22. August 2015

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  Ohne hörendes Schweigen, ohne Zeiten der Stille und Sammlung keine Enthüllung des Leuchtenden Angesichts, des Göttlichen Mysteriums. Hören, Verinnerlichen und Schmecken des WORTES geschieht zunächst über Worte und Taten Jesu, wie sie uns in den Evangelien überliefert wurden. Jesus Christus wird erlebt als ein personales Gegenüber. Die jeweilige Ansichts-Palette reicht von „faszinierend, ganz nah, mir vertraut“ bis „uninteressant, weit weg, lebensfremd“.

  Ein Schattendasein in unserer Gesellschaft und auch in den Kirchen führt die Botschaft und die Erfahrung, dass Christus in jedem Menschen lebt und wirkt, ja dass er das innerste wahre Wesen jedes Menschen überall und jederzeit ausmacht. Christus ist hauptsächlich im Außen angesiedelt worden, in einer historischen Gestalt vor 2000 Jahren, als Mahner im Kampf für planetarische Gerechtigkeit und Freiheit (Schwerpunkt des Evang. Kirchentages 2015), als besonderer Mensch in der Darstellung durch Kunst und Kitsch der Jahrhunderte, als ein liturgisches und sakramentales Gegenüber.

  Den Wandel im Christus-Bewusstsein, der aufgrund von Auferstehungserfahrungen nach dem Tod Jesu bei seinen Anhängern eintrat, hat bis heute die breite Basis des Christentums kaum nachvollzogen. Paulus, der den Zimmermannssohn und Wanderprediger Jesus vermutlich nie kennen gelernt hat, und der „Lieblingsjünger“ Jesu, Johannes, bereiteten in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts (nach Christus !!) einen Pradigmenwechsel von Außen nach Innen vor, von Jesus Christus, dem Rabbi, Lehrer und Heiler hin zu dem „CHRISTUS in mir“, dem „ICH-BIN, der in uns bleibt“ und uns durch Sein Pneuma transformiert, dem WORT (logos) und der WEISHEIT (sophia) Gottes in uns.

Christosophie


Zweites Angesicht Christi - Christus in mir:

mein innerstes DU und ICH,

mein ursprüngliches Wahres Selbst,

das in mir Gestalt annehmen will

  Das sufitische Loblied, das A.H.Almaas auf die ESSENZ anstimmt, singen christliche Mystiker auf Jesus Christus, das innerste Wesen von Allem, was existiert.

„Man erfährt Essenz nicht als etwas Fremdes ... Nein, wir erfahren sie vielmehr als das, was wir im Innersten selbst sind. Sie ist zutiefst unser Wesen und ist unser kostbarstes und schönstes Zentrum. In ihr liegt unser Wert und unsere Bedeutung. Sie ist unser Wesen und unsere Identität. Sie ist es, die unsere Herzen bewegt, unseren Geist erleuchtet und unser Leben erfüllt. Sie ist etwas, das unserem Herzen so nah ist, dass nur das Herz selber sie schmecken kann ... Sie ist unsere Wirklichkeit, unsere Wahrheit ... Sie ist das Kostbarste, was es gibt.... Sie ist ein Wunder - ein Wunder jenseits aller Wunder. Sie ist unsere wahre Natur, unsere innerste Identität.“ 

(A.H. Almaas: Essenz. Der Diamantene Weg der inneren Verwirklichung, S. 98)

Christus in mir -

mein Wahres Selbst

Jesu le Christ, lumiére interieure, donne moi d`acueillir ton amour

(Gesang aus Taizé)

Regelmäßige Abkehr von Außen und Einkehr nach Innen


Halt an, wo läufst du hin? Der Himmel ist in dir.

Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.

(Cherubinischer Wandersmann)


  Ja, der Weg führt nach innen. Wenn Beschleunigung, Außenlenkung, Zerstreuung permanent ablenken von Sinnfindung, Kreativität und wahrer Freude, dann sind Zeiten der Stille, der inneren Sammlung, der Puren Präsenz umso notwendiger. Wie schön, wenn dieses Gefühl, nur bei einer Sache zu sein, mit der beruflichen Tätigkeit verknüpft ist. Die meisten von uns müssen sich bewusst eine Aus-Zeit vom täglichen Getriebe nehmen und sie kultivieren, damit sie allmählich zu einer erfüllten In-Zeit wird. Kleine und große Möglichkeiten gibt es da: das Sitzen auf einer Bank am Rhein, das Hören eines Musikstücks ohne Nebenbeschäftigungen, das stille Verweilen in einem schönen Kirchenraum, oder gar regelmäßiges  Meditieren zu Hause. Viele Jugendliche haben nach Retraits  in Taizé in ihrer Wohnung eine Gebetsecke eingerichtet, die sie animiert zu täglichem inneren Gebet.

Hineinwachsen in eine non-duale Ich- und Weltsicht


  Auf dem spirituellen Weg bedeutet es schon einen enormen Fortschritt, wenn der Suchende sich häufiger abkehrt vom Außen und einkehrt ins Innen, wenn einem Christen in den gewohnten Frömmigkeitsformen (Feier von Sakramenten, Nachsprechen von Gebeten, Befolgung von Kirchengeboten etc.) die Innenseite  immer wichtiger wird. Sobald er den Weg ins eigene Innere wagt, wird sich ihm häufig das Gefühl einer inneren Gespaltenheit aufdrängen, von Widersprüchen und Dunkelheit. Umso mehr gilt es, Erfahrungen des Einsseins mit sich Selbst und mit Christus vorzubereiten, zu er-innern und zu kultivieren.

  Allerdings hat das Christentum die Zugänge zu dieser Einheitserfahrung der menschlichen Seele mit Christus durch Verbotsschilder nur zu oft versperrt. Aber eigene, in der Kirchengeschichte entdeckte  Seitenpfade (Paulinische Mystik des Christus in uns, Advaitische Theologie von bestimmten Kirchenvätern, mittelalterliche Brautmystik) bleiben stets begehbar, die „kostbare Perle“ ist immer und überall auffindbar. Als Hilfe für einen Aufstieg auf die Stufe eines non-dualen Christus-Bewusstseins wird sich auch eine Öffnung für vedantische Advaita-Erfahrungen (Eines ohne ein Zweites) erweisen.

  Für Paulus, den eigentlichen Gründer der christlichen Religion, war der zentrale Ort der Christus-Erfahrung nicht das äußere Hören mit dem Ohr und auch nicht die Teilnahme an sakramentalen Handlungen, sondern das innere Schauen mit dem „Dritten Auge“, die innere Wahrnehmung im Herzen, in dem sich Christus offenbart (wortwörtlich übersetzt: enthüllt). Paulus lernte den Reichtum der Liebe (agape), Weisheit (sophia) und Erkenntnis (gnosis) Christi nicht über eine sinnenhafte Wahrnehmung  des historischen Jesus (wie Petrus und andere Jünger) kennen, sondern durch eine Selbstenthüllung Christi in ihm. Diese grundlegende Einsicht in das Mysterium Christi erfolgte in einer inneren Erleuchtung vor Damaskus und nach diesem Bekehrungserlebnis drei Jahre lang in der Arabischen Wüste (www.adolf.frahling.de/Web-Site/Damaskus_Antiochia.html ). Deshalb unterscheidet sich auch der Inhalt und die sprachliche Form seines Christus-Bewusstseins grundlegend von Markus, Lukas und Matthäus. Das, was Paulus unbedingt anging, ist nicht der jüdische Rabbi, der in Gleichnissen vom nahen Reich Gottes sprach und sich den Kranken und Ausgegrenzten zuwandte, sondern der Innere Christus.

  Damit sich dem suchenden Christen das zweite Antlitz Christi enthüllt, die Präsenz „Christi in mir“, muss er zwei Dispostionen schaffen. Unumgänglich sind regelmäßige Zeiten der Stille, der Abkehr von Außen und der Einkehr nach Innen und zweitens eine wahrhaftige Selbst-Einsicht. Nur auf diesem Wege wächst die Transparenz auf unser Wahres Wesen hin, unsere Christus-Natur.

Durchsichtige Edelsteine als Symbole für den Prozess der „Enphanie“ Christi im Menschen

Wahrhaftige Selbsterkenntnis und Christus-Bewusstsein


  Vom konditionierten Ich zum Wahren Selbst, „Vom Ego zur Essenz“ - mit diesem plakativen Buchtitel von Barbara Marx Hubbard kann man gut unsere spirituelle Lebensreise überschreiben.

