte allein, sich mit pflanzlicher Erde zu bedecken...

Ein lebender Körper, der zwischen den Sternen

    durch den Himmel wandert." (94)


      "´Dass alle Atome sich vermengten

         und zufällig dieser Planet voller Leben herauskäme,

         diese Wahrscheinlichkeit ist gleich Null.`

Unsere anomale Erde, wie Lovelock sagt.

Ein wenig weiter weg von der Sonne wäre es zu kalt,

ein wenig näher, wäre die Hitze zu groß....

Lebende Erde, die sich selbst im Himmel ihr Zuhause schuf.

Das blaue Zuhause des Lebens." (96)

   "Der Homo Erectus - vom Physisch-Chemischen zur Freiheit.

Die seelenlose Materie wurde von Geist erfüllt." 99

   „Wir zwischen den Elektronen und den Sternen.

Und materiell aus Sternen gemacht.“ 51

   "Wir sind Sternenstaub" 255

"Der Kohlenstoff deines Körpers

war in der leuchtenden Atmosphäre eines Sterns ...

Das Eisen deines Blutes, vor Millionen von Jahren

war es in einem riesigen Stern.

Wir sind aus Sternen gemacht,

Wir stammen aus dem Herz der Sterne. Sind Sterne!

Aus dem Himmel, wir entstammen dem Himmel." 320

   Vor 4,6 Milliarden Jahren begann es: eine glühende Gaskugel verwandelt sich in einen Ort des blühenden Lebens.

  Im Elften Gesang (Gaia) besingt Cardenal unseren Planeten, unser "Blaues Zuhause". Und er staunt über die Unwahrscheinlichkeit des Lebens, die er "gleich Null" ansetzt.

   "Seitdem die Moleküle lernten, andere Moleküle zu bilden,

war es unvermeidlich, daß es eines Tages Wesen gäbe,

die über Moleküle schreiben.“ (251)

"... eines Tages (entstanden) Wesen, die über Moleküle schreiben.

Wir waren einmal eine Wolke Gas von der Größe des Sonnensystems.

Dann eine Lavakugel.

Die Erde drehte sich durch fünf Milliarden Jahre,

und begann zu sprechen. Der Basalt, der Granit -

sie bekamen eine Kehle." 255


   "Doch schufen chemische Verbindungen

Wesen, die sich über die Geheimnisse

der chemischen Verbindungen den Kopf zerbrechen.

Winziger Planet (Erde) eines unbedeutenden Sterns  (Sonne)

einer kleinen Galaxie,

der sich bemüht, die Totalität des Kosmos zu verstehen." 266

  Und schließlich, am 31.Dezember um 23,59 Uhr - wenn man die bisherige Expansion des Universums  mit dem Ablauf eines Jahres vergleicht - erschien auf dem Sonnenplanet "Erde" die bisher kostbarste Blüte der universalen Evolution. Aus Sternenstaub, feurigem Magma, erkaltetem Gestein, grünen Meeren und blauen Atmosphären, aus einzelligen Lebewesen, Fischen und Kröten, Affen und Pithecanthropoi hatte sich auf diesem Sternchen am Rande einer unbedeutenden Galaxie ein zweibeiniges Wesen entwickelt, mit aufrechtem Gang und die Stirn zum Himmel erhoben: der Mensch. In kürzester Zeit (ca. 2 Millionen Jahre) vervierfachte sich sein Gehirnvolumen, und er entdeckte dank des Hubble-Weltraumteleskops, dass unser Universum mindestens 2 Billionen Milchstraßen enthält (und nicht nur 100 Miliarden, wie noch 1990 angenommen wurde). Cardenals Cántico Cósmico betrachtet die menschliche Spezies in diesem universalen Kontext.

4.  Kontraktion des Universums in den Punkt Omega

    "Niemand kann die zukünftige Entwicklung des Universums vorhersagen, aber denkbar erscheinen die folgenden Möglichkeiten, je nachdem, ob man die Hypothese vom offenen oder geschlossenen Universum in Betracht zieht. In einem offenen Universum bewegen sich die Galaxien immer weiter auseinander, und das Universum dehnt sich immer weiter aus. Diese Entwicklung geht auch dann noch weiter, wenn in mehreren Milliarden von Jahren alle Sterne erloschen sind. Wenn jedoch genügend Materie im Universum existiert, könnte ihre Massenanziehung (Gravitation) ausreichen, das Auseinanderdriften der Galaxien irgendwann einmal zu stoppen. Diese Überlegung würde der Vorstellung eines geschlossenen Universums zukommen. Für ein geschlossenes Universum reicht aber die vorhandene sichtbare Materie nicht aus. Es ist aber durchaus möglich, dass es eine größere Menge nicht beobachtbarer Masse, die sogenannte dunkle Materie, gibt und das Universum tatsächlich geschlossen ist. Diese dunkle Materie erfüllt den Raum zwischen den Galaxien und fernen Welteninseln, sie verdichtet sich in den Milchstraßensystemen und durchsetzt sogar die Umgebung unseres Planetensystems. Es muß sie geben, sonst lassen sich Beobachtungen an Galaxien und Sternbewegungen nicht erklären. Dann kommt die Expansion des Universums nach einer bestimmten Zeit zum Stillstand, und eine Kontraktion, also ein Zusammenziehen aller Materie, folgt. Die Galaxien bewegen sich dann wieder aufeinander zu. Eine Umkehrung der gegenwärtig zu beobachtenden Entwicklung tritt ein.

Das geschlossene Universum zieht sich immer weiter zusammen, bis alle Materie auf einen einzigen Punkt zusammengedrückt wird. Dann verschwindet das Universum im „Big Crunch", dem Gegenstück zum „Big Bang". Das wäre dann das Ende des Universums. Oder aber, der „Big Crunch" könnte durchaus einen neuen Urknall auslösen, aus dem seinerseits ein neues Universum entsteht. In dem sich ausdehnenden neuen Universum würden erneut Sterne und Galaxien entstehen, genau wie die heutigen. Auch dieses Universum würde wieder mit einem „Big Crunch" enden, gefolgt von einem abermaligen Urknall. Diese Vorstellung eines sich periodisch ausdehnenden und wieder zusammenziehenden Weltalls bezeichnet man kurz als „oszillierendes" Universum."

Aus: https://www.astronomie.de/das-sonnensystem/basiswissen/anfang-und-ende-des-universums/

"Mitternacht in Solentiname.

und ich sehe vom Fenster neben meinem Bett aus die Sterne ...

Und wenn der Kosmos ein Ende hat,

was liegt dahinter?

Wie wird sie aussehen, die Grenze des Universums?

Und was liegt dahinter?"  222 f


"Es scheint, als kämen alle Dinge aus dem Einen

und lösten sich in Ihm auch wieder auf." 482

"Der Eine schuf alle Dinge, indem er sich ergoss,

die alle wieder Eines werden....

   Der, von dem alle Evolution kommt,

   und in dem alle Evolution endet....

ALFA ist OMEGA.

Alle Dinge streben heiß zu einer einzgen Mitte.

   Punkt OMEGA!"  497


"Punkt des Zusammenstrebens des Universums,

schließ mich nicht aus

   von Deinen Küssen und Umarmungen." 502

   Die Antwort von Astronomen und Astrophysikern auf die Frage nach den Anfängen des Universums (Expansion seit 13.800.000.000 Lichtjahren) ist kollektiver Konsens geworden, auch wenn kleinere biblisch-fundamentalistische Gruppen immer noch eine Erschaffung des Universums (in sechs Tagen durch einen allmächtigen Schöpfer) vor ca. 6.000 Jahren (= 0,02 Lichtsekunden !!!) verteidigen.

  Und wie endet die universale Ausbreitung und Evolution? Wird sich die Expansion des Alls irgendwann umkehren, so dass alles bei einem “Big Crunch” wieder in sich zusammen stürzt und in "Schwarzen Löchern" verschwindet? Ist nicht der "Wärmetod des Universums" aufgrund des zweiten Gesetzes der Thermodynamik die wahrscheinlichste Theorie?

