Mystisch-universales Christentum I


Umcodierung von Außen/Oben nach Innen

und von Partikularismen in Universalität

Stärkere Beachtung der traditionellen theologia negativa


Gemeinsame non-duale Tiefenstrukturen

in der Mystik der Weltreligionen

(Judentum, Christentum, Islam -

Buddhismus, Taoismus, Hinduismus)

  Den Ausspruch von Karl Rahner, einem der bedeutendsten kath. Theologen des 20. Jahrhunderts „Der Fromme der Zukunft wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein“ könnte heute so ausgeweitet werden: „Das Christentum der Zukunft wird einen universal-mystischen Weg gehen oder es wird nicht mehr sein.“ Es wird - wie alle Religionen, nicht nur die monotheistischen - in der heutigen weltweiten Krisensituation doktrinäre Verabsolutierungen überschreiten müssen, der mystischen Erfahrung und Freiheit des Einzelnen größeren Raum einräumen und überzeugend aus dem Bewusstsein des Göttlich-Einen und der Einen Menschheit und der Einen Erde leben und agieren.


Für die Transformierung in ein universal-mystisches Christentum sind mir zwei Zielrichtungen wichtig:

Weg von vormodernen

statisch-dualistischen und doktrinären Paradigmen

hin zu

einem universal-evolutiven und mystischen Modell

christlicher Theologie und Spiritualität

Ein neues Bewusstsein der Einheit aller Lebewesen


  Ein Blick von außen, von einem Standpunkt außerhalb unserer Erde (oder sogar außerhalb unserer Galaxie) verändert das spirituelle Bewusstsein. Alexander Gerst, der 2014 sechs Monate an Bord der Raumstation ISS lebte, und viele andere Astronauten haben das erfahren. Unsere Erde: ein blauer Planet in der Schwärze des Weltalls, eine Oase in der unendlichen, stillen Wüste des Universums, wunderbar schön und zugleich schrecklich verletzbar, nur durch den zarten Schleier einer dünnen Atmosphäre geschützt, ein vollkommenes Ganzes.

  Ein solcher Standort- und Perspektivenwechsel kann heute von jedem „Erdling“ (hebr. adam) in einem mental-spirituellen Sinn vollzogen werden. Befreit von dem Eingebundensein in das Getriebe des Vielerlei und die gewohnte Froschperspektive nimmt der Gewahrende einen „göttlichen“ Blickpunkt ein, von dem aus Grenzen als von Menschen willkürlich gezogen erscheinen, wo die einzigartige Kostbarkeit und Verletzlichkeit des terrestrischen Lebens bewusst wird. Ins Bewusstsein tritt die vollkommene Schönheit, das Eine, das Gemeinsame, das Ganze, das Ungetrennte, Grenzenlose, Unendliche. Eine außer-terrestrische Sehweise wird auch die kirchliche Theologie und jedes Gott-Denken weiten. Ein Alles integrierendes, universales „Gottes“-Bewusstsein wird eines Tages alternativlos sein.

Ein neues Bewusstsein der Evolution des Universum


Noch immer bestehen in kirchlichen Kreisen starke Widerstände gegen die moderne Evolutions-Theorie, die in ihren Grundzügen wissenschaftlich anerkannt ist:


- Das Weltall und unsere Erde entwickeln sich, Alles ist Eine Wirklichkeit im Werden

  1. -Folgende evolutive Phasen hat das Universum bisher durchlaufen: Beginn der Kosmogenese vor ca. 14 000 000 000 Jahren, dann Geogenese (vor ca. 9 Milliarden Jahren entsteht unser Sonnensystem mit seinen Planeten) - Biogenese (vor ca. 3 Milliarden Jahren entwickelt sich Leben auf unserer Erde: von Einzellern über Fische, Amphibien, Insekten, Vögel und Reptilien zu Säugetieren) - Noogenese/Anthropogenese (Auftauchen von Bewusstsein und Geist / Menschwerdung erst vor ca. 2 Millionen Jahren): Erwachen eines Gottes-Bewusstseins (vor 7000 Jahren ???) und eines analytisch-wissenschaftlichen Denkens (vor 2500 bzw. 500 Jahren ???)

