26. November 2015

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Das Kosmische Angesicht Christi:

„Christus in Allem“ - „Wir/Alles in Christus“

Schöpfungsspiritualität

  Auf den vorhergehenden Webseiten sind zwei Erscheinungsweisen Christi, zwei seiner „Angesichter“, zwei Formen der Christophanie dargestellt worden:


1.  seine geschichtliche Epiphanie: Jesus von Nazareth als Inkarnation Christi, des göttlichen Logos; Jesus als ethisches Vorbild und Lebensmodell (DU-Gesicht Christi)


„Wir schauten Seine Herrlichkeit (den Lichtglanz des uranfänglichen WORTES = CHRISTUS), die Herrlichkeit des Einzigen vom Vater“ (Johannes-Prolog 1, 14)

Exemplarische Epiphanie-Erzählungen der Evangelien: Die verborgene Göttlichkeit Jesu („Christus“) tritt in Erscheinung

  1. -den Weisen aus dem Orient (Heilige Drei Könige) im Stall zu Bethlehem (Matthäus 2, 11)

  2. -vor den (inneren) Augen von Petrus, Jakobus und Johannes bei der Verklärung Jesu (Matthäus 17, 2);

  3. -den Emmausjüngern offenbart sich der Auferstandene Jesus auf dem Weg und beim gemeinsamen Mahl (Lukas 24, 31.32).

www.adolf.frahling.de/Web-Site/Du-Gesicht.html



2.  seine Enphanie: Christus in mir, das „Innere Licht“, der „Bräutigam meiner Seele“, das wahre Selbst eines jeden Menschen (ICH-Gesicht Christi)


  1. -Paulus: „Gott hat es gefallen, seinen Sohn in mir zu offenbaren“ (Gal 1, 15)

  2. -Paulus: „Ich lebe nicht mehr als Ego, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20)

  3. -Christus: „Ich werde mich selbst ihm (der mich liebt) innerlich aufscheinen lassen“ (Joh 14,21)

  4. -Teresa von Avila: Im tiefsten Innen des Menschen sind und werden Seele und Christus eins

www.adolf.frahling.de/Web-Site/ICH-Gesicht.html

Die Präsenz und Diaphanie Christi in Allem: En-pan-christismus

Christus evolutor

(ES/WIR - Gesicht Christi)

Demnächst:


Das Vierte Angesicht Christi


Seine Panphanie - „Alles: Christus“ (Kol 3, 11)

Advaitisches Christusbewusstsein - der Eine Geschmack

Christus in-nominabilis (mit keinem Namen benennbar) und zugleich Christus omnio-nominabilis (mit jedem Namen benennbar)


„Panchristismus“

  Staunend stehen wir vor der verrückten, kuriosen und wunderbaren Vielfalt des anorganischen, vegetativen, animalischen und geistigen Lebens. Aus der Schatzkammer der Natur, aus Meerestiefen und Urwäldern tauchen immer wieder bisher unbekannte skurile Lebensformen auf. Was alles wird der Menschheit da noch außerhalb unseres Planeten entgegenblühen?


  Häufig sind es Gipfelerlebnisse („dem Himmel ein Stück näher!“) und Erfahrungen von schier grenzenloser Weite auf Meeren und in Wüsten, die „ozeanische“ Gefühle in uns auslösen und ein tiefes Wissen um unsere Verbundenheit und Einheit mit dem Ganzen wecken.

  Aber auch der Anblick einer Apfelblüte oder die mikroskopische Betrachtung eines Wassertropfens kann uns spüren lassen, wie geheimnisvoll, unergründlich und letztlich sprachlich nicht fassbar DAS ist, was uns da begegnet.

  Große Dankbarkeit steigt in uns auf, eine Verwunderung über die geheimnisvolle Schönheit des Lebens, und vielleicht auch die Grundfrage der Philosophie („Liebe zur Weisheit“): „Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?“

  Zwei Kurzformeln des christlichen Glaubens, Säulen der paulinischen Mystik, warten immer noch auf eine breite Reflexion und Umsetzung in Theologie und Mystagogie: „Christus in mir“ und „Wir in Christus“.

  In einem dual-anthropozentrischen Weltbild war die erste Kurzformel „Christus in mir“, die sakramental ausgelegt wurde, noch zugänglich; durch den Empfang der Kommunion kam Christus in die Herzen der Gläubigen. Die Einwohnung Christi war aber begrenzt auf das „Herz“ des/der Einzelnen und den „Tabernakel“ im Kirchenraum, wurde aber kaum verkündet oder sogar erfahren als ungeteilte Präsenz Christi in Allem, was existiert, in Mikro- und Makrokosmen.

Der Psalmvers 4, 7 könnte zu einem Mantra werden, das in den unterschiedlichsten Lebenssituatonen innerlich wiederholt wird:

„Ach, Herr, enthülle uns das Leuchten Deines Angesichts“

  Bewusster als die Schönheit der Natur und der Reichtum unseres Planeten wird heutzutage - auch im Christentum - die Zerstörung unserer Umwelt wahrgenommen. Folglich wird die Schöpfung primär als Aufgabe, als Objekt unserer ökologischen Verantwortung angesehen und weniger als wunderbare Gabe, die Staunen und Lobpreis hervorruft.

  In seiner neuen „grünen“ Enzyklika „Laudato si - Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ (www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2015/2015-06-18-Enzyklika-Laudato-si-DE.pdf) hat Papst Franziskus eine gute Balance gefunden von Mystik und Prophetie, von Lobpreis der Christus-Diaphanie und kritischer Ökologie. Er verbindet poetisch und couragiert die kontemplative und aktive Seite des christlichen Umgangs mit unserer planetarischen Umwelt. Die programmatischen Anfangsworte sind dem „Sonnengesang“ des Franz von Assisi (s.o.) entnommen, dessen Namen und Mentalität Kardinal Jorge Bergoglio nach seiner Wahl zum Papst übernahm:  „'Laudato si', mi' Signore - Gelobt seist du, mein Herr', sang der heilige Franziskus von Assisi. In diesem schönen Lobgesang erinnerte er uns daran, dass unser gemeinsames Haus wie eine Schwester ist, mit der wir das Leben teilen, und wie eine schöne Mutter, die uns in ihre Arme schließt."

  Die Christophanie in der Schöpfung, das „Durchscheinen“ Christi, Seine Diaphanie in allen Phasen und Details der kosmischen Evolution ist den meisten Christen ein unbekanntes Land geblieben. Auch wenn seit fast 1700 Jahren jeder Teilnehmer im sonntäglichen Gottesdienst bekennt: „Ich glaube ... an den einen Herrn Jesus Christus ...  durch ihn ist Alles geschaffen“ - so darf doch angezweifelt werden, dass dieses Credo mit authentischer Erfahrung und Überzeugung gefüllt ist.

Hintergründe für die Ausblendung einer Schöpfungsspiritualität im Christentum

  Sicherlich haben in der Postmoderne bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen dazu beigetragen, eine lebendige Schöpfungsfrömmigkeit in der christlichen Praxis noch weiter verkümmern zu lassen:

die wachsende Naturferne; die Technisierung und Verstädterung des modernen Lebens und eine daraus resultierende Reduzierung von primären Naturerfahrungen; außerdem eine „entnuminisierende“ übersteigert rationalistische Weltbetrachtung.

  Tiefere Ursachen für die Abschwächung und Ignorierung von christlicher Schöpfungsspiritualität sehe ich aber in theologischen und christologischen Engführungen.

  Das kollektive christliche - zumal das protestantische - Bewusstsein ist immer noch geprägt durch ein vormodernes supranaturalistisch - paternalistisches Schöpfer-Gottesbild.

   Die Vor-stellung eines Gottes, der sich nach einem einmaligen Schöpfungsakt im Grunde „raushält“ aus dem irdischen „Jammertal“ und hin und wieder ziemlich willkürlich von oben eingreift, ließ manchen Gläubigen zum Atheisten werden. Und immer mehr „von Haus aus Gläubige“ haben einen „Gott“ vom Sockel gestoßen, der in Liturgie und Verkündigung auf Kosten der Schönheit und Heiligeit der Welt personalistisch als „gnädiger“ Herrscher überhöht wurde.  Überkommende dualistische Denkmodelle, die „Gott“ von der Welt trennen, müssten überschritten werden, um einen lebendigen Erfahrungsglauben daran zu entwickeln, dass alles, was existiert, „die Herrlichkeit  Gottes erzählt“ (Psalm 19); dass die „Schöpfung“ ein Tanz Gottes ist; dass „Gott“ das unergründliche ungeteilte Eine ist; dass nichts, kein Ding, kein Phänomen von „Gott“ getrennt ist; dass „Gott“ in Allem atmet.

  Weit auseinander sind im christlichen Bewusstsein auch Schöpfungsspiritualität und Christolologie. Was hat Jesus Christus mit Mikroorganismen, Artenvielfalt und Andromedanebel zu tun?? Das kosmische Angesicht Christi, entschleiert durch mystische Seher wie Paulus, Hildegard von Bingen, Teilhard de Chardin u.a. bleibt im Mainstream des Christentums verborgen. Die übliche Christus-Vorstellung ist verengt auf den historischen Jesus, der als individuelles und gesellschaftliches Verhaltensmodell hoch geschätzt wird, und auf den mythologischen Erlöser, der vom Himmel herabgestiegen sei und durch seinen Kreuzestod die Menschheit ein für alle Mal von ihren Sünden befreit habe.

(Die Betrachtung des leidenden Jesus am Kreuz und ein tiefes Mit-Fühlen mit ihm und allen leidenden Menschen wie auch die Überzeugung, dass wir wie  Jesus sterben und auferstehen, d.h. leerwerden und in „Christus“ hinein auferstehen, wird immer ein Konstitutivum christlicher Spiritualität bleiben. Kritisch gesehen wird von mir nur die Lehre, dass der christliche „Gott“ durch ein blutiges Opfer versöhnt werden müsse.)

Schichten des Christus-Bewusstseins

  Wenn jemand sich auf eine lebendige Jesus-Beziehung eingelassen hat und ihm darin das DU-Antlitz Christi aufgeschienen ist -, wenn er erfährt und ein Gespür dafür gewinnt, dass eine „ungeahnte  Freude“ (Frére Roger) in uns aufbricht, ein „glückseliges Licht“ (Quäker) in unserer intimsten Seelenkammer aufleuchtet -, dann ist er dispositioniert, traditionelle Aussagen der Bibel über die Einwohnung Christi in uns als Ausdruck dieser Tiefenerfahrung zu verstehen.

„Ihr erkennt doch, dass Jesus Christus in euch ist?“ (2 Kor 13, 5)

„Wohnt in mir und ich in euch, und eure Freude wird vollkommen sein“ (Joh 15)

  Christus ist dann nicht mehr begrenzt auf eine äußere mir gegenüberstehende Person, sondern wird erfahren als „Pneuma“ = „Geist“, als „Kraft“, „Energie“, „Dynamik“ in uns, in jedem Menschen.


  Nach dem Anblick des menschlichen Antlitzes Christi in dem DU Jesu ist die Erfahrung des „Inneren Lichtes“, des „Christus in mir“ wohl eine Voraussetzung, um auch das  kosmische Angesicht Christi wahrzunehmen, den „Christus in Allem“  und „Alles in Christus“. Von der zweiten Stufe eines sich weitenden Christus-Bewusstseins aus („Christus in mir“) ist die nächste schon im Blick: seine Kosmophanie; die  dynamische Energie, der GEIST Christi (griech.: pneuma, lat.: spiritus) ist präsent in Allem, was existiert. „Christus“ wird dem spirituellen, pneumatischen Sucher und Finder zu einer Metapher, einem Symbol für die Substanz und Essenz aller Wirklichkeit, für ihre unzerstörbare Güte und Schönheit

Das gesamte Universum wird ihm zu einer Offenbarung des Einen Göttlichen Logos.

  Selig, wer Augen hat zu sehen und das „Licht der Welt“ (Joh 8, 12) und das „Wort Gottes“ (Joh 1, 1) in jedem Mikro- und Makrokosmos wahrnehmen kann, der den „guten Wein Christi“ in Hoch- und Tiefzeiten schmeckt und dem der Eine Klang in der polyphonen Sinfonie des Weltalls hörbar wird.

Übung: Den „Christus omnio-nominabilis“ (mit Allem und mit jedem Namen benennbar)  entdecken

Die Eine Wirklichkeit „christisch" buchstabieren und energetisieren


Christus sagt:

ICH BIN das Licht der Welt, das Brot des Lebens, der wahre Weinstock, der helle Morgenstern, der gute Hirte, das Ja und Amen, der Weg, die Wahrheit und das Leben


ICH BIN das Alpha und Omega, das A und Z (Offbg 22,13)

ICH BIN ebenso das B, das C, das D, das F, das M, das Y ....

ICH BIN der Logos, das kreative Wort Gottes, das Grund-Wort CHRISTUS, das die Wörter aller Sprachen und Klänge entwirft, aus sich entlässt, ausspricht und sie werden Realität.

ICH BIN das Alpha und das Omega, das A und Z; ich buchstabiere jede äußere und innere Wirklichkeit, und sie wird hörbar und lesbar.



Übung:


Ich energetisiere eine innere oder äußere Realität, die mir im Augenblick vor Augen ist, durch das Mantra „CHRISTUS“. Ich lade sozusagen das konkrete Phänomen mit „Christus“ auf. Dadurch spüre ich die Energie und den Geist Christi. Alles um mich herum ist physisch christisiert:

Mikrokosmos und Makrokosmos, Natur und Mensch, Gedanken und Gefühle, Vergangenheit und Zukunft, Wörter und mentale Bilder.


Schau dich um, in Allem kannst du Mich entdecken:


ICH BIN das A -

    Anker  anfangen  atmen  abundance  Apfelblütenzeit  archetypisch  Alles  Anton  armselig  aus  amazed  allgegenwärtig   Ayutthaya   .....


ICH BIN das L -

    lieben  Lanzarote  l`esprit  lächeln  Leere  lästig  luna  Lungenheilanstalt  Laptop  lustig Lumpensammler  Lisbeth lila  lupenrein  lamb  leiden  .......


ICH BIN das S und  E und  I und  N und . . . . . . . . . . .  

Diaphanie Christi in Schöpfung

Siger Köder: Sonnengesang

Franziskus-Kapelle Ellwangen (Ausschnitt)

  Den „Sonnengesang“ des Heiligen Franz von Assisi,  eine mystische Schau auf Himmel und Erde kurz vor seinem Tod, sein Preislied auf die Schöpfung hat der Künstler Siger Köder kongenial ins Bild gebracht, in ein transparentes Glas-Kunstwerk, das die Herrlichkeit, den Lichtglanz des kosmischen Christus, das Leuchten Seines Angesichts in jedem Atom und Stern durchscheinen lässt.


Sonnengesang (O mio Signore laudato si)

Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht

durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet,
hell leuchtend und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken
und heiteren Himmel und jegliches Wetter,
durch das du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und liebenswürdig und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns ernährt und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.

Durchschimmern des kosmischen Angesichtes Christi

Das Antlitz Christi in Wasser, Feuer, Luft und Erde

Kosmische Christologie

Christus, der Erstgeborene aller Schöpfung -

In Ihm ist das All(-es) (griech.: ta panta) erschaffen worden -

Das All(-es) ist durch Ihn und auf Ihn hin erschaffen worden -

Er ist vor Allem und das All(-es) hat in Ihm Bestand


(Aus dem Christus-Hymnus im Kolosserbrief 1, 15-20)

  Das traditionelle Paradigma einer einseitig individualistisch-soteriologischen, dualistischen und materie-feindlichen Christologie ist in seinen Grundzügen nicht mehr kompatibel mit postmodernem Bewusstsein und biblischen Quellen des christlichen Glaubens. Viele alte Schläuche taugen nicht mehr für den neuen Wein des Universalen Christus (vgl. Matthäus 9, 17).

Mystagogie in eine kosmische Christosophie

  Offensichtlich verlaufen lebendige Ströme der christlichen Tradition zu bestimmten Zeiten überwiegend unterirdisch, unsichtbar; man kann sie aber jederzeit freilegen und damit ausgetrocknete Zonen bewässern.

  Quellen einer lebendigen christologischen Kosmologie sprudeln nicht nur in vielen Schriften der Bibel; auch von frühen Kirchenvätern und Mystikerinnen des Mittelalters wird der Kosmische Christus hymnisch gepriesen. „Göttliche Weisheit“ („sophia“, „sapientia“-“Geschmack“) wird Er genannt, „logos tou theou“ - „Wort Gottes“ - in dem und durch den das All ausgesprochen wurde. (Die deutsche Übersetzung von „ho logos“ mit „das Wort“ lässt leider nicht die vitalen Mit-Bedeutungen erkennen: „der Sinn“, „die Allem inhärente Struktur“, „die innere Kraft und Harmonie“).

Staunend betrachtet wird der „vielfarbige Reichtum“ und das wunderbare Design Seiner Schöpfung, gefeiert wird „die das All(-es) erfüllende Gegenwart und Liebe Christi“.

Eine kleine Blütenlese

(Alttestamentl. Weisheitsliteratur, Paulusbriefe, Johannes-Evangelium, Juliana von Norwich, Hildegard von Bingen, Nikolaus von Kues, Teilhard de Chardin)



„Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten.

er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet,

damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis

des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi.“

(2 Kor 4, 6)


„Es lehrte mich die WEISHEIT, die Meisterin aller Dinge.

Sie ist der Atem der Kraft Gottes und reiner Ausfluss der Herrlichkeit des Allherrschers.

Sie ist schöner als die Sonne und übertrifft jedes Sternbild.

Machtvoll entfaltet sie ihre Kraft von einem Ende zum andern und erfüllt mit Güte das All.“

Buch der Weisheit 7, 21 ff


„Ein Kyrios Jesus CHRISTUS, durch den das Alles und wir durch Ihn“ (1 Kor 8, 6)

„Alles hat in Ihm Bestand“ (Kol 1, 17)

„DAS ALLES UND IN ALLEM: CHRISTUS“ (Kol 3, 11)


„Alles ist durch das WORT (den LOGOS) entstanden,

und getrennt von Ihm ist nichts entstanden von dem, was entstanden ist“ (Joh 1, 3)


Christus ist in allen Dingen, die es gibt.

Gregor von Nazianz (329-390)


„Wie unser Herr Jesus Christus oft sprach:

Dies bin ich. Dies bin ich.

Ich bin, was du liebst, was dich freut, wonach du verlangst.

Ich bin Alles, was ist.“

Juliana von Norwich (1342-1413)



Alles um uns herum ist physisch ´christifiziert`,

und es kann immer mehr christifiziert werden...

Um uns herum wirkt Christus physisch ...

Von der letzten Schwingung der Atome bis hin zur höchsten mystischen Kontemplation ...

beseelt der Christus-universalis unaufhörlich alle Bewegungen der Erde.“

Teilhard de Chardin (1881-1955)



„Ohne Gottes WORT (= Christus) ist keine Kreatur hervorgebracht worden.

Denn durch Gottes WORT ist alle Schöpfung - sichtbar oder nicht - gemacht worden,

in lebendigem Geist in Grünkraft und Wirkkraft.“

„Als das WORT erklang, da erschien dieses WORT in jeder Kreatur,

und dieser Laut war das Leben in jedem Geschöpf.“

Hildegard von Bingen (1098-1179)


Christus, das Gesicht der Gesichter, ist in allen Gesichtern zu sehen

- in eine Milliarde Rätsel gehüllt -,

bis wir schließlich. über allen Gesichtern,

in eine geheime und mystische Stille des Einen Gesichtes eintreten.

Nikolaus von Kues (1401-1464)

  Die Quellen eines universalen Christus-Bewusstseins sind von Paulus und Johannes (und vorher von Autoren der jüdischen Weisheitsliteratur) entdeckt und von Kirchenvätern und christlichen Mystikerinnen weiter freigelegt worden. „Christus“ ist der neue archimedische Punkt, um den sich das All(-es) dreht. „Logos“, „Wort Gottes“, „Abglanz Gottes“ wird Er, der All-Erschaffer, genannt, „Göttliche Weisheit“, „Geist“. Sie preisen Christus als Alpha und Omega, als Ursprung und Ziel des Ganzen. Bedingt durch ein vormodernes Weltbild, nehmen sie personale, anthropomorphe Sprachbilder zur Hilfe.

  Sie reden von dieser Ur-Kraft wie von einem Panto-Kreator, wie von einem Künstler, Maler, Dichter, Liturgen, Architekten, Ingenieur, Töpfer, Choreographen, Designer, Evolutor, einer Hebamme, einem Gärtner, Arzt, Mystagogen, Sämann, Hochzeits-Arrangeur, Flötenspieler, Sänger, Tänzer ...

Christus-Universalis - Leidenschaftliche Liebe zur Erde

  Wenn wir solche faszinierenden Ganzheits-Einsichten und überwältigenden Natur-Erfahrungen machen, versuchen wir sie in unser Sinnmodell einzuordnen, das wir bislang aufgebaut haben, die einen mehr rational-wissenschaftlich, andere dual-religiös oder spirituell-integral. Menschen, die christlich sozialisiert sind und eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus entwickelt und diese in einen affektiven Glauben an Seine All-Gegenwärtigkeit ausgeweitet haben, werden sich bestätigt fühlen und sich Schritt für Schritt auf eine Entdeckungstour nach diesem „Kosmischen Christus“ begeben.

Christosophische Übungen

In meiner Kindheit und auch danach habe ich in kath. Gottesdiensten ein Kirchenlied gerne gesungen, das inzwischen gemieden wird, weil man es wohl als zu süßlich-kitschig empfindet:


Schönster Herr Jesu, Herrscher aller Herren,

Gottes und Mariä Sohn.

