IX.  Die Bildlosigkeit „Gottes“ und Sein vielfarbiger Schöpfungstanz

Die Wirklichkeit als Christophanie


Das neunte Bild der Parabel vom „Ochs und seinem Hirten“:

Zurückgekehrt in die Gegenwärtigkeit des ungeschiedenen EINEN in allem Unterschiedenen


Marc Chagall: Die Wirklichkeit - erfüllt von der dynamischen Allgegenwart „Gottes“

Zur Startseite                                   Nov. 2012 / 2016

  Alle Modelle der spirituellen Reise - auch die Zen-Parabel vom Ochs und seinem Hirten in 10 Bildern - entsprechen nicht dem tatsächlichen individuellen Verlauf. Nur selten verläuft der Innere Weg so gradlinig und ständig aufwärts bzw. immer tiefer nach Innen, wie in christlichen oder buddhistischen Schematisierungen vorgestellt. Rückschritte, „Seitensprünge“ und Abstürze sind an der Tagesordnung.

Die EINE WIRKLICHKEIT mit neuen Augen sehen:

Endliches als Erscheinung des Unendlichen

„Die Welle ist das Meer.“

Die gesamte Wirklichkeit als Christophanie

„Ach, Herr, enthülle uns das Leuchten Deines Angesichts.“ (Psalm 4,7)

  Nach dem Erwachen bzw. der Großen Wesensschau (Bild VIII) scheint das Ziel der spirituellen Reise erreicht zu sein. Dem „Hirten“ ist das „unaussprechbare ungeteilte Mysterium“, die eigene Geist/Herz-Tiefe („Atman“, seine Buddha- oder Christus-Natur) gnadenhaft aufgeleuchtet, das Wahre Selbst hat er in dem „Grund der Gottheit“ („Brahman“) wiedergefunden.

  Er darf aber nicht „sitzen“ bleiben in dieser „Ungeschiedenheit“, Zen-Meister sprechen dann von „totem Zen“ oder einer „Zen-Krankheit“.  Seine Abgeschiedenheit von  aller Unterscheidung muss sich hinwenden zur Gegenwärtigkeit in allem Unterschiedenen. Zurück kehrt er - zumal als „erleuchteter“ Hinduist oder Christ - auch in die konkrete Praxis seiner Religion. Rituelle Handlungen, Gebete und Heilige Schriften haben jetzt eine ungeahnte Tiefe gewonnen. Die Vielfalt der religiösen Ausdrucksformen, ja aller Konzepte und Dinge, die er als „Traum“, als „Maya“ durchschaute, erweist sich nun als die Präsenz und Manifestation des ungeschiedenen Einen. Im Bewusstsein des Schülers ist nun die Welle das Meer, das Wölkchen der Himmel, die Rebe der Wahre Weinstock.

  Zu Beginn des Weges war der Berg nur Berg und der Fluss nur Fluss, nach dem Erwachen war der Berg Nicht-Berg und der Fluss war Nicht-Fluss. Gelangen wir auