Literaturhinweise

- Imma von Bodmershof: Haiku, dtv 12977, München 2002

- Dietrich Krusche (Hrsg.): Japanische Gedichte, dtv 12478, München 1994

- Jan Ulenbrook: Haiku, Japanische Dreizeiler, reclam 9400, Stuttgart 1995

- Ekkehard May / Claudia Waltermann: Bambusregen, Haiku und Holzschnitte, Insel-Bücherei 1124,  Frankfurt a.M 1995


Webadressen

- www.haiku-dhg.kulturserver-nds.de

- www.haiku-heute.de

- www.haiku-kurzgedichte.de

- www.haiku-plus.de

 

Auf der Suche nach Vereinfachung und Zentrierung des Lebens gewann im Bereich der Literatur die Haiku-Lyrik mein erneutes Interesse. Inzwischen schreibe ich hin und wieder ein Haiku und weite diese lyrische Form auch auf literarische und biblische Szenarien aus (s. Haiku II).


Haiku ist eine ursprünglich japanische Kurzgedichtform und mittlerweile auch im deutschen und englischen Sprachraum verbreitet und beliebt (s. Webadressen unten).

E.May: Bambusregen

Der alte Weiher:

Ein Frosch, der grad hineinspringt –

Des Wassers Platschen.


In diesem meistzitierten Haiku von Basho (1644-1694)

oder auch in dem durch eine Tuschzeichnung illustrierten Haiku von Ryokan (1757-1831)    


Decken auf dem Gras,

eine Nacht lang ohne Haus -

reich nur durch den Mond.

Eigene Haiku (Naturwahrnehmungen und literarische Anregungen)

lassen sich typische Baugesetze erkennen, die beim Schreiben eines Haiku beachtet werden sollten:


Beschreiben Sie

1.in drei Zeilen mit insgesamt höchstens 17 Silben (japanisch: 5-7-5)

2.ein Ereignis aus Ihrer Lebensumwelt,

3.das bei Ihnen einen Gedankenblitz ausgelöst hat.

Stellen Sie dem Leser das Ereignis unmittelbar hin, so dass er es für sich nachvollziehen kann. Nutzen Sie dafür

4.das Präsens und eine einfache, konkrete Sprache.

5.Lassen Sie dem Leser die Möglichkeit, sich seine eigenen Gedanken zu machen.

(nach: www.ziemlichkraus.de/haiku/schreiben.htm)

Aus den zahlreichen Haiku - Publikationen hat mir am besten gefallen:

Imma von Bodmershof: Haiku, dtv 12977

Einige Kostproben:

Eis löst sich vom Bach -

klar aus der Tiefe leuchten

braungold die Steine.


Ist nichts in der Luft?

Nichts. Ein Sonnenstrahl

und tausend Stäubchen tanzen.

Der Fichtenwald blüht,

Gold bestäubt den Weg,

auch den Karren.


Kuckuck - oft hört ich`s

doch nie zeigte sich

der verborgene Rufer.

Eigene (Natur-)Haiku

Aus Nachbars Garten

über die Holzwand eine Rose -

ich atme den Duft.

Mai 2007


In Nachbarsgarten

hinter der Holzwand eine Rose -

ich atme den Duft.

April 2017


Bleierne Hitze.

In dem schattigen Geschilf

ein Rascheln.

30.05.2007


Wolkenloser Himmel.

Siesta mexicana.

Die Glocke schlägt Eins.


Wiese am Morgen.

Meine Augen erzaubern

Rubine und Smaragde.

Damme, 04.09.2006


Verkohlte Äste.

Farbige Schmetterlinge

saugen draus Nektar.

Damme, 07.09.2003


Ein morsches Holzkreuz.

Grünspechte ziehen darin

ihre Jungen auf.

Damme, 07.09.2003


Bei brütender Hitze

eingeschlafen - aufgewacht

unter Myriaden von Sternen.

Taizé Sommer 1983

Eigene Haiku aufgrund literarischer Anregungen

Einsamer Waldteich.

Seerosen - wem entgegen

mögen sie blühen?


Lichtung im Dickicht.

Buschwindröschen - wem zulieb

mögen sie blühen?

Folgende Texte inspirierten mich:


1.Ohne Warum

Die Ros` ist ohn` Warum; sie blühet, weil sie blühet.

Sie acht`t nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie siehet.

Angelus Silesius: Der Cherubinische Wandersmann



2.Notizen der Hoffnung


Nicht zu vergessender Stein

Der mir den Himmel aufriß

Brunnentief über den Erlen

Nicht zu vergessender

Singender Pfiff

Aus dem Herzen des Reisigfeuers.

Nicht zu vergessendes Wiegen

Ast über Ast

Der Knaben im Buchenskelett

Nicht zu vergessende Märzsonne

Ungebührliches Scheinen

Und purpurner Seidelbast

Tannenschonungversteckt

Blühend für keinen.

Marie-Luise Kaschnitz 1961



3.Psalm


Niemand knetet uns wieder aus Erde und Lehm,

niemand bespricht unsern Staub.

Niemand.


Gelobt seist, du, Niemand.

Dir zulieb wollen

wir blühn. Dir

entgegen.


Ein Nichts

waren wir, sind wir, werden

wir bleiben, blühend:

die Nichts-, die

Niemandsrose.


.......

Paul Celan 1964


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Licht durch Gitterstäbe

Er klammert sich an - hinter ihm

steht die Tür offen.


Den entscheidenden Impuls gab neben einem Training in Transaktionsanalyse die Erzählung von Heinz Körner „Das Licht am Ende des Ganges“ in „Die Farben der Wirklichkeit“.

(vgl. Offg 3, 7f: So spricht der Heilige, der den Schlüssel Davids hat, der öffnet, so dass niemand mehr schließen kann: Ich habe vor dir eine Tür geöffnet, die niemand mehr schließen kann.)


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22.07.2007

Link zu Haiku II

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Als meine Augen

alles gesehen hatten, kehrten sie zurück

zur weißen Margarite.

Nach Issa