"Das Problem dieses Poems ist, wie das Universum

  unbegrenzt expandiert

  oder in sich selber zusammenstürzt.

Von der Expansion der Raum-Zeit mit gerissen,

die Galaxien. Mit einer Zeit, die nur in eine Richtung weist:

den Tod.

  Die maximale Entropie, die der Tod ist.

Der zweite Hauptsatz, der grundlegendste des Universums.

Man kann es nicht verstehen, das Leben,

  ohne den Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik.

Die Entropie gewinnt beständig gegen die Energie." 356

"Schwarze Löcher ...

Dieser seltsame Bereich der Raum-Zeit, schwarz und leer.

Wo sämtliche Materie, die sich nähert, verschwindet

und nicht wiederkommt.

Die Gräber toter Sterne, die schwarzen Löcher...

Der Zusammenbruch des Universums, das Erkalten der Sonne

und der anderen Sterne." 357

  Auch Cardenals "Kosmischer Gesang" blendet die Frage nach dem Ende des Universums nicht aus. Ähnlich wie die Bibel will er ja ein poetisches Gesamtbild der kosmischen Wirklichkeit, von Allem was existiert, vom Anfang bis zum Ende entwerfen. Ein Stützpfeiler seiner kosmischen Vision sind die Ergebnisse der modernen Astrophysik und nicht vormoderne apokalyptische Horrorszenarien wie in der abschließenden Schrift der Bibel. Und so werden die vier Gesetze der Themodynamik - zumal das zweite von der Entropie, dem nicht aufhaltbaren Wärmetod des Weltalls - grundsätzlich anerkannt, aber sie stürzen ihn in eine tiefe Unruhe und Verlegenheit, weil sie kaum mit seinem christlichen Glauben an die "Hochzeit des Universums mit Gott" in Einklang zu bringen sind.

  Solchen Prognosen moderner Wissenschaftler weicht Cardenal nicht aus. Aber er fragt weiter und darüber hinaus. Gibt es noch andere Dimensionen des Universums außerhalb von Raum und Zeit? (314) Gibt es ein Dahinter und Danach uns Darüber-hinaus?

  Für Cardenal existiert ein raum- und zeitloses Jenseits; sein Glaube daran ist gewachsen nicht nur durch eigene Kontemplation und mystische Erfahrungen, sondern auch durch Aussagen berühmter Physiker (Einstein, Böhringer, Dürr, Hawking u.a.), die wie Sokrates oder christliche Mystiker eingestehen, im Grunde nichts zu wissen. Der kosmische Poet Cardenal glaubt und hofft auf eine "Synthese, die über das Universum hinausgeht", auf die Konvergenz aller Dinge in einem Punkt Omega, wo nach der biblischen Offenbarung und nsch Teilhard de Chardin die "Hochzeit des Universums mit Gott" gefeiert wird.

Christus: Alpha et Omega

Domitilla - Katakomben in Rom

um 200 n.Chr.

„Am Anfang …

Der Urknall.

Gehen wir zum ersten Ursprung zurück, zum Funken,

von dem alles kommt.

Da gab es weder Materie noch Bewegung noch Raum noch Zeit.

Und die Große Explosion.

Ein in der Zeit bestimmter Beginn.

Ein durch die Zeit bestimmter Beginn,

und es entstand der Raum, gebogen wie ein Ei.

Zuerst ein ganz kleines Universum. Denken wir an

tausend Millionen Tonnen in der Größe einer Olive.

Dann die ersten atomaren Reaktionen:

Einige Neutronen- und Protonenpaare,

die Deuteronen hervorbringen.

Als das Universum ungefähr eine Million Jahre alt war,

erschienen die Atome (Kern mit Elektron).

Ein Elektron, das um einen Kern kreist…

Weder Galaxien noch Sterne noch Planeten gab es.

Der Anfang war,

dass sich Liebe in Energie verwandelte.“ (445)