Auch Jesus, der erst nach der Oster-Erfahrung als Sohn Gottes verkündet und verehrt wurde, machte eine Entwicklung in seinem Selbst- und Weltverständnis durch. Sein abwehrender Ausspruch gegenüber einer um Hilfe bittenden kanaanäischen („heidnischen" !) Frau „Ich bin gesandt nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“  (Mt 15, 24) wird von wissenschaftlichen Exegeten als historisch eingeschätzt. Nicht-jüdische Menschen zählte Jesus zu Beginn seines öffentlichen Wirkens offensichtlich nicht zu seinen Adressaten. Göttliches Heilshandeln bezieht sich nach seinem frühen Selbstbild nur auf die eigene Nation, auf das erwählte Volk, das „Haus Israel“ (Bewusstseinsstufe 3 / 4). Spätere Worte Jesu (nachösterliche Gemeindebildung !?) bezeugen dann aber eine Universalisierung seines Selbstverständnisses: „Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Geht nun zu allen Völkern. Ich bin mit euch alle Tage bis zum Voll-Ende der Weltzeit“ (Mt 28, 18-20).

  1. 2.Die Kirche und das Weltganze  als Leib Christi


  Neben dem Bild des „Hauses Gottes“ für „das Alles“, für die gesamte irdische und himmlische Wirklichkeit, liebt Paulus auch die Metapher des „Leibes“. „Leib Christi“ ist zunächst eines der zahlreichen Bilder für die Einheit der Kirche in der Vielzahl von unterschiedlichen Charismen.

  Darüber hinaus be- und umschreibt der Ausdruck „Leib Christi“ auch das Ganze von Gott, Kosmos und Menschheit, das Alles (ta panta). Paulus sprengt die herkömmlichen Vorstellungen von einer aufgespaltenen Menschheit in „Juden" und „Völker" (meist mit „Heiden" übersetzt, also Identisch mit Ungläubigen). Er will die Christen in Ephesus und Kolossä überzeugen: „Christus hat die trennende Mauer aufgelöst, damit ER in sich die Zwei zu dem Einen neuen Menschen schaffe und die Beiden in Einem Leibe versöhne" (E 2, 14-16). Christus hat in Einem Leib alle Gegensätzlichkeiten vereint. Gläubige und Ungläubige bilden zusammen den Einen neuen Menschen „Christus", in seinem Leib und unter seinem Haupt. Christus hat die Trennmauer zwischen Erwählten und der "massa damnata" niedergerissen. Alle Menschen, gleich welcher Religion, Nationalität oder Sprache, sind Glieder dieses Leibes. Und weil durch und auf Christus hin Alles erschaffen wurde, bilden alle einzelnen Elemente der Schöpfung auch lebendige Zellen des Einen Organismus „Christus".

  Die umfassenden Sinndeutungen durch die traditionellen Weltreligionen erscheinen vielen Zeitgenossen heute als vormoderner Aberglaube und geradezu als Hindernis für den planetarischen Einigungsprozess  hin zu Frieden, ökologischer Gesundheit  und Gerechtigkeit für alle. Leider gibt es zu Beginn des 3. Jahrtausends zu viele Beispiele dafür, die den Eindruck verstärken, dass christliche und islamische Gruppierungen sich auf vorrationalen mythologischen und ethnozentrischen Bewusstseinsstufen verbarrikadieren und Öffnungen auf Liberalität und Universalität verweigern.

  Eine Rückbesinnung auf ursprüngliche Grunderfahrungen und Kernaussagen des Ur-Christentums könnte da eine notwendige Bewusstseinsveränderung anstoßen. Dazu zählte die mystisch-universale Christosophie des Apostels Paulus in seinen Briefen an die Gemeinden in Ephesus und Kolossä.

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  Paulus übersteigt endgültig enge Grenzziehungen durch die frühen christlichen Gemeinden. Das griechische Wort „ta panta", „Das Alles“  wird ein Schlüsselwort seiner Betrachtungsweise.

  „Ta Panta“ (lateinisch: omnia) meint das Weltganze in all seinen räumlichen und zeitlichen Dimensionen. Auch wenn er vermutlich die Dauer der Schöpfung auf (heute lächerlich erscheinende)  3800 Jahre begrenzte und ihm die Existenz ganzer Erdteile unbekannt war, für ihn ist der Ort des göttlichen Wirkens die  gesamte Schöpfung, einfach „ALLES“: „auf der Erde und in den Himmeln", das Sichtbare und das Unsichtbare, Juden und Heiden, Gläubige und Ungläubige. Und Jesus Christus erscheint im Epheser- und Kolosserbrief  immer deutlicher als Pantokrator und Omnikreator, „durch den und in dem und auf den hin ALLES geschaffen wurde“. „ALLES hat in Ihm Bestand“. Christus ist der „Eine neue Mensch“, der „ALLES in sich versöhnt“. Diese pan-christischen Aussagen steigern sich bis zur Gleichsetzung von „Das ALLES“ und „CHRISTUS“:  „Die Wirklichkeit ist Christus“ (Kol 2, 17). Und sie finden ihren krönenden Abschluss in Kol 3, 11, der Perle aller pan-christischen Perlen: „DAS ALLES UND IN ALLEM IST CHRISTUS“.

Kosmischer Christus

(Glasfenster von Frére Eric in Taizé)

  Was unserem planetarischen Lebenshaus zur Zeit widerfährt, hat Papst Franziskus in den ersten Kapiteln seiner Öko-Enzyklika  „Laudato si - Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ dargelegt. Er weist auf „selbstmörderische" Phänomene hin, analysiert Fehlhaltungen des modernen Mit-Schöpfers Gottes und entfaltet eine biblisch fundierte Schöpfungstheologie und -spiritualität. 

   Unsere Mutter Erde - so P. Franziskus - „schreit auf wegen des Schadens, den wir ihr aufgrund des unverantwortlichen Gebrauchs und des Missbrauchs der Güter zufügen, die Gott in sie hineingelegt hat.“  In aller Klarheit analysiert er die ökologischen und sozialen Krisen und Katastrophen in unserem gemeinsamen Haus „Erde":

Aus den Briefen von Paulus an die Gemeinden in Ephesus und Kolossä

Leitwort "oikos"="Haus" 


  1. - es geht Paulus grundlegend um die „oiko-nomia", die Haushaltung (Öko-Management, Logistik)

    des Mysteriums Gottes, das Christus ist (E 3, 9)

  1. - Ihr (die Nicht-Juden, „Heiden", Ungläubigen) seid nicht mehr Fremde und „par-oikoi" - 

    Aushäusige (para: am Rande, neben, außerhalb), sondern Mit-Städter und oikeioi -

    Hausgenossen Gottes (E 2, 19)

  1. - ep-oiko-domethentes - aufgebaut (E 2, 20) seid ihr in Christus (K 2, 7)

  2. - kat-oike-sai ton Christon - Christus beherbergen in euren Herzen (E 3, 17)

  3. - der Schlussstein ist Christus, in dem der ganze Bau (oikodome) wächst zu einem Heiligen

    Tempel (E 2, 21)

  1. - in dem auch ihr mitaufgebaut werdet in eine Behausung Gottes (syn-oiko-domeisthe eis kat-

    oike-terion) (E 2, 22)

oikodome - Aufbau des Leibes Christi (E 4, 12)

  Umweltzerstörung und Klimawandel, Ausbeutung der Ressourcen, Verlust der biologischen Vielfalt,  weltweite soziale Ungerechtigkeit - unverblümt benennt er die Ursachen, die er vor allem in einer falschen Wachstumsideologie, in fehlorientierten technokratischen Paradigmen und in einem übersteigerten Anthropozentrismus (Machtbesessenheit und Habgier) sieht, der zur egozentrischen Ausbeutung von „Mutter Erde“ und der Ärmsten der Weltbevölkerung führe.

  Unterstützt durch renommierte Ökonomie- und Ökologie-Experten entwickelt der Papst dann eine differenzierte Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialökologie. Im Schlusskapitel gibt er praktikable Hinweise zur ökologischen Erziehung und Spiritualität.


www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2015/2015-06-18-Enzyklika-Laudato-si-DE.pdf

1. Unser blauer Planet (und das Universum) als Haus - griechisch: oikos


  Aus dem Kontext seiner Ausführungen wird einsichtig, dass Paulus den griechischen Begriff „oikonomia",  zusammengesetzt aus „oikos“ - „Haus“ und „nomos“ - „Gesetz, Ordnung“, nicht (nur) statisch versteht als „Hausordnung“, sondern dynamisch als „Haushaltung“, als Öko-Management, d.h. als Planung, Durchführung und Optimierung des Projekts „Aufbau des Hauses Gottes zu einem Heiligen Tempel“ (Eph 2, 21). „Ökonomie“ meint hier ein ein verantwortungsvolles, Resourcen schonendes, nachhaltiges Umgehen mit der Erde, dem Einen Haus Gottes und der Menschheit, um ein kluges Wirtschaften durch Gott und Menschen in Liebe und Verantwortung.

Aus den Briefen des Paulus an die Gemeinden in Ephesus und Kolossä:


  1. - ER ist das Haupt des Leibes, der Kirche  (K 1, 18) und

    des Kosmos, des Weltganzen, aller Mächte und Gewalten

-  ER hat die Beiden in einem Leibe versöhnt (E 2, 16)

  1. - Die Heiden sind Mit-Erben, Mit-Leib und Mit-Teilhaber an

    der Verheißung in Christus  (E 3, 6)

  1. - Alles (das Weltganze) hat Gott Ihm (Christus) zu Füßen

    unterworfen, und Ihn gab er als Haupt über Alles der

    Kirche, die sein Leib ist, die Fülle (griech.: pleroma)

    dessen, der Das Alles in Allem erfüllt  (E 1, 22.23)


  1. - Die Ökonomie der Fülle der Zeiten: Das Alles in Christus

    zu reintegrieren (wörtlich: unter ein Haupt zu bringen)

    (E 1, 10)


  1. - In Liebe sollen wir das All wachsen lassen auf IHN hin,

    Christus, der das Haupt ist, von dem her der ganze Leib

    zusammengefügt und gehalten wird. Und jedes Glied

    trägt bei zum Wachstum des Leibes, zum Aufbau Christi

     in Liebe  (E  4, 15.16)

  1. -Aus Christus, dem Haupt, lässt der ganze (Welt-) Leib,

    durch Gelenke und Bänder zusammengefügt und

    gehalten, das Wachstum Gottes wachsen (Kol 2, 19)

   Die Rückbesinnung auf eine meta-individuelle kosmische Christologie, wie sie grundgelegt ist im Epheser- und Kolosserbrief, könnte den notwendigen Prozess der Reformation und Transformation der christlichen Botschaft auf postmoderne Bewusstseinsstufen inspirieren und beflügeln.

  Fundamentale Aussagen in den spätpaulinischen Briefen und ihr Grundtenor scheinen eher mit einer wachsenden All-zentrischen nondualen Weltsicht kompatibel zu sein als die übliche wie eingefroren wirkende christliche Dogmatik, die sich noch immer in dem Denkrahmen von Zweiteilung zwischen  „Gott“ und Welt, von mythologisch anmutenden Erlösungstheorien und kirchlicher Exklusivität bewegt.

  Ein trauriges Beispiel für eine innerkirchliche Scheuklappen-Sicht sind die Diskussionen auf pseudo-katholischen Internet-Foren über eine mögliche Zulassung von geschiedenen wiederverheirateten Katholiken zur Kommunion. Man empört sich darüber, dass Papst Franziskus bestimmten "verbohrten Tod-Sündern" (kath. Christen, die nach einer Scheidung eine neue Lebensgemeinschaft eingegangen sind) den Empfang der kleinen Brot-Hostie bei der Kommunion erlauben könnte  -  und blendet den globalen Hungertod von Millionen Menschen aus, denen das tägliche Brot vorenthalten wird.

  An vielen Beispielen ist zu erkennen, dass eine Transformation des Bewusstseins von Gruppen-zentrierten auf Planet-Erde-zentrierten Stufen gerade auch im Christentum dringend erforderlich ist.

  Im jeweils zwölften  Kapitel seiner Briefe an die Römer und Korinther hatte Paulus die christlichen Gemeinden mit einem Leib verglichen. Er wollte mit diesem Bild auf die Einheit bei aller funktionellen Unterschiedlichkeit hinweisen: „So sind wir Vielen mit unterschiedlichen Gnadengaben aber Ein Leib in Christus" (Röm 12, 5). „Wie der Leib eine Einheit ist und dabei viele Glieder hat, alle die Glieder des Leibes doch nur Ein Leib sind - so auch Christus ... Gott hat den Leib so vereinigt, dass kein Zwiespalt im Leibe sei, sondern die Glieder sich einhellig umeinander kümmern. Wenn ein Glied leidet, leiden alle mit" (1 Kor 12).

  In seinen späteren Briefen an die Gemeinden in Ephesus und Kolossä erhalten „Leib Christi" und „Haus Gottes" eine trans-ekklesiale Bedeutung.  Paulus übersteigt eine ausschließend-kirchliche  Betrachtungsweise. In seiner Gnosis, seinem Bewusstsein umfasst der Heilsplan, die Ökonomie Gottes die gesamte Menschheitsgeschichte. Die Kirche ist nur ein Mittel, ein Werkzeug, um das „Reich Gottes" (Jesus), das Wachstum des Alls, des Einen Hauses Gottes und des Einen Leibes Christi  in den Einen Neuen Menschen, zu dem Einen Heiligen Tempel hin zu fördern. Christus erscheint hier nicht so sehr als Person, sondern als Sphäre, als universaler Raum, der alle Zeiträume umfasst, in dem alle Menschengruppen zu Hause sind.

  Dieses spätpaulinische  Bewusstsein hat eine überraschende Nähe zu der heutigen Einsicht, dass Alles in unserem planetarischen Haus und im gesamten Universum voneinander abhängt und sich gegenseitig beeinflusst. Wissenschaftler gehen nicht mehr aus von einem seelenlosen, determinierten Universum, sondern von einem totalen Beziehungssystem, in dem Jedes mit Allem kontaktiert. Sie sprechen von der Kohärenz, Interdependenz und Interferenz aller Phänomene. Viele naturwissenschaftliche Disziplinen öffnen sich immer mehr für ein transrationales, mystisches Verständnis des Weltganzen. Kein Teilchen ist isoliert – im Gegenteil: Ein jedes hat „Ahnung" von der ganzen Umgebung, ja von der ganzen Welt. Der Quantenphysiker Hans-Peter Dürr drückte es so aus: „Der individuelle Mensch ist mit dem ganzen Kosmos verbunden."

  Gut kompatibel sind die paulinischen Grundüberzeugungen auch mit den Erkenntnissen der „conscious evolution" (Teilhard de Chardin, B. Marx Hubbard u.a.), dass der milliardenlange Prozess der Evolution schließlich hinführt - unter Mitwirkung durch die menschliche Spezies - zur „Neuen Erde“, zum Bau der „Stadt Gottes“, zum „Aufbau des Leibes Christi“ (E 4, 12), zum „Wachsen des Einen Leibes Christi“. In Eph 4, 15 f heißt es: „In Liebe sollen wir das All wachsen lassen auf IHN hin, Christus, der das Haupt ist, von dem her der ganze Leib zusammengefügt und gehalten wird. Und jedes Glied trägt bei zum Wachstum des Leibes, zum Aufbau Christi in Liebe.“


vgl.  http://www.adolf.frahling.de/Webseite/Communio_mit_Gott.html

Christus, durch den Alles erschaffen wurde,

trägt das Weltall in sich

(Miniatur 13. Jahrhundert)

