Enneagramm II

Spiritualität - Bausteine

  Das Enneagramm ist ein  „Seelenspiegel“ der konkreten Selbsterkenntnis und eine „Landkarte“ für den individuellen Entwicklungsweg.

  Die Wurzeln reichen zurück bis zu den christlichen Wüstenvätern im 4.Jahrh., von Sufi-Meistern wurde es später als Hilfsmittel in der spirituellen Begleitung entwickelt.

  Heute nutzen manche nur die psychologischen Dimensionen. Vor allem im Bereich des Zwischen-menschlichen, in Paarbeziehungen z.Bsp. kann dieses Neuner-Modell  helfen, einander besser zu verstehen und die Hintergründe von Konflikten zu erkennen.


  Auf dieser Webseite werden primär spirituelle Dimensionen - wenn auch nicht zu trennen von den psychologischen - dargestellt. Ich beziehe mich auf das bekannte Enneagramm-Buch von Richard Rohr (Franziskaner) und Andreas Ebert (lutherischer Pastor), auf die leider vergriffene Einführung „Das wahre Selbst erkennen“ der kath. Ordensleute und spirituellen BegleiterInnen Maria Beesing, Robert Nogosek, Patrick O`Leary, Anneliese Heine und Veröffentlichungen aus der islamischen Sufi-Tradition (Eli Jaxon-Bear und A.H. Almaas).

  In der Tradition des Sufismus (O. Ichazo, C. Naranjo, Eli Jaxon-Bear, A.H. Almaas)  werden die neun Enneagramm-Muster nicht nur als überlebensstrategische Antworten auf Kindheitsnöte verstanden, sondern außerdem auf einer tieferen Ebene als Reaktionen auf ein spirituelles Dilemma, den „Fall aus der Einheit mit dem göttlichen Sein“ („Heilige Ideen“), als lebenspraktische Antworten auf den scheinbaren Verlust dieser ursprünglichen Einheit.

  Unser angeborenes Ur-Vertrauen, unser vorbegriffliches, selbstverständliches  Wissen, dass das Universum, die menschliche Natur und das Leben essenziell gut und liebenswert sind, wird durch frühkindliche Erfahrungen des Nicht-Gehalten-Seins erschüttert.

  Die Folgen bestehen darin, dass unser ursprüngliches Gesicht, unser wahres Selbst, unsere wahre Essenz verzerrt, verschleiert oder verdunkelt wird durch Ego-Fixierungen, Fehlidentifikationen, angewöhnte Wahrnehmungs-, Fühl-, Denk- und Verhaltensmuster („spezifische Verblendungen“, „Schwierigkeiten“ und „Reaktionen“).

vgl. www.sufismus.de

      www.ahalmaas.com

  Ausdruck dieser ursprünglichen Einheit mit dem Ganzen sind nach A.H.Almaas („Facetten der Einheit“ S.29ff) neun „Heilige Ideen“, neun verschiedene Wahrnehmungen Gottes oder unserer grundlegenden Natur. Diese Sicht ist der „natürliche Zustand“, bevor das Ego unsere Wahrnehmungen und Vorstellungen vernebelt.

  Jede Heilige Idee repräsentiert eine bestimmte esentielle Wahrheit über die Realität, eine bestimmte Facette der direkten Wahrnehmung dieser Einen Wirklichkeit.

  Aus dieser Einheit mit dem Ganzen, aus diesem Einssein mit Gott kann der Mensch im Grunde nicht herausfallen, weil diese absolute Dimension, diese essenzielle Wahrheit und Liebe Alles erfüllt. Sie ist das unzerstörbare Wesen von allem, was existiert, von Kosmos und Mensch. Sie ist immer und überall gegenwärtig in vollkommener Liebe. Jeder Mensch, jedes Phänomen stellt eine Manifestation, eine Facette dieser „Ersten Wirklichkeit“ (W. Jäger) dar.

  So wird jeder Mensch mit der Fähigkeit geboren, diese ursprüngliche Einheit von Göttlichem und Weltlichem in ihren neun Aspekten intuitiv zu erkennen, für eine von ihnen ist er jedoch besonders stark sensibilisiert.

