Biblische Türen in das Mysterium „Christus“

„Geist-liche“ Menschen ließen mich offene Türen ins

Mysterium der Einen Wirklichkeit - Christus - entdecken:

Theologie-Professoren in Freiburg und Münster: Anton Vögtle (Neues Testament), Alfons Deissler (Altes Testament), Karl Rahner (Dogmatik), Johannes B. Metz (Fundamentaltheologie), Joseph Ratzinger (Dogmatik), Walter Kasper (Dogmatik), Franz Kamphaus (Pastoraltheologie) ......

Guy de Larigaudie,        Thomas a Kempis,        Blaise Pascal,                Josef Pieper,     Thomas von Aquin,      TEILHARD DE CHARDIN ...

JOHANNES BOURS, Roger Schutz, Communauté von TAIZÈ, Anthony de Mello, ANNELIESE HEINE, Thich Nhat Hanh,  Teresa von Avila, Johannes Kopp, Eugen Drewermann, THOMAS KASCHTEN .........

Spirituelle Tür- und Schlüssel-Erfahrungen

  Viele Türen stehen offen zum innersten Mysterium der Einen und Ganzen Wirklichkeit. Zu dieser Erkenntnis führen unterschiedliche Lebenswege. Für alle - so die Weisheitstraditionen der Menschheit - eine via laborosa, ein mühsamer, schmerzhafter Weg, von vielen aber auch - zumindest phasenweise - wie ein schwereloses Gehen über die  Wasser empfunden. Von vielfältigen Schlüssel-Erfahrungen berichten Große MeisterInnen der Weltreligionen und unscheinbare MystikerInnen und Mystiker des Alltags. Türen ins Geheimnis des menschlichen Herzens und des Alls öffnen sich

Und früh - noch in der Nacht - stand Jesus auf, ging hinaus und ging weg an einen

einsamen Ort.

Dort betete Er.

Und Simon und seine Gefährten spürten Ihm nach.

Und als sie Ihn gefunden, sagen sie zu Ihm:

Alle suchen Dich.

Und Er sagt zu ihnen: Ziehen wir anderswohin, in die angrenzenden Orte, dass ich auch dort verkünde; denn dazu bin ich ausgegangen.

Und er war kündend in ihren Synagogen in ganz Galiläa und austreibend die Abergeister.

(Markus 1, 35 - 39)

1. SUCHEN

Die Jünger zu Jesus: Alle suchen (nur) Dich.  (Mk 1, 37)

Gebet von Wilhelm von Thierry

Zisterziensermönch  (1070/75-1148)


Du selbst, Christus, sagst: Ich bin die Tür.

Öffne Dich Selbst für uns,

damit wir evidenter sehen, zu welchem Haus

Du die Tür bist.


Christus,

Du Schöpfer aller Dinge, Orte und Zeiten,

Du bist nicht an Ort und Zeit gebunden

und doch:

überall präsent, überall ganz und vollständig

(ubique totus).


Mein Meister,

wo wohnst Du?

Du sagst:

Ich Bin im Vater, der Vater in Mir.

Dein Ort ist also der Vater

und der Ort des Vaters bist Du.

Und auch wir sind Dein Ort

und Du bist unser Ort.

                            Spirituelle Übung

                        Die Eine Wirklichkeit „christisch" buchstabieren


Christus sagt: ICH BIN das Alpha und Omega, das A und Z  (Offbg 22,13)

ICH BIN ebenso das B, das C, das D, das F, das M, das Y ....

ICH BIN der Logos, der das Leben buchstabiert und geschaffen hat, das geheimnisvolle Grund-Wort IHS oder CHRISTUS oder OM (Amen)


Übung: Ausgehend von der Selbst-Aussage des universalen Christus nicht nur den ersten und letzten, sondern alle Buchstaben des (deutschen) Alphabets auf die Eine Wirklichkeit beziehen: auf Mikrokosmos und Makrokosmos, Natur und Mensch, Gedanken und Gefühle, Vergangenheit und Zukunft, Wörter und Bilder.

  Während meines Studiums entdeckte ich in Mk 1, 37 „Alle suchen Dich - Christus" ein Schlüssel-Wort, das mir eine Tür zum Ganzen aufschloss. Im Zusammenhang mit Teilhard de Chardins Schau des „Kosmischen Christus" und Karl Rahners Theologie vom „Anonymen Christentum" (jeder Mensch, auch ein Nicht-Christ ist in seinen existentiellen Erfahrungen von Vertrauen, Hoffnung und Liebe  - ob bewusst oder unbewusst - transzendental  auf Christus bezogen) verstand ich diese Aussage der Jünger Jesu als eine Erkenntnis, die weit über den vordergründigen historischen Schriftsinn hinausgeht.

  In dem Jesus, der in der Wüste betet, der aus dem Einssein mit dem „Vater" lebt, scheint das auf, was jeder Mensch sehnsüchtig sucht: Fülle und Ganzheit, bedingungslose Liebe, vollkommene Wahrheit und Schönheit. Danach suchen alle Menschen: Hindus und Muslime, Juden und Buddhisten, Christen und Atheisten, Cro-Magnon-Menschen und Mathematik-Professoren, heute und seit den Anfängen der Anthropogenese.

  Der Epi- und Diaphanie dieses Allumfassenden Mysteriums werden unterschiedliche Namen gegeben. Für die ersten Nachfolger Jesu und heutige Christen heißt der Name Jesus „CHRISTUS, der Alles und in Allem ist" (Kol 3, 11), „dessen Herrlichkeit wir geschaut haben" (Joh 1, 14).

