I.  Einführung / Überblick


Zur theologischen Reflexion und Meditation des „Grünenden Christus“ wurde ich bewegt durch


  1. -die tiefenpsychologische Interpretation des grünen Chagall-Fensters in Zürich von Ingrid Riedel (5.Auflage 1994): Marc Chagalls Grüner Christus, Ein ganzheitliches Gottesbild – Wiederentdeckung der weiblichen Aspekte Gottes, Walter Verlag Olten 1985


  1. -das Interview mit Sylvia Wetzel über „Tara – das weibliche Bild des Erwachens“ in Publik-Forum 5/2008 und die anschließende Lektüre des von ihr herausgegebenen Buches „Lama Thubten Yeshe: Die Grüne Tara – Weibliche Weisheit, Diamant Verlag München 2006


  1. -das tief in mir gespeicherte, aber wenig reflektierte Wort der Hildegard von Bingen von einem „grünenden Gott“ und der „Grünkraft (viriditas) Gottes“


  1. -die mich seit Studienzeiten faszinierenden Ideen Teilhard de Chardins von einer Christogenese des Universums


  1. -eine von „pan-christischen“ Aussagen des Epheser- und Kolosserbriefes her sich entwickelnde Theologie und Spiritualität des Kosmischen Christus


- Reflexionen der feministischen Schriftauslegung zur Göttlichen Sophia (Weisheit Gottes)


Diese unterschiedlichen Impulse werden auf dieser Seite dargestellt und regen an, so hoffe ich, zu eigenen spirituellen Überlegungen und Neu-Seh-Übungen.

III.   Die göttliche Sophia, die „vielfarbige Weisheit Gottes“

(Eph 3, 10)

  Die Feministische Theologie hat uns die Augen ein wenig mehr geöffnet für die weiblichen Aspekte im immer noch patriarchalisch bestimmten Gottesbild des Christentums. Aus einer ganzheitlicheren Sicht heraus entdeckte sie in der Hebräischen und Griechischen Bibel bislang meist übersehene mädchenhafte, frauliche, mütterliche Züge im Angesicht Gottes.


  In der Weisheitsliteratur Israels wird die Weisheit Gottes (Chokma) personifiziert als präexistente Mit-Schöpferin und Mittlerin zwischen Gott und Mensch, Immanenz und Transzendenz:

  Die Chokma, die göttliche Weisheit (in der Übersetzung der Septuaginta: sophia) wird  dargestellt in dem vegetativen Bild eines wurzelnden, wachsenden, grünenden, blühenden, Frucht tragenden, duftenden Baumes (Zeder, Ölbaum, Palme, Oleander, Zimtstrauch, Terebinthe) und in dem später von Jesus bzw. Johannes übernommenen Bild des Weinstocks.

Allem Lebendigen, allem Leben wohnt die göttliche Sophia inne.


  In diesem Kontext möchte ich auch den Propheten Hosea zitieren, der Gott in poetischen Natur-Bildern über sich selbst sprechen lässt:

„Ich werde für Israel dasein wie der Tau, damit es aufblüht wie eine Lilie und Wurzeln schlägt wie die Zeder des Libanon. Seine Zweige sollen sich ausbreiten, seine Pracht soll der Schönheit des Ölbaums gleichen, und sein Duft dem Duft des Libanon... Sie gedeihen wie die Reben, deren Wein so berühmt ist wie der Wein des Libanon...

Ich bin wie der grünende Wacholder, an mir findest du reiche Frucht.“

(Hosea 14,6-9)

IV.   Hildegard von Bingen: Christus als göttliche Weisheit und Grünkraft Gottes

Dreifaltigkeitsfresko

mit Heiligem Geist in Frauengestalt

St.Jakob Urschalling (12.Jahrh.)

  Auch der häufig zum „Frauenfeind“ abgestempelte Paulus schließt in seiner Gottes- und Christus-Vorstellung vegetative und frauliche Aspekte nicht aus. Im Gegenteil! Sein Gottesbild gründet auf seiner Erfahrung von der pneumatischen Christus-Kraft in Allem, was existiert, in ihm Selbst, in jedem Menschen und im gesamten Universum.