  Erfahrungen mit Unzulänglichkeiten der frühkindlichen Umwelt führen zu mehr oder weniger starken Beeinträchtigungen des natürlichen Grundvertrauens (angeborener inhärenter Seelenzustand; unausgesprochenes, bedingungsloses  Vertrauen, dass alles, was existiert - Universum, Menschen, die eigene Person - essenziell gut und vertrauenswürdig ist, selbst wenn die augenblicklichen Umstände enttäuschend, schmerzhaft oder katastrophal sind) und damit zu einem Verlust des ursprünglichen Einheitsbewusstseins, zu einer „spezifischen Verblendung“, zu einer Täuschung über den zuinnerst guten Zustand des Seins, zu der trügerischen Ansicht, dass Liebe und Güte nur lokalisierte und sporadische Phänomene seien,  und dass man getrennt von dieser liebevollen Gesamtwirklichkeit existiere.

   Dieses Misstrauen aufgrund eines unzulänglichen Gehalten-seins und die verzerrte Sicht der Gesamtwirklichkeit führen zu dem Gefühl einer „spezifischen Schwierigkeit“ 

(Minderwertigkeitsgefühl; Scham über sich selbst; Gefühl, nicht liebenswert, falsch, gedemütigt, hilflos, verlassen, isoliert, unsicher, verloren oder schuldig zu sein)


und rufen eine „spezifische Reaktion“ hervor.        

II.  Christentum:


Eins mit dem Göttlichen

Alles und in Allem Christus

Pleroma-Fülle

I.   Sufismus /A.H. Almaas


Ursprüngliche Wahrheiten

Einheit mit dem göttlichen Sein

(„Heilige Ideen“)

  Die nicht-dualistische Auffassung des Sufismus und anderer östlicher Weisheitslehren von Gott-Alles mag uns westlichen Christen sehr fremd vorkommen und wird von manchem vielleicht sogar als häretisch, weil  pantheistisch abgetan.

  Aber auch der jüdisch-christliche Glaube geht von einer urspünglichen Einheit des Menschen mit sich Selbst, seiner Umwelt und mit Gott aus, die nach der „Vertreibung aus dem Paradies“ verloren gegangen, verhüllt oder vergessen worden ist, und mit ihr das Grundvertrauen, dass alles sehr gut, liebenswert und kostbar ist, und das Bewusstsein, ohne Bedingungen geliebt zu sein.

   Andere „pantheistische“ oder „panchristische“ Aussagen der Bibel könnten noch stärker einen Zugang eröffnen zu dem Verständnis, dass „Gott“ und Welt untrennbar verbunden sind.


  In Paulus-Briefen heißt der christliche Name für diese Alles umfassende und erfüllende Wirklichkeit  „Jesus Christus“. „Die Wirklichkeit aber ist Christus“ (Kol 2,17); „Das Alles - ta panta - und in Allem: Christus (Kol 3, 11);  „Alles ist durch den Logos - Christus - geworden“ (Joh 1,3); „Alles hat in Ihm - Christus - Bestand“ (Kol 1,17); „nihil extra Christum“ - „Nichts außerhalb von Christus“.  Von diesem Ursprung, von dieser immer gegenwärtigen absoluten Liebe kann nichts getrennt werden (vgl. Röm 8, 31-39: „Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes in Christus Jesus, unserm Herrn“).  Im Laufe der Zeiten wird dieser Zustand „Gott das Alles in Allem“ (1 Kor 15, 28) völlig transparent (Diaphanie Christi, „Wiederkunft Christi“).

Hildegard von Bingen: Der Gott-Mensch Jesus Christus -

Mitte der Schöpfung (Viereck) und Ebenbild des unsichtbaren lebendigen Gottes (Kreise)

             Pleroma Christi - Fülle Christi


1. Gott – das Pleroma

  - Die ganze Fülle Gottes (griech.: to pan pleroma) (Eph 3,19)

2. Christus – das Pleroma

  - Es hat der All-Fülle (pan to pleroma)  gefallen, in Ihm (Christus) zu wohnen, um durch Ihn das Alles (griech.: ta panta) zu versöhnen - in Ihn hinein. (Kol 1,19)

  - In Ihm wohnt das ganze Pleroma der Gottheit leibhaftig (Kol 2,9) und ihr seid in Ihm erfüllt (Kol 2,10)

  - Der hinabstieg ist auch der, der hinaufstieg über alle Himmel, damit Er das Alles erfülle (Eph 4,10)