„Dudele“

Das Lied Du


Wo ich gehe: du

wo ich stehe: du

nur du, wieder du, immer du

du, du, duuu


Ergehts mir gut: du

wenns weh mir tut: du

nur du, wieder du, immer du

du, du, duuu


Himmel: du, Erde: du

oben: du, unten: du

wohin ich mich wende, an jedem Ende

nur du, wieder du, immer du

du, du, duuu

Ein ähnlich mantrisches Kirchenlied:


O Jesu,


all mein Leben bist du,

ohne dich nur Tod.

Meine Nahrung bist du,

ohne dich nur Not.

Meine Freude bist du,

ohne dich nur Leid.

Meine Ruhe bist du,

ohne dich nur Streit.


O Jesu......

  Das Christentum hat diese immanente Fülle und Einheit des Seins mit dem „Namen über allen Namen“: CHRISTUS benannt. „Durch Ihn und auf Ihn hin ist alles erschaffen worden. In Ihm hat alles Bestand. Christus ist Alles und in Allem“ (Kolosserbrief). Er ist Ursprung, Prozess und Ziel der Christogenese des Universums. Er ist „das christliche Symbol der ganzen Wirklichkeit“ (R.Panikkar).

Frére Eric (Taize): Auferstehung

Der kosmische Christus ist identisch mit dem Christus in uns, unserem tiefsten Seelengrund. Er kann uns aufstrahlen als „lux beatissima“ (glückseliges Licht), als unser Selbst, unser wahres ursprüngliches Gesicht - als ICH BIN, Ursprung und Ziel unserer Mensch-Werdung.

  In Jesus von Nazareth ist diese unfassliche Herrlichkeit Christi vor 2000 Jahren unüberbietbar erschienen und durchgeschienen. Ergriffene Zeugen erzählen von der Epiphanie und Diaphanie des Universalen Christus in Jesus. Viele ihrer überlieferten Worte können  Lesern und Hörern auch heute eine Ahnung vermitteln von dem Göttlichen Glanz in Jesus und Türen öffnen für die Begegnung mit IHM, dem wunderbaren Mysterium unseres Daseins.

Christus: der

Barmherzige Samariter

Schau dich um, in Allem

kannst du Mich entdecken:


ICH BIN das A -

    Anker

    anfangen

    atmen

    Apfelblütenzeit

    Allahu

    abenteuerlich

    Albinoni

    Algorithmen

    alles

    Augenweide

    Alzheimer

    Angst

    Äolsharfe

    Auferstehung

    adsum

    Altamira

    ........


ICH BIN das B -

    Brot

    Buddha-Natur

    blühen

    Borghorst

    blau

    Bergkristall

    bewegen

    Bahnhof

    ..............    


ICH BIN das C -

    .............


ICH BIN das M -

    ............


ICH BIN das Z -

    ............

ICH BIN das Ur-Wort, das Alpha und das Omega, das Aleph und das Taw, das A und das Z.

ICH BIN der Ur-Klang, in dem alle Klänge und Töne schwingen.

ICH BIN der Ur-Duft, alle Gerüche und Düfte riechen und duften nach Mir.

ICH BIN der Eine Geschmack.

ICH BIN das JA und das AMEN / AUM  / OM  (2 Kor 1, 19. 20)  

ICH BIN die farbenlose Weiße, die sich bricht in alle Farben und Farbtöne.


Da Du in uns wohnst, bist Du unser Himmel.


Durch die offene Tür sehen wir im Himmel die Bundeslade.

Du bist die Bundeslade.

rundum vergoldet.

In Dir ruht und Dich umfängt

die Fülle der herrlichen Weisheit Gottes.

In Dir ist der goldene Krug mit Manna,

Dein heiliges und reines Herz (anima),

in dem leibhaft die Fülle der Gottheit wohnt.


Bei offener Tür im Himmel

ergießt sich alles Gute, alle Herrlichkeit

und Süße des Himmels über die Erde.


O guter Vater, lieber Bruder, süßer Herr (sweet Lord),

öffne Dich Selbst für uns,

öffne Dich Selbst für mich, Du die Tür.


Wilhelm von Tierry: Orationes meditativae,

Lateinisch-deutsch, Frankfurt a.M. 2001, 6.Kapitel

2.  Loslassen

Über die Wasser auf Christus zugehen  (Mt 14, 22-33)

Jesus forderte seine Jünger auf, ins Boot zu steigen und

an das andere Ufer vorauszufahren.

Er stieg auf den Berg - abseits - um zu beten.

Das Boot war schon viele Stadien vom Land entfernt.

In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen.

Als die Jünger Ihn über den See kommen sahen, erschraken sie und sagten: Ein Gespenst ist es! Und sie schrien vor Furcht.

Gleich sprach Jesus sie an: Habt Vertrauen. ICH BIN. Fürchtet euch nicht.

Da antwortete Petrus Ihm: Herr, wenn Du es bist, befiehl, dass ich über die Wasser zu Dir komme.

Jesus sagte: Komm.

Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über die Wasser auf Jesus zu.

Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam Petrus Angst. Als er zu sinken begann, schrie er: Herr, rette mich!

Gleich streckte Jesus die Hand aus, ergriff ihn und sagte: Kleingläubiger! Warum hast du gezweifelt?

Und sie stiegen ins Boot.

Die im Boot aber verneigten sich tief vor Ihm und sagten:

Wirklich, Gottes Sohn bist DU.

(Matthäus 14, 22 - 33)

Atem-Gebet nach

Karlfried Dürkheim


Weg von mir

hin zu Dir
eins mit Dir
neu aus Dir.

3. Einssein

Traube sein am Weinstock „Christus“ (Joh 15)

  In ihrem Singspiel „Franz von Assisi“ haben Peter Janssens (Musik) und Wilhelm Willms (Text) den „Ausstieg und Gang von Petrus über das Wasser auf Jesus zu“ in Eins gesehen mit anderen Erzählungen der Evangelien. Franziskus ist der „Reiche Jüngling“, der Schwierigkeiten hat, seine angesammelten Reichtümer loszulassen; er ist der „tote Jüngling von Naim“, der von Jesus aus dem „Leichenzug der Zeit“ auferweckt wird; er ist Petrus, der dann doch aussteigt, übers Wasser geht und mit dem zusammen andere Jesus-Nachfolger „arm werden auf Erden und Arm in Arm leicht und mit Charme einziehn ins Himmelarm, einziehn ins Himmelreich“.

  Der Weg ins Mysterium der Ganzen Wirklichkeit ist ein Vorgang des Lassens, des Weg-, Aus- und Loslassens und ein Augenblick großer Freiheit. Körper und Seele sind frei von der Schwerkraft der Angst, Gier, Wut, Täuschung, Ich-Befangenheit. Das Leben wird in diesem Augen-Blick auf IHN als ein Gang übers Wasser, ein Gang durch die Luft empfunden. Wie Petrus macht der spirituelle Praktikant eine Erfahrung des ICH BIN, durch alle Sehnsucht und Ahnung hindurch ist da plötzlich Gewissheit. Eine STIMME hört er: Hab keine Angst. ICH BIN. Komm. Und er steigt aus. Er verlässt das Boot, den scheinbar sicheren Ort im Auf und Ab des Lebens. Er vertraut der Leere, die die wahre Fülle ist, der Halt-Losigkeit, die alleine Halt bietet.

  Aber die eigene Schwerkraft holt Petrus und jeden Mysten  wieder ein. Der Blick richtet sich auf die gefährlichen Lebensumstände, das grundlose Vertrauen fängt an zu bröckeln und die Angst um das eigene Ego zieht einen nach unten. Das Schreien um Rettung kann diese depressive Phase auflösen. Es ist Ausdruck eines Rest-Vertrauens darauf, dass auch das Meer des Untergangs und Todes umfasst bleibt und getragen ist von IHM, Christus (s. Miniatur aus Albans Psalter).

  Und er kehrt zurück in das Boot der Gemeinschaft, wo der unbekannte, fremde und doch so nahe ICH BIN mit den gewohnten überlieferten Namen angebetet und verehrt wird: Sohn Gottes, Sohn Davids, Menschensohn, Jesus Christus, Kyrios, Herr, Rabbuni  (oder im außersemitischen Kontext mit Krshna, Shiva, Tara oder Brahma...).

  Wie geht es weiter?

Auch Petrus muss wie jeder Suchende, der gewiss ist gefunden zu haben, sich lebenslang immer wieder trennen von seiner Illusion, dass es Sicherheit und festen Boden geben könne. Identifikationen mit Erwartungen, Idealen, Normen, Gefühlen und Ansichten müssen ständig durchschaut und aufgegeben werden, um das unverlierbare namenlose Geheimnis in und hinter Allem nicht aus dem Gewahrsam zu verlieren. Auch fixierte Gottes- und Christus-Vorstellungen, durch die wir uns selbst die Tür zum absoluten Mysterium verschließen, müssen erkannt und losgelassen werden. Sonst ergeht es uns wie dem Muscheltaucher, der die kostbare Perle übersieht, die entgegen seinen Erwartungen und konträr zu seiner Suchrichtung nicht in einer Muschel versteckt, sondern offen neben einer Muschel auf dem Meeresgrund liegt.

Von Petrus wird dieses Verlassen von Schein-Sicherheiten nicht als ein Muss empfunden; „leicht und mit Charme“ vertraut er sich dem Wasser an, weil er sich von IHM angezogen fühlt.

Albans Psalter (um 1130)

Christus:


ICH BIN der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir reinigt er.

Bleibt in Eins mit mir, und ich in Eins mit euch.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm: der trägt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Dadurch wird mein Vater verherrlicht, dass viel Frucht ihr tragt und meine Jünger werdet.

Wie mich der Vater liebt so liebe ich euch. Bleibt in meiner Liebe. Das sage ich euch, dass meine Freude in euch sei und voll und ganz werde.


(Johannes 15)

plötzlich nach langjähriger Meditationspraxis, nach psychisch-körperlichen Zusammenbrüchen, nach Krankheits- und Todeserfahrungen, in überwältigenden Natur-Erlebnissen, bei ästhetischen Genüssen oder auch in sehr banalen Ereignissen. Manchmal erschließen Schlüsselträume - wie Jakobs Traum von der Himmelsleiter - den Zugang zum Göttlichen Alles / Nichts. Für Jesus öffnete sich diese Tür des Erwachens durch eine Vision des Offenen Himmels, aus dem die STIMME sprach: Du bist mein geliebter Sohn (Mk 1, 10f).

  Blaise Pascal (1623-62) hat seine spirituelle Schlüsselerfahrung in dem berühmten  „Memorial“ festgehalten: „Montag, den 23.Nov.1654: Seit ungefähr abends zehneinhalb bis eine halbe Stunde nach Mitternacht: FEUER. Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs, nicht der Philosophen und Gelehrten. Gewißheit, Gewißheit, Empfinden: Freude, Friede. Gott Jesu Christi.“

  Jede Art von sinnenhafter Wahrnehmung kann der Auslöser dieser tiefen Erkenntnis sein: ein Anblick, ein Laut, ein Duft. Bei Shakyamuni Buddha soll das Blinken des Morgensterns, bei Hakuin der Klang einer Tempelglocke diese Erleuchtungserfahrung (sartori, advaita, kensho, samadhi, Ur-Licht, Seelenfünklein ... ) veranlasst haben.

  Häufiger besteht die spirituelle Öffnung allerdings nicht so sehr in einer einmaligen großen Wandlung, sondern in einem schrittweisen Prozess der Reinigung und Bewusstwerdung.

  Und auch den geschenkhaft  Erleuchteten bleibt die „Rückreise“ nicht erspart, alltäglich muss sich das Bewusstsein von Allverbundenheit in Allernächstenliebe bewähren und vertiefen.

4.  Lieben  -

In Allem Christus achtsam lieben

Jesus sprach:


Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt, werden alle Menschen vor ihm versammelt.

  Dann wird der König zu denen auf seiner Rechten sagen:

Herbei ihr Gepriesenen meines Vaters! Nehmt zum Erbe das Königtum, das euch bereitet ist seit Urbeginn der Welt.

  Denn hungrig war ICH - und ihr habt MIR zu essen gegeben.  

  Durstig war ICH - und ihr habt MICH getränkt.

  Fremdling war ICH - und ihr habt MICH aufgenommen.

  Nackt war ICH - und ihr habt MICH bekleidet.

  Im Kerker war ICH - und ihr seid zu MIR gekommen.

Dann werden die Gerechten sagen: Herr, wann haben wir DICH hungrig, durstig, fremd, nackt, krank oder im Kerker gesehen und sind zu dir gekommen?

  Und der König wird sagen: Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan - MIR habt ihr es getan.


(Matthäus 25)

Wilhelm Willms / Peter Janssens:  Franz von Assisi - Er ging übers Wasser, er ging durch die Luft. Etwas trug ihn, ein Weg, der kein Weg ist.

  Besonders die ICH-BIN-Worte Jesu im Johannesevangelium können unser Bewusstsein für die mystische Dimension der Einen Wirklichkeit öffnen. Von den johanneischen Bildern für das ICH-BIN-Mysterium „Brot des Lebens“, „Guter Hirte“, „Wahrheit“,„Auferstehung“, „Leben“, „Weg“, „Tür“, „Licht der Welt“ vermittelt das Bild von Christus als dem „Weinstock, an dem wir Reben sind“ schon beim ersten Ansehen Ganzheit und universale Einheit.

Anthony de Mello (1931-87)

Indischer Jesuit, Psychotherapeut und spiritueller Lehrer

http://www.kirchentanz.de/demello/


Identität

"Wie sucht man Einheit mit Gott?"

  "Je mehr du suchst, umso größer wird die Entfernung

zwischen Ihm und dir."

"Wie überwindet man diese Entfernung?"

  "Begreife, dass sie nicht wirklich vorhanden ist."

"Bedeutet das, Gott und ich sind eins?"

  "Nicht eins, nicht zwei."

"Wie ist das möglich?"

  "Die Sonne und ihr Licht, der Ozean und die Welle, der Sänger und sein Lied: nicht eins, nicht zwei."

(Man könnte ergänzen: Der Weinstock und die Rebe, das Brot und das Korn, die Sonne und ihre  Strahlen ...)

Eine Minute Weisheit, Freiburg 1986, S.23

Johannes Kopp (geb. 1927)

Pallotinerpater und christlicher Zen-Lehrer; Gründer und Leiter von „Leben aus der Mitte“, einem Programm der Zen-Kontemplation im Bistum Essen

http://zen-kontemplation.de


  In seinem sehr authentischen Buch hat Johannes Kopp seine Erfahrungen und Grundanschauungen dargelegt: Schneeflocken fallen in die Sonne, Christuserfahrungen auf dem Zen-Weg, Annweiler 1994:

Angelus Silesius (1624-77)

Der Cherubinische Wandersmann


DAS EIN` IST IN DEM ANDERN

Ich bin nicht außer Gott und Gott nicht außer mir,

Ich bin sein Glanz und Licht, und er ist meine Zier.


GOTT BLÜHT AUS SEINEN ZWEIGEN

Bist du aus Gott gebor`n, so blühet Gott aus dir,

Und seine Gottheit ist dein Saft und deine Zier.


GOTT WEIGERT SICH NIEMAND

Nimm, trink, soviel du willst und kannst, es steht dir frei:

Die ganze Gottheit selbst Ist deine Gasterei.

  Erfahrungen im Hinduismus und Buddhismus können uns westlichen Christen helfen, dieses johanneische Bild-Wort vom Weinstock CHRISTUS tiefer zu verstehen. Kluge kirchentreue Theologen und Lebens-Meister (Raimon Panikkar, Henri Le Saux, Johannes Kopp, Anthony de Mello u.v.a.m.) haben über eigene Erfahrungen in Zen, Advaita oder buddhistischer Psychologie ein ursprüngliches christliches Einheits-Bewusstsein neu entdeckt und in Kursen und Veröffentlichungen weitergegeben. Sie haben damit einen Umdenkungsprozess angestoßen, in dem ein kämpferischer „christlicher“ Dualismus sich allmählich relativiert.

Zwischenbemerkung


  Die Erkenntnisse und Inspirationen der oben genannten katholischen Pioniere für eine stärkere Beachtung der spirituellen Erfahrungen in Hinduismus und Buddhismus sind von den offiziellen christlichen Kirchen kaum aufgenommen worden.

