Ein vorösterlicher Spaziergang im Kölner Rheinpark am Tanzbrunnen, der Blick auf die blühende Farbpracht der Tulpenfelder und Mandelbäumchen, das Zwitschern der Buchfinken und Meisen, die Düfte des Frühlings wecken tiefes Glücksempfinden und verführen zu poetisch-theologischen (vielleicht auch sentimentalen) Vergleichen und Sprach-Bildern: Frühling - ein Lächeln Gottes, ein Durchschimmern des Numinosen, Ausdruck der Kreativität des grünenden Gottes, eine Liturgie der Natur.

  Teilhard de Chardins Mystik von der Diaphanie Gottes, vom Durchscheinen Gottes durch alle sinnlich wahrnehmbaren Phänomene, kommen dem „frommen Theologen“ in den Sinn. Oder auch das weithin unbekannte Paulus-Wort im Epheserbrief (3,10) von „Christus, der vielfarbigen Weisheit Gottes“. Was für die Kirchenväter der ersten Jahrhunderte n.Chr. eine beliebte und selbstverständliche Vorstellung war, haben in jüngster Zeit Theologinnen wieder aufgedeckt: Christus ist der Göttliche Logos, das Wort Gottes, durch das Alles ausgesprochen ist, was existiert - Mikrokosmen und Makrokosmen, gestern, heute und in Ewigkeit. Christus ist die göttliche Sophia, die personifizierte kreative Weisheit Gottes, die „Grünkraft Gottes“ (Hildegard von Bingen). Die Vielgestaltigkeit und Buntheit der Schöpfung ist ihrem Einfallsreichtum zu verdanken.

  Seit einigen Wochen (April 2011) spüre ich reflexiv und meditativ dem nach, was die christlichen Kirchen „Sakramente“ nennen. Ich registriere unterschiedliche theologische Annäherungsversuche und Grundaussagen:

  Sakramente sind „zeichenhafte Verleiblichungen der heilschaffenden Nähe Gottes und des auf diese Nähe antwortenden Glaubens“ (Nocke); sie sind Real-Symbole, repräsentative Zeichenhandlungen, Berührungen des Herzens und der Sinne, bildhaft-dynamisches Geschehen, Nachahmung und Vergegenwärtigung des Heilshandelns Christi.

  Manche Theologen sehen die vielfarbige Schöpfung und ihre wechselvolle Geschichte als Ur-Sakrament; andere sprechen von dem Sakrament des Augenblicks.

  Bis ins 12. Jahrh. gab es keine verbindliche Sakramenten-Dogmatik. Die Anzahl der Sakramente war nicht festgelegt. In den Urgemeinden kam man am Herrentag zur Eucharistiefeier zusammen, am Osterfest wurde während dieses kultischen Mahles Katechumenen die Taufe gespendet; weitere kirchliche Zeichenhandlungen kamen im Laufe der Zeit hinzu, noch nach der Jahrtausendwende gingen Bischöfe und Theologen von zehn oder sogar zwölf Sakramenten aus.

Erst auf dem Konzil von Florenz (1438-1445) wurden die Siebenzahl der Sakramente, eine Definition (wirksame von Christus eingesetzte Zeichen der Gnadenmitteilung) und Kriterien für den gültigen Vollzug (materielle Elemente, Wort und Spender) lehramtlich vorgegeben.

I.  Christus: die vielfarbige Weisheit Gottes (Eph 3, 10)

„Die ganze Welt ist ein Sakrament“

  Nach Kol 2,2 ist Christus das Mysterion Gottes, lateinisch: das sacramentum Gottes, das Ur-Sakrament, das in allen Dingen real-präsent, kreativ und berührbar ist.

  Mir fällt ein zentrales Leitwort ein, das Prof. W. Kasper in seiner Vorlesung über die „Lehre von den Sakramenten“ im Wintersemester 1965/66 in Münster verwendete: „natürliche Sakramentalität“. Die ganze Schöpfung hat Zeichencharakter, sie verweist in ihrem gesamten Bauplan und in unzähligen Details auf den „Architekten“ und „Designer“, und die bunte Palette ihrer Farbpracht auf den geheimnisvollen Maler. Die vier Jahreszeiten, besonders das Aufblühen neuen Lebens im Frühling und die Ernte von Getreide, Obst, Weintrauben und anderen Früchten im Herbst schenken dem Menschen die Gewissheit von der Güte der Schöpfung. Ihre Gaben können von ihm spontan als Zeichen des Lebens, als „Lebens-Mittel“, als Berührungen und „Sakramente“ einer göttlichen Kraft empfunden werden. Alles Wirkliche ist Symbol für eine tiefere, hintergründige Wirklichkeit. Alle Dinge und Geschehnisse sind potentiell transparent auf die ihr inne wohnende göttliche Energie und Liebe hin.    

  Wem das „Dritte Auge“ geöffnet ist, schaut im Buch der Schöpfung auf jeder Seite das ihr eingeprägte Wasserzeichen „Christus“. Dieser All-Name und zugleich Nicht-Name ist Allem eingeschrieben. Und der spirituelle Weg des Christen besteht wesentlich darin, neu sehen und die Geheim-Schrift des Lebens entziffern zu lernen.

Das Siegel des Großen Königs ist Allem, dem gesamten Universum und jedem Atom eingeprägt.

Und eine weitere Überlegung:

  Um das historisch-kritisch kaum lösbare Problem der dogmatisch festgeschriebenen Einsetzung der Sieben Sakramente durch Jesus Christus anzugehen, sprechen heutige Theologen von „Jesus Christus als dem Ur-Sakrament“. Gemeint ist damit in der Regel der Erlöser, das in Jesus „Fleisch gewordene Wort Gottes“, der Heilsbringer, dessen erlösendes und heilendes Wirken durch die Kirche in ihren Sakramenten fortgeführt werde. Ausgeschlossen bleibt meistens eine christologische Schöpfungs- bzw. Entstehungstheologie. Dabei könnte auch die offizielle kirchliche Sakramenten-Theologie durch eine stärkere Beachtung und Entfaltung der kosmischen Christologie im Johannes-Evangelium und im Epheser- und Kolosserbrief neu belebt werden.

  Johannes und Paulus stellen uns Christus als den „Logos“ vor, „durch den Alles – Materie und Geist - geschaffen ist“, „durch den und auf den hin Alles geschaffen ist“, „in dem Alles Bestand hat“. Vielleicht erhält  eines Tages auch ein Kernsatz des gottesdienstlichen Glaubensbekenntnisses stärkeres spirituelles Gewicht: „Durch Ihn (Christus) ist Alles geschaffen.“


  Thomas von Aquin (1225-1274) hat in seinen Reflexionen über die Entstehung des Weltalls auf fünf christologische Erst-Ursachen verwiesen: auf die causa materialis, die causa efficiens, causa formalis, causa finalis und die causa exemplaris (Bild-Ursache). Diese abstrakte, begriffliche Aufzählung gewinnt an Lebensnähe und Leuchtkraft, wenn man sich vorstellt (bei einem Gang durch die blühende Natur), dass Christus die Ursache, der Urheber ist von Materie und Energie, von Form und Struktur, von Bild und Farbe in Allem, was existiert, und dass ER auch das Omega, der finale Anziehungspunkt der Evolution und Geschichte ist.


  Gott / Christus spricht sich selbst, sein Wesen in jedem Detail der geschaffenen Wirklichkeit aus. Alle Schöpfungsphänomene sind Abbilder des Ur-Bildes „Christus“. Und wer Augen hat zu sehen, dem werden die Dinge (und Geschehnisse) transparent, durchsichtig auf Seine immanent-transzendente All-Gegenwärtigkeit hin. Sie erscheinen dann als Sakramente, als Zeichen und Berührungspunkte des Absoluten Seins, Guten und Schönen.

II.  Jesu Reden und Tun in Gleichnissen und Symbolhandlungen

wilhelm willms: sakrament 1.Teil

in: Mitgift, Kevelaer 1979, S.21ff


was ist ein sakrament?


laßt mich erzählen

was ein sakrament ist


die ganze Welt

ist ein sakrament

die ganze welt

ist ein zeichen


alles

was ich hören kann

alles

was ich sehen kann

alles

was ich riechen kann

alles

was ich fühlen kann

alles

was ich schmecken kann


alles ist ein Zeichen

für

ETWAS


ETWAS schreibe ich groß


die welt ist spannender

die welt ist unendlich mehr

wenn ich glaube

daß sie ein großes ZEICHEN ist

von unausschöpfbarer

bedeutung

mein ganzes leben

wird der unaufhörliche versuch sein

die welt zu deuten


das ist der unheimliche reiz

der welt

der große urreiz der welt

und aller dinge

daß sie beteiligt sind

an dem großen versteckspiel

indem sie zugleich verhüllen

und enthüllen

das große liebesspiel

gottes mit dem erkennenden menschen

das schneeglöckchen im frühling

ist an dem großen

liebesversteck- und enthüllungs-

spiel gottes mit dem menschen

beteiligt

ein schneeglöckchen

ist ein urzeichen der welt

in ihm erscheint

auf unverwechselbare weise

mehr als gesagt werden kann


auch die rose

ist ein unverwechselbares

seh- und duftzeichen

der welt

für das hinter allem

tief verborgene

UNSAGBARE


die rose ist ein sakrament


diese

sakramentalen zeichen

der schöpfung

sprechen

nie für sich

sie sprechen

wie buchstaben

und silbenzeichen

für ETWAS

hinter ihnen

in ihnen

sie sprechen

geheimnis-

VOLL

vom großen UR-

geheimnis

gottes

das in diese zeichen hinein

überläuft

diese zeichen

sind überlaufgefäße

sie sind mehr

als sie selbst 



w.willms: sakrament 2.Teil -siehe unten


w.willms: sakrament 3.Teil -

siehe Webseite „Eucharistie“ 

  Jesus von Nazareth besaß offensichtlich das Charisma, seine Zuhörer mit diesem „großen UR-geheimnis gottes“, das er mit „Abba“ - „Vater“ oder „Königtum / Reich Gottes“ - bezeichnete, in Berührung zu bringen. Er tat das, indem er erzählte von


den „Vögeln des Himmels“:

Blickt auf die Vögel des Himmels: Sie säen nicht und ernten nicht und heimsen nicht in Speicher - und doch: Euer himmlischer Vater nährt sie (Matthäus 6, 26)


den  „Lilien des Feldes“:

Lernt von den Lilien des Feldes : wie sie wachsen. Sie mühen sich nicht ab; sie spinnen nicht. Ich sage euch aber: Nicht einmal Salomo in all seiner Herrlichkeit war gewandet wie eine von diesen hier (Matthäus 6, 28)


dem „Spatz auf dem Dach“:

Welchen Wert hat schon ein Spatz auf dem Dach? Man kann fünf von ihnen für einen Spottpreis kaufen. Und doch vergisst Gott keinen einzigen von ihnen. Bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Darum habt keine Angst! Ihr seid Gott mehr wert als ein ganzer Spatzenschwarm!  (Lukas 12 ,7.8)


einem „königlichen Festmahl“:

Und Jesus sprach abermals in Gleichnissen: Das Königtum der Himmel gleicht einem König, der für seinen Sohn die Hochzeit ausrichtete ... Aber die Geladenen wollten nicht kommen ... Da sagte er zu seinen Knechten: Geht nun an die Straßen und Zäune und ruft alle zur Hochzeit. Und sie gingen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen: Gute und Böse. Und voll ward der Hochzeitssaal mit Leuten, die zu Tische lagen (Matthäus 22, 1-10)


einer „verlorenen Drachme“:

Jesus sprach zu ihnen dieses Gleichnis: Welche Frau hat zehn Drachmen und zündet nicht, wenn sie eine Drachme verliert, ein Licht an, fegt das Haus und sucht sorgsam, bis sie findet?  (Lukas 15, 8)


einem „Kind“

Und Jesus nahm ein Kind, stellte es in ihre Mitte, umarmte es und sprach: Wer ein Kind, eines wie dieses, aufnimmt, mich nimmt er auf. Und wer mich aufnimmt - nicht mich nimmt er auf, sondern den, der mich gesandt hat.  (Markus 9, 36)

  (In meinen Darstellungen klammere ich die historisch-kritischen Fragestellungen aus: Hat der historische Jesus außer Dämonenaustreibungen noch andere Wundertaten vollbracht? Hat er seinen Tod als Erlösung der Menschheit verstanden? Beabsichtigte er die Gründung einer Kirche, die sein Heilswerk durch Verkündigung und Sakramentenspendung fortsetzen sollte?

  Für mich ist die Deutung des Juden Jesus als den Christus, als die Inkarnation Gottes durch die Urgemeinden maßgeblich und ebenso ihre sich ausweitende sakramentale Praxis. Dass Elemente der nachösterlichen Glaubensunterweisung und ihres Christus-Kultes von den Autoren der Evangelien dem historischen Jesus zugeschrieben werden, beeinträchtigt nicht ihre spirituelle Relevanz.)

   Aber noch intensiver als sein frisches unkonventionelles Erzählen beeindruckten sein heilender Umgang mit den „Geringsten“ und seine zeichenhafte Handlungen.

  In den Evangelien ist ein wachsendes Bewusstsein dafür zu spüren, dass in diesem Rabbi, in seiner Menschenfreundlichkeit und Authentizität etwas Göttliches zum Vorschein gekommen ist, dass sich in seiner Person eine göttlliche Epiphanie ereignet hat.

  Das Johannes-Evangelium spricht diese Erkenntnis ausdrücklich aus; Handlungen Jesu werden als Zeichen (semeia) gedeutet, als „Zeichen Seiner Herrlichkeit“, als „Aufscheinen der glanzvollen Liebe Gottes“.

  Alles, was Jesus der Christus tut, offenbart ein Mehr an Lebensfülle; es sind Hinweise auf die heilende Nähe Gottes und seine überreiche Freigebigkeit:

Jesus Christus als Stifter von Sakramenten – das kommt für einen unbefangenen Betrachter, der heute das Johannes-Evangelium liest und meditiert, vor allem in drei Zeichenhandlungen zum Ausdruck: in Fußwaschung (13, 1-17), gemeinsamem Mahl (21, 1-14) und Geist-Mitteilung (20, 19-22). Die genannten  Symbolhandlungen Christi erfüllen die späteren theologischen Anforderungen an ein „Sakrament“: sie enthalten ein dinghaftes Element, Worte verdeutlichen es und sie sind von Christus selbst eingesetzt. Bei der Fußwaschung besteht die „materia“ aus Wasser und dem Vorgang des Waschens, was durch Jesus ausdrücklich als Liebesdienst gedeutet wird. Bei der Geistmitteilung am Osterfest sind es der Atem, der zugehaucht wird, und die Worte „Empfanget heiliges Pneuma“. Fisch und Brot auf einem Kohlenfeuer „am anderen Ufer“ sind die äußeren Zeichen des Mahles, zu dem „der Herr“ einlädt. Seine Deuteworte beschränken sich auf das einfache Mahlhalten miteinander. Die „Transsubstantiation“ besteht hier in der Verwandlung der Jünger, in ihrer frohen Annahme von gebratenem Fisch und geröstetem Brot, in dem gemeinsamen Mahlhalten und in der Freude über Seine Gegenwart.

1.  Alle Phänomene der Schöpfung sind christus-förmig und christus-farbig („Durch Christus, den Logos Gottes, ist Alles geschaffen“ – Joh 1, 3) und somit reale Zeichen Seiner Kreativität.


2.  Johannes deutet die Handlungen Jesu als „Zeichen“, in denen die „Herrlichkeit Gottes offenbar wird“ (Joh 2, 11)


3.  Die duch Johannes imaginierten Ich-Bin-Worte Jesu lassen die spirituelle Konsequenz zu: „Christus“, der Urgrund und die Fülle des Lebens, kann in vielen konkreten Erscheinungsformen entdeckt werden, in „Tür“, „Weg“, „Hirte“, „Licht“, „Weinstock“, Ähren, Wasser, Stern, Atem, Feuer usw. usw. usw., ebenso in abstrakten Ideen wie „Auferstehung“, „Leben“, „Wahrheit“, Solidarität, Freiheit, Liebe usw. usw. usw. wie auch nach Auffassung frühchristlicher Theologen in mythologischen Gestalten: Christus als der wahre Orpheus, die wahre Sophia ....

  Die Zeichen, die Jesus nach Aussage der Evangelien gewirkt hat, präfigurieren die liturgischen Handlungen, die wir als Sakramente bezeichnen.

  Als Fundament oder Grundstock einer biblischen Sakramententheologie und –praxis könnten außer den „Zeichen“ Jesu auch seine johanneischen Ich-Bin-Worte dienen. Christus vergleicht sich ja nicht nur mit einem Weg, mit Brot, mit einem Hirten, einem Weinstock oder einer Tür, sondern er identifiziert sich damit. In „Weintraube“, „Brot“, „Licht“ und weiteren Dingsymbolen können Sein Gesicht und Seine heilsame Nähe zum Vorschein kommen.

III.  Sakramente und Sakramentalien der Kirche

Grundzüge einer johanneischen Sakramenten-Theologie

  Unabhängig von der historisch-kritischen Frage „Hat Jesus von Nazareth wirklich alle sieben Sakramente eingesetzt?“ ist es eine geschichtliche Tatsache, dass sich nach Jesu Tod und überraschenden Auferstehungserfahrungen durch seine Nachfolger/-innen christliche Gemeinschaften bildeten, die zu Mahlfeiern zusammenkamen, in denen die Anhänger Jesu sich an seine Selbsthingabe am Kreuz und sein vor- und nachösterliches Wirken erinnerten und es liturgisch feierten. Ihr Glaube daran wuchs, dass in ihrem veehrten Rabbi Jesus sich „Gott“ selbst offenbart hatte, dass Er der Erlöser der Welt, der Heilsbringer par excellence sei. Die innige Verbundenheit mit Ihm fand ihren Ausdruck in Zeichenhandlungen; in der Tauffeier ahmten sie zeichenhaft ihre Umkehr zu Christus, ihr Mit-Sterben und Mit-Auferstehen mit Christus nach und im gemeinsamen „Brotbrechen“ feierten sie ihr tiefes Einssein mit Christus und miteinander.

  Eine exklusive Theologie unterschlägt gerne, dass auch diese offiziellen sieben Sakramente auf Dingsymbolen und rituellen Handlungen beruhen, die in vielen Religionen genutzt werden, um die Erfahrung der liebenden Nähe Gottes bzw. des Numinosen sinnenhaft wahrnehmbar auszudrücken:

- Wasser, Brot, Wein, Öl, Atem ....

- (sich) waschen, die Hände auflegen, mit Öl salben, sich auf dem Boden niederwerfen, Kerzen-Lichter anzünden, das alte Gewand ablegen - ein neues anlegen, sich umarmen, einen Ring anstecken, .....

Drei christliche Zeichenhandlungen, die neu inszeniert wurden, haben mich besonders berührt:


- die Kreuzverehrung im Abendgebet am Freitag in Taizé

- die Händewaschung im diesjährigen Gründonnerstags-Gottesdienst in Groß St. Martin Köln

- eine „Nachahmung“ des Emmausgangs mit Schüler/-innen des Erzb. Berufskollegs Köln

  In mannigfachen symbolischen Inszenierungen wird nach Ansicht der Kirchenväter der ersten Jahrhunderte das sakramentale Handeln Christi, Seine Realpräsenz leibhaftig sichtbar. Noch der große Kirchenlehrer Augustinus (354-430) ging von 304 Sakramenten aus. Später reduzierte man die Vielzahl auf die kirchlichen Rituale an den Knotenpunkten, den entscheidenden Übergangsphasen und Hoch-Zeiten des menschlichen Lebens:

wilhelm willms: sakrament 2.Teil

in: Mitgift, Kevelaer 1979, S.21ff


diese heiligen zeichen

können von menschen genommen

zu neuen zeichen

erhöht werden

in beziehung genommen

zum menschen

kann ihr sakramentaler

zeichenwert

bis zu äußerster aussagekraft

gesteigert werden


zum beispiel:

ein junger mann liebt ein mädchen

er findet keine worte

dem mädchen zu sagen

daß er sie liebt

der junge mann

geht in einen blumenladen

und sucht

aus dem großen blumenkübel

sieben rote rosen aus

und kauft sie


er schenkt sie am abend

dem mädchen

das er liebt


sie ahnt wie kostbar die rosen

sind


in diese liebesbeziehung

hineingenommen

sind diese sieben roten rosen

nicht mehr die „bloßen“ rosen im kübel

sie haben eine neue qualität bekommen

nicht nur für den jungen mann

sondern auch für das mädchen

das die rosen annimmt

und das zeichen

der sieben roten rosen

verstanden hat


die rosen sind

„verwandelt“



sie sind bedeutungsgeladen

mit neuer qualität

mit einer neuen realität erfüllt


sooft das mädchen die rosen anschaut

erinnert es sich an den

von dem die rosen kommen

die rosen sprechen

und wirken

sakramental


sie bewirken

ein sich vergewissern

daß er

der junge mann

in diesen rosen

gegenwärtig ist

ihr nahe ist

die rosen sind eine große realität

im leben dieses mädchens

eine hochheilige realität


so ist auch

das BROT

das jesus als abschiedszeichen

seinen jüngern gab

und das die kirche

fortwährend


in diese beziehung

zwischen dem lebendigen jesus

und sein lebendigen jüngergemeinde

hineinnimmt

bei der messe

ein neues brot

brot von neuer qualität

bedeutungsgeladen

und realitätserfüllt

es wird als liebeszeichen hochheilig

es wird das allerheiligste


w.willms: sakrament 3.Teil -

siehe Webseite „Eucharistie“ 

IV.  Sakramentale Zeichen und die Bildlosigkeit Gottes

  Sakramentale Feiern (Taufe, Eheschließung, Eucharistiefeier mit Verkündigung) spiegeln den Goldgrund des Lebens wider.

  Sie können zutiefst anrühren und die Sache selbst, eine innige Verbundenheit mit Christus, dem Urgrund allen Lebens, und untereinander aufleuchten lassen; wenn allerdings die äußere Zeichenhaftigkeit und ihre Wirksamkeit überbetont werden, können sie zu fragwürdigen magischen Ritualien erstarren. Als Beispiele für diese Gefährdung verweise ich auf die Praxis der Nottaufe vor dem II. Vatikanischen Konzil (1962-65). Säuglinge sollten direkt nach ihrer Geburt getauft werden, um bei frühzeitigem Tod dem Risiko der ewigen Verdammnis zu entgehen. (Aus neurotischer Heilsangst heraus wurden im Mittelalter schon Embryonen mit Hilfe einer Pipette getauft, oder noch im 20.Jahrh. spendete man die „Letzte Ölung“ Menschen, die schon gestorben waren.)


  Die Unterscheidung durch Augustinus (354-430) zwischen „signum“ (Zeichen) und „res ipsa“ (die Sache selbst) kann da magische Missverständnisse auflösen.

  Sakramente bezeichnen danach die unverbrüchliche Liebeszuwendung Gottes zur gesamten Schöpfung, zu allen Menschen. Sie sind rituelle Feiern der allumfassenden göttlichen Liebe und teilen sie mit, aber sie sind nur (!) Heilige Zeichen, „sichtbares Wort Gottes“, nicht die Sache selbst. Sie bleiben Zeichen, auch wenn sie die Liebe Christi, den „Reichtum seiner Herrlichkeit“ und seine „vielfarbige Weisheit“ real präsentieren.

   Manche Christen finden eher Zugang ins „Tempelinnere“, wenn sie an einem Pontifikalamt im Kölner Dom teilnehmen, mit seiner Buntheit der Messgewänder, dem Reichtum an Riten und liturgischen Assessoires (Prozessionen, Weihrauch, Orgelspiel, lateinischem Choral etc). Anderen leuchtet die Präsenz Christi eher in einer einfachen liturgischen Form auf, die eine größere Ähnlichkeit mit dem ersten Abendmahl Jesu vor seinem Tod aufweist: Vereinfachung der zeichenhaften Elemente und Handlungen, stärkere Beteiligung und Kommunikation aller, gemeinsames Essen und Trinken etc.

   In sakramentalen Zeichenhandlungen feiern wir die „res“, eine Wirklichkeit, die auch schon vor und außerhalb einer kirchlichen Liturgie da ist in unserem Leben. Die verborgene

Mai 2011 - Nov 2016

  Manche fragwürdigen Entwicklungen im Sakramentenverständnis werden heute kritischer gesehen und sind zum Teil vom II. Vatikanischen Konzil (1962-65) korrigiert bzw. neu eingeordnet worden:

  1. -die gegenreformatorische katholische Verengung auf die Wirksamkeit („ex opere operato“) und auf bestimmte Kriterien der Gültigkeit (Formpflicht bei Eheschließung),

  2. -die protestantische Abwertung der Realsymbolik von Sakramenten und die Überbetonung von „Wort“ und „sola fide“,

  3. -magische Missverständnisse in der Praxis der kath. Kirche (Nottaufe, Letzte Ölung), Missbrauch von „Heiligen Zeichen“ als Versicherungen für das ewige Heil,

  4. -die Abgrenzung der kirchlichen Sakramente von bloß „natürlichen“ Zeichen, die beanspruchte Exklusivität der sieben Sakramente. (Gott sei Dank entwickelte sich in der Volksfrömmigkeit eine Fülle von sog. Sakramentalien, von heiligen Zeichenhandlungen außerhalb der offiziellen Sakramente: Aschekreuz, Weihwasser, Kreuzverehrung, Friedensgruß ....).

alles  ist ein Zeichen für ETWAS

  Seit einer intensiveren Beschäftigung mit östlichen Religionen und mit der Evolution des menschlichen Bewusstseins bin ich skeptischer geworden gegenüber traditioneller theologischer Sprache, zumal wenn sie absolute Wahrheit beansprucht und so die existentielle Suche nach dem innersten Mysterium der Wirklichkeit eher verhindert denn anreizt. Das Fundament aller Religionen ist ihrem Selbstverständnis gemäß eine theologia negativa. Ihr erster Grundsatz lautet: Vom innersten Wesen aller Dinge - das wir „Gott“ nennen - wissen wir im Grunde nichts, und alle theologischen Aussagen sind Sprachspiele, abhängig von veränderlichen zeit-räumlichen Faktoren, und treffen nicht die gemeinte Sache. Letzten Endes führt jedes Reden über und zu „G.o-t-t“ in staunende Anbetung, ins Schweigen.

  Diese menschenfreundlichen Taten und Gesten Jesu verstehen die biblischen Autoren als heilsame Zeichenhandlungen, als Sakramente, durch die Leben in Fülle geschenkt wird. Nach Meinung der Verfasser des Johannes-Evangeliums ließe sich diese Palette von sakramentalen Handlungen noch tausendfach erweitern. Sie schreiben: „Noch viele andere Zeichen hat Jesus getan, die nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, damit ihr durch den Glauben Leben habt.“ (20,30) Und sie beenden ihr Evangelium: „Es gibt noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles aufschreiben wollte, so könnte die ganze Welt die Bücher nicht fassen, die man schreiben müsste.“ (21, 25)

dem „Auszug des Jüngsten aus dem Elternhaus“ (Gleichnis vom verlorenen Sohn):

Es nahten sich Jesus all die Zöllner und die Sünder, um ihn zu hören. Und es nörgelten die Pharisäer und Schriftgelehrten und sagten: Der da - er nimmt Sünder an und speist mit ihnen.

Er aber sprach zu ihnen dieses Gleichnis:

Ein Mann hatte zwei Söhne ... der jüngere Sohn reiste in ein fernes Land und verschleuderte dort sein Vermögen in heillosem Lebenswandel ... Zu sich selbst gekommen, sprach er: Ich gehe hier vor Hunger zugrunde ... Und er stand auf und ging zu seinem Vater. Als er noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater. und diesem ward weh ums Herz. Und er lief  und fiel seinem Sohn um den Hals und liebkoste ihn (Lukas 15, 11-32)


  Solche konkreten Dinge und Vorfälle aus Natur und Alltag verstand Jesus als Gleichnisse, als Zeichen für die verborgene Gegenwärtigkeit des Reiches Gottes. Und viele seiner Anhänger gewannen durch sein anschauliches parabolisches Sprechen einen Durchblick durch die Oberfläche ihrer alltäglichen Wirklichkeit auf das Göttliche Mysterium hin. Ihre konkrete Lebenswelt bekam Tiefe und Transparenz.