  Im Epheser- und Kolosserbrief identifiziert er das Mysterium Gottes mit Christus, in dem alle Schätze der Weisheit (sophia) und Erkenntnis verborgen sind (Kol 2, 2f). Fast hymnisch spricht der Apostel von dem „Mysterium Gottes, dem unergründlichen Reichtum Christi und der vielfarbigen Weisheit Gottes“ (Eph 3,10), „bislang verborgen und nun geoffenbart (Kol 1,26). Die Funktion der Inkarnation und Auferstehung Christi (Ab- und Aufstieg Christi) besteht darin, „Alles zu Erfüllen (Eph 4,10), d.h. Alles auszufüllen, zu durchströmen, voll und ganz zu machen, zu vollenden.

  An der offiziellen ökumenischen Einheitsübersetzung von Eph 4,10  „Alles zu beherrschen“ wird das immer noch „herrschende“ patriarchale Missverständnis überdeutlich. Der pneumatische Alles

   V.   Grünende Gottheiten in anderen Religionen


1.  Der grüngesichtige, grünhäutige Osiris (Altägyptische Religion)

  Hildegard von Bingen (1098 – 1179): Benediktinerin, Äbtissin, Klostergründerin; schrieb medizinische, biologische, ernährungswissenschaftliche und theologische Abhandlungen; Komponistin; Mystikerin, die unter ihren Visionen litt und auflebte; eine mutige Frau, die sich politisch einmischte.

Ingrid Riedel tituliert sie „Prophetin der kosmischen Weisheit“ (Kreuz Verlag Stuttgart 1994).


  Hildegards kosmologische Spiritualität, die auf dem Zusammenklang von Gott, Kosmos und menschlicher Psyche gründet, wird besonders in ihren Visionen, von einer Mitschwester kongenial auf Farbtafeln dargestellt, sinnlich wahrnehmbar.

„Was Hildegard in ihren Visionen und Auditionen letztlich erfuhr, war der Einbruch des Archetypus des Großen Weiblichen sowohl im Bilde der Natur wie auch in den archetypischen Gestalten als Maria und schließlich als Sophia.“ (Riedel S. 67)

Die grüne göttliche Weisheit


(Liber divinorum operum:

Kosmos und Mensch

Lucca-Kodex um 1240)


  In der Mitte des Kosmischen Rades thront die weibliche Gestalt der Liebe und Weisheit Gottes.

Die obere Hälfte des Rades symbolisiert die göttliche Welt (weiß > Vater, unergründlicher Grund; rot > Christus, Gottmensch; grün > Geist, Alles durchströmendes Pneuma), die untere Hälfte die irdische Welt von Raum (4 Elemente) und Zeit.

  Die göttliche Sophia im Zentrum ist bekleidet mit einem grünen Gewand, das mit kostbaren Edelsteinen geschmückt ist. Hörend und schauend, kristallene Tafeln Gottes empfangend und mitteilend, erfüllt sie den gesamten Kreis der Wirklichkeit, das Göttliche wie das Geschöpfliche.

  In ihr erscheint die „vielfarbige Weisheit Gottes“ (Eph 3,10) und die Schönheit des Selbst.

  „Es gibt eine Kraft aus der Ewigkeit, und diese Kraft ist grün.

Aus lichtem Grün sind Himmel und Erde geschaffen und alle Schönheit der Welt.“  (Hildegard von Bingen)

O nobilissima viriditas


O edelste Grünkraft,

die wurzelt in der Sonne

und leuchtet in klarer Heiterkeit,

im Rund des kreisenden Rades,

das die Herrlichkeit des Irdischen nicht fasst:

Umarmt von der Herzkraft himmlischer Geheimnisse

rötest du wie das Morgenlicht

und flammst wie der Sonne Glut.

Du Grün,

bist umschlossen von Liebe.

Der Kosmosmensch

(Liber divinorum operum:  Kosmos und Mensch, Lucca-Kodex um 1240)


  Sechs Sphären umkreisen die Mitte des Kosmosrades, die Erdkugel: die innerste Luftschicht / ein Ring von starker, weißer Luft / strömendes Wasser / blauer Äther / schwarzes Feuer / und rings herum hell leuchtendes Feuer.

  Dieses Rad der Gesamtschöpfung mit Sternen und kosmischen Energien wird gehalten und umarmt  von der feurigen Liebe und Weisheit Gottes, ja es bildet ihren Leib. Der durchbohrte linke Fuß  weist auf Christus hin.

Aus dieser weiblich-männlichen Sophia-Gestalt wächst der väterliche Gott heraus, der das Viereck der Schöpfung transzendiert.

  Inmitten dieses von Göttlicher Liebe und Weisheit getragenen Universums ist der Mensch abgebildet – in seiner ursprünglichen gottgewollten Essenz, mit ausgebreiteten Armen wie der Mensch par excellence: Christus.

In ihrer Vision erschaut Hildegard (unten links) in den tiefsten Schichten ihrer Seele die Fülle und unlösliche Einheit von Kosmos, Mensch und Gott und darin kollektive Urbilder ihrer eigenen Ganzheit.

  Christus ist das zentrale christliche (kosmotheandrische) Symbol für diese Einheit von Gott, Mensch und Kosmos. In Ihm sind alle Dimensionen der Wirklichkeit vereint.

Dreiheit in der wahren Einheit

    Christus - das Herz der Welt

(Scivias – Rupertsberger Kodex um 1180)

  „Hildegard spricht von Gottes grünem Finger, der alles wirke; Christus ist für sie der grüne Lichtquell aus dem Herzen des Vaters, und auch das Werk seines Wortes ist viriditas (opus verbi viriditas est). Vor allem der Heilige Geist ist Träger und Bewirker der spirituellen Grünkraft ... Der lebendige Geist geht aus, wird grünender Leib und bringt seine Frucht: Das ist das Leben.“ (Riedel S.17)

  Sie lässt diese grünende Weisheit Gottes sprechen:

„Ich aber bin jener Windhauch, der alles Grüne nährt

und die Blüten sprießen lässt mit ihren reifenden Früchten.“


  Sie entwickelt eine Theologie des LOGOS, des WORTES Gottes (vgl. Johannesprolog):

„Ohne Gottes WORT (= Christus) ist keine Kreatur hervorgebracht worden. Denn durch Gottes WORT ist alle Schöpfung, sichtbar oder nicht, gemacht worden, die in jener Wesenheit existiert, in lebendigem Geist in Grünkraft und Wirkkraft.“ (zitiert nach Matthew Fox: Vision vom kosmischen Christus, Stuttgart 1991, S. 167)

„Als das Wort erklang, da erschien dieses WORT in jeder Kreatur, und dieser Laut war das Leben in jedem Geschöpf.“ (Fox S. 157)   (vgl. S.Wetzel: Die Grüne Tara 87, 96, 157)


  Christus, die „Grüne Weisheit Gottes“, das „Wort Gottes gestern, heute und in Ewigkeit“ ist mit seinem Pneuma die „Grünkraft“, die Alles im Kosmos und im Menschen zum Grünen, Wachsen, Knospen, Blühen und Fruchttragen bringt und Verwundungen im Haushalt von Natur und Mensch heilt.

  In vielen Visionen schaut Hildegard in der Mitte des göttlich-kosmischen Ganzen eine menschliche Gestalt mit weiblich-männlichen Zügen: Christus - Sophia - Mensch: archetypische  Bilder des Menschen, die Weiblichkeit und Grünkraft der Natur integrieren.

  Es sind Mandalas, „Psychokosmogramme“, innere Schaubilder der kosmischen und psychischen Ganzheit.

  Wie altägyptische Anschauungen von der Nachtfahrt des Sonnengottes Re (mit Sonnenuntergang, nächtlicher Reise durch die Unterwelt, Sonnenaufgang) als Modell gedient haben für die Deutung von Tod und Auferstehung Jesu (vgl. S. 84 ff:  „Auferstehung“), so könnten auch die archetypischen Bilder des alt-ägyptischen Osiris-Mythos, der in besonderer Weise die Vegetationskräfte der Natur integriert, wie auch die buddhistische Tantra-Praxis der Grünen Tara (s.u.) unser Christus-Bild erweitern und ganz machen.


  Die Lebensnot wendende Erfahrung der Ägypter im 3. und 2. Jahrtausend v.Chr. von Grünen, Wachsen und Fruchttragen auf ihren ausgedörrten Feldern aufgrund der jährlich wiederkehrenden Nil-Überschwemmungen begründete den Mythos und Kult des Gottes Osiris. Von Neidern umgebracht, wuchs aus seinem Leib im Sarg ein prachtvoller Baum; später wurde sein Leichnam zerstückelt in den Nil geworfen, durch die Liebe von Isis wieder zusammengesetzt und in ein neues göttliches Dasein hineingeboren.

(Papyrus des Hunifer (ca. 1300 v.Chr.)

Osiris, grüngesichtig, in weißem Gewand mit Kragen aus Edelsteinen. Sein Thron überragt einen Teich, Symbol für das Urwasser, aus dem eine Lotusblüte hervorwächst.

Hinter ihm stehen Isis und Nephthys.

  Erst durch ein Interview in Publik-Forum 5/2008 wurde ich auf eine weibliche Gottheit im tibetischen Buddhismus aufmerksam: „Tara – das weibliche Bild des Erwachens“ und las dann auch die von der interviewten Sylvia Wetzel herausgegebenen Vorträge des „Lama Thubten Yeshe: Die Grüne Tara, Weibliche Weisheit, Grundlagen des buddhistischen Tantra“.

Drei Aussagen gefallen mir besonders:

1.  Die Betonung der grünenden / grünen Aspekte im Gottesbild,

2.  die Deutung der „Grünen Tara“ als „inneres Schaubild“ erleuchteter Kräfte und Fähigkeiten, die wir

3.  in uns Selbst mit Hilfe bestimmter Übungen entdecken und entfalten können.

  2.  Die grüne Tara (Tibetischer Buddhismus)

 Ich war wieder einmal erstaunt, wie grundlegende christliche Glaubensinhalte in einer anderen religiös-meditativen Praxis eine so attraktive, wenn zunächst auch fremdartige Ausgestaltung finden können.

  Durch ihre Inspiration erhalten Überlegungen zur Gestalt der Göttlichen Weisheit in Judentum und Christentum neue Kraft.

 Die tiefenpsychologische Deutung Christi oder der Göttlichen Sophia als Archetypen des Selbst ist fast bruchlos zu vereinbaren mit der Interpretation der „Grünen Tara“ als „inneres Schaubild“ eigener Liebe, Kraft und Weisheit. („Das wahre Wesen aller Menschen manifestiert sich als grüne Tara (christlich: als Christus) im Außen und im Herzen aller Wesen“  www.tara-libre.org/aktuelles.htm)

 Und viele der in den Vorträgen des Lama Thubten Yeshe angebotenen  Übungen sind geeignet, den „Grünenden Christus“ in uns und im Kosmos zu entdecken und wachsen, grünen, blühen und Frucht tragen zu lassen.

Wie andere Transformationsmodelle, zum Beispiel das Enneagramm, können diese Übungen den inneren Wandlungsprozess, den Weg der Individuation bewusster machen und unterstützen.

VI.  Spirituelle Übungen zum „Grünenden Christus“

Grüne Tara 

(Publik-Forum 05/2008 S.51)

1.    „Für Menschen mit überangestrengten Augen“ schlägt Hildegard vor:

„Es soll der Mensch hinausgehen auf eine grüne Wiese und sie so lange anschauen, bis seine Augen wie vom Weinen naß werden: Das Grün dieser Wiese nämlich beseitigt das Trübe in den Augen und macht sie wieder sauber und klar.“

(I.Riedel: Hildegard von Bingen S.14)


2.    Christliche Mantras im Rhythmus des Atmens innerlich sprechen, singen ...

    -    Jesusgebet: Herr Jesus Christus erbarme dich meiner

    -    Namen Christi: Christus / Jesus / Heiland / Rabbuni ....

    -    Worte Christi im NT: Wer Durst hat der komme zu mir / Ich bin der Weinstock / Leben in

        Fülle

    -    Psalmverse: Du führst mich hinaus ins Weite ...

    -    Worte des AT: Ich bin da für dich wie der Tau / Ich bin wie der grünende Wacholder ...


3.    Laute, Klänge, Worte, Geräusche hören als ein Mantra des „Grünenden Christus“, des Wortes Gottes

(vgl. S. Wetzel S. 157)


4.   Christus als Liebe, Licht, Kraft, Weisheit in mir imaginieren, visualisieren

(vgl. S. Wetzel S. 146 ff)

Christus: die Sophia, die Weisheit und das Wort Gottes

Einige Zitate aus ihren Werken mögen diese „Durchlichtung und Durchgrünung“ von Kosmos und Mensch durch Christus vertiefen:

  „Im Zentrum steht ein christusähnlicher, doch eher weiblicher Typ des Menschen – vielleicht ein Symbol der Sophia? – umloht vom rötlichen Feuer der Wandlung; beide überströmt von dem überhellen weißen Licht der Vollendung, das alle Farben in sich zusammenschließt. Ist es ... ein Bild des Menschen im Kosmos, der in Gottes Feuer steht, zugleich ein Bild seines Wesensgeheimnisses, seines ihn transzendierenden größeren Selbst? Ist nicht anderseits der Edelstein, der blaue Saphir, ein Symbol seines Wesenskernes, durchscheinend für das kosmisch-göttliche Licht?“ (Riedel S.67)


Das Bild ist ein christliches „Mandala“, eine Meditationstafel. Solche Bilder der Mitte üben auf den Betrachter eine konzentrierende, einsammelnde Wirkung aus. Sie können helfen, intuitiv Wege in die Mitte zu finden, in das Herz der Welt (Gott) und zugleich in die eigene Wesensmitte.

  Das lichtvolle Rund aus Silber und Gold, Symbol der Gottheit, ist eingerahmt durch ein farbenprächtiges Rechteck – die Vierzahl und die Buntheit symbolisieren den Reichtum der Schöpfung. In der Mitte des göttlichen Geheimnisses steht eine saphirblaue Menschengestalt: Christus. Seine Hände hält er uns geöffnet hin: Friede sei mit euch! Kommt, seht und kostet!

Meditation I


Schau ruhig auf das Bild, laß es auf dich einwirken, verinnerliche es!

So entsteht das Bild in dir neu: Christus, Herz und Mitte aller Schöpfung - das innerste Leben in dir.


(vgl. Johannes Bours: Halt an, wo laufst du hin?    Bildmeditationen, Freiburg 1990, S. 132 f)




Meditation II


Komm zur Ruhe, schau auf das Meditationsbild und stell dich in die Gegenwart Gottes ...

Lies dann das Gebet von Teresa von Avila „Gott spricht“  (S. 55), bis du auf ein Wort, einen Satz stößt, der dich besonders anzieht.

Höre dann auf zu lesen.

Nehmen wir an, dass du beeindruckt bist von den Worten „Du bist mein Haus und meine Bleibe“. Wiederhole innerlich diesen Satz immer wieder.

Schau dabei auf das Meditationsbild ....

Laß die Worte durch ihre ständige Wiederholung in dein Gefühl und in deine Gedanken sinken, so dass sie ein Teil von dir werden ... „Du bist mein Haus und meine Bleibe ... du bist mein Haus ...“ Du schmeckst

26.05.2008 / 2016                Zur Willkommenseite

Hildegards visionäres Bild betrachten:

Christus im Zentrum

des göttlichen Geheimnisses und der Schöpfung

  Osiris wurde als grünhäutiger Vegetationsgott verehrt, er wurde zur Verkörperung von Vergehen und Neuwerden in der Natur und zugleich zum inneren göttlichen Schaubild für die menschliche Hoffnung auf Auferstehung und neues Leben nach dem Tod, zum Symbol für das Lebensprinzip „Stirb und werde!“


(vgl. die Arbeiten von Eugen Drewermann, besonders: „Ich steige hinab in die Barke der Sonne“, Alt-Ägyptische Meditationen zu Tod und Auferstehung in Bezug auf Joh 20/21, Walter-Verlag Düsseldorf 1989)

Grünender Christus

Göttliche Viriditas (Grünkraft)

II.  Vom Rabbuni (Mein Meister) über den gekreuzigten Jesus zum Kosmischen Christus


In Kurzform skizziere ich zunächst einige (bleibende) Stationen im

Wandel meines Bildes von Jesus, dem Christus:


  1. 1. Erinnerungen an meine Erstkommunion, an eucharistische Anbetung

   ( erste Mandala-Erfahrungen), an ein Gebet nach der Kommunion:

    O mein Heiland, großer König,

    Du bist bei mir eingekehrt.

    Freudig trag ich Dich im Herzen,

    dem die ganze Welt gehört.



  1. 2. In der Pubertät wachsende Sympathie (Mit-Leiden) für den Schmerzensmann, den gekreuzigten Jesus, die allerdings in starker Spannung zu einer spontanen Schöpfungsfrömmigkeit stand.



  1. 3.Auflösung dieser Spannung durch Gedanken von Teilhard de Chardin: Der gekreuzigte und auferstandene Jesus ist zugleich der Christus, durch den und auf den hin Alles geschaffen ist. Jesus Christus - die schönste Blüte und Frucht der evolutiven Wirklichkeit.



  1. 4. Philosophisch-theologische Vertiefung während der Studienzeit:

   Christus, der Schöpfer des Universums

- als Wirkursache (Durch ihn ist alles geschaffen)

  1. -als Bildursache (Alles ist christisch geformt, alles spiegelt Sein Gesicht)  

  2. -als Zielursache (Alles ist auf Ihn hin geschaffen).


    Alles – Natur und Mensch – hat eine grundlegende

    schöpfungsmäßige Beziehung zu Christus; alles ist naturhaft ein   

    Abbild Christi.