Aufbau der Neuen Erde, der Neuen Stadt Gottes  -  Sorge für das Eine Gemeinsame Haus

Collage: Foto unserer Erde aus dem Weltraum / Good morning city (Fr. Hundertwasser)

  In seinen grundlegenden Aussagen erscheint Paulus, der in prämodernen Zeiten lebte, dem heutigen Leser wie ein postmoderner Vordenker und Visionär. Ihm geht es um das Ganze der Wirklichkeit, um die „Fülle der Zeiten“ und um „das Alles“, um das „Eine Haus Gottes“. Er versteht die Einheit von Gott, Kosmos und Menschheit - von der 14 Milliarden Jahre währenden Evolution konnte er noch keine „blasse Ahnung haben“! - als eine dynamische Entwicklung voller Energie, als ein „Wachsen“ und „Aufbauen“. Diesen geschichtlichen Prozess nennt er die „Ökonomie des Mysteriums“ (Eph 3, 9).

Aus den Briefen an die Christen in Ephesus und Kolossä: 


ta panta - Das Alles (hoi pantes - die Alle; pan to pleroma - die ganze Fülle; pantote - allezeit)

  1. - die Ökonomie der Zeitenfülle: das Alles in Christus vereinen  (E 1, 10)

  2. - im Voraus erwählt nach der Vorbestimmung dessen, der das Alles wirkt  (E 1, 11)

  3. - Alles hat Gott unter seine Füße gestellt  (E 1, 22)

  4. - das Pleroma (die Fülle) dessen, der das Alles in Allem erfüllt  (E 1, 23)

  5. - in Christus wird der ganze Bau zusammengehalten (E 2, 21)

  6. - Allen ans Licht bringen, was das Haus-Management (oikonomia) des Mysteriums ist  (E 3, 9)

  7. - Gott, der das Alles erschaffen hat durch Jesus Christus  (E 3, 9)

  8. - damit ihr erfüllt werdet in die ganze Fülle (Pleroma) Gottes hinein  (E 3, 19)

  9. - Christus ist hinabgestiegen in die untersten Teile der Erde und aufgestiegen über alle die Himmel, 

    damit er das Alles erfülle (E 4, 10)

  1. - bis die Alle zur Einheit gelangen (E 4, 13)

  2. - auf Christus hin das Alles wachsen lassen, der das Haupt ist, durch den der ganze Leib

    zusammengehalten wird  (E, 4, 15.16)

  1. - allezeit und für Alles dankbar sein  (E 5, 20)

  2. - zu jedem Zeitpunkt (kairos) im Geist beten  (E 6, 18) vgl. Kol 1,3

  3. - in dem ganzen Kosmos (K 1,6)


  CHRISTUS-Hymnus (K 1, 13-20)

-  Christus ist der Erstgeborene der ganzen Schöpfung (K 1, 15) vgl. K 1,23

  1. - das Alles ist in IHM und durch IHN und auf IHN hin erschaffen (K 1, 16)

  2. - ER ist vor Allem und das Alles hat in IHM Bestand (K 1, 17)

  3. - damit ER in Allem der Erste sei (K 1, 18)

  4. - es hat Gott gefallen, das ganze Pleroma in Christus wohnen zu lassen und durch Ihn das

    Alles auf Ihn hin zu versöhnen (K 1, 20) vgl. K 2, 9


  1. - jeden Menschen (panta anthropon - dreimal in K 1, 28)

  2. - Alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis in Christus (K 2, 3)

  3. - Christus ist das Alles und in Allem (K 3, 11)

  Paulus erlebte selbst eine grundlegende persönliche Verschiebung weg von einem dualistisch-ausschließenden Denken hin zu einer universal-solidarischen Weltauffassung. Bis zu seinem Erleuchtungs-Erlebnis vor Damaskus und seiner dreijährigen Auszeit in der Arabischen Wüste hatte er die ihm bekannte Menschheit in Juden und Heiden aufgeteilt, in Gläubige und Ungläubige, Auserwählte und Verlorene. Seine subjektive Identität war von einer polarisierenden und sogar gewaltsamen Abgrenzung von Fremden bestimmt, die sich ausdrückte in der Verfolgung und Bekämpfung der neuen nicht-jüdischen Sekte, den Christianern (Bewusstseinsstufe 3).

  Vor den Toren von Damaskus und in seinem dreijährigen Aufenthalt in der Wüste vollzog sich in ihm eine Umkehr, ein Umdenken, ein Quantensprung auf eine mystisch-universale Bewusstseinsstufe. Seine individuelle mystische Christus-Erfahrung, die überraschende Einsicht in die Enthüllung des „Christus-in-mir“ („Ich lebe nicht mehr als Ego, sondern in mir lebt Christus“ - Gal 2, 20), öffnete ihn


  1. - für die sozial-mystische Erfahrung „Alle Menschen sind Einer in Christus“ (Gal 3, 28)

  2. - und für die kosmisch-mystische Überzeugung „Christus ist Alles und in Allem“ (Kol 3, 11).


  Der Hymnus auf Christus  und sein allversöhnendes evolutives Wirken im Epheserbrief (2, 14-22)  bietet ein grundsätzliches Anti-Konzept zu den heute explosionsartig auftretenden Völker-spaltenden Trends auf unserer Erde. Aktuelle Bezüge springen geradezu in die Augen.

Aus den Briefen an die Christen in Ephesus: to hen = Das Eine


Christus hat die Trennmauer niedergerissen  (E 2, 14)

Er hat die Beiden Eins gemacht ... , damit er die Zwei in sich selbst in Einen neuen

    Menschen erschaffe  (E 2, 15)

und damit Er die Beiden in Einem Leibe mit Gott versöhne  (E 2, 16)

Die Fernen und die Nahen... damit die Beiden in Einem Geist Zugang zum Vater haben (E 2,18)

Ein Leib und Ein Pneuma ... Ein Kyrios, Ein Glaube, Eine Taufe, Ein Gott und Vater

    Aller, der über Allem, durch Alles und in Allem (ist) (E 4, 4-6)

  Niemand hätte 1989, als die Mauer zwischen DDR und BRD fiel, zu denken gewagt, dass 28 Jahre danach ein amerikanischer Präsident die USA von Mexiko abschotten will durch eine gigantische „10  - 27 Meter hohe Mauer“ an der 3200 km langen Grenze. Europäische Stacheldrahtzäune gegen afrikanische und syrische Flüchtlinge oder die israelischen Sperranlagen im Westjordanland gehören inzwischen zu unseren täglichen Fernsehbildern.


  Führende westliche Politiker (in Amerika, Russland, Polen, Ungarn, Frankreich, Nederlande etc.) vertreten heutzutage offen und vehement nationalistische Positionen  und schrauben eine bisher fraglos anerkannte liberal - völkerverbindende Politik auf ethnozentrische Stufen zurück.


  Seitdem Papst Benedikt XVI den reformatorischen Kirchen ein authentisches Kirche-Sein abgesprochen hat, haben sich die Gräben auch zwischen der kath. und den evang. Kirchen noch weiter vertieft. Die Missachtung einer offenen Mahlgemeinschaft, wie Jesus sie immer gepflegt und in seinem „Letzten Abendmahl" ausdrücklich inszeniert hat, durch die kath. Hierarchie hat die Trennwände zwischen den christlichen Konfessionen weiter zementiert. Die Praxis an der Basis aber hat vielerorts - Gott sei Dank - die lehrhaft-offizielle Kirchenspaltung „in vorauseilendem Gehorsam" durch gegenseitige eucharistische Gemeinschaft und die damit verbundene Anerkennung der Ämter ad absurdum geführt.