Rembrandt van Rijn: Die zwei verlorenen Söhne (um 1666/1669)

Heilungen von Blinden, Tauben, Stummen, Gelähmten, Besessenen, Aussätzigen ....

Sättigung einer großen Menschenmenge mit fünf Broten und zwei Fischen

Buchmalereien aus dem Codex Egberti (um 985) und Germälde von Siger Köder (1925-2015)

Verwandlung von Wasser in Wein auf der Hochzeit in Kana

Fußwaschung am Abend vor seinem Tod

Hingabe seines Lebens für alle in den Dingsymbolen von Brot und Wein

Epiphanie vor Petrus, Thomas, Natanael, Johannes und Andreas, die einen erfolglosen Arbeitstag hinter sich haben

Wie aber der Oberschenk das zu Wein gewordene Wasser gekostet hatte und er nicht wusste, woher es war ... Dies wirkte Jesus - als Anfang der Zeichen ... Und aufschien seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. (Johannes 2, 9-12)

Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen ... Als er nun ihre Füße gewaschen, sprach er: Ein Beispiel habe ich euch gegeben, dass auch ihr tut, wie ich euch getan.

(Johannes 13, 1-17)

Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer Die Jünger wussten aber nicht, dass es Jesus war ... Sagt jener Jünger, den Jesus liebte zu Petrus: Es ist der Herr ... Als sie  nun an Land gestiegen, erblickten sie ein Kohlenfeuer und Fisch darauf liegen und Brot.  (Johannes 21, 4 ff)

Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nimmermehr hungern. Und wer an mich glaubt, wird nimmermehr dürsten.

(Johannes 6, 35)

  Des weiteren deutet Johannes an, dass die tote und auferstandene Leiblichkeit Jesu der Quellort der Grundsakramente „Eucharistiefeier“ und „Taufe“ ist („einer der Soldaten stieß mit der Lanze in Seine Seite, und sogleich floß Blut und Wasser heraus“ – Joh 19,34).


  Dass die Inkarnation des Wortes Gottes („Und der Logos ist Fleisch geworden“ – Joh 1, 14), eine der grundlegenden Voraussetzungen für ein biblisch fundiertes Sakramentenverständnis, auch die Spiritualität einer umfassenden natürlichen Sakramentalität unausschöpflich bereichert, ist in der gängigen westlichen Theologie wenig bedacht und realisiert. Das hat zur Folge, dass die Vorstellung, dass „Gott“ mit der Materie eine unauflösliche Verbindung eingegangen ist und dass das Göttliche, das „Wort des Lebens“ im Fleisch, d.h. in der Schönheit und Vergänglichkeit alles Materiellen hörbar, anschaubar und berührbar ist und uns mit Freude erfüllt (vgl. 1 Joh 1-4), den meisten Christen wie eine Gotteslästerung vorkommt.

4.  Der Tod Jesu am Kreuz ist ein Zeichen seiner Selbst-Hingabe mit Leib und Seele („Blut und Wasser flossen aus Seiner Seite heraus“ – Joh 19, 34)


5.  Die johanneische Inkarnations-Theologie („Und der Logos ist Fleisch geworden“ – Joh 1, 14) führt zu bisher wenig bedachten, weil zu gewagt erscheinenden theologischen Schlussfolgerungen: „Gott“ ist Geist und Materie. In Materie ist das Göttliche berührbar.

ICH BIN

der Weg         +        das Brot des Lebens     +     der Gute Hirte      +     der Wahre Weinstock        +          die Tür

  So vertiefte sich über Gottesdienst, Katechese und missionarische Predigt ihre christologische Erkenntnis; ihr Christus-Bild weitete sich vom Rabbi Jesus zum Kyrios, der die Schöpfung ins Leben gerufen und geprägt hat und im Dasein erhält, und der in seinem heilenden und erleuchtendem Wirken in allen Lebensbereichen und Lebenssituationen präsent ist und bleibt. So wurde Christus, ihr verehrter „Herr und Gott“ de facto als Ur-Sakrament verstanden, auch wenn es erst eine neuzeitliche Theologie so formuliert hat. Schon Paulus entwickelte eine Theologie von der Kirche als Leib und Fülle (Pleroma) Christi, „der Alles in Allem erfüllt“ (Eph 1,23).

- Geburt 
  Kinder-Taufe
- der eigenen Wesensstimme, dem Geist Gottes folgen; mündige Lebensentscheidung 
  Erwachsenen-Taufe / Firmung
- sich einer Lebensaufgabe verschreiben 
  Priester-weihe
  1. -Vereinigung von Frau und Mann, Partnerschaft,

Heirat 
  Ehe
- Essen, trinken, feiern
  Eucharistiefeier
  1. -umkehren, sich versöhnen, sich neu

entscheiden 
  Buße
  1. -krank sein, sterben
      Krankensalbung / Letzte Ölung
 

   Neben diesen offiziellen Sakramenten kreierten die kirchliche Pastoral und die Volksfömmigkeit immer wieder neue Rituale und Gesten, sogenannte Sakramentalien, die die heilende Präsenz Christi und den Glauben daran anschaulich und berührbar verkörperten:

Kirchweihe, Haussegnung, Königssalbung, Aschekreuz, Kreuzverehrung, Kreuzweg beten, Sich-Bekreuzigen, Reisesegen, Friedensgruß u.a.

1. In Taizé wird jeden Freitag zum Ende des Abendgebetes das große Kreuz in die Mitte der Jugendlichen aus aller Welt getragen und auf den Boden gelegt. Viele bewegen sich knieend hin und legen die Stirn oder die Hand auf das Kreuz und vertrauen dem Gekreuzigten und Auferstandenen alles an, was sie bewegt.


2. Das „Sakrament der Fußwaschung“ wird im Gründonnerstags-Gottesdienst (Groß St. Martin, Köln)  der Jerusalemer Gemeinschaft in einer neuen Form gespendet: Jedem/-r Gottesdienst-Teilnehmer/-in werden die Hände mit Wasser übergossen und getrocknet, und die Worte zugesprochen „Der Herr wasche dich rein und schenke dir seinen Frieden.“ 


3. Jeweils zwei Schülerinnen, die sich miteinander austauschen wollen, machen sich auf den Weg vom „Sachsenring“ zur Karmelitinnenkirche Maria Frieden, sprechen unterwegs über manches, was sie bedrängt und belastet. Im Meditationsraum setzen die Teilnehmer/-innen sich im Kreis auf den Teppichboden; Brot und Wein und Bibel sind in der Mitte bereitgestellt. Schweigend verinnerlichen alle die auf dem Wege ausgetauschten Erfahrungen. Nach dem Aufnehmen der biblischen Emmaus-Erzählung teilen sie Brot und Wein.

Glastryptichon „Auferstehung“ von Siger Köder in Großheppach

Frauen kommen mit Salbgefäßen zum Grab  -  Maria aus Magdala sieht und erkennt den Aiuferstandenen „Rabbuni“

Die österliche Sonne geht auf + Fisch und Brot auf einem Kohlefeuer am Anderen Ufer

Gegenwart Christi in Natur und menschlicher Geschichte können wir erahnen und manchmal auch mit innerer Gewissheit erfahren. Allermeistens ist das Göttliche allerdings nur im Geheimnis, in der Verborgenheit da, im Helldunkel des Glaubens und Vertrauens. Er kann darin sehr spürbar und wirksam dasein – zum Beispiel, wenn er mir Einsicht schenkt oder Ereignisse fügt, die atemberaubend sind und die mein Leben verändern oder beflügeln. Dieses geheimnisvolle Anwesendsein und Wirken Gottes kann man aber nicht zeigen, kann man nicht greifen und nur in unzulänglichen Worten mitteilen.

  Sakramente bieten Gläubigen die Möglichkeit, sich über liturgische Handlungen und deren Heilige Zeichen der liebenden göttlichen Präsenz zu vergewissern. Sie - und vor allem die geistlichen Spender der Sakramente - sollten sich allerdings bewusst bleiben, dass über das Göttliche Geheimnis nicht verfügt werden kann. Gott / Christus ist im Grunde der ganz Andere, das form- und farblose Mysterium in und hinter Allem. Er wohnt in unzugänglichem Licht. Trotz aller Nähe und Selbst-Offenbarung bleibt er der/das/die Fremde, der/das/die Unergründliche und Unaussagbare. Auch wenn ER uns in Jesus ein menschliches Antlitz gezeigt und sich in unsere Hände und unseren Mund gegeben hat, auch wenn ER sich manifestiert in aller Farbprächtigkeit und allem Formenreichtum der Schöpfung, so bleibt Er für uns im Grunde lautlose Stille, farblose Weiße, formloser Urgrund.

Halte danach Ausschau -

du siehst es nicht:

horche darauf -

du hörst es nicht:

fasse danach -

du ergreifst es nicht;

begegne ihm -

du siehst kein Gesicht:

folge ihm -

du siehst keinen Rücken;

aufgehend ins Helle -

ohne Licht;

sich bergend im Dunkeln -

ohne Nacht;

gestaltlose Form -

zeichenloses Bild -

Ursprung: CHRISTUS.

Nur wer den Ursprung erfährt,

kann ganz im Augenblick sein;

ewig durchfließt ihn der Lebensstrom,

CHRISTUS.

Strömend hierhin, dorthin -

alles stammt aus ihm:

nichts ist ohne CHRISTUS.


(Laotse: Tao te King)

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Sakrament des Augenblicks

Berührung des Göttlichen im Hier und Nun

Gnadengaben in den alltäglichen Gegebenheiten erkennen