  Im Gegenteil: Anthony de Mello ist 10 Jahre nach seinem frühen Tod von der römischen Glaubensbehörde unter dem damaligen Kardinal J. Ratzinger der Häresie verdächtigt und ausgegrenzt worden. Ihm wurden - wie später auch Wlligis Jäger - im Wesentlichen zwei Irrlehren vorgeworfen:

1. Er leugne ein personales Gottesbild

2. Er gehe aus von einer Selbsterlösung des Menschen 

  „Jesus Christus... ist ein Name der unendlichen Wirklichkeit. Nicht ein Name unter anderen, der sich von anderen abgrenzt, sondern der alles entgrenzt. Deswegen ist er ebenso ein Nichtname und kein Name. Er ist mir kein Gegenüber – wie könnte ich dem Unendlichen gegenüber sein! Ich würde mich aus dem Unendlichen herausnehmen und damit das Unendliche begrenzen und zerstören. (60)

.... Der Name Jesus Christus klingt im Einklang, wenn er klingt in allem. Und alle Dinge sind naß aus dem Meer dieses Namens, in dem es kein Außerhalb gibt. (81)

  Wenn ich mich in Christus erkenne, dann erkenne ich alles und alle in Christus, und zwar in seiner namenlosen, anonymen, aber wirklichen und schöpferischen Präsenz. (83)

  In der Wirklichkeit „Jesus Christus“ sind und entfalten sich alle ihre Dimensionen. Da ist nichts Erlebtes und Gedachtes und nichts, was ich liebe, außerhalb dieser Wirklichkeit. Und die Unendlichkeit öffnet sich. Das alles ist ausgesprochen mit diesem Namen, aber nur wenn er diese Wirklichkeit ist, so dass in ihm das Kind spielt, der Vogel singt, die Liebe liebt, gestorben und geboren wird. Und alle Worte hören auf, Worte zu sein, die Wirklichkeit selbst ist es. .... „Die Wirklichkeit aber ist Christus“ (Kol 2,17).

  Wenn das Zen-Auge (das Dritte Auge) geöffnet ist, durchschaut es alle Dinge auf das eine hin: „Christus ist alles und in allem“ (Kol 3,11)  (188)


  Ich durfte auch ein glücklicher Zeuge dafür werden, dass Jesus Christus die Verwirklichung des Wahren Selbst nicht hindert, sondern eine Ermöglichung ist, in der ich mich erst am Anfang fühle, der ins Unendliche weist. (294)

Dieser Weg führt mich in gleicher Weise in meine Wesensnatur, in mich selbst wie in die Christusnatur, die mich niemals verfremdet, sondern mich immer tiefer heimholt.“ (295)


  Um es kurz zu sagen: Irgendwann in meinem Leben wurde mir Christus zu einem Ereignis, über das nichts mehr hinaus, sondern in das alles hineinging.  (36)

                         Enneagramm - Weinstock

                       Betrachtung - Geistliche Impulse



  Die siebentägigen Exerzitien nach dem Enneagramm mit Sr. Anneliese Heine im Benediktinerkloster Damme April 2000 standen für mich unter dem Wort „ICH BIN der Weinstock, ihr die Reben“.

Wichtige Elemente dieses „Geistlichen Trainings“ sind durchgehendes Schweigen, gemeinsame Kontemplation und Eutonie, individuelle Gebets- und Meditationszeiten (4 Std.), tägliches Gespräch mit der spirituellen Meisterin, Eucharistiefeier.

  Zum Ende der „Übungstage“ fasste ich meine Erfahrungen in einem Bild zusammen:

  Aus verborgenen Wurzeln, aus der Mutter Erde, aus dem Herzen Gottes wächst ein Baum heraus, ein Weinstock.

  Sein kräftiger Stamm verzweigt sich in ein kranzförmiges Ast- und Blattwerk mit vielfarbigen reifen Trauben.

  Die Farben im Herzen Gottes finden sich im grünen Blattwerk und in den Früchten wieder. Jede Traube manifestiert eine göttliche Farbe und Energie des ICH BIN WEINSTOCK  in besonderer Weise: Goldgelb, Hell- und Dunkel-Blau, Rot, Violett ....

Jedes Individuum, jedes Wesen, jedes Ding, jedes Atom des Universums spiegelt eine Facette des Universalen Christus einmalig wieder.

  Das Enneagramm (vgl. Enneagramm I, II u. III) spricht von 9 typischen Geistesfrüchten (Engagement, Freiheit, Gelassenheit, Ursprünglichkeit etc.) als Auswirkung und  Ausdruck des strömenden Pneumas Christi.

  Wer mit diesem Seelenspiegel der Selbsterkenntnis und Persönlichkeitsentwicklung arbeitet, erfährt immer wieder die eigenen Blockaden, Stenosen, Hindernisse und damit die Notwendigkeit der „Reinigung durch den Vater“, aber auch Freude und Glück darüber, Rebe und Traube am Weinstock „Christus“ zu sein, durchströmt von Seiner Kraft, Klarheit und Liebe, verbunden mit allen Menschen und dem ganzen Universum.

  Mein neun-traubiger Weinstock ähnelt einer Monstranz; die Mitte (ICH BIN das Brot des Lebens) ist hier bild- und farblos (Christus ist nicht nur die Fülle des Lebens, sondern auch die namenlose Leere), wird aber umkränzt von grünen Blättern und Trauben in allen Regenbogenfarben (in einer Monstranz versinnbildlichen mandala-artige Goldschmiedearbeiten die Vielgestaltigkeit und Kostbarkeit der Schöpfung).