  2. -Die Evolution geht weiter in Richtung von Entwicklung zu Höherem Bewusstsein und von Vereinigung komplexer Organismen.

Ein neues Bewusstsein der spirituellen Entwicklungsstufen der Menschheit und des individuellen Menschen (Ken Wilber)


  Auch die Anthropogenese, die Menschwerdung, die bisher letzte und höchste und, aufs Ganze gesehen, zeitlich minimale Evolutionsphase (2 000 000, 60 000 oder nur 7 000 Jahre ?) ist nicht abgeschlossen. Bestimmte Bewusstseinsstufen, die den einzelnen Menschen und seine unterschiedlichen Kulturen / Religionen prägen, haben sich herausgebildet und lösen sich ab.

Wann wurde das animalische Lebewesen zum Menschen? Als es zum ersten Mal „Ich“ sagte? Als es Gegenstände zu Werkzeugen umfunktionierte? Als es sich aufrichtete und den gestirnten Himmel über sich sah? Als es „capax universi" wurde und zum ersten Mal ein Gefühl für „Alles", für „Gott" entwickelte? Als es überprüfbare wissenschaftliche Theorien aufstellte? Wie wird sich das menschliche Bewusstsein weiterentwickeln?

  Barbara Marx Hubbard (geb. 1929) und andere Zukunftsforscher einer „conscious evolution“ betonen besonders die in der Evolutionsgeschichte erstmalige Auf-Gabe der Menschheit zur Ko-Kreation mit „Gott“. Zum ersten Mal in dem Prozess der kosmischen Transformation sind Lebewesen nicht nur Produkte, sondern göttliche Mit-Schöpfer. Im Menschen hat sich der göttliche schöpferische GEIST, der allen evolutiven  Erscheinungsformen zu Grunde liegt, zentriert und er will Ausdruck finden in weiteren Entwicklungsstufen des Individuuums und in der Transformation unseres Lebensraums „Erde" und der Menschheit in eine Neue Erde durch die Spezies „Mensch“ (vgl. www.adolf.frahling.de/Web-Site/Universale_Eucharistie.html).

Fotos von Alexander Gerst aus der Raumstation ISS  2014

Unser blauer Planet - zerstört oder transfomiert in eine „Neue Erde“, in die „Stadt Gottes“ ???

Ken Wilber (geb. 1949), dessen Bücher ich seit einigen Monaten lese, hat im Anschluss an andere Wissenschaftler eine bestimmte Ordnung und Reihenfolge von Bewusseinsstufen erstellt und daraus u.a. sein Konzept einer integralen postmodernen Spiritualität entwickelt (Literaturhinweise s.u.).


Ich vereinfache Wilbers Modell auf sechs Hauptstufen des Wachstums, deren höhere jeweils die niedrigeren transzendieren und integrieren. Der sechste non-duale Bewusstseinszustand, der „EINE Geschmack“, umfasst, erfüllt  und IST alle Stufen:


  1. -körperlich-archaisch-magische Stufe (Gefühl der biologischen Einheit mit allem geht über in den Glauben, das egozentrische Ich könne die Welt in direkter und magischer Weise verändern; Rituale)


  1. -mythische Stufe (Übertragung der magischen Kraft vom Ich auf Götter / Göttinnen; Anerkennung von heiligen Autoritäten: Bücher, Lehren, Lehrer) - Fixierung: Fundamentalismus


  1. -mental-rationale Stufe (wissenschaftliches Verstehen der natürlichen Gesetzmäßigkeiten durch Biologie, Physik, Psychologie usw.) - Fixierung: eindimensionaler Szientismus


  1. -integral-aperspektivische Stufe (Integration von Körper, Gefühl und Verstand; Synthese unterschiedlicher Perspektiven; Einheit in Vielfalt, universeller Pluralismus) - Fixierung: Anti-Rationalismus, ego- und ethnozentrischer Neoliberalismus


  1. -diese Stufen werden transzendiert und umfasst durch höhere transrationale, mystische Ebenen, und


  1. -schließlich durch die unüberbietbare nicht-duale Ebene, auf der das Wahre unzerstörbare SELBST (Seelengrund, Atman) bewusst Eins IST mit dem Absoluten SEIN (Seinsgrund, Brahman, GEIST).


Alle „niederen“ Levels des Bewusstseins haben ihren Wert, müssen aber überstiegen werden. Frühere evolutive Phasen werden nicht einfach abgelöst und ersetzt, sondern transzendiert und integriert.


Literaturhinweise

Ken Wilber: Einfach „Das“, Fischer-Taschenbuch, Frankfurt 2001

Ken Wilber: Mut und Gnade,

Ken Wilber: Integrale Spiritualität, Kösel-Verlag München 2007

Jim Marion: Der Weg zum Chriistus-Bewusstsein, Verlag Via Nova Petersberg 2003

M. Küstenmacher / T. Haberer / W.T. Küstenmacher: GOTT 9.0, Wohin unsere Gesellschaft

    spirituell wachsen muss, Gütersloh 2010


Die Einsicht in die Evolution des Menschlichen Bewusstseins hat schwerwiegende Konsequenzen für die Einordnung und Gestaltung des individuellen spirituellen Wegs und für die Beantwortung der Frage: Welche Bewusstseinsstufe wird in der jeweiligen Verkörperung durch Religionen, Kirchliche Gemeinschaften, säkulare Bewegungen etc. sichtbar? Wo gibt es Ansatzpunkte zu einer Transformation auf höhere mystisch-universale Stufen?

Ausführlicher wird der Zusammenhang zwischen Bewusstseinsebenen und Gottesbildern unter „ Mystisch-universales Christentum II:  Bewusstseinsstufen und Gottesbilder“ expliziert  (http://www.adolf.frahling.de/Webseite/II.Mystisch-univers._Christentum.html).

  Die Angst vor über-mythischen Stufen, vor einer viele Geheimnisse entschlüsselnden  Rationalität, einem von Unterdrückungen befreienden Liberalismus, einer analytischen Psychologie und vor einer unkontrollierbaren Mystik ließ das Christentum (und Judentum wie Islam) - oder zumindest  repräsentative Gruppen - in die Falle eines ekklesio-zentrierten Fundamentalismus laufen. Eine engstirnige Abschottung und narzistische Verabsolutierung der eigenen Lebensmaximen duirch die Großkirchen verstärkte wiederum antikirchliche bzw. antireligiöse Tendenzen in wissenschaftlichen und liberalen Bewegungen. Deren Vertreter haben deshalb ebenso wie ein religiöser Fundamentalismus (meist nicht eingestandene) Barrieren aufgebaut, die ein Hineinwachsen in höhere integrale Bewusstseinsstufen verhindern. So ist Wissenschaft häufig in einer eindimensionalen szientistischen Weltsicht steckengeblieben und Freiheitsbewegungen sind oft zu einem „Flachland“-Liberalismus verkommen, der Beliebigkeit, Egozentrismus und Ethnozentrismus als ein unveräußerliches Recht („Ich darf alles!“ „Mir sagt keiner, was ich zu tun und lassen habe!", “America first") beansprucht.