Dich will ich lieben, Dich will ich ehren,

meiner Seele Freud und Kron.


Alle die Schönheit Himmels und der Erden

ist gefaßt in Dir allein;

keiner soll immer lieber mir werden

als Du, liebster Jesu mein.


Schön ist das Mondlicht, schöner ist die Sonne,

schön der Sterne große Zahl.

Jesus ist feiner, Jesus ist reiner ...


Schön sind die Blumen, schöner sind die Menschen

in der frischen Jugendzeit;

sie müssen sterben, müssen verderben,

Jesus bleibt in Ewigkeit.


https://www.youtube.com/watch?v=bfTMLRHqxmc



Wiederholendes Singen von Psalmen, Mantras, Sutren, Kirchenliedern, Taizé-Gesängen führt in Tiefenschichten des Christus-Bewusstseins, der Christosophie. Wilhelm von Thierry (Zisterziensermönch um 1100) sprach in seiinen Orationes meditativae (II 10 ) von einem „fides incantata", einem „durch die Vorfahren (ins Herz) hineingesungenen Glauben, durch eigene Praxis eingeprägt und von Dir (Gott) selbst und Deinen Lehrern mir anvertraut".

In - Christus - Sein:  


Leben in der Alles erfüllenden Christus-Sphäre

(Le milieu christique)

Sprechen Sie mit Ihrem Herzen folgendes Gebet, und beziehen Sie es auf die konkreten Sinneswahrnehmungen, die Sie im Augenblick beeindrucken:


Christus,

in Allem, was schön und entstellt ist, schaue ich Dein Gesicht -

in allen Klängen und Wörtern höre ich Dich, den Logos -

in allen Aromen und Gerüchen rieche ich den Duft Deiner Liebe -

in allem, was mir begegnet, in Menschen, Ereignissen, Dingen,

   berühre ich Deinen Leib, Deine Hände -

in aller Süße und Bitterkeit schmecke ich Dich, Wein und Brot des Lebens.

In Allem, was ich schaue, höre, rieche, berühre und schmecke,

   spüre ich Deine Weisheit und Liebe.

  Durch solche und ähnliche Übungen wird das DU-Angesicht Christi  imaginiert im Hinblick auf die uns umgebende Natur und wahr-genommen (?) in Steinen, Blumen, Tieren, Menschen; in Landschaften, in Wasser, Feuer, Luft und Erde; in der Weite des Sternenalls.

  Die gewohnte Konzentrierung auf die Person Jesu Christi, wie sie uns im Evangelium gegenübertritt, wird ausgeweitet auf seine Diaphanie in der Schöpfung, auf die Herrlichkeit und Weisheit des „Christus in Allem“.


  Ein weiterer Schritt der Christosophie wird getan, wenn ER/ES - „Christus“: der Logos, der grundlegende Sinn, die tiefe Weisheit, die umfassende Liebe - entdeckt wird in weiteren Lebensbereichen, in Kultur, Wissenschaft, Technik, Politik... und unserem alltäglichen Fühlen, Denken und Handeln.

Lobpreis des Christus Creator et Evolutor und unsere Ko-Kreation

„Laudato si, o mio signore“  -  Über die Sorge für das gemeinsame Haus

Die neue „grüne“ Enzyklika von Papst Franziskus

  Unsere Mutter Erde aber- so P. Franziskus - „schreit auf wegen des Schadens, den wir ihr aufgrund des unverantwortlichen Gebrauchs und des Missbrauchs der Güter zufügen, die Gott in sie hineingelegt hat.“  In aller Klarheit analysiert er die ökologischen Krisen und Katastrophen in unserem planetarischen Haus: Umweltzerstörung und Klimawandel, Ausbeutung der Ressourcen, Verlust der biologischen Vielfalt,  weltweite soziale Ungerechtigkeit. Unverblümt benennt er die Ursachen, die er vor allem in einer falschen Wachstumsideologie, in fehlorientierten technokratischen Paradigmen und in einem übersteigerten Anthropozentrismus (Machtbesessenheit und Habgier) sieht, der zur egozentrischen Ausbeutung von „Mutter Erde“ und der Ärmsten der Weltbevölkerung führe.

  Unterstützt durch renommierte Ökonomie- und Ökologie-Experten entwickelt der Papst dann eine differenzierte Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialökologie. Im Schlusskapitel gibt er praktikable Hinweise zur ökologischen Erziehung und Spiritualität.

Vgl. auch meine Webseite www.adolf.frahling.de/Web-Site/Kommunion_durch_Welt.html, die den Versuch unternimmt, einen verantwortlichen Umgang mit der Einen Erde nicht nur ökologisch-theologisch, sondern auch christologisch zu begründen als Kooperation mit dem „Christus evolutor“ (Schöpfungsgeschichte fortschreiben).

„In Christus“ leben und atmen wir, wie ein Fisch im Wasser; ER ist unser Lebensraum, das Eine Haus des Lebens, das Pleroma unseres Daseins. In Seinem „Leib“ vereint „Christus“ Geist und Materie, Menschheit und Gottheit: Die Christosphäre umfasst und durchströmt alle Stufen und Phasen der Evolution: Geosphäre, Biosphäre und Noosphäre.

ER ist das „kosmo-the-andrische Symbol par excellence der gesamten Wirklichkeit ... der Name für die innerste Energie der Liebe in Allem, die Kosmos, Gott (theós) und Mensch (anér-andrós) umfasst, durchdringt und vereint.“  (Raimon (Panikkar: Christophanie)

„Führt euer Leben in Christus“ (Kol 2, 6) und „Geh ein in die Freude deines Herrn“ (Matth 25, 21).

„Nihil extra Christum" - „Es gibt nichts, was außerhalb von Christus existiert“. Das Eine „Milieu christique“ kann man niemals auch nur für einen Augenblick verlassen. Ausschließen und verlassen kann man ES nur in einem individuellen Oberflächen-Bewusstsein.

  Auch wenn die platonische Zweiteilung von göttlichem Geist und Materie viele Christus-Texte noch dominiert und die Materie oft als Widersacherin des göttlichen Geistes dämonisiert wird -


die Gewissheit eines Ur-Segens, einer Guten Schöpfung, aus Lust und Liebe erschaffen, bricht immer wieder durch.

  Und so wird das Ganze des Lebens, inspiriert durch ein kosmisches Christus-Bewusstsein und eigenes sinnenhaftes Erleben, gefeiert als ein wunderbares  Buch, in dem alle Worte des EINEN WORTES aufgeschrieben sind, als ein „unerhörtes“ Lied, als Gesang, Gemälde, Schauspiel, Liturgie, Tanz, Duft, Geschmack,  als Kreation und Spiegelbild Christi.


  So bietet die christliche Tradition hinreichende Grundlagen für eine allumfassende Christologie, die alle Schönheiten und Schrecken des Universums einbezieht. „Nihil extra Christum“ - „Es gibt nichts, was außerhalb von ´Christus`entstanden und existieren könnte“.


Das universale Angesicht Christi schimmert durch Alles hindurch

und kann in jedem Phänomen der Evolution aufleuchten.

Tanzender Christus

(Albani Psalter um 1130)

  Inspiriert durch die Communauté de Taizé, durch Thomas Kaschten (Priester und TA-Therapeut), Anneliese Heine, Johannes Kopp, Henri Le Saux, Anthony de Mello, Raimon Panikkar, Willigis Jäger, Zensho W. Kopp,  Hans Torwesten, Ken Wilber, Barbara Marx Hubbard u.a. habe ich erst in den letzten zwanzig Jahren tiefer begriffen, was mir vor ca. 50 Jahren als Herzmitte des Christentums aufging: „Alles und in Allem: CHRISTUS“ (Kol 3, 11). Bewegt durch diese „Lebensmeister“ und zahllose ungenannte, haben sich viele Christen auf einen christosophisch, zen-buddhistisch oder vedantisch-advaitisch gefärbten Inneren  „Weg“ begeben („Weg“ - so nannten die ersten „Christianer (Apg 11,26) ihre Bewegung (Apg 9, 2; 19, 9. 23; 24, 14. 22) und dadurch „Christus neu gelernt“ (Eph 4, 20). Andere haben originär christliche Kontemplationswege (Jesus-Gebet, gegenstandslose Versenkung) wieder aufgedeckt und eingeübt und so erfahren, wie tief und „unausforschlich der Reichtum Christi“ (Eph 3, 8) ist, „in dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen sind“ (Kol 2, 3).

  Wenn Christus ausschließlich als Person gedacht wird, als abgegrenztes Gegenüber, ist ein Zugang zu der zweiten Grundüberzeugung von unserem individuellen und einem totalen „In-Sein in Christus“ ebenfalls kaum möglich.


„In Christus“ - wo ist dieser Ort?

  Die Hörer bzw. Leser des Johannes-Evangeliums werden häufig aufgefordert, „in Christus zu bleiben“ (griech. menein = wohnen, eine Bleibe haben): „Bleibt in mir und ich in euch“ (Joh 15, 4). Der göttliche ICH BIN wird dabei nicht als individuelle Person, sondern im Bild eines Weinstocks als universaler Lebensraum vor Augen gestellt, der dem Ganzen, allen Rebzweigen Sinn und kraftvolle Lebendigkeit schafft. Wir, d.h. alle Menschen, existieren in Christus, und in Eins mit Ihm im „Vater“. „Ihr werdet erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir“ (Joh 14, 20). Eine - wie mir scheint - notwendige transpersonale Lesart der personhaften Chiffre „Vater“ sieht das Gemeinte eher wie der Zisterzienser Isaak von Stella (1100-74) als DAS, der/das/die ohne jeden Körper Bestand hat, ohne Qualität Schönheit ist, ohne Ausdehnung und Größe überall ist, ohne an einen Ort gebunden zu sein, und zeitlos immer gegenwärtig ist (sine loco ubique, sine tempore semper)“ (Sermo 4, 11).


  164-mal heißt es in Paulus-Briefen: „in Christus“, davon allein zehnmal in Eph 1, 3-14, einem Lobpreis des Segens Gottes.

  Nach Ansicht von Paulus ist „in Christus“ die ganze Ökonomie (der Heils- und Haushaltsplan) Gottes geschehen: unsere Auserwählung vor Urbeginn, unsere göttliche Sohn- und Tochterschaft, die Vereinigung und Erneuerung des Alls (Eph 1, 3-14).

  „Alles hat in Christus Bestand“ (Kol 1, 17)

  „Wir sind sein Gebilde, seine Poesie (griech.: poiema), geschaffen in Christus Jesus“ (Eph 2, 10)

  „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus“ (Gal 2, 28)

  „So sind wir die Vielen Ein Leib in Christus“ (Röm 12, 5), „das Pleroma dessen, der das Alles in Allem erfüllt“ (Eph 1, 22)

  „In Christus wohnt die ganze Fülle (pan to pleroma) der Gottheit leibhaftig; in Ihm seid ihr Erfüllte“

(Kol 2, 9)

  Die Kurzformel „In Christus“ evoziert die Vorstellung eines Raumes, einer Sphäre, in der die göttliche Ökonomie (griech.: oikos = Haus) stattfindet. „Christus“ ist sozusagen das „Eine Haus“, in dem sich das gesamte Leben aller Zeiten abspielt. Nicht nur die Kirche, sondern das ganze Universum bildet den Leib und das Pleroma, die Fülle Christi.

  Was Jesus als „Reich Gottes“ verkündete, bezeichnet Paulus als „In-Christus-Sein“. Eine Verbindung zwischen diesen beiden Aussagen ist in Kol 1, 13 zu finden: „Gott hat uns gerettet aus der Macht der Finsternis und versetzt in das Reich (Basileia !! - Königreich !! = ein Zentralbegriff des historischen Jesus) des Sohnes seiner Liebe“  (vgl. Eph 5, 5: „Im Königreich Christi“).

  Die Bezeichnung „Christen“ kannte Paulus noch nicht; er nennt sie kurz und knapp „Lebende für Gott in Christus Jesus“ (Röm 6, 11) und im Römerbrief (8, 1) „Die in Christus“.


  Für das paulinische „In-Christus-Sein“ verwendete der Paläontologe und Jesuit Teilhard de Chardin  den Begriff „Le milieu christique“ , „Das christische Milieu“.  Vielleicht verknüpfen Sie damit abwehrende Assoziationen: Milieu-Christen, gutbürgerliche Miefigkeit o.ä. Wie Teilhard verbinde ich mit diesem Begriff eher Vorstellungen wie „positiver Einflussbereich“, „authentisch christliche Atmo-sphäre“, „vom Christus-Esprit erfüllter Raum“, „Der Göttliche Bereich“ (so die deutsche Übersetzung seines Buchtitels „Le milieu divin“). Aus diesem „christischen Milieu“ ist nichts ausgeschlossen, ES besteht aus einer Synthese von Christus und Universum, die zum „Pleroma“ heranwächst, zur integrierten Fülle von Kosmos, Mensch und Gottheit. In diesem „Milieu christique“, in diesem Pleroma darf der Mensch leben - „in Christus“, „in dem Geliebten“ (Eph 1, 6). „Christus - mein Ein und Alles“