  - Aus Seinem Pleroma haben wir alle empfangen (Joh 1,16)

3. Kirche als Pleroma

  - Gott gab ihn (Christus) als Haupt über alles der Kirche, die sein Leib ist, das Pleroma dessen, der das Alles in Allem erfüllt (Eph 1,22f)

4. Wir alle im Pleroma

  - Bis wir alle gelangen...zum vollkommenen Menschen, zum Maß der Größe des Pleromas Christi (Eph 4,13)

  - Ihr seid in Christus  Erfüllte (Kol 2,10)

  - Damit ihr fähig werdet zu erfassen, was da die Breite und Länge und Höhe und Tiefe ist, und zu erkennen die – jede Erkenntnis übersteigende – Liebe Christi, auf dass ihr erfüllt werdet in das ganze Pleroma Gottes hinein (eis to pan pleroma tou theou) (Eph 3,18f)

  „Die Sufis nannten das Enneagramm das „Angesicht Gottes“, weil sie die neun Energien, die sich in den neun Persönlichkeitstypen manifestieren, als neun Eigenschaften Gottes (neun Brechungen des göttlichen weißen Lichts) ansahen.

  Christen erkennen in Jesus Christus das Angesicht Gottes, den menschgewordenen Gott ....Christus repräsentiert Gott und damit die Essenz der Welt, das wahre Sein. Zugleich ist er wirklicher Mensch, der die Bedingungen der Existenz mit ihren Bedrohungen, Versuchungen und Abgründen ausgehalten hat...

  Wenn wir das Enneagramm als Ikone des Angesichts Christi darstellen, interpretieren wir es als „Angesicht Gottes“ und zugleich als „Angesicht des (wahren) Menschen“.


R. Rohr / A. Ebert: Das Enneagramm, Die 9 Gesichter der Seele, Claudius-Verlag, München 1989, S. 231

Enneagramm - Neun Gesichter Jesu           

Teresa von Avila:

Seele, suche dich in MIR


Gott spricht:


O Seele, suche dich in MIR,

und Seele, suche MICH in dir.


Die Liebe hat in MEINEM Wesen

dich abgebildet treu und klar;

kein Maler lässt so wunderbar

o Seele deine Züge lesen.

Hat doch die Liebe dich erkoren

als MEINES Herzens schönste Zier;

bist du verirrt, bist du verloren,

o Seele suche dich in MIR.


In MEINES Herzens Tiefe trage

ICH dein Portrait, so echt gemalt;

sähst du, wie es vor Leben strahlt,

verstummte jede bange Frage.

Und wenn dein Sehnen MICH nicht findet,

dann such nicht dort und such nicht hier;

gedenk, was dich im Tiefsten bindet,

und, Seele, suche MICH in dir.


Du bist MEIN Haus und MEINE Bleibe,

bist MEINE Heimat für und für;

ICH klopfe stets an deine Tür,

dass dich kein Trachten von MIR treibe.

Und meinst du, ICH sei fern von hier,

dann ruf MICH, und du wirst erfassen,

dass ICH dich keinen Schritt verlassen;

und, Seele, suche MICH in dir.


Übersetzung: Erika Lorenz

Elemente der Transformatorischen Arbeit:


1. wertungsfrei das eigene und fremde Charaktermuster erkennen und annehmen; Bewusstheit entwickeln; eigene Blindheit einsehen; zwei Seiten jedes Persönlichkeitsmusters (Ego-Kräfte und Charismen) mit Erschrecken und Dankbarkeit wahrnehmen ,

2. umkehren, Ausrichtungen ändern (Pfeile), neue Lebensmuster ausprobieren

3. Ego-Struktur auflösen („Schwarze Löcher“ annehmen, mit Christus sterben)

4. Göttliche Essenz in Allem wahrnehmen

  In den deutero-paulinischen Briefen an die Kolosser und Epheser entwickeln die Verfasser eine kosmische Christologie mit dem Zentralbegriff „Pleroma, die mit grundlegenden Aussagen etwa des Sufismus vermittelbar ist und in einer interreligiösen christlichen Theologie mehr Beachtung finden sollte.

                    ICH BIN  

                


9   der wahre Weinstock (Joh 15,1)

     und ihr seid die Reben.