  In der universalen Betrachtung von Kirche und Menschheit durch Paulus ist die bisherige Trennung zwischen Wahren Gläubigen und Ungläubigen, von Juden und Nicht-Juden, zwischen Auserwählten und dem „Rest der Welt“, der „massa damnata" aufgehoben. In seinem Hymnus auf Christus und sein allversöhnendes universales Wirken gibt er seine Überzeugung an die Christen in Ephesus weiter: „Christus ist unser Friede. Er hat die Scheidewand, die Trennmauer der Feindschaft zwischen den beiden Teilen (Juden und Heiden) niedergerissen" (Eph 2, 14).


  Christus führt das Getrennte zusammen. Das Gegensätzliche vereint er zu Einem. Die Spaltungen   zwischen Gläubigen und Ungläubigen überwindet er. Auch die bisher als „Heiden“ (so die lange übliche Übersetzung für „Völker“) abqualifizierten nicht-jüdischen Völker sind Mit-Erben, ja „Mit-Leib“ Christi. Und die nun offenbarte Heils-Ökonomie Gottes besteht darin, „die Beiden zu vereinen“ und „das Alles unter dem Haupt - Christus - zusammenzuführen, oder wie es in Eph 2, 15 heißt: die beiden verfeindeten und gegensätzlichen Menschheitsgruppen in sich zu dem Einen neuen Menschen zu erschaffen. Christus wird hier als „Korporative Person“ verstanden, die Alles in sich vereint.

  50 Jahre später hat Ignatius von Antiochien diese paulinische Überzeugung in einem eigenen Brief an die Epheser (cap 20) aufgenommen: Die Ökonomie, der Bauplan Gottes mit seiner Schöpfung zielt auf die Vereinigung von Allem in den Einen Neuen Menschen hinein: Christus.

Eine universale postmoderne Christosophie in den Briefen des Paulus

an die Gemeinden in Ephesus und Kolossä

I.  Das Alles (griech.: ta panta)  -  "Es geht ums Ganze"

II.  Das Eine (griech.: to hen)  -  Einheit in Vielheit  

„Es geht um den Abbau von trennenden Mauern und um Vereinigung von Polaritäten"

III. Die „Oiko-nomie“ des Christus-Mysteriums  (Evolution = Christogenese)

Die "Mystisch-universale Christosophie des Paulus in seinen Briefen an die Christen

in Ephesus und Kolossä" wird demnächst ergänzt durch folgende Aspekte:


(Teil III)


Pleroma (Fülle): Einheit von Universum - Gott - Menschheit

"Das Wachstum Gottes wachsen lassen"

     (Kol 2, 19)

Enthüllung des Mysteriums

Erfahrungsglauben - Erleuchtung - panchristisches Bewusstsein




Anhang: Auf den Spuren des Apostels Paulus in Syrien und in der Türkei

Mystisch-universales Christus-Bewusstsein

in den Briefen von Paulus an die Gemeinden

in Ephesus und Kolossä

(Teil II)

Paulus - Fresko in Ephesus

(ca. 470)

Ein anti-jesuanischer Skandal im Christentum:

eigenmächtig errichtete Trennmauern zwischen

Katholischer Messe und  Evangelischem Abendmahl

(vgl.  http://www.adolf.frahling.de/Webseite/Inklusion.html)

07.03.2017                                                                                                                                                Zur Startseite

Eine universale postmoderne Christosophie in den Briefen des Paulus an die Gemeinden in Ephesus und Kolossä

  1. I. Das Alles (griech.: ta panta)  -  "Es geht ums Ganze"

  2. II. Das Eine (griech.: to hen)  -

   Einheit in Vielheit

   Abbau von trennenden

   Mauern - Vereinigung von Polaritäten"

  1. III.Die „Oiko-nomie“ des  Christus-Mysteriums 

   (Evolution = Christogenese)

  1. 1.Unser blauer Planet (und das Universum) als Haus - griechisch: oikos

  2. 2.Die Kirche und das Weltganze als Leib Christi