    Christus ist Ursprung, Antrieb, Grünkraft, Gipfel der kosmischen

    Evolution.

    Alles ist sozusagen „physisch christifiziert“.




  1. 5. Ende der 60-er Jahre: Jesus der Freund der Diskriminierten, der Kämpfer für Gerechtigkeit und Freiheit.



  1. 6. Mit den regelmäßigen Aufenthalten in Taizé  ab 1977 trat das Bild von Jesus Christus als dem „Rabbuni“, dem äußeren Lehrer (Evangelien) und „inwendigen“ Meister (Paulus: Christus in uns) in den Vordergrund.



  1. 7.Christus: mein Seelengrund, mein ursprüngliches Gesicht, die Quelle  

    lebendigen Wasser, das „Glückselige Licht“ in mir;

    Christus: das Unsagbare Geheimnis der gesamten Wirklichkeit;

    Alles und in Allem: Christus.

Christus im Grün

des paradiesischen Lebensbaumes

(St.Michael Hildesheim)

„Vor der Zeit, am Anfang hat der Schöpfer des Alls

mich, die Weisheit, erschaffen ...

Ich fasste Wurzeln bei einem ruhmreichen Volk, im Eigentum des Herrn ...

Wie eine Zeder wuchs ich empor, wie ein wilder Ölbaum.

Ich breitete wie eine Terebinthe meine Zweige aus.

Wie Zimtstrauch und Gewürzrohr, wie beste Myrrhe strömte ich Wohlgeruch aus.

Wie ein Weinstock trieb ich schöne Ranken, meine Blüten wurden zu prächtiger und reicher Frucht.

Kommt zu mir, sättigt euch an meinen Früchten.

An mich zu denken ist süßer als Honig.“

(Jesus Sirach 24)


„Ich, die Weisheit ... liebe alle ...  Wer mich sucht, wird mich finden.

Weisheit übertrifft die Perlen an Wert, keine kostbaren Steine kommen ihr gleich ...

Der Herr hat mich erschaffen am Anfang seiner Wege, vor seinen Werken, in der Urzeit ...

Als er Himmel und Erde machte, war ich dabei...“

(Sprichwörter 8, 11-31)

Christus der Wahre Weinstock

(Siger Köder)

Gott als morgendlicher Tau, der Menschen und Natur erfrischt, und als grünender Wacholder - poetische Gott-Imaginationen, auch für uns heute als Neu-Seh-Übung geeignet!


  Diese schöpfungsorientierte, feministische Weisheits-Vorstellung wird im NT auf Christus übertragen.

  Das Johannesevangelium (cap 15) imaginiert Christus als Lebendigen Weinstock, dessen Rebzweige wir sind. „Wer in mir bleibt und ich in ihm, der trägt reiche Frucht.“

Seine pneumatische Grünkraft bewirkt Lebendigkeit und Fruchtbarkeit in Fülle.

  Im Prolog (Joh 1) wird Christus als der Logos, als das Wort Gottes gepriesen, das im Uranfang schon bei Gott war, Durch dieses präexistente Wort wurde Alles erschaffen. Unser Kosmos, alles grünende Leben auf unserer Erde, menschliches Innen und Außen lässt sich verstehen als Klang und Alphabet dieses göttlichen WORTES.

erfüllende Christus, der „Alles in Allem ist“  (Kol 3,11), diese weise göttliche Schöpferkraft wird umgedeutet in einen von der Welt abgetrennten männlichen Gott, der von oben alles Geschaffene unterwirft und beherrscht.

  Weit entfernt von diesem dualistischen Welt- und Gottesbild und überzeugt von dem lebenschaffenden Pneuma Gottes in jeder Schöpfung wünscht Paulus seinen Mitchristen: „Ihr möchtet erfüllt werden in aller Weisheit (sophia) und Frucht bringen in jedem guten Werk.“ (Kol 2, 9.10)

und kostest die Worte, während du sie wiederholst ... Wahrscheinlich wirst du den Satz automatisch verkürzen: „Du bist mein Haus ... mein Haus ... mein Haus ...“ oder „Du bist ... Du ... Du ...“

Schau dabei auf das Meditationsbild ...

Nach einer Weile wirst du die Worte genügend ausgekostet haben, du bist von ihnen ausgefüllt.

Schließe die Meditation, sprich spontan mit Christus oder verweile noch schweigend in seiner Gegenwart.


(vgl. Anthony de Mello: Meditieren mit Leib und Seele, Kevelaer 1991, S. 135 ff)

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