     Wer in mir bleibt und ich in ihm,

     der bringt reiche Frucht.


das Ja und das Amen (2 Kor 1,19)

     Gott ist zu trauen

     Jesus Christus ist nicht Ja und Nein

     zugleich, in IHM ist das Ja und das

     Amen


1   die Wahrheit und der Weg (Joh 14,6)

     Niemand kommt zum Vater - außer durch

     mich. Ich und der Vater sind eins. Wir

     werden zu ihm kommen und bei ihm

     wohnen.


6   die Tür (Joh 10,9)

     Geht einer durch mich, wird er gerettet.

     Er geht ein und aus und findet Weide.

     Ich habe vor dir eine Tür geöffnet,

     die niemand mehr schließen kann. (Offb)

  

5   das Licht der Welt (Joh 8,12)

     Wer mir folgt, geht nicht in der Finsternis

     umher, sondern hat das Licht des Lebens.


7   die Auferstehung und das Leben

     (Joh 11,25)

     Wer an mich glaubt, wird leben.

     Ich bin gekommen, dass sie Leben

     haben, Leben in Fülle. (10,10)

3   das Alpha und das Omega (Offb 1,8)

     der Uranfang und das Ziel (22,13)

     so spricht der Herr, Gott: Der ist und der

     war und der kommt, der Pantokrator


2   der gute Hirte (Joh 10,11)

     Ich kenne die Meinen und die Meinen

     kennen mich. Ich rufe sie beim Namen

     und führe sie hinaus.


4   der leuchtende Morgenstern (Offb)

     Wer dürstet, der komme. Wer will,

     empfange lebendiges Wasser - umsonst.

     Wer siegt, dem gebe ich den Morgenstern    

     ...bis der Tag anbricht und der Morgenstern

     aufgeht in euren Herzen (2 Petr 1,19)

Wie kommt „Johannes“ zu den Ich-Bin-Aussagen Jesu?

Nicht – so einhellige Meinung der Exegeten – als Ohrenzeuge des historischen Jesus. Wie denn dann?

Zwei mögliche Antworten:

1.Durch persönliche Offenbarung des pneumatischen Christus

2.Durch Imagination der / des gläubigen Verfasser/s

Diese beiden Möglichkeiten sind meiner Meinung nach realiter, faktisch identisch und nur theoretisch, verbal unterschiedlich. Deshalb sind auch ICH-BIN-Worte durch Jünger Jesu, die in inniger Beziehung mit dem pneumatischen Christus, oder anders: mit ihrem Selbst leben, immer neu imaginierbar und ausbildbar:                                                      

                                                                            ICH BIN

vgl. R. Rohr: Das Enneagramm, Die 9 Gesichter der Seele

Dez 2007 /2016                         Zur Willkommenseite

III.  Enneagramm


Spirituelles Verständnis

im Christentum

IV.  Enneagramm

Transformatorische Arbeit

Neun Spezifische

Verblendungen - Schwierigkeiten - Reaktionen

Enneagramm - Neun Erscheinungsweisen  Christi            

Enneagramm - Neun Aspekte des Pleromas Christi

nach Aussagen des Epheser- und Kolosserbriefes

Weinstock - Enneagramm

(Enneagramm-Exerzitien mit Sr. Anneliese Heine 2000)

  1. -lebendiges Wasser

  2. -der Flötenspieler

  3. -das ABCdefghi...xyZ

- der wahre Buddha

  1. -der wahre Charon

  1. -der Baum des Lebens

  2. -die Musik

  3. -das Wort

  4. -das Reich Gottes

  5. -der wahre Orpheus

  1. -der Ur-Klang

  2. -der Tanz

  3. -der Duft

  4. -der Bräutigam

  5. -Alles

Der spätpaulinische Ausdruck „Pleroma“ bezeichnet also


  1. -den Raum der Liebe Gottes, außerhalb dessen nichts existiert,


  1. -die Einheit von Schöpfung und Erlösung durch Christus,


  1. -die Kirche als Leib Christi,


  1. -die Alles umfassende und erfüllende Christus-Wirklichkeit,


  1. -den dynamischen Prozess der All-Versöhnung, der Anakephalaiosis (Eph 1, 10), der Christogenese des Alls (Teilhard de Chardin).

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Enneagramm III

Transformation

Enneagramm  III

Transformation