  Bestimmte psychologische Methoden der Selbsterkenntnis können als brauchbare Instrumente in einer wahrhaft menschlichen Christwerdung eingesetzt werden: Psychoanalyse, Enneagramm-Arbeit, Transaktionsanalyse, Bioenergetik - aber auch die buddhistische Vipassana-Meditation, die Klarsicht auf die Dinge, wie sie wirklich sind, ein System von Übungen der Achtsamkeit auf Körperempfindungen, Gefühlsreaktionen und Gedanken.

  Ohne Kenntnis der eigenen Ego-Kräfte, ohne Einsicht in unsere psychischen Abwehr- und Verleugnungsmechanismen, ohne Bewusstwerdung unserer Schatten-Kräfte, ohne Enttrübungsarbeit und Neuentscheidungen ist es unwahrscheinlich, dass sich uns das „Leuchten Seines Angesichts enthüllt“.

  Auf etlichen Webseiten bin ich auf den unlöslichen Zusammenhang von wahrhaftiger Selbsterkenntnis und Christus-Bewusstsein eingegangen. Der verborgene „Christus in uns“ tritt - auch für uns - erst aus dem Dunkel unserer Herz-Mitte heraus und zeigt uns sein Angesicht, erst dann ereignet sich in uns eine „Enphanie“ Christi (Joh 14, 21: emphaniso auto emauton - Ich werde mich selbst ihm innerlich aufscheinen), wenn Psyche, Vernunft und Leib transparenter geworden sind. An dieser Durchlässigkeit der Verstandes-, Gefühls- und Körperschichten ist ein Leben lang zu arbeiten. Aber ein Durchbruch, ein erlebter Wandel geschieht meist erst dann, wenn wir Zugang gefunden haben zu unserem innersten Herz-Raum, zu unserem wahren Christus-Wesen, und wir spüren und erleben, dass Sein Pneuma unsern Leib und unsere Seele durchströmt.

In allen Schichten transparent werden für das Aufscheinen und Durchscheinen des Inneren Christus


  Jeder Mensch ist in seinem tiefsten Innern, in seinem Kern geprägt von unzerstörbarer überraumzeitlicher Göttlicher Essenz. Im Grunde unbegreifbar, hat diese wirklichste Schicht der Wirklichkeit unterschiedliche Namen gefunden: „SeelenGRUND“, „Wahres Selbst“, „Einwohnung des Heiligen Geistes“, „Göttlicher Atem“ , „Glückseliges Licht“, „Christus-Natur“ , „Kostbare Perle“, „Unsterblicher Diamant“,  „Buddha-Natur“, „Atman“ u.a.

  In der Regel wird die ursprüngliche Wesensgestalt schon bald nach dem Eintritt des Menschen in das raumzeitliche Leben mehr oder weniger verstellt, überdeckt durch viele „Häute und Felle“ (Johannes Tauler), verhüllt und vergessen. Das wachsende Ich-Bewusstein bleibt oberflächlich, die errungene „Persönlichkeit“ (Almaas) richtet sich ein in erfolgreichen Rollen und Verhaltensweisen, die scheinbare Sicherheit geben.

  Verblendet nimmt das „Welt-Ich“ (Dürckheim) nicht mehr wahr, dass es ein „Falsches Selbst“ (R. Rohr) gestrickt hat. „Eingeschlafen in Gefängnissen“ (Rumi); d.h. gefangen in fixierten eigenmächtigen Fühl-, Denk- und Verhaltensmustern, spürt es schließlich kaum noch, wie weit und lebendig der essentielle Innenraum seines Wahren Selbst (= Christus) ist.

  Die mentale Abwehr dieser unverfügbaren Wesensebene in ihm wirkt sich auch aus auf Gefühle und Körperlichkeit. In der Gefühlsschicht führt dieser meist unbewusste Widerstand zu Unterdrückung authentischer Gefühle und zu Ersatzgefühlen; und in der Muskelschicht häufig zu chronischen Verspannungen, zu muskulären Panzerungen und blockierten Chakren (s. A. Lowen: Bioenergetik).


   Unterschiedlichste religiöse Übungswege und psychologische Therapien ermöglichen die Transformation bzw. Reformation der entwickelten Ego-Struktur, der konditionierten Persönlichkeit in eine Essenzielle Wesensgestalt. Allen Heilungswegen gemeinsam ist die zunehmende Bewusstsheit, die wachsende wahrhaftige Selbsterkenntnis, die klare Einsicht in angewöhnte Verhaltens-, Fühl- und Denkmuster. Wenn verblendende destruktive Lebensdrehbücher durchschaut und verändert werden, kann auch der Blick und der Energiefluss frei werden für die Quelle des Lebens in uns, unser Wahres Selbst, für Christus in uns.

„Es bot sich mir an, unsere Seele als eine gänzlich aus einem einzigen Diamanten oder sehr klaren Kristall bestehende Burg (Palast) zu betrachten, die viele Wohnungen hat, die einen oben, die anderen unten, andere an den Seiten. Und in der innersten Mitte von all diesen Wohnungen liegt die vornehmste, in der die höchst geheimnisvollen Dinge zwischen Gott (Christus) und der Seele vor sich gehen.“  (I  1,1+3)

„Diese geheime Einung, die mystische Vermählung, findet in der innersten Mitte der Seele statt, wo Gott (Christus), der Bräutigam, selbst weilt, und wo es keiner Tür bedarf, durch die man eintritt.“  (VII  2,3)


Teresa von Avila: Wohnungen der Inneren Burg (1577)


vgl. www.adolf.frahling.de/Web-Site/Innere_Wohnungen_%28Achtsamkeit%29.html

www.adolf.frahling.de/Web-Site/Teresa_%28Innere_Burg%29.html

I.  Ich - Schicht

Unerlöstes Lebendrehbuch, Abwehrmechanismen, Verblendungen, Ego-Kräfte ...


II.  Muskel-Schicht

Panzerungen, Verfettungen, verstopfte Chakren ...


III.  Gefühlsschicht

Ersatzgefühle, Misstrauen, Hass ...


IV.  Überraumzeitliche Essenz Christus in jedem Menschen, Wahres Selbst, Seelengrund


http://www.adolf.frahling.de/Web-Site/Euchar-Selbstwerdung.html

Vom konditionierten EGO ....

  Bernhard von Clairvaux (1090 - 1153) lässt den Inneren Christus zur Seele, seiner Braut, sprechen:

„Es gibt Verborgenes, das erst zu gegebener Zeit ans Licht gebracht und offen im Antlitz gezeigt werden soll. Vorerst liegt es wie ein Same in dir verborgen, um zu seiner Zeit die Fülle seiner Gestalt zu erhalten ... Und doch bist du mir schon ein Stück weit ähnlich, denn du erkennst bereits ein Stück weit... Deine vollkommene Gestalt ist dir noch nicht zu eigen, doch meine Augen sehen sie bereits... Dein Antlitz steht mir immer vor Augen und leuchtet immer vor mir. Nur für dich selbst ist es noch verdunkelt. Ich habe bereits in dir eine Münze mit der Prägung meines Bildes erkannt, aber sie ist noch vom Rost verunstaltet, und deshalb ist ihre Gestalt schwer zu sehen.“

  „Wenn der Mensch beginnt, mit Hilfe des Heiligen Geistes seine Schwachheit zu erkennen und als Bild Gottes wiederhergestellt zu werden, ... erfasst die Gnade Verstand und Herz, Leben, Gewohnheiten und selbst die Verfassung des Leibes und bündelt alles zu einem einzigen liebevollen Hinstreben, zu einem einzigen Ausdruck der Liebe, zu einem einzigen Antlitz, das Gott sucht.“

(Wilhelm von Thierry, Zisterziensermönch 1075 - 1148)

Unser unerlöstes Ich, unsere Ego-Struktur

(Bioenergetisches Modell nach Alexander Lowen)

... zum WAHREN SELBST

  Im Vorwort zu „Schneeflocken fallen in die Sonne. Christus-Erfahrungen auf dem Zen-Weg“ schreibt der kath. Priester und Zen-Meister Johannes Kopp (1927-2016): „Dieses Buch will verstanden sein als Zeugnis dafür, was in mir auf dem Zen-Weg geschah und geschieht, nachdem ich das Wort meines buddhistischen Meisters Yamada-Roshi (am 3.11.1978) als Koan empfing: ´Du musst verwirklichen, dass Jesus Christus in dir ist.` Nach elfjährigem intensivem Zen-Training und der Vollendung der Koanschulung ernannte ihn Yamada Roshi 1985 zum Zenlehrer.

