Mystik ist nicht gebunden an eine bestimmte Religion oder Konfession, aber ihr Nährboden ist – wie bei Marc Chagall – eine erlebte und konkret praktizierte Religiosität. Chagalls Wurzel-Glaube wurde geschaffen und gefestigt in der Atmosphäre des chassidischen Alltags. Seine Eltern und die meisten jüdischen Mitbürger seiner Heimatstadt Witebsk waren Anhänger des Chassidismus. Nach Martin Buber erregte diese Bewegung „eine Freude an der Welt, wie sie ist ... Sie beseitigte faktisch die Trennungsmauer zwischen dem Heiligen und dem Profanen ... Die Lehre von der Schechina, der einwohnenden Gegenwart Gottes in der Welt, bekam einen neuen, intim-praktischen Gehalt: wenn du das, was  in diesem Augenblick zu tun ist, mit deiner ganzen Kraft und heiliger Intention (Kawwana) tust, einst du Gott und Schechina, Ewigkeit und Zeit ... Mit allem Tun und Lassen bekundet der echte Chassid, dass trotz all des unsäglichen Leidens der Kreatur doch der Herzpuls des Daseins göttliche Freude ist und dass man stets und überall zu ihr durchdringen kann.“

  Somit wurden Grund-Vertrauen und Ansätze eines nicht-dualistischen Denkens  dem heranwachsenden Mosche - so lautete sein ursprünglicher Vorname -  „in die Wiege gelegt.“

  Schon zu seinen Lebzeiten habe ich das künstlerische Werk Marc Chagalls bewundert. Je mehr ich mich darin vertieft habe, umso deutlicher sind mir die mystischen Dimensionen vieler Gemälde und Selbstaussagen aufgegangen.

  Auf diesen Seiten unternehme ich den Versuch, zehn Kunstwerke Chagalls im Lichte west-östlicher Mystik zu deuten. Als Seh- und Verstehenshilfe nutze ich die alte Zen-Geschichte „Der Hirte und der Ochse“.  Den zehn Stufen der Suche des Hirten nach dem „Wahren Selbst“ werden jeweils ein oder mehrere Bilder Chagalls zugeordnet und als künstlerischer Ausdruck der jeweiligen spirituellen Entwicklungsstufe verstanden.

  Es ist ein Weg der mystischen Erfahrung, den auch Marc Chagall gegangen ist. Mystiker aller Couleur haben ihre „Grund“-Erfahrungen in (unzureichende) Worte gekleidet, Marc Chagall hat bestimmte Bild-Zeichen und Farbkompositionen entdeckt, um das absolute im Grunde nicht aussagbare Mysterium und seine Manifestation in dem vielfarbigen Schöpfungstanz zu bezeugen. 

Marc Chagall war – auch in seiner eigenen Einschätzung - ein Mystiker: „Ich bin ein Mystiker ... Mein Gebet – das ist meine Arbeit.“ (zitiert in K. Mayer: Bibel geträumt 10).

  Jeder Mystiker hat irgendwann in seinem Leben eine „Große Seinserfahrung“ gemacht; er hat erlebt, dass er „im Grunde“ eins ist mit Göttlicher Essenz, die alles, was existiert, durchströmt.

  „´Gott ist in uns daheim, wir sind in der Fremde` (Meister Eckhart 1260-1327; Predigt 36). Ein Kernwort der Mystik, Gott ist im Seelengrund des Menschen anwesend, und es ist die wunderbare Berufung des Menschen, in Fühlung zu kommen mit diesem Geheimnis in ihm.“ (Johannes Bours)

  In Wirklichkeit sind wir immer und überall zu Hause in dem All-präsenten Göttlichen Geheimnis, aber wir haben uns ihm entfremdet. Unser Bewusstsein ist getrübt, verschleiert, verdunkelt durch Verblendungen, durch irrige Ansichten. In lang andauernden Phasen leben wir oberflächlich, getrieben von Begierden und Aversionen. Auch für überzeugte Christen, Muslime oder Buddhisten ist es ein langer Weg, bis ihre rationalen Glaubenssätze in dem Erfahrungswissen gegründet sind, dass wir niemals und nirgends von „Gott“, dem „Göttlichen“ oder dem „Grund“ (Meister Eckhart) getrennt sind. Dieses Ursprüngliche Wissen kann zwar getrübt oder vergessen sein, aber es meldet sich, immer mal wieder, unvermutet, in Nullpunkt-Erfahrungen und in Gipfelerlebnissen. Die Ahnung von einer ständigen Einheit unseres Selbst mit dem Absoluten, mit „Sat-Chit-Ananda“ - „Sein-Bewusstheit-Glückseligkeit“, bewegt uns dann so, dass wir uns auf die Suche machen und den Inneren Weg gehen, zögernd zunächst, schließlich entschlossen.

Beheimatet im Göttlichen Ur-Grund

Die Suche nach dem Wahren Selbst

  Eine Diaphanie des Göttlichen kann besonders in der Glaskunst Marc Chagalls erlebt und bewundert werden. Wenn das Sonnenlicht durch die vielfarbigen Fenster mit ihrem „chagallblauen“ Grundton in den Kirchenraum von St. Stephan in Mainz fällt, flüstert der faszinierte Besucher vielleicht (wie Chagall selbst vor seinen biblischen Gemälden im Musée Message Biblique Marc Chagall in Nizza): „Gott ist hier“. Sein Blick wird angezogen von den drei mittleren Chorfenstern. Über den Grund-Bildern von Schöpfung und Paradies erhebt sich die Liebesgeschichte Gottes mit der Menschheit, veranschaulicht an gotteserfahrenen Männern und Frauen (Adam und Eva, Noah, Abraham und Sara, Isaak und Rebekka, Jakob und Rahel, David und Batseba, Debora, Elija und schließlich Jesus mit seiner Mutter Maria).

  „Im Ur-Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ - so beginnt die Heilige Schrift der Juden und Christen, aus deren Geist und Bildern Chagall lebte. „Und Gott schuf den Menschen in seinem Bilde, männlich - weiblich.“


  Im Alter von über neunzig Jahren setzte Chagall  seine Vorstellung von dem Ursprung des Menschen ins Bild, in ein Glasbild - ein „Fenster ins Absolute“.

Der Engel Jahwes, das häufigste Bild-Zeichen Chagalls für „ICH BIN DA“, der Himmlisches und Irdisches verbindet, trägt den Menschen aus dem unergründlichen Urgrund in den paradiesischen Garten der Erde. Die ganze Schöpfung ist bereitgestellt: die Pflanzenwelt ist durch grünende, blühende Sträucher, die Tierwelt durch zwei Vögel vertreten. Der Reichtum, die Fruchtbarkeit der Schöpfung klingt in den roten und grünen Farben an.

Über die ganze Schöpfung hin - herausfließend aus der Gestalt des göttlichen Boten - wölbt sich ein Regenbogen: Zeichen des Bundes Gottes mit den Menschen, mit allen Lebewesen, mit der ganzen Erde. Er erscheint wie ein Torbogen, durch den der Mensch hindurchgetragen wird. Der „doppelte Ursprung des Menschen“ (K. Dürckheim), sein himmlisches und irdisches Wesen, wird in der Zweiteilung und Farbgebung

„Gott ist in uns daheim, wir sind in der Fremde“.

Aus der Welt Gottes wird der Mensch in die Welt Gottes hineingetragen. Aber dieses Wissen um seine dauernde Beheimatung im „Schoß des All-Einen“ und das ihm „im Wesen innewohnende Inbild“ Gottes wird schon früh überdeckt und zugestellt. Sobald er sich auf die eigenen Füße gestellt sieht, wächst seine irrige Ansicht, als autonomes Subjekt das Leben eigenmächtig gestalten zu können. Welt, Gott und Mitmensch betrachtet er bald als Objekt, als getrenntes Gegenüber. Leiden aller Schattierungen verstärken seinen (Un-) Glauben, von dem Göttlichen Sein getrennt zu sein. Das Gefühl, im Exil zu leben, weckt aber die ersten Zweifel an seiner bisherigen Lebenskonzeption.

„Wir sind in der Fremde, Gott ist in uns daheim“ bzw. „Wir sind in Gott daheim.“

  Vielleicht dämmert ihm irgendwann, dass er seine Urheimat, das wahre Leben aus dem Sinn, aber nicht in Wirklichkeit verloren hat. Sein ihm eingeborenes Wissen von der Nicht-Dualität, von seinem bleibenden Einssein mit dem Göttlichen Grund, meldet sich.

„Gott ist in uns daheim, wir sind in der Fremde“.

  Das Leiden an der Fremde, dieses Lebensgefühl, ins Leben geworfen zu sein, oder wie verbannt im Exil leben zu müssen, wird ihm Anlass und Antrieb, wie der Hirte in der Zen-Geschichte aufzuwachen und sich auf die Suche nach dem wahren Zuhause, das nie verloren gehen kann, zu begeben.

Die Erschaffung des Menschen

Glasfenster in St. Stephan Mainz 1978

  Der chinesische Zen-Buddhismus hat im 12. Jahrh. n.Chr. den Lebensweg des Menschen, seine Reise zur mystischen „GRUND-Erfahrung“ in einer Parabel dargestellt. Ein Hirte macht sich auf die Suche nach seinem Ochsen, einem Sinnbild für das Ursprüngliche Wesen, das Wahre Selbst, oder mit anderen Worten: einem Sinnbild für die Buddha- oder Christus-Natur des Menschen.

  Der Hirte - das empirische Ich mit seinen Konditionierungen, fixierten Selbstbildern und ständig wechselnden Gefühlen und Gedanken - erfährt, dass er sein Wahres ursprüngliches Wesen, das Atman - versinnbildlicht durch das uns Europäern fremde Bild eines Ochsen oder Wasserbüffels - nie verloren, aber immer wieder verschleiert und vergessen hat. Er entdeckt wie die Mystiker aller Kulturen und Epochen, dass sein ewiges Zuhause, das Brahman, der Göttliche GRUND - bildhaft dargestellt durch den weißen Kreis - ihn immer und überall getragen hat und trägt (III). In der Regel muss er lange den Übungsweg gehen, die Schattenkräfte der eigenen Seele integrieren und alle Konzepte und Identifikationen loslassen (IV-VII) - in manchen bildlichen Darstellungen wird die Gestalt des Ochsen immer weißer und damit unsichtbar -, bis er sein Wahres Selbst / den Göttlichen Grund als wort-, farb- und formlose Leere - als einen weißen Lichtkreis - erlebt (VIII). Auch dieses Stadium  muss er übersteigen. Die Rückreise in das alltägliche Leben (IX) verdeutlicht, dass das Reine Selbst / das Göttliche Sein in jeder Form, jeder Farbe und in jedem Wort anwest (X).

  „Der inwendige Mensch ist in den edlen Grund der Gottheit eingeladen und wieder und wieder gerufen und wird dahin wieder gezogen. Wie Gott im inwendigen Seelengrund seinen Grund gelegt hat und da nun verborgen und bedeckt liegt – wer das finden und erkennen und schauen könnte, der wäre ohne allen Zweifel selig. Und wie immer auch der Mensch sein Gesicht abkehrt und irre geht, so hat er doch ein ewig Locken und Neigen dahin und kann nirgends Rast finden. Denn alle Dinge vermögen ihm nicht genüge zu leisten außer diesem einen. Denn dies treibt und zieht ihn ständig in das Allerinnerste, ohne daß er es weiß.“ (Johannes Tauler 1300-1361)

Marc Chagall: Erschaffung des Menschen

Gegründet im Uranfang

(Chorfenster in St. Stephan Mainz 1978)

Marc Chagall (1887 - 1985) - Maler und Mystiker

  Marc Chagall hat den ambivalenten Zustand zwischen Schlafen und Erwachen als Schöpfungsmerkmal des Menschen dargestellt. Ob der Mensch vor sich hindämmert oder zur Erkenntnis seines Wahren Wesens erwacht ist - Chagall, der „Maler des Unsichtbaren“ war von Anfang bis zum Ende seines Lebens erfüllt von dem Grund-Vertrauen, dass der Mensch seinem Wesen nach von dem Engel Gottes getragen ist und ewig im Garten Gottes und seiner Unendlichkeit beheimatet bleibt. Jeder Mensch ist gerufen, wie Mose oder Jakob oder Marc Chagall diese Große Seinserfahrung zu machen und zu der Einsicht in seine göttliche Abstammung und bleibende Gotteskindschaft zu erwachen.

Die Suche nach dem Wahren Selbst

Die 10 Stationen der Zen-Parabel und Gemälde Marc Chagalls im Licht west-östlicher Mystik


I.  Beheimatet im Göttlichen Ur-Grund

Zen-Geschichte „Ochs und sein Hirte“ - Erstes Bild:  Die Suche nach dem „Ochsen“

Marc ChAgAll: Erschaffung des Menschen

  Außer dem chassidischen Geist nannte Chagall 1953 als bleibende Grundlage seiner Kunst die „Mystik der Ikone“. Ikonen waren und sind im Verständnis der Ostkirche, also auch im Raum der russischen Orthodoxie, wo Chagall aufwuchs, mehr als Kunstgegenstände. Sie werden verehrt als Kultbilder, die göttliche Dimensionen durchscheinen lassen. Sie sind „Inbilder“ des Göttlichen und „Fenster zum Absoluten“.

des Glasfensters anschaulich. Beiden Welten gehört er an, der göttlich-engelhaften (linke Bildhälfte, Farbe Gold-Gelb) und der fruchtbar-vergänglichen (rechte Bildhälfte, Farbe Rot).

  Geschaffen aus „Staub vom Acker“ (adamah) und „Hauch des Lebens“, bleibt er beheimatet in dem All-präsenten göttlichen Grund (Blau).

Noch ist der Mensch nicht vollends erwacht, das linke Auge ist geschlossen, das rechte erst halb geöffnet.

Bilder der Inneren Lebensreise


  Die Suche nach dem Wahren Selbst ist ein Weg der Bewusstwerdung und Transformation, den alle spirituell Suchenden gehen. Gewohnte Seh-, Fühl-, Denk- und Verhaltensmuster müssen durchschaut und losgelassen werden, um das Wahre Selbst (zurück-) zu gewinnen. In der christlichen Mystik spricht man von drei Phasen: Läuterung, Erleuchtung und Vereinigung. Beliebte Bilder für die innere Reise sind „Himmelstreppe“, „Brunnen“, „Innere Wohnungen“, „Spirale“, „Labyrinth“. Judentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus bedienen sich ähnlicher biildhafter Vorstellungen.

  Die Geschichte vom Hirten und seinem Ochsen aus dem chinesischen Zen gebraucht als Sprachkleid eine uns Europäern fremdartige Allegorie. „Hirte“, „Ochs“ und „Leerer Kreis“ sind die tragenden Bilder.

  Der spirituelle Sucher muss in dem Prozess der Abkehr, der Um- und Hinkehr in das EINE zehn Stationen durchlaufen: 1. Suche nach dem „Ochs“, 2. Spuren in Hl. Schriften, 3. Erblicken, 4. Einfangen, 5. Zähmen, 6. Heimritt, 7. Ochs vergessen, 8. Leere/Fülle, 9. Heimkehr, 10. Auf dem Markt.

  Dieses innerste Wesen (Augustinus: „intimior intimo meo“ - innerlicher als mein Innerstes“), sein transzendentales Selbst kann der Mensch „im Grunde“ zwar nie verlieren, aber er spaltet es ab und vergisst es; er folgt seinem empirischen Ego, seinem konditionierten „Welt-Ich“, das durch Verblendung, Anhaftung und Ablehnung  bestimmt ist. Er verfällt der irrigen dualistischen Ansicht, dass er getrennt sei von Gott, dem Göttlichen Grund. Anfängliche (mystische) Wesens-Erfahrungen treiben ihn aber wie den Hirten an, sich auf die Suche zu begeben und sich des verborgenen und doch so offenkundigen Seelen- und Seinsgrundes immer bewusster zu werden.

Erstes Bild:

Die Suche nach dem Ochs

Mose: Wasser und Honig aus dem Felsen

König David und Batseba

Il concerto

Das Dorf

Adam im Paradies

Adam und Eva im Paradies - Lebensbaum - Besuch von drei Engeln bei Abraham und Sara - Engel - Kreuzigungsszene

Der Goldene Kreis des Ewigen

und

das Hohelied der Liebe

Marc Chagall im Alter von 92 Jahren

Chassidim bei Musik und Tanz

  Von Kindheit an war Chagall mit der Bilderwelt der hebräischen Bibel, dem Alten Testament  vertraut, die er regelmäßig las.  „Seit meiner frühen Jugend hat mich die Bibel gefesselt. Sie erschien mir immer und erscheint mir auch heute noch als die größte Quelle der Poesie aller Zeiten. Stets habe ich ihre Spiegelung  im Leben und in der Kunst gesucht. Die Bibel ist wie ein Nachklang der Natur, und dieses Geheimnis habe ich weiterzugeben gesucht... Malerei und Farbe – sind sie nicht von der Liebe inspiriert? Ist die Malerei nicht allein der Widerschein unseres inneren Selbst? ... Wir sollten unser Leben ... mit den Farben der Liebe und Hoffnung ausmalen. In dieser Liebe findet sich ... das Wesentliche jeder Religion. Für mich entspringt die Vollkommenheit in der Kunst und im Leben aus dieser biblischen Quelle.“ 

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  Nach 1944 taucht das Motiv des Gekreuzigten Jesus in vielen Werken Chagalls auf. Bilder des Leidenden am Kreuz - Jesus war wie Marc Chagall ein Jude! - halfen ihm offensichtlich, seinen fassungslosen Schmerz über den Tod seiner geliebten Frau und den Holocaust seines Volkes zu verarbeiten. Den Wandel in seinem Jesus-Bild und seine verborgene Christus-Mystik habe ich auf meiner Webseite „Der Gekreuzigte“ differenziert dargestellt: „Der historische am Kreuz hingerichtete Jesus von Nazareth wird für Chagall immer intensiver und ausdrücklicher zu einer universalen Gestalt, zu einem Christus der Auferstehung, der Verehrung und Hingabe evoziert. In ihm hat Chagall ein Schlüssel-Bildzeichen gefunden, das alle Leidens- und ´Auferstehungs`-Erfahrungen seines Volkes, von Abraham angefangen bis in die unmittelbare Gegenwart, zusammenfasst und in sich birgt.“ Für Chagall ist Christus das Symbol par excellence für das Lebensprinzip „Stirb und werde!“ geworden.

Auf dem mystischsten seiner Bilder zum „Hohenlied der Liebe“ deutet er an, dass die unaussprechliche Transzendenz, die sich auch in dem wirbelnden Tanz der Schöpfung manifestiert, das ikonenhafte Gesicht Christi trägt.

  Bei aller Verwurzelung im Geist des Chassidismus und der jüdischen Bibel entwickelte Chagall vor allem nach seiner Lebensmitte eine eigene religiöse Bild-Sprache. Seine Forderung an den Maler, „dass er nur solche Bilder malt, die er in sich trägt“, verwirklichte er selbst. Archetypische Bilder der Seele gewinnen auf seinen Gemälden Form und Farbe. Er wird zum „Maler des Unsichtbaren.“ Er wollte „eine vierte, fünfte, eine psychische Dimension sichtbar machen als Wirklichkeit hinter oder unter der äußeren Realität“. Dieses Durchscheinen der Transzendenz fällt besonders in die Augen, wenn man seine berühmten Glasfenster in Zürich oder Mainz anschaut.

DU leuchtest in meiner Seele wie die Sonne auf Goldgrund (Mechthild von Magdeburg 1207-82)

Vertreibung aus dem Paradies

Nov. 2011 / 2016                         Zur Startseite

2.  Bild: Das Finden der Ochsenspuren


Lichtspuren, Heilige Worte, ein Glitzern der Herrlichkeit