  Auf dem Weg in ein integrales kosmozentrisch-mystisches Christentum wird auch die Theologie selbstkritisch und wahrhaft universal denkend so manche fixierten Denkmuster aufbrechen und transzendieren, getreu dem nach Markus (1, 17) ersten Wort Jesu: „ Die Zeit ist erfüllt und nahe ist das Königtum Gottes. Denkt um und darüber hinaus (griech. meta-noeite - was man auch so übersetzen könnte: Begebt euch auf eine Meta-Ebene, auf eine Darüber-Hinaus-Bewusstseinsstufe!) und getreu der Leitlinie in Eph  4, 23.24: „Erneuert euch in GEIST (pneuma) und Denken (nous) und zieht den neuen Menschen an, den (ursprünglich) nach Gott geschaffenen.“


  Häufig habe ich erlebt, dass beim wiederholten Lesen und Betrachten der Bibel bestimmte Verse oder Wörter plötzlich aus dem Kontext hervorleuchteten, wie von einem geheimen Textmarker über Nacht gelb, rot oder grün markiert. Was war die Ursache? Ich denke: generell eine stille Veränderung, ein Wachstum in Fühlen und Denken, neue Erfahrungen, die mich Alt-Bekanntes in einem neuen Licht sehen ließen. Während meines Theologie- und Germanistikstudiums waren es zwei einfache altgriechische Vokabeln, die aus dem Konglomerat der neutestamentlichen Schriften unübersehbar und faszinierend auftauchten: „ta panta“, „das Alles“ (Erde und Himmel, die Eine Welt Gottes, das Ganze ohne ein Draußen), ein Basis-Wort der kosmischen Christologie im Epheser- und Kolosserbrief. Das Finde-Instrument, der verborgene Textmarker, die Taschenlampe, die Wünschelrute für diese verborgene Alles-Perle waren vermutlich zwei Phänomene: die beginnende Astronautik, die uns kollektiv einen außerirdischen Blick auf die Erde als Ganzes werfen ließ, und die in der Schule vermittelte Evolutionstheorie (theologisch gedeutet durch Teilhard de Chardin), die uns die Kohärenz und Konvergenz der Einen Schöpfung erkennen ließ.

  Ist das Christentum bereit, sich von fragwürdigen dualistischen Denkmustern (Gott<>Welt; Natur<>Gnade; Geist<>Fleisch; Erlösung<>Verdammung etc.) zu trennen und Modelle von Spiritualität zu konzipieren und existentiell einzuüben, die sich stützen auf die unverbrüchliche Einheit von „Gott“ und Welt,  auf die „creatio continua", die andauernde Erschaffung durch einen erfindungsreichen liebenden „Gott" und auf Seine „incarnatio continua", auf die kontinuierliche „Fleischwerdung" des Alles erfüllenden GEISTES?

  Wenn sich die christliche Orthodoxie mutiger in die neuzeitliche Erfahrung der Einheit alles Entstandenen einschwingen würde, erhielten viele Kernstellen der Bibel eine neue Leuchtkraft: „Alles ist durch Ihn, Christus, den Logos Gottes, geworden und getrennt von Ihm ist nichts geworden, was geworden ist“ (Joh 1, 3); „Das Alles und in Allem: Christus“ (Kol 3, 11). Was der Evangelist Johannes und der Apostel Paulus „LOGOS“ oder „CHRISTUS“ nennen, bezeichnen Hindus, Taoisten, Buddhisten als „Brahman“ oder „GEIST“, der allgegenwärtig, allerfüllend und allumfassend ist. „Gott“ ist unteilbar. „Der GEIST ist nicht die gute Hälfte der Gegensätze, sondern der Urgrund  aller Gegensätze, und unser Heil besteht nicht darin, dass wir die gute Hälfte des Dualismus finden, sondern den Ursprung beider Hälften des Dualismus, denn dies sind wir in Wirklichkeit. Wir sind beide Seiten des großen Spiels des Lebens." (Ken Wilber: Einfach "Das" S. 261)

„Gott erschuf alle Dinge so, dass sie nicht außerhalb von ihm sind, wie unwissende Menschen meinen. Vielmehr fließen zwar alle Kreaturen (aus Gott) aus, bleiben jedoch in Gott." (Meister Eckhart). Wenn man das Universum als Materialisation des GEISTES ansieht, dann gibt es keine Zeit und keinen Ort, wo der GEIST („Gott“, „Christus“) nicht IST. „Ubique Christus totus“  - „Überall ist CHRISTUS voll und ganz“, so heißt einer der Grundsätze der zisterziensischen Mystik im Mittelalter (Wilhelm von Thierry: Meditationes VI,8).


  Seit dem ersten Blick eines Astronauten auf unseren Blauen Planeten wächst die Erkenntnis und sie wird unumgänglich: die Menschheit sitzt in Einem Boot, sie muss gemeinsam auf der Oberfläche dieses engen Planeten leben. Aber die Einheit der Menschen ist nicht nur äußerlicher, sondern essentieller Natur. Das Wesen des Menschen - so stellt es uns die hebräische Bibel (1 Mose 2, 7) in einem großartigen Bild vor - besteht in der gemeinsamen Herkunft aus „Staub von dem Erdboden“ (hebr.  adamah), aus Sternenstaub, der vergeht und verweht, und aus „Hauch des Lebens“, aus unvergänglichem Göttlichen GEIST, dem Pneuma Christi, das „gestern, heute und in Ewigkeit“ in jedem Menschen atmet und das Alles in Allem erfüllt.

Umcodierung von Ausgrenzungen und Dualismen

in Einheit/Ganzheit/Universalität


Nicht-Getrenntheit von „Gott“ und Universum, essentielle Einheit aller Menschen

  Alle Menschen sind Mitinhaber der göttlichen Natur (2 Petr 1, 4) und im Grunde, in diesem göttlichen GRUND (Meister Eckhart) oder GEIST (K.Wilber) eins und ungetrennt.

„Alle seid ihr Söhne Gottes in Christus Jesus ... Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Freie und Sklaven, nicht Mann und Frau - denn alle seid ihr Einer in Christus Jesus“ (Gal 3, 26.28); „Angezogen habt ihr den Neuen Menschen, der zur Erkenntnis erneuert wird nach dem Bilde seines Schöpfers. Da gibt es nicht Grieche und Jude, Beschneidung und Unbeschnittenheit, Ausländer, Skythe, Sklave, Freier, sondern das Alles (griech. ta panta) und in Allem / Allen (ist) Christus“ (Kol 3, 10.11).

  Wie weit allerdings ist die Menschheit heute im Jahr 2015 von einem solchen evolutiv-mystischen Bewusstsein der tiefen Einheit aller Menschen und einer politisch-wirtschaftlichen Realisierung dieses Eins-Seins entfernt!! Archaische, religiös motivierte Terroraktionen  durch IS beunruhigen die Welt, ökonomische Eigeninteressen einer zahlenmäßig kleinen plutokratischen Schicht und der „führenden“ Nationen verhindern „Liberté, Fraternité, Egalité, Divinité“ aller Menschen. Deswegen muss außer einer mystischen Bewusstseinsveränderung innerhalb der Religionen auch der Wille zum öffentlichen Widerstand gegen alle Aufspaltung in Super-Reiche und Habenichtse, in Ungläubige und Rechtgläubige wachsen.

Meister Eckart hat das

- Bildnisverbot der jüdischen Bibel („Du sollst dir kein Bild von Gott machen“ - 2 Mose 20,4,)

  1. -die christliche „theologia negativa“

  2. -der Bibel: „Gott wohnt in unzugänglichem Licht“ (1 Tim 6,16)

  3. -und gerühmter Theologen wie Dionysius Areopagita (um 500): „Göttliche überhelle Finsternis“);

  4. -und von Thomas von Aquin (1225-74): „Das ist das Letzte in der menschlichen Erkenntnis von Gott, daß sie weiß, von Gott nichts zu wissen" u.v.a.m.

verinnerlicht und entfaltet:

  Die Übereinstimmungen Eckharts und anderer christlicher Mystiker/-innen mit den Grundaussagen östlicher Weisheitslehren sind frappierend. Das Göttliche Mysterium in Allem wird in ähnlicher Weise in Nicht-Kategorien und transpersonaler Begrifflichkeit ausgedrückt: Leerheit, Advaita: Nicht-Zweiheit, der Eine Geschmack, Nirvana, Tao, Brahman und Atman, reines Bewusstsein. Zugleich wird dieses „Be-greifen durch Sprache“ total in Frage gestellt.


  Leider ist der interreligiöse Austausch mit Hinduismus, Taoismus und Zen-Buddhismus, der durch Ordensleute wie Hugo Enomiya-Lassalle (1898-1990), Henri Le Saux (1910-1973), Raimon Panikkar (1918-2010), Willigis Jäger (1925- ), Johannes Kopp (1927- 2016), Anthony de Mello (1931-1987) einen ungeahnten Aufschwung nahm, von vielen offiziellen christlichen Gottes-Lehrern in vermeintlich „esoterisch-sektiererische“ Nischen abgedrängt worden.

(vgl. www.adolf.frahling.de/Web-Site/Kosmischer_Christus_II_%28Ausserchristl._Religionen%29.html)

Dennoch scheint ein bestimmter mystagogischer Trend auch in den meisten kath. Bildungshäusern inzwischen fest etabliert zu sein: Dort werden traditionelle christliche Formen der übergegenständlichen Kontemplation eingeübt, die über die Zen-Meditation wieder entdeckt worden sind.

(vgl. www.adolf.frahling.de/Web-Site/Brunnen_%28Kontemplation%29.html)

  Gott ist ohne Eigenschaft, ohne Weise, ohne Attribute, ohne irgendeine Zuschreibung. ER/SIE/ES  ist weder personal noch apersonal. SIE ist sowohl trans-personal als auch trans-apersonal. ER/SIE/ES ist das Eine, die Wirklichkeit der Wirklichkeiten, unanschaulich und unbegreifbar, unergründlich und unaussagbar, gestaltlose Göttlichkeit, UR-GRUND, GEIST. „Gott“ (jedes mentale Bild von Gott) muss um Gottes (der „nackten Gottheit“) willen gelassen werden. Denn das göttliche Geheimnis aller Wirklichkeit ist „stille Wüste“, „grundloser GRUND“, „Seinsgrund“ und „Seelengrund“, „Über-Geist“, „unaustrinkbares Licht“, „verborgene stille Finsternis“, „leer“, „bloß“, „nackt“, farb-, form-, raum- und zeitlose Leerheit - und auch nicht. ES ist weder Dies noch Das und sowohl Dies als auch Das: absolute Leere und absolute Fülle. Gott ist sowohl ES als auch DU wie auch ICH; und Gott ist sowohl Nicht-ES als auch Nicht-DU wie auch Nicht-ICH.

Mark Rothko (1903-70) empfahl den Betrachtern seiner großformatigen monochromen Gemälde einen Abstand auf Armlänge (ca. 45 cm). Dadurch entsteht kein konkreter figurativer Bildeindruck, vielmehr versinkt das (innere) Auge in Gegenstands- und Formlosigkeit, weil die Eine oder auch zwei Grundfarben das Gesichtsfeld total ausfüllen, - ein ähnlicher Effekt wie in Zen-Meditation oder übergegenständlicher Kontemplation.

Aus: Publik-Forum 4/2015

Zen-Kreis und Goldkreis:: Erleuchtung

Leerheit und Fülle

Zur Willkommenseite                            23.02.2015 / 2016

Meditation in der Rothko-Kapelle Houston

Bewusstseinsstufen und Gottesbilder

transzendieren und integrieren


Balance von drei Gesichtern des göttlichen Mysteriums: ES-DU-ICH

Zur Willkommenseite

1. Die Entwicklung eines Universalen Bewusstseins

    Die Integration des heutigen globalen Erfahrungshintergrundes (Eine

    Erde - Ein Universum ?) und

    von aktuellen wissenschaftlichen Ergebnissen und Modellen

    (Evolutiontheorie)

2. Eine Öffnung in ein Mystisches Bewusstsein

    Die Aufdeckung von gemeinsamen Tiefenstrukturen in Christentum

    und Buddhismus, Judentum, Islam, Hinduismus und Anregungen zur

    Einübung.

  Der Jesuit und Paläontologe Pierre Teilhard de Chardin (1881 - 1955) hat eine Synthese entworfen von Erkenntnissen der Astronomie, Geologie, Biologie und einer mystischen universalen Christozentrik. Kosmogenese ist für ihn (und für mich) identisch mit Christogenese (vgl. http://www.adolf.frahling.de/Webseite/Communio_mit_Gott.html). 

  Die Evolution des Universums, die „Schöpfung“ ist der primäre Alles umgreifende Ort der göttlichen Präsenz und Selbst-Offenbarung. Sie bildet die Basis und den Rahmen für alle geschichtlichen Offenbarungen „Gottes". Auch die grundlegenden christlichen „Wahrheiten" - die Erschaffung des Universums, die Inkarnation des Göttlichen Logos in Jesus, seine Orthopraxie vor 2000 Jahren, sein Tod am Kreuz, seine Auferstehung und die endzeitliche Verklärung der Welt - müssen als integrale Phasenbezeichnungen dieses Einen prozesshaften Ganzen gesehen werden.

  Der radikalste und tiefste Theologe unter den christlichen Mystikern war wohl der Dominikanermönch „Meister“ Eckhart (1260-1328). Seine „theologia negativa“, seine Erfahrung und sein Reden von „Gott“ bzw. der Gottheit als dem „grundlosen GRUND“ - unauslotbar, nicht-aussagbar, aber in Allem gegenwärtig und wirksam - ist ein Stachel geblieben in einer vermeintlich vielwissenden und allesberedenden Theologie.

Ich zitiere aus seinen Predigten (Josef Quint, Diogenes-Taschenbuch 1979):


„Es kann von Gott niemand das im eigentlichen Sinn aussagen, was er ist... Sankt Augustinus sagt: Was man von Gott aussagt, das ist nicht wahr; was man aber von ihm nicht aussagt, das ist wahr. Wovon immer man sagt, dass „Gott“ es sei, das ist er nicht; was man nicht von ihm aussagt, das ist er eigentlicher als das, von dem man sagt, dass er es sei."  (Predigt 20)


„Gott ist weder dies noch das.“  (Predigt 10); vgl. Upanishaden: „neti - neti“


„Gott ist namenlos. Denn von Ihm kann niemand etwas ansagen oder erkennen...

Sage ich: Gott ist ein Sein - es ist nicht wahr. Er ist vielmehr ein überseiendes Sein und eine überseiende Nichtheit! ... Schweig daher und klaffe nicht über Gott (klaffen: laut und viel schwatzen); denn damit, dass du über ihn klaffst, lügst du....

´Wie denn soll ich Gott lieben?`- Du sollst Gott lieben entblößt (ledig, nackt) aller Geistigkeit und bar aller Bilder. Denn liebst du Gott, wie er "Gott" ist, wie er Geist, wie er Person, wir er Bild ist - das alles muss weg. Du sollst ihn lieben, wie er ist: ein Nicht-Gott, ein Nicht-Geist, eine Nicht-Person, ein Nicht-Bild, mehr noch: wie ein lauteres, reines, klares Eines, abgesondert von aller Zweiheit. Und in diesem Einen sollen wir ewig versinken vom Etwas zum Nichts. Dazu helfe uns Gott. Amen.“   (Predigt 42)

  Mir wurde immer klarer, dass es zukünftig immer unausweichlicher wird, dass auch das Christentum und seine Theologien sich im jeweils heutigen Erfahrungshorizont artikulieren, die evolutiven Inkarnationen des Einen Gottes (nicht nur in Jesus von Nazareth !!) aufmerksam aufnehmen und mit Hilfe auch von außerkirchlichen Seh-Instrumenten (Wissenschaften, Conscious Evolution, Buddhismus etc.) verschüttete eigene Schätze (Mystik, kosmische Christologie) wieder aufdecken und bewundern und überholte Denkmodelle transformieren / überformen.