  Eucharistische Anbetung ist inzwischen eine selten gepflegte Form der christlichen Spiritualität geworden. Ich bin sicher, dass nach wie vor Christen knieend oder sitzend vor diesem Schaugefäß, einem Ding-Symbol für das Ganze des Lebens, für CHRISTUS, der Alles in Allem ist, in schweigender Sammlung das erfahren, was spirituelle Meister Erleuchtung, Erfülltsein durch das Glückselige Licht, Vereinigung, Sartori, Samadhi, Advaita oder wie auch immer genannt haben.

IN-Sein und MIT-Sein, realistische Allverbundenheit


  In dieser Tiefenerfahrung ist die ursprüngliche und bleibende Einheit zwischen CHRISTUS, Kosmos und Menschen evident. Das Gesuchte ist unmittelbar präsent; die Tür zum innersten Tempelbezirk steht offen - sie steht immer offen, nur unser Bewusstsein ist „zu" und schließt sich ab.

  Alles ist vollkommen (vgl. Almaas: „Heilige Ideen“ - Webseite „Enneagramm II“), auch wenn die Blindheit unseres Herzens diese Einsicht ausblendet oder verschleiert; man kann sich der ursprünglichen und immer präsenten Vollkommenheit und Fülle jederzeit und überall bewusst werden.

  Inmitten aller Dinge dürfen wir zu Hause sein: „Und im Haus des Herrn darf ich wohnen lange und lange Zeit“ (Psalm 23). Das „Haus des Herrn" ist nicht nur der Tempel oder ein anderes Gotteshaus, sondern das ganze Universum, und damit auch der jeweilige konkrete Lebensraum in Familie, Partnerschaft, Beruf und Freizeit.

Mit der Erfahrung des In-Seins (Christus in mir - ich in Christus) geht unmittelbar die Erfahrung des Mit-Seins , des „interbeing“ (Thich Nhat Hanh) zusammen. Wenn diese Tür, d.h. das Bewusstsein des Einsseins sich öffnet, erwacht ein tiefes Gefühl der Verbundenheit und Zugehörigkeit mit allen Lebewesen: Mitgefühl und Solidarität, Communio mit allen Menschen, Compassion (J.B.Metz), Mitleiden mit der bedrängten Mutter Erde (M.Fox).

  Und das bedeutet: Die Erfahrung der Allverbundenheit schließt nichts aus, sondern alles ein: Tabor-Erlebnisse und die Banalität des Alltags; einmalige Sternstunden und das gewöhnliche Zusammenleben mit konkreten unterschiedlichen Menschen; globale und kosmische Weite und die unmittelbare Umgebung, Beruf, Geld, Autofahren, Einkaufen, Körperlichkeit, Krankheit, Knatsch und Tratsch.

  Einssein mit Allem heißt auch: achtsame Verbundenheit mit allen Energien in uns, auch mit denen, die gefährlich, fremdartig, bedrohlich erscheinen: keine Abspaltung von Wut, Hass, Sexualität, Essen und Trinken; keine Ausklammerung von Globalisierung, Politik, Ungerechtigkeit, Erdzerstörung aus der spirituellen Praxis; Zulassen von Unterschiedlichkeit, von Komplexität, von Nicht-Durchschaubarkeit, von Durchkreuzung eigener Pläne.


  Mitten in unserem gewöhnlichen Alltag, in der Küche, im Wohn- und Schlafzimmer, im Keller, in allen Räumen und nicht nur im Meditationsraum unter dem Dach stehen Türen zum innersten Mysterium offen.

  Auch den drei Jüngern, die die Verklärung Christi, die Diaphanie des Göttlichen in Jesus miterlebt haben, bleibt wie allen geschenkhaft Erleuchteten die „Rückreise“ , der „Hinabstieg“ vom „Berg“ nicht erspart; alltäglich muss sich ihr Bewusstsein von Allverbundenheit in Allernächstenliebe auf den Straßen, in den Häusern, auf dem Marktplatz bewähren und vertiefen.

  Der Weinstock CHRISTUS mit Rebzweigen und Trauben ist ein eindrucksvolles Bild-Wort für die liebevolle Einheit zwischen Gottheit und Menschen, die durch Reinigung und Liebe und Freude wächst.

  In dieser mystischen Verbundenheit ist Christus nicht so sehr das Gegenüber, sondern der Wurzelgrund und Raum, in dem Menschen sich entfalten und fruchttragen.

  Über ein traditionelles sakramentales Verständnis hinaus (Die Kirche als Weinstock oder Leib Christi) ist dieses Bild-Wort immer wieder universell gedeutet worden. Der Weinstock stellt das Weltganze dar, den Universalen Christus, der Gott, Kosmos und Menschen in sich vereinigt. Jeder Mensch, nicht nur der kath. Christ, darf aus dieser ursprünglichen Einheit leben und wachsen.

  Wenn ich den leidenden Mitmenschen wahrnehme und ihm in seiner Not helfe, berühre ich CHRISTUS, dann öffnet sich mir eine Tür zum innersten Mysterium der Wirklichkeit, eine Tür zum Himmel. Auf diese spirituelle Deutung reagieren in Mt 25 die Betroffenen irritiert: „Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dich gespeist, oder durstig und dich getränkt?" Ähnlich überrascht hatte Jakob nach seinem Himmelsleiter-Traum geäußert: „Ja, hier ist das Haus Gottes und die Tür zum Himmel und ich wusste es nicht" (1 Mose 28,16). Auch wenn die Skepsis eines (Nur-) Humanisten verständlich erscheint („Was hat meine Nächstenliebe mit einem Gott zu tun?!“), ist es für einen Christen sinnvoll, den Blick „christisch“ zu schulen und im Angesicht des Nächsten SEIN An-Sehen zu entdecken.

  Echtes, nicht berechnendes Mitgefühl und tätige Nächstenliebe kann uns immer weiter öffnen für bisher unbekannte Tiefendimensionen. Die heilende Zuwendung Jesu bleibt dabei für seine Nachfolger Beispiel und Vor-Bild. Thomas a Kempis (1380-1471), dessen Erbauungsbuch "De imitatione Christi" ein Weltbestseller wurde, rät schon in den ersten Zeilen: die beste Methode, um wirklich erleuchtet zu werden und von jeglicher Blindheit des Herzens befreit zu werden, ist die Imitatio, die Nachfolge Jesu Christi; Sein Selbstverständnis und Seinen Lebensstil nachahmen und IHM konform werden -  nach Thomas von Kempen ist das der Weg zur Erleuchtung.

  Das unergründliche und so nahe Mysterium Gottes „CHRISTUS" strahlt uns nicht nur auf dem Berge Tabor auf, sondern ebenso in den „Niederungen des Seins". Zumal in dem Mitmenschen, der körperlich und/oder seelisch leidet, können wir SEINEN Glanz, SEIN Durchschimmern erahnen.


  Das jüdische und christliche Gebot der Nächstenliebe ist nicht in erster Linie ein moralischer Appell, sondern entspringt einem tiefen Gefühl der Allverbundenheit und der Erkenntnis, dass uns auch im Nächsten das Numinose begegnet, dass Nächsten-, Gottes- und Selbstliebe untrennbar miteinander verbunden sind. Wenn ich mich tief innerlich berühren lasse von dem Leid des Anderen (und meiner eigenen Person), kann ich das namenlose Geheimnis von Allem (G-o-t-t, CHRISTUS ...) berühren. Den Nächsten lieben ist nicht zuerst Aufforderung und Überforderung, sondern Lebenschance, aus dem „unausforschlichen Reichtum Christi“ (Kol 2,3; Eph 3,8) zu schöpfen und zu empfangen. In der liebenden Achtsamkeit auf Menschen kann ich Christus in Seinem "Königtum", in Seinem Glanz, seiner Kraft, seiner Sich hingebenden Liebe berühren.

  Die buddhistische Praxis der Achtsamkeit hat das Mitgefühl mit allen Lebewesen als einen Zugang zum innersten Geheimnis des Seins besonders bewusst gemacht und kultiviert. Achtsamkeit ist die Kunst, in jedem Augenblick geistig voll und ganz präsent zu sein und sich selbst und die Umwelt bewusst wahrzunehmen.

  Diese wache Aufmerksamkeit für eigene Körperempfindungen und Sinneswahrnehmungen, Gefühle, Gedanken und Vorstellungen, Verhaltensweisen und für die Umgebung ist in der buddhistischen Tradition zu einem differenzierten Trainingsprogramm entwickelt worden, das in Zen-Klöstern und vielen westlichen Meditationszentren praktiziert wird.

  Der Wirklichkeit, wie sie ist, und der eigenen Wahrheit ins Auge zu sehen, wird uns heute durch gesellschaftliche Trends erschwert. Tempobeschleunigung, Konsumismus, Ego-Kult, Zukunftsangst verstärken unsere Neigung, grundlegende schmerzhafte Wahrheiten unserer eigenen Existenz und der globalen Gesellschaft zu verleugnen und zu unterdrücken.

Thich Nhat Hanh

Über ihre Biographie, ihre Intentionen und konkrete Übungen können Sie sich informieren unter den Webadressen: http://www.kirchentanz.de/demello/   http://www.plumvillage.org/

http://www.jackkornfield.org/index/home


und in Buchveröffentlichungen:

Anthony de Mello: Meditieren mit Leib und Seele. Neue Wege der Gotteserfahrung. Kevelaer 1984

Thich Nhat Hanh: Buddha und Christus heute. Verbindende Elemente zwischen Buddhismus und Christentum.

    Goldmann-Taschenbuch 21523. München 1999

Jack Kornfield: Das Tor des Erwachens. Wie Erleuchtung das tägliche Leben verändert.  Ullstein-Taschenbuch 74191. 

    Berlin 2004

Jack Kornfield: Frag den Buddha und geh den Weg des Herzens. Econ-Taschenbuch. München 2002

Anthony de Mello

Jack Kornfield

Spirituelle Übungen

1.    Übungen der Achtsamkeit nach Anthony de Mello, Thich Nhat Hanh, Jack Kornfield


2.    Eigene Blockaden und Geistesfrüchte bewusst machen

  1. 3.   CHRISTUS im Mitmenschen entdecken und lieben

- in der Begegnung die eigene (abwertende, konkurrierende, kontrollierende...) Konditionierung bewusst wahrnehmen und ruhen lassen

- neugierig sein auf den Anderen und seine verborgenen Schätze

- jeden Enneatypen als farbige Facette des weißen göttlichen Lichts ansehen

- in sich und Anderen das ursprüngliche Gesicht, die Ikone Christi wahrnehmen

- in Freud und Leid des Andern Christus berühren, Seine Liebe, Seine Kraft, Seine Klarheit und Freude

4.    Jedem Menschen innerlich in Namaste-Haltung begegnen

„Namaste“ ist im Buddhismus die traditionelle Verbeugung mit zusammengelegten Handflächen vor dem Anderen: Ich verbeuge mich vor dem Göttlichen in dir.

„Einer Überlieferung zufolge soll Mahatma Gandhi auf eine Nachfrage von Albert Einstein, was er denn mit dem bei ihm beobachteten Gruß „Namaste“ ausdrücken wolle, dem Wissenschaftler Folgendes geantwortet haben: Ich ehre den Platz in dir, in dem das gesamte Universum residiert. Ich ehre den Platz des Lichts, der Liebe, der Wahrheit, des Friedens und der Weisheit in dir. Ich ehre den Platz in dir, wo, wenn du dort bist und auch ich dort bin, wir beide nur noch eins sind.“ (Wikipedia)

Innerlich (evtl. auch äußerlich) sich mit gefalteten Händen vor dem Anderen verneigen und innerlich sprechen: Ich grüße dich als werdenden Christus (s. auch 1 Joh 3,2: Noch ist nicht zum Vorschein gekommen, was wir sein werden. Wir wissen, dass wir, wenn ER erscheint, IHM gleich sein werden.)

5.    Morgens den kommenden Tag imaginieren und über jeden einzelnen Menschen, der mir begegnen wird - im Rhythmus des Atems - ein wohltuendes Mantra sprechen ("Freude", "glücklich" oder einen NAMEN Gottes).

Hin- und Rückreise der Weisen aus dem Osten

  Die Theologen in Jerusalem wussten aus ihrer Kenntnis der Heiligen Bücher, wo der erwartete Messias geboren würde. Sie blieben aber in ihren „Heiligen Hallen“ sitzen. Die offene Neue Tür zum „Haus des Brotes“ (Bethlehem) blieb ihnen verschlossen.

  Die Weisen aus dem Osten hatten eine Intuition. Sie folgten dem Stern, der Stimme ihres Herzens,  machten sich auf eine beschwerliche Reise und fanden IHN in einem Kind in der Fremde, in einem türlosen Stall, und verloren IHN auch nicht nach der Rückreise in ihre Alltagsgeschäftigkeit.

  1. 6.   In den Weihnachtstagen und danach das Ur-Evangelium des Christentums GOTT WIRD MENSCH mit Leben füllen.


„Mach`s wie Gott: Werde Mensch!“ (Franz Kamphaus)


Simeon: Meine Augen haben das HEIL gesehen, das Licht zur Erleuchtung jedes Menschen (Lk 2,30 f)

  Ich bin Rebzweig und Traube am Weinstock „CHRISTUS“. Ich fühle mich eins mit IHM und allen Lebewesen. Seine Liebe durchströmt uns........

Ich stelle mir vor und bin dankbar für Menschen, die gemeinsam mit mir „Rebe“ und „Traube“ sind: .......

  Was hindert mich, meine Geistes-Frucht hervorzubringen? Ich gehe möglichst konkret an meine Selbst-Blockaden, Verwundungen, Undurchlässigkeiten heran........

Ich lasse Schmerz und Trauer und tiefe Wünsche und Freude zu ...

  Ich danke dem Winzer, dem (inneren) „VATER“ und konkreten Menschen für achtsame Liebe, Reinigung und Heilung.......

Ich lasse Andere teilhaben an Traube und Wein.....

Dez. 2008 / überarbeitet 23.04.2010 / Dez. 2016                          Zur Willkommensseite

Martin Buber überliefert ein Gebet des chassidischen Rabbis Baal-Schem-Tow:

  Drei Achtsamkeits-Lehrer möchte ich hervorheben. Ihr Brückenschlag zwischen buddhistischer Psychologie und christlicher Spiritualität bzw. westlicher Mentalität hat mich besonders beeindruckt:

Vier Erzählungen der Evangelien sind mir kostbare Schlüssel-Worte, Tür-Öffner in  tiefere Lebensdimensionen geworden.

Simeon und Hanna im Tempel (Rembrandt)

  Noch grundlegender war das kindliche und jugendliche Erleben der Liturgie und der „Jugendarbeit“ etc. in St. Nikomedes Borghorst, die familiäre religiöse Praxis und der gute Einfluss von Kaplänen, Lehrern und Freunden, die ungenannt bleiben.

Schattenboxen

Neuankömmlingen pflegte der Meister zu sagen: "Klopft an, und die Tür wird euch aufgetan."

Einigen von ihnen sagte er später hinter vorgehaltener Hand: "Wie sollte eurer Meinung nach die Tür geöffnet werden. wenn sie nie verschlossen war?"

Eine Minute Weisheit, Freiburg 1986, S.106


Literaturhinweise und weitere Geschichten auf Webseite „Höhlengleichnis“

  Beide Vorwürfe scheinen mir unberechtigt zu sein. Denn nicht nur Buddhismus, sondern auch das Christentum geht von einer unfassbaren absoluten Transzendenz des Göttlichen aus, das im Grunde weder personal noch a-personal verstanden werden kann. Und alle christlichen Zen-Meister betonen, dass Erleuchtung keine Selbsterlösung sei, sondern unverdiente Gnade, auch wenn eine intensive Vorbereitung empfohlen und praktiziert wird.

  Gerade die Zeugnisse von Anthony de Mello und Johannes Kopp haben mich tief berührt und mein (kirchlich) spirituelles Leben sehr bereichert.

Die sieben Werke der Barmherzigkeit (17. Jahrh.) - Ausschnitt

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„Willst du gesund werden?“ (Joh 5, 6)

Die Widerstände eines Gelähmten gegen seine Heilung

Deutung einer biblischen Heilungserzählung


mit Hilfe einiger Aspekte der Transaktionsanalyse (TA)