Worum es im ZEN geht, beschreibt der 2016 verstorbene Leiter eines Zen-Kontemplations-Zentrums im Bistum Essen 1994 ausführlich  in seinem lesenswerten Buch (s.o.). Einige Zitate:

  Kristalle, Edelsteine, Rohdiamanten und ein mehr oder weniger durch die Außenschichten  durchscheinendes Antlitz Christi sind sehr geeignet als bildhafte Symbole für wahre Menschwerdung, für den lebenslangen Prozess der Gleichförmigkeit (Symmorphose, Konformation) mit Christus. Transparent werden für die inwendige Transzendenz, das Innere Licht - darin gleichen sich Menschen und edle Steine. Bis ein Roddiamant seinen vollen Glanz, sein legendäres Feuer entwickelt, muss er bearbeitet, geschliffen und poliert werden. Bis das „glückselige Licht“ (Pfingstsequenz) im Menschen durchscheint und das „Leben in Fülle“ (Joh 10, 10) Geist, Seele und Körper durchströmen kann, müssen viele Häute und Schleier abgetragen und physische, psychische und mentale Staus aufgelöst werden.

„Kehre bei dir selbst ein und such dich nicht außerhalb deiner selbst. Du bist in deinem Innern als Bild und Gleichnis Gottes erschaffen. Du Verräter, kehre also in dich selbst zurück, dorthin, wo du Selbst bist: in dein Herz.“ (Isaak von Stella, um 1150)

„Wenn das Angesicht unserer Seele Dein Angesicht, o Gott, nicht sucht, dann ist dieses Angesicht der Seele nicht mehr ihr ursprüngliches, das ihrer eigenen Natur entspricht, sondern nur noch eine verzerrte Maske.“ (Wilhelm von Thierry, um 1100)

Christus in mir - das Zweite Antlitz Christi, mein Wahres Selbst

Die 10 Stationen der Suche nach dem Wahren Selbst durch den Ochsen-Hirten

http://www.adolf.frahling.de/Web-Site/Ochs_und_Hirte.html   und weitere 10 Webseiten

  „DEIN Angesicht will ich suchen - in mir Selbst“ - diese Lebensmaxime durchzieht wie ein Roter Faden die  mystischen Texte der frühen Zisterzienser (Ich beziehe mich im Wesentlichen auf die Textsammlung von Bernhardin Schellenberger „Ein Lied, das nur die Liebe lehrt“ und auf die „Orationes meditativae“ von Wilhelm von Saint-Thierry). Unmittelbar verbunden mit ihrer  Sehnsucht, von Gott angeschaut zu werden, war die Überzeugung, dass der Mensch nach dem Bild und Gleichnis Gottes erschaffen wurde, dass dieses ursprüngliche Gesicht aber verdunkelt und verunstaltet wurde und der suchende Mensch sich sein Leben lang bemühen muss, das zurückzugewinnen und zu werden, wozu Gott ihn erschaffen habe. Aus dem Land der Gott-Unähnlichkeit und der Selbst-Entfremdung muss er ausziehen und sich reformieren und transformieren in seine wesensgemäße Gleichförmigkeit mit Christus. Denn Christus, der Göttliche Logos, das WORT, das Abbild Gottes par excellence, „durch den alles geworden ist, was existiert“, hat sein Antlitz, sein Wesensbild dem Seelengrund des Menschen tief eingeprägt. Und so bilden das Göttliche Antlitz und das ursprüngliche Angesicht des Menschen die beiden Pole der Einen mystischen Ellipse oder sind sogar identisch.

   Sie gehören zu den Neu-Entdeckern menschlichen Innenlebens und des Inneren Christus - die Zisterzienzer-Mönche des 12. Jahrhunderts (Bernhard von Clairvaux, Wilhelm von Saint-Thierry, Isaak von Stella u.v.a.m.) In ihren Klöstern entwickelten sie eine geistliche Lebenskunst, die Scharen von jungen Leuten anzog. Radikale Hingabe an Gott und die Entfaltung der kostbarsten Werte des Menschseins (Bewusstwerdung seiner selbst, herzliche Freundschaft, Leben nach der Natur) gingen eine seltene Harmonie ein.

Christosophische Übungen


Das Haus meiner Existenz (Körper - Seele - Geist) erkunden

und regelmäßig im Innenraum, in der Essenz verweilen

  Seine persönliche Aussage im Galaterbrief (2, 20) „Ich lebe nicht mehr als Ego, es lebt vielmehr in mir Christus“ wurde zum Urwort aller christlichen Mystik. Diese innere Christus-Erfahrung traute Paulus jedem Menschen zu. Die authentischen Äußerungen in seinen Briefen, die wir von Paulus besitzen, umkreisen permanent dieses zentrale Lebensgeheimnis des Christus in uns:

-  „ Christus wohnt in unseren Herzen“ (Eph 3, 17)

-  „Gott, der gesprochen: Aus Finsternis erstrahle Licht - erstrahlt ist er in unseren Herzen; auf dass aufleuchte die Erkenntnis des Lichtglanzes Gottes - im Angesicht Christi. Wir haben jedoch diesen Schatz in zerbrechlichen Gefäßen“  (2 Kor 4, 6.7).

-  „Noch blicken wir ja nur durch einen Spiegel - in Rätselgestalt -, dann aber von Angesicht zu Angesicht“ (1 Kor 13, 12)

  Wenn wir „gefesselt“ bleiben durch das Außen, durch unsere so abwechslungsreiche Welt, oder unser tiefstes Wesen blockieren durch Ego-Kräfte („Sünde“: Gier, Hass, Egomanie ...), verdunkeln wir das leuchtende Angesicht Christi in uns. Damit es durchschimmern oder aufstrahlen kann, müssen wir zulassen, dass unser Ego durchkreuzt wird, oder paulinisch gesprochen, dass wir mit Christus gekreuzigt werden und unseren destruktiven Tendenzen und Fehlidentifikationen absterben. Dann wächst in uns die Erfahrung, dass „unser äußerer Mensch aufgerieben, unser innerer Mensch aber erneuert wird Tag für Tag“ (2 Kor , 4, 16), und wir „durch den Reichtum und die Kraft Seines Lichtglanzes erstarken im inneren Menschen (Eph 3, 18).

Zitate

Wilhelm von St. Thierry: Meditationen

1.  Paulus: Ich lebe nicht mehr als Ego, es lebt vielmehr in mir Christus (Gal 2, 20)

2.  Zisterzienser-Mystik des 12. Jahrhunderts:

Das Hohe Lied der Liebe zwischen Christus und der menschlichen Seele

  Ein bestimmtes Buch der Bibel avancierte zu ihrer Lieblingslektüre: das „Hohe Lied der Liebe“, der „Gesang der Gesänge“, das „Hohe Lied Salomos“. In den poetischen Dialogen zwischen dem jungen König Salomo und seiner ebenholzschwarzen Freundin Sulamith fanden sie ihre ureigene Liebesgeschichte mit ihrem Liebhaber Christus wieder. Sulamith identifizierten sie mit ihrer „anima“, mit ihrer Seele, und Salomo mit Christus, dem „Minner“ ihrer Seele, wie Martin Buber übersetzt, dem Geliebten und zugleich Liebenden ihrer Seele.

  Sich Verstecken, Suchen und Finden, Schlafen und Erwachen, Zeiten der Trennung und des Fernseins, Momente der Umarmungen und Küsse, poetische Bilder einer affektiv-erotischen Beziehung prägten auch ihre eigene Lebens- und Liebesgeschichte mit Christus.

vgl. www.adolf.frahling.de/Web-Site/Hoheslied_der_Liebe_%28Chagall%29.html


  „ER späht durch die Gitter“  - diesen Vers hat Eugen Biser seinem Buch „Das Antlitz. Christologie von innen“ vorangestellt. Anstelle eines Schleiers, der „das Leuchten Seines Angesichts verhüllt“ (Psalm 4, 7) wird hier das Bild eines Gitters gebraucht. Christus lugt durch die Sprachgitter der Bibel, durch die Gitter der physischen, psychischen und mentalen Schichten des Menschen und durch die Ding- und Welt-Gitter. Dabei existieren diese Gitterstäbe nur in unserem Bewusstsein. Wir vergittern uns selbst, ziehen Maschendrahtzäune um unser Wahres Selbst, um den Christus in uns. Aber er, unser „Minner“ hat Sehnsucht nach uns wie wir nach Ihm. Aus dem innersten Seelenraum heraus lugt ER durch unsere Gitter und Sicherheitssysteme und will uns Sein Antlitz zeigen und offenbaren. Diese geheimnisvolle Annäherung des liebenden Christus, des WORTES und der WEISHEIT hat Bernhard von Claixaux so ausgedrückt: „Auch zu mir ist das WORT gekommen, und schon öfter. Einige Male habe ich sein Eintreten gar nicht bemerkt. Ich habe nur gespürt, dass es da war. Woher es kam, das weiß ich bis zur Stunde noch nicht. Sicher ist das Wort nicht durch die Augen eingetreten, denn es hat keine Farbe. Auch nicht durch die Ohren, denn es hat keinen Klang... Oder ist es vielleicht gar nicht hereingekommen, weil es nicht von draußen gekommen ist? Denn es ist ja nicht ein Ding außerhalb meiner selbst.“ (167)  „Gleich nach seinem Eintreten weckte es meine schlafende Seele auf. Es bewegte, erweichte und verwundete mein Herz, denn dieses Herz war hart und steinern und recht krank.... Das WORT begann, das Dürre zu bewässern, das Finstere zu erleuchten, das Verschlossene zu öffnen, das Gefrorene in Glut zu versetzen... nur an der Erregung meines Herzens habe ich Seine Gegenwart erkannt. Am Aufstöbern und Entlarven meiner verborgenen Fehler und Schwächen stellte ich staunend die Tiefe Seiner Weisheit fest.“ (167 ff)

Die Braut spricht:

„Da, eben kommt er, mein Minner!

Er steht hinter unserer Mauer,

lugt durch die Fenster,

guckt durch die Gitter ...


Er spricht zu mir:

Lass mich dein Angesicht sehn,

lass mich deine Stimme hören,

anmutig ist dein Gesicht.“

(Hoheslied 2, 9.14)

  Die Hochzeitsmetaphorik - Christus, der Bräutigam, der die Seele, seine Braut, nach vielen Entfremdungen und Apfelblütenzeiten im „Seelengarten“, nach Trennungen und Stunden zu Zweit, schließlich in den Weinkeller der Vereinigung führt - ist später von Teresa von Avila und anderen Mystikerinnen als angemessener Ausdruck ihrer Christus-Erfahrung aufgenommen worden. Häufig wird dann das Ich - DU - Verhältnis, die Braut-Bräutigam-Mystik überschritten in ein Nicht-Zwei-Verständnis, in eine ontologische Einheits-Erfahrung von Ich und Christus. Ansätze sind schon bei Isaak von Stella zu finden:

„Der menschliche Geist verbindet sich mit Gott und wird eins mit ihm und wird, was Gott ist ... O Einheit vor allem, über allem und nach allem ... Die größte Einheit ist gegeben, wo Gott und der Geist, der ihm anhangt, nicht mehr zwei sind, sondern eins“ (Sermo 9, 9)

Wie beschaffen oder welcher Art es auch jeweils sein mag,

mein ganzes Angesicht sehnt sich nach Deinem Antlitz.

VII 5


Siehe vor Deinen Augen mein Angesicht, dessen Name „Misere" ist, zu Deinem Angesicht hin, o höchste Barmherzigkeit.

Meine verborgenen Verstecke und Winkel verberge ich nicht vor Dir. Du kennst sie, o Wahrheit.

Niemanden fürchte ich so sehr wie mich selber,

weil ich mich ständig - bewusst oder unbewusst - täusche und betrüge.

IX 13

Rabbi, wo wohnst du?

Du sagst: ich bin im Vater und der Vater ist in mir.

Dein Ort ist also der Vater, und Du bist der Ort des Vaters.

Aber auch wir sind Dein Ort und Du bist unser Ort.

VI 10

Da DU in uns wohnst, sind wir Dein Himmel.

Deine Einwohnung in uns ist uns der Himmel.

VI 11


HERR, schon haucht mich Dein Duft an, ohne dass ich das genau erkenne,

bis schließlich das ewige Fest Deines Angesichts meine Seele erleuchtet.

III 5

3.  Vertiefung des Christus-Bewusstseins durch Begegnung mit östlicher Weisheit

Erfahrung des Advaita (Nicht-Dualität) und Christusfrömmigkeit


  Mit großer Entschlossenheit suchte der französische Benediktinermönch Henri Le Saux (1910 - 73) indisch-vedantisches Einheits-Bewusstsein und Christsein zu versöhnen. Von 1948 bis zu seinem Tod lebte er als Hindu-Sannyasi mit dem Namen  „Abishiktananda" (Christus ist meine Glückseligkeit) in Indien. In einem von ihm gegründeten Ashram am Ufer des Flusses Kavery, in verschiedenen Höhlen des Berges Arunachala, im Herzen des Himalaya und schließlich in einer Einsiedelei am Ufer des Ganges gewann er immer tiefere Einsicht in die Wahrheit des upanishadischen Advaita (Nicht-Dualität des Seins), bis er schließlich einige Monate vor seinem Tod voll und ganz „erwachte“. Aber nicht nur die Upanishaden, die Heiligen Schriften des Hinduismus, sondern auch Bibel, Brevier und Kelch waren seine täglichen Begleiter. Die zahlreichen Veröffentlichungen spiegeln seine dramatische innere Auseinandersetzung zwischen Treue gegenüber seiner katholischen (vorkonzilaren) Tradition und der Versenkung in die Erfahrung des Advaita. Unvereinbar erschien Le Saux zunächst die ihn nun überwältigende Erfahrung des Einen ungetrennten Christus mit der gelernten Christologie und seiner mönchisch trainierten tiefen Beziehung zu Jesus Christus als seinem Vorbild und mystischem Gegenüber. Die Evidenz des „Einen-ohne-ein-Zweites“ und des „aham brahmasmi“ - „Ich bin Brahman“ und die non-duale allumfassende christliche Spiritualität des „Alles und in Allem: Christus“ und „Ich bin Christus“ vereinigten sich schließlich in seinem Erwachen zu dem Einen „Satchitananda“ - „Sein - Bewusstsein - Glückseligkeit“.

  Die Christen im 3. Jahrtausend werden ihr Christus-Bewusstheit weiter universalisieren und verinerlichen. Wenn sie sich einlassen auf den universalen Strom der „conscious evolution“  (Barbara Marx-Hubbard u.a.), in dem das menschliche Bewusstsein sich weiter verfeinert, werden sie das überlieferte personale Gottes- und Christusverständnis überschreiten. Sie werden die intime Du-Beziehung zu Christus nicht einfach abtun und verwerfen, sondern transzendieren und integrieren in ein Höheres Einheits-Bewusstsein. Ein intensiver Austausch mit spirituell erfahrenen Menschen in buddhistischen und hinduistischen Traditionen wird ihnen die Augen des Herzens öffnen für das Mysterium des Advaita, der "Nicht-Zweiheit", des „Einen-ohne-ein-Zweites“ und über diese Brücke für ihr eigenes tiefes Wissen, dass „nichts außerhalb von Christus“ existiert, dass Christus nicht nur das geliebte Gegenüber, sondern „Alles und in Allen (Menschen) ist“ (Kol 3,11).

  Advaitische Erfahrungen des Einen-ohne-ein-Zweites, des „Seins wie Gott“ (Phil 2, 6) machen auch die Essenz des Selbst-Bewusstseins Jesu aus: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10, 30). Diese GRUND-legende Einheitserfahrung, die Jesus auch seinen Jüngern zugestanden hat: „Dass alle eins seien, wie Du Vater in Eins mit mir und ich in Eins mit Dir, dass sie auch seien in Eins mit uns“ (Joh 17, 21), ist im Mainstream des Christentums monopolisiert worden für den „einzigen Sohn Gottes: Jesus Christus“, während für seine Nachfolger zunehmend die kaum überwindbare Differenz zwischen ihrer gottfernen conditio humana und ihrer Berufung zur Gottesschau nach dem Tod betont wurde.

  Nach dem zweiten Weltkrieg haben christliche Theologen in jahrzehntelangen Aufenthalten in indischen Ashrams oder japanischen Zen-Klöstern einen neuen christlichen (!!) Zugang zur Integration von advaitischer Erfahrung und Christus-Bewusstsein gewonnen, ohne ihre kirchliche Bindung aufzukündigen.

(siehe auch:  http://www.adolf.frahling.de/Web-Site/Universaler_Christus.html

  „Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein. Einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.“ Die Skepsis Karl Rahners gegenüber einem veräußerlichten, doktrinären Christentum ist in diesem bekannten Zitat nicht zu überhören. Die traditionelle (mythologische) Christologie nur zu verinnerlichen und persönlich anzueigen, wird im 3. Jahrtausend jedoch nicht ausreichen. Um den „Christus ubique et semper praesens et totus“ (Wilhelm von Thierry), den „Christus, der allerorts und jederzeit voll gegenwärtig“ ist, wahrhaftig aufzuspüren, müssten außer der Überbetonung von Lehre und Lehramt auch der bislang verteidigte Dualismus im Welt- und Menschenbild reflektiert und verändert werden. Und grundlegend müsste eine ausgereifte christliche Mystagogie, eine lebensnahe Einführung in den christlichen Erfahrungsweg entwickelt und praktiziert werden, damit sich das Antlitz Christi in allen Dimensionen, DU - WIR/ES - ICH, enthülle. Voraussetzungen für die SELBST-Offenbarung Christi in uns zu schaffen, ist jedem Menschen möglich. Einige Orientierungspunkte:

  Pater Johannes hat für mich sehr überzeugend die reale Möglichkeit aufgezeigt, wie der Weg der Zen-Kontemplation in ein nicht-duales Christus-Bewusstsein führen kann.

  „Zen-Weg ist ein Erfahrungsweg zu jener Erfahrung, die grundsätzlich in allen Religionen die gleiche ist, aber in jeder Religion sich in anderer Weise ausdrückt“ (28).

„Zen führt zu einer Erfahrung des unaussprechlich Lebendigen, das das Leben ausmacht“ (33.) Über ausdauerndes Sitzen in aufrechter Haltung, achtsames Wahrnehmen des Atems, das Lassen von Gedanken und das entschlossene und doch absichtslose  Lösen von im Grunde nicht lösbaren „Koans“ gelangt der Übende zu einer intuitiven Erkenntnis, die alles Denkbare übersteigt, zu einer Leere, die zugleich die Fülle ist. „Die unendliche Wirklichkeit ist in jedem und jedem Menschen offen als seine wunderbare Möglichkeit“ (327).

  Im Vorwort der Sammlung von theologischen Aufsätzen Henri Le Sauxs zur Begegnung von Hinduismus und Christentum „Innere Erfahrung und Offenbarung“ schreibt der Jesuit Jacques Dupuis:


  „Advaitische Erfahrung ist ihrem Wesen nach unausdrückbar. Das Eine-ohne-ein-Zweites - ekam advitiyam - kann nicht ausgesprochen werden, ohne dass es sich verfälscht. Das Aham brahma asmi - ich bin Brahman (christlich formuliert: Ich bin Christus) - , seine notwendige und einzige Aussage, ist nur wahr auf der Ebene der Erfahrung...

  So impliziert die Erfahrung des advaita also ein radikales Verschwinden alles dessen, was nicht das Absolute ist ... Es gibt danach nicht mehr ein endliches Ich, das Gott ... kontempliert und an ihn sein Gebet richtet. Was bleibt ist das Erwachen dessen, der im eigenen Bewusstsein des Absoluten sich selbst erkennt, und nicht ein objektives Bewusstsein des Absoluten durch ein endliches Ich. Im Prozess der Erleuchtung räumt das menschliche Ich den Platz für das göttliche Aham (Ich bin). Dies ist das grundlegende Anliegen des advaita.“

Ich frage, wo ich den suchen soll, den meine Seele liebt.

Ich werde Dich nicht außen, sondern in der Höhle meines Herzens suchen.

Prolog 4


O HERR, Du hast die Finsternisse unserer Ignoranz und Blindheit zum Versteck Deines Angesichts gemacht.

VII 10


Wenn das Angesicht unserer Seele Dein Angesicht nicht sucht, dann ist dieses Angesicht der Seele nicht mehr ihr ursprüngliches, das ihrer eigenen Natur entspricht, sondern nur noch eine verzerrte Maske.

VIII 9

„Der Name (Christus) muss aufhören, nur eine Benennung zu sein. ER muss der Weg sein, auf dem du gehst und auf dem du wirst, was du deinem Wesen nach schon bist“ (81).

„Christus ist mir der Weg äußerster Möglichkeit zur Selbstfindung. Und in ihm sind Selbstfindung, Dufindung, Wirfindung, Weltfindung und Gottfindung eins“ (83).

„Nur wenn ich realisiere, dass Christus in mir ist, in allen meinen Gliedern, in der Muskulatur, im Nervensystem, in meinem Atem, im Innersten meines Innern, dass ich durchtränkt bin von seinem Geist und dass er mein Grund und Lebensraum ist, kann ich mich in ihn einlassen mit meinem ganzen Wesen“ (239).

„Das Christentum ist ein Symbol, vielleicht das wunderbarste, um im Bewusstsein das Mysterium hervortreten zu lassen, das im Herzensgrund des Menschen ruht und diesen konstituiert." (3.7.1970)   22


„Die Erfahrung Christi im Jordan - Sohn/Abba – ist ein außerordentliches semitisches

Äquivalent des „Tat tvam asi“/„aham brahma asmi“ („Das bist du“/“Ich bin brahma“). Sicherlich kann ich mich der Erfahrung Christi bedienen, um die Christen zur Erfahrung des „ICH BIN“ zu führen, aber es ist diese Erfahrung des „ICH BIN“, die wirklich zählt. Christus ist das  Mysterium, „das ICH BIN“.

Das, was ich hinter allem in Christus finde, ist sein „ICH BIN“...“

„Es gibt in Wahrheit keinen Platz in mir, wo ´ich`im Wesen nicht auch ´Gott` wäre, und wo Gott im Wesen nicht auch ich wäre. (152)

Und der Guru außen ruft seinem Schüler zu, und der Atman innen ruft es ihm noch eindringlicher zu: Bleib nicht stehen, entferne jede Haut (jeden Schleier, jedes Gitter), tauche ohne Wiederkehr in diesen Ozean, der dir ohne Grund erscheint. Nur wenn du darin untergehst, wirst du ihn entdecken.“ (153)

„Die Idee ´ich bin dies oder das` verschwindet definitiv, wenn in der Mitte der Krypta des Herzens das höchste ICH (Aham - Christus) aufleuchtet. 

Einfach Sein (sat). Und in diesem Sein offenbaren sich cit und ananda, Bewusstsein und Glückseligkeit, das Mysterium der Erkenntnis und Liebe.“ (158)

„Gott (Christus) ist nicht ein Anderer.

Im tiefsten Grund des Ich, meines Ich, bist Du, Du, o mein Gott,

tiefer in mir als ich mir selber bin.

Du Seele meiner Seele, Leben meines Lebens (Augustinus).

Selbst meines Selbstes, Selbst jedes Selbstes,

das Selbst des Selbst.

Du bist an der Quelle meines Ich.

Du bist die Quelle meines Ich.

Du bist mein Ich.“

(Innere Erfahrung 147)


„Wie hätte ich noch das Recht, Dich Du zu nennen,

o tiefstes Zentrum in mir,

o mein tiefstes, ursprüngliches und überwesentliches Ich.“ (149)

Christus in jedem Menschen

und

OM oder AUM, das Urwort, der Urklang, der alle Zwei- und Dreiheiten (Körper, Seele, Geist) in sich vereinigt und in das Unsagbare, in die leere Stille führt

Bewusste Evolution (Barbara Marx Hubbard): Vom homo sapiens zum homo universalis

Vom orts- (und zeit-) gebundenen Ego zum essentiellen Selbst


  Die amerikanische Zukunftsforscherin Barbara Marx Hubbard (geb. 1929) betrachtet den Menschen in seiner Postition innerhalb der kosmischen Evolution („Vom Ego zur Essenz, KOHA-Verlag Burgrain 2003“). Mit Beginn des 3. Jahrtausends sei er auf eine neue Bewusstseinsstufe emergiert. Der homo sapiens transformiere sich in den homo universalis, den „Universellen Menschen“. Der Zielpunkt von Hubbards Vision besteht in der Annahme und Forderung, dass sich der  Neue Mensch in dieser neuen evolutiven Phase als Ko-Kreator Gottes verstehe und betätige. Wohl und Wehe der planetarischen und kosmischen Entwicklung hängen nun davon ab, wie weit der einzelne Mensch (und die Menschheit) sein ort- und zeit-gebundenes egozentriertes Ich transformiert in sein essentielles göttliches Selbst.

  Ohne Scheu und Arroganz überschreitet die amerikanische Zukunfts-Visionärin die gewohnte christlich-dualistische Sicht, als seien Gott, Christus oder andere göttliche Gestalten vom Menschen getrennte Gegenüber. Sie beruft sich dabei auf einen langen Erfahrungsweg, auf dem ihr das Bewusstsein einer göttlichen Präsenz in ihrer innersten Personmitte immer evidenter wurde. Lange hatte sie diese „Göttliche Gegenwart“ mit „Gott“ und „Christus“ identifiziert; im Alter von 67 Jahren wurde ihr sonnenhaft klar, dass sie Selbst mit ihren ureigenen Wesenskräften diese allerfüllende Präsenz, diese innerste Stimme, diese intuitive Weisheit,  diesen unzerstörbaren Tempel bildete. „Gott, Christus, das Göttliche sind nicht außerhalb und jenseits meiner Selbst.“ Voll Freude besucht sie in Meditation und allen Lebenssituationen ihr innerstes Heiligtum, ihren „Rosengarten“, „meine Geliebte“, wie sie ihr ureigenes Göttliches Selbst nennt, um „ihre Herrlichkeit zu schauen und zu bewundern“. Ihr ängstlich-kontrolliendes „ortsgebundene Ich“ nimmt sie mit und und lässt es von ihrer „Geliebten“ umarmen und verwandeln.

„Ich bin kein isoliertes „Ich“, sondern ein ICH, das nach oben (und unten) mit der Quelle, nach innen mit der Essenz anderer und nach vorne mit dem evolutionären Impuls der Schöpfung nach höherem Bewusstsein und größerer Freiheit integriert ist.“ (99)

„In der Zeit, die du dir für dein Inneres Heiligtum genommen hast,, konzentriere dich auf dieses tiefere Selbst in dir, wie auch immer du es wahrnimmst, als den Gott in dir, als den inneren Geliebten, die innere Geliebte, als deine innere Stimme oder als deine intuitive Weisheit... Wir nennen es hier das Essentielle Selbst.“  (65)

„Wenn wir die innere Verbindung mit dem Göttlichen (Christus) wirklich spüren, wenn wir es nicht als eine äußere Gottheit erfahren, sondern als eine innere (nicht-duale) Präsenz, dann erfahren wir ganz natürlich den ´anderen` als dasselbe Essentielle Selbst, ebenso verbunden mit der Einen Höchsten Wirklichkeit.“  (83)

„Finde deine eigenen Zustimmungen, verwende sie in deinem Inneren Heiligtum und sprich sie im Laufe des Tages immer wieder aus. Lass sie zu Deinem Mantra werden und spüre dabei, wie du diese Qualitäten immer weiter integrierst:

ICH BIN Liebe

ICH BIN Weisheit

ICH BIN Vertrauen

ICH BIN Mut, Kraft...“ (108)

„Um diesen beglückenden Erfahrungen in mir Raum zu geben, bildete ich in meinem Inneren Heiligtum einen noch tieferen Raum, den ich die Rosenkammer der Vereinigung des Menschlichen mit dem Göttlichen nannte.“  (87)

„Jesus Christus... ist ein Name der unendlichen Wirklichkeit. Nicht ein Name unter anderen, der sich von anderen abgrenzt, sondern der alles entgrenzt. Deswegen ist er ebenso ein Nichtname und kein Name. Er ist mir kein Gegenüber – wie könnte ich dem Unendlichen gegenüber sein! Ich würde mich aus dem Unendlichen herausnehmen und damit das Unendliche begrenzen und zerstören.

Erlöse uns, Herr, von dem Wahn, als wärest Du uns gegenüber wie irgendjemand und laß uns die erlösende Wahrheit aufleuchten, dass wir in Dir sind und Du in uns“ (60).

Ich übernehme an dieser Stelle einige Darstellungen meiner Webseite  „Eucharistiefeier - Abendmahl I: Verwandlung und Selbstwerdung, Trans-formation und Kon-Formation mit Christus“ (http://www.adolf.frahling.de/Web-Site/Euchar-Selbstwerdung.html )

siehe auch: www.adolf.frahling.de/Web-Site/Enneagramm_III.html

  1. 4.Identität von Wahrem Selbst und Innerem Christus


Leitlinien und Orientierungspunkte

Ein neues Gespür entwickeln für die Christus-Natur jedes Menschen, für sein ursprüngliches Christus-Gesicht


  Die christliche Anthropologie hat die Trennung von „Gott“ und die Notwendigkeit einer Erlösung von außen überakzentuiert. Manche Theologien betrachten den Menschen als ein von Grund auf verderbtes und sündiges Wesen. Hinter dieser Fixierung auf den Sünderstatus des Menschen, auf seine Ego-Konditionierungen versteckt sich leider zu oft der Unglaube an die eigene Botschaft, dass Christus „in unserem Herzen wohnt“, dass wir ein „Tempel Gottes“ sind.

  Ein künftiges christlich-anthropologisches Modell wird ausgehen von dem „Christus in uns“ seit Urbeginn, von unserer ursprünglichen Christus-Natur (unserer göttlichen Essenz), von dem zeit- und raumlosen SeelenGRUND jedes Menschen, der rein, unzerstörbar, unendlich ist; der allerdings in seiner raumzeitlichen Gestalt überlagert, getrübt, verdunkelt wird durch vielfache Konditionierungen und Fehlidentifikationen mit vergänglichen Ego-Strukturen. „Wir haben diesen Schatz (das leuchtende Angesicht Christi in unseren Herzen - Vers 6) jedoch in zerbrechlichen Gefäßen“ (2 Kor 4, 7).

  Der Weg in unsere individuelle und gemeinsame Ursprungsmitte wird sein: Bewusstheit, Bewusstheit, Bewusstheit.

Exkurs: Mandalas als Spiegelbilder des Universums und als innere Schaubilder der eigenen körperlichen, seelischen und geistigen Kräfte


  Teresa von Avila hat das Bild eines Palastes mit vielen Wohnungen gewählt, um die innere Reise des Menschen in die Vereinigung der Seele mit Christus zu veranschaulichen. Auf meinen Webseiten habe ich zwei weitere Dingsymbole favorisiert: Kristall und Mandala.


  In China, Japan und Tibet dient die Gestaltung und Betrachtung von Mandalas der Reise nach innen; sie sind Gefäße, die die Essenz, das Absolute, das Ganze  enthalten. Mit seinen symbolischen Formen und Farben ist das Mandala ein Spiegelbild des gesamten Kosmos und ein inneres Schaubild der physischen, seelischen und geistigen Kräfte des Menschen. Der Meditierende erkennt darin den mühsamen Weg seiner Befreiung und Ganzwerdung.

  Auf dem Weg in die innerste Mitte kann er alle Hindernisse und Blockaden mit Hilfe des buddhistischen Instrumentariums bewusst wahrnehmen und auflösen. Die Geistesgifte von Hass, Gier, Ich-Anhaftung, Stolz, Eifersucht muss er in Heilmittel umwandeln. Bestimmte Bewusstseinszustände muss er einüben, um durch die vier Haupttore eintreten zu können und um in den inneren Raum seiner Ganzheit und wahren Identität (Kreis, Quadrat und Vierzahl als Ganzheits-Symbole) zu gelangen. Die Gottheiten des Mandalas, die er meditierend imaginiert, sind keine außerhalb von uns existierenden Gestalten, die wir anrufen, sondern eher innere Schaubilder eigener Kräfte und Energien, eher Bilder für ein erleuchtetes Sein.

  Das ist wohl die Quintessenz der chinesischen, japanischen und tibetischen Mandalas: mit tantrischen Visualisierungen sich der uns innewohnenden ureigenen Weisheit, Liebe und Kraft bewusst zu werden und aus diesem erleuchteten Wissen heraus zu handeln.

(www.adolf.frahling.de/Web-Site/Innere_Wohnungen_%28Achtsamkeit%29.html)

Wachsende Erfahrung: Christus und Seele sind im GRUNDE ungetrennt


  Voll göttlichem Stolz dürfen wir sagen: Ich bin nicht nur Christ, ein Jünger Jesu Christi, sondern wie Jesus bin ich Christus selbst, mit dem Vater, dem Göttlichen Urgrund, Eins.

  Ein Wort des Heiligen Kirchenlehrers Augustinus eröffnet diese mystische Perspektive: „Wir sind nicht nur Christen geworden, sondern Christus selbst. Steh fest und staune voll Freude: wir sind Christus geworden! Christus spricht in uns, betet in uns, leidet in uns, lebt in uns: wir sind ER selbst - nos ipse sumus.“  (Johanneskommentar 21.8)

  Das zweite Antlitz Christi, das essenzielle ICH des Menschen, und mein Wahres Angesicht bilden eine unauflösliche Einheit, auch wenn mein individuelles Bewusstsein mir meistens ein Anderssein, eine Getrenntsein vortäuscht. Das Wort „ESSENZ“ für das Göttliche Geheimnis (vgl. Almaas a.a.O.) in Allem und in Allen scheint mir geeigneter zu sein als der Eckhartsche Begriff „GRUND“, der immer noch eine räumlich-duale Vorstellung assoziiert.

  Dass mein Gottes- und Christus-Verständnis tiefgehend dualistisch geprägt ist, wird mir täglich deutlicher. Es bedarf eines langen Übungsweges, bis die Ahnung eines grundlegenden Einsseins von Göttlichem und Weltlichem sich aufhellt zur Gewissheit. Innerhalb des tradtionellen Christentums bedeutet es einen Tabubruch, wenn ich als Christ sage: Ich bin - wie Jesus - mit all meinen individuellen Fähigkeiten der CHRISTUS, ICH BIN, ahham brahmasmi. Christus ist mein Wahres Selbst, mein innerstes Wesen, meine Essenz: mein GEIST, meine Weisheit,  meine Kraft, meine Freude, Leben in Fülle. Hin und wieder lichtet sich das Bewusstsein für die kostbare Perle in uns, die wir selbst sind. Und so ist die Wahrnehmung von Essenz, von „Christus, der Alles und in Allem ist“ (Kol 3, 11) nicht (nur) ein vorgestelltes, spiritualisiertes, sondern ein total gefülltes Wahrnehmen, eine innere sinnenhafte Erfahrung, ein Schmecken und Kosten, ein Riechen und Berühren, ein Sehen und Hören. Christus - der Eine Geschmack, der Eine Duft, der Eine Klang, das Eine Licht.

Tibetisches Mandala und Vision der Hildegard von Bingen: Christus - die Sophia Gottes

„Die Blaue Perle“

und Vision der Hildegard von Bingen:

Dreifaltigkeit Gottes

  Trotz der Psychoanalyse von S. Freud, der nachwies, dass das Verhalten des Menschen weitgehend durch sein Über-Ich und sein Unbewusstes bestimmt wird, und trotz der Tiefenpsychologie von C.G.Jung, der anders als Freud den Bereich des Unterbewusstseins gefüllt sah nicht nur mit Verdrängungen und Schatten-Gestalten, sondern wesentlicher mit heilenden archetypischen Bildern, sind der Menschheit im 3. Jahrtausend wie die Weiten des Universums auch die Tiefen der individuellen menschlichen Existenz rätselhaft geblieben.


Die folgenden spirituellen Übungen - christliche Wege nach innen - gründen auf dem Strukturmodell der menschlichen Psyche, das die moderne Transpersonale Psychotherapie und buddhistisches Einsichts-Meditation (Vipassana) voraussetzen. Beide gehen aus von einem heilen, reinen, unzerstörbaren, „göttlichen“ Innenraum des Bewusstseins hinter/unter/über/in/ jenseits von allen sich permanent verändernden Empfindungen, Gefühle und Gedanken.

  In ihrem visionären Buch über die Geburt und Entwicklung des künftigen universellen Menschen „Vom Ego zur Essenz“ beschreibt Barbara Marx Hubbard auch ihre persönliche spirituelle Praxis. Probieren Sie aus, welche Schritte Sie selbst gehen möchten. Für gläubige Christen sind auch Christus-Varianten leicht möglich.


„Jeden Morgen setze ich mich einfach still hin, leer und offen. Meine Belastungen und Verantwortlichkeiten lege ich wie Opfergaben an der Schwelle ab, bevor ich mich in mein Inneres Heiligtum begebe. Dort gibt es nichts, was du zu erledigen hättest. Versuche, dir ´dienstfrei`zu geben. Vermittle deinem ortsgebundenen Ich, dass du alle Zeit der Welt hast, dass du in der Ewigkeit ruhst.“

  Nach ihrer Empfehlung beginnt die beharrliche Reise in die unzählbaren Räume und Winkel unseres Lebenshauses damit: regelmäßig still sitzen, in sich gehen, einfach wahrnehmen, „was denn da los ist“. Unangenehme Erinnerungen, Ängste vor der Zukunft, die aus vergessenen Kellern auftauchen, und Gedanken, die im „Oberstübchen“ wie Affen von Ast zu Ast hüpfen, nur anschauen, nicht bewerten oder sogar verurteilen. Die eigenen Flucht- und Wutreaktionen wahrhaben und zulassen. Und vor allem: Identifikationen aufgeben. Ich bin nicht identisch mit diesem Schmerz im Rücken oder mit meinem momentanen Beleidigtsein oder mit meinen finsteren Gedanken, aber auch nicht mit dem augenblicklichen Hochgefühl. In meinen körperlichen, emotionalen und mentalen Schichten ist es ein Kommen und Gehen, alles verändert sich von Nu zu Nu.


  Vipassana, die buddhistische Einsichts-Meditation, hat ein differenziertes Trainingsprogramm entwickelt, um diese vielgestaltigen Hüllen, Häute, Mauern und Schleier unseres oberflächlichen Tagesbewusstseins zu durchschauen und wohlwollend zu akzeptieren.

  Dabei ist der mutige und wahrhaftige Herzensblick stärker auf das eigene Potenzial ais auf die Defizite fokussiert. Das Ziel von Vipassana und Transpersonaler Psychotherapie besteht ja darin, diese vergänglichen Bewusstseinszustände vorbeiziehen zu lassen und durch alle  Persönlichkeitsverfestigungen und -barrieren hindurch Türen zu öffnen in die Bewusstheit des Wahren Selbst, in den unendlichen ungeteilten Innenraum von Essenz, hinduistisch ausgedrückt: von  „Satchitananda“ (Sein, reines Bewusstsein, Glückseligkeit) oder christlich formuliert: in das Eine Selbst- und Christus-Bewusstsein.


  Buddhistische und christliche Traditionen bieten Hunderte von Techniken an, um das Bewusstsein zu öffnen, darunter die Konzentration auf den Atem, ein Mantra oder auf ein Bild und Visualisierungen oder Imaginationen von Gottheiten als Symbole eigener essenzieller Kräfte.


(Aus der unüberschaubaren Literatur zu „Vipassana“ empfehle ich: „Jack Kornfield: Frag den Buddha und geh den Weg des Herzens, Econ Taschenbuch 1993)

Tägliches Aufsuchen des Innersten Heiligtums und Kontemplation des Essenziellen Selbst

  Sie können einen oder mehrere Sätze der von vielen Generationen seit dem 12. Jahrhundert gebeteten Pfingstsequenz im Meditationsraum (nach den vorbereitenden Wahrnehmungs- und Entspannungsübungen) oder in der Straßenbahn...  mit dem Ein- und Ausatmen 5 oder 20 Minuten wiederholt vor sich hinmurmeln.

  Stellen Sie sich vor, dass der Geist Christi von oben durch ihr Kronen-Chakra in Sie einströmt  - durch alle Widerstände und Schwierigkeiten hindurch. Auf diesem mantrischen Boot fahren Sie dann in immer tiefere und stillere Zonen Ihres Wesens.

Sie können auch ein anderes non-duales Bild wählen: Die Öffnung, Heilung, Erleuchtung durch den Geist Christi geschieht aus Ihrer eigenen essenziellen Mitte heraus und durchströmt alle Schichten Ihres Wesens.


  Beide Methoden sind gut geeignet als Fürbittgebet. Stellen Sie sich eine konkrete Person vor, der Sie von ganzem Herzen wünschen, dass sie durch GEIST, durch Göttlichen Atem, durch das Pneuma Christi belebt und beseligt wird.

Wach auf, erheb dich vom Schlaf,

wach auf, steh auf.

Und Christus wird dir leuchten (Taizé)

  „In der nächsten Phase bildete ich in meinem Inneren Heiligtum einen noch tieferen Raum, den ich die ´Rosenkammer der Vereinigung des Menschlichen mit dem Göttlichen`nannte. Ich, d.h. mein Geliebtes Selbst (´meine Geliebte`, ´mein Geliebter`, Christus in mir) lud alle Anteile meines (konditionierten) ort- und zeitgebundenen Ich in diese Rosenkammer ein. Das sanft leuchtende Licht drang bis in die tiefsten Regionen meines Körpers und die bedingungslose Liebe der/s Geliebten umfing mich (mein Ich) mit Licht, Seligkeit und Freude. Die Täuschung der Getrenntheit von Ego und Selbst schien aufgehoben. Ich konnte die positiven Aspekte meines ortsgebundenen Ich erkennen. Ich bin kein isoliertes Ich, sondern ein ICH, das eins ist mit sich Selbst, mit der Quelle des Lebens und mit der göttlichen Essenz in allen Menschen.“ (vgl. S. 52, 56, 66, 92 ...)


Verweile in diesem (Christus-) Bewusstsein, solange Du kannst und willst.

Sich von Göttlichem Atem, dem Geist Christi 

in allen körperlichen, seelischen und geistigen Schichten durchströmen lassen

Komm, heiliger Geist.

Fließe in uns, Pneuma Christi.

Ströme in uns, Göttlicher Atem.


Komm, Licht der Herzen,

süßer Gast der Seele,

süße Erfrischung.

O glückseliges Licht,

fülle die Tiefen des Herzens.

Ohne dein lebendiges Wehen

ist nichts im Menschen heil und gesund.

Wasche, was schmutzig ist.

Tränke, was ausgetrocknet ist.

Heile, was verwundet ist.

Mache biegsam, was verhärtet ist.

Lass entbrennen, was erkaltet ist.


Taue auf, was vereist ist.

Kläre, was getrübt ist.

Mach sehend, was blind ist.

Lass grünen und blühen,

  was abgestorben ist.

Weite, was ängstlich ist.

Mach beweglich, was gelähmt ist.

Wecke auf, was schläft.

Öffne, was verschlossen ist.

Lass fließen, was blockiert ist.

...


(Pfingstsequenz um 1220)

Göttliche Essenz, Christus-Natur in jedem Menschen gewahren

Ein Ennea-Weinstock-Bild verinnerlichen

Das zu betrachtende und zu verinnerlichende Bild entstand 2000 in den Schlusstagen von Enneagramm- Exerzitien mit Sr. Anneliese Heine.

„Wer oder was könnte uns trennen von der Liebe Christi? Weder Tod noch Leben!“ (Röm 8, 35 ff) Wunderbar anschaulich stellt uns die johanneische Bildrede vom Wahren Weinstock und seinen Reben (cap 15) diese unauflösliche ontologische Einheit von allen Menschen mit dem „Christus Totus“ dar, der das Universum in sich trägt und ständig neu erschafft. Wenn wir dieses biblische Gleichnis meditieren, öffnet es uns den absoluten transpersonalen Weltinnenraum („GEIST“; „Christus“), mit dem wir in unserem tiefsten Wesen Eins sind.


Ich paraphrasiere einige Sätze:


Christus spricht: „ICH BIN der Wahre universale Weinstock, der Alles enthält und umfasst. Ihr alle seid Reben an mir - Rebzweige, die grünen, blühen und Frucht bringen: süße  Beerentrauben, die gekeltert werden zu erlesenem Wein.

ICH durchströme jede/n mit meiner göttlichen Kraft und Liebe. In euch und durch euch trete ICH - Eins mit dem „Vater“, dem GEIST, dem verborgenen Urgrund des Lebens - in Erscheinung und werde fruchtbar.

Ihr seid in Eins mit mir und ich in Eins mit euch und meine Freude ist in euch.

Getrennt von mir könnt ihr nichts machen. Geht hin und tragt reiche Frucht für alle.“

Facetten des Essentiellen Selbst


9 Früchte an dem EINEN Rebstock Christi

Ego-Strukturen und Blockaden

Muslimisches Freitagsgebet-Ökumenische Gemeinschaft von Taizé-Buddhistischer Tempel in Thailand

Betrachtung und Verinnerlichung des Ennea-Weinstock-Bildes

  Aus verborgenen Wurzeln, aus der Mutter Erde, aus dem Herzen Gottes wächst ein Baum heraus, ein Weinstock. Sein kräftiger Stamm verzweigt sich in ein kranzförmiges Ast- und Blattwerk mit vielfarbigen reifen Trauben.

 

  Ich lasse meine Gedanken und sammle mich in die Mitte, den farb- und formlosen Innenraum, den unergründlichen Grund, die stille Gottheit, die leere Wüste (wie der buddhistische Zen-Kreis), in die Alles durchdringende Sphäre des transpersonalen letztlich nicht-begreifbaren und un-nennbaren „Christus“.


  Sein „unaustrinkbares überhelles Licht“ bricht sich prismatisch in dem vielfarbigen Reichtum der kosmischen Evolution, deren kostbarste Frucht der Mensch ist.

  Ich bin Rebzweig und Traube am Weinstock „CHRISTUS“. Ich fühle mich durchpulst von Seiner Klarheit, Liebe und Freude.


Ich fühle mich eins mit IHM und allen Lebewesen.


Ich lasse Andere teilhaben an Traube und Wein.....

  Ursprünglich und bleibend Eins mit „Gott“, mit der innersten Wirklichkeit aller Wirklichkeiten verkörpert jeder Mensch in besonderem Maße eine bestimmte Facette der universellen Einheit, der Alles durchpulsenden Christus-Essenz (Liebe, Stärke, Kreativität, Vertrauen, Frieden, Einssein, Mitgefühl, Freude, objektive Präsenz und Klarheit) - so die Weisheit des sog. Enneagramms. Allerdings verdrängten und vergaßen wir diese essenziellen Wahrheiten unseres göttlichen Seins. Die durch den vermeintlichen, aber nicht realen Verlust von Essenz entstandene Leere („Löcher“) füllten wir durch Fixierungen auf 9 Ersatzformen, die sog. Enneatypen, die scheinbar unsere Persönlichkeit, unsere Ich-Identität ausmachen, von der wir irriger Weise  meinen, dass sie unser Wahres Selbst sei.

  Und so besteht nun unser innerer Weg („Der diamantene Weg des Herzens“) darin, sich des schmerzhaften vermeintlichen Verlustes oder besser: der Verdunkelung essenzieller Qualitäten und Begabungen bewusst zu werden, unseren Wahn des Gertrenntseins von unserer Christus-Natur zu durchschauen und die einzelnen Aspekte der im Grunde nie verlorenen Einheit mit „Gott“ - die „Regenbogenfarben des Diamanten Weges“ -  wieder aufzudecken und dadurch zurückzugewinnen.


Vergleiche meine drei Webseiten zum Enneagramm,

http://www.adolf.frahling.de/Web-Site/V._Einklang.html,

A.H. Almaas  Die Facetten der Einheit. Das Enneagramm der Heiligen Ideen. Kamphausen-Verlag 2004



Das Dritte Angesicht Christi

Seine Diaphanie im ES und WIR

Die Wirklichkeit als Christophanie

Christus: mein Ein und Alles

„Du leuchtest in meiner Seele wie die Sonne auf dem Golde“ (Mechthild von Magdeburg),

aber mein Sinnen und Trachten ist zuhause an der Oberfläche meines Wesens.

  „Die Kontemplation des Essenziellen Selbst (Christus in mir - mein Wahres Selbst) ist nun die entscheidende Übung:

Bitte dein Essentielles Selbst (deine Geliebte, Christus), mehr in dein Bewustsein zu treten.

Spüre seine zunehmende Präsenz, das Innere Licht, das deinen innersten Raum erleuchtet, die allumfassende Liebe, die deinen Leib, deine Seele und deinen Geist durchstömt.

Spüre den spezifischen Egenarten nach, die du an deiner Essenz besonders liebst: Freude, Frieden, Liebe, Geborgenheit, Ganzheit, Weisheit, Kreativität, Engagement, kluges Handeln. Je mehr du dich darauf konzentrierst, desto mehr durchflutet Essenz dein Sein. Sobald du die Anspannung des Ego in Form von Angst, Reizbarkeit oder Ärger in dir spürst - halte inne, atme und kehre zur Essenz zurück und konzentriere dich auf das Geliebte Selbst.

Lass die Präsenz deiner Essenz direkt auf das verwundete Ich strahlen, so wie eine Mutter ihr verängstigtes Kind in den Arm nimmt und es beruhigt. Zunehmend fühlt sich das ort- und zeitgebundene Ich mit seiner Ängstlichkeit und Kontrollsucht hingezogen zu dem Geliebten Selbst und lädt es ein, ganz in seinen ´Haushalt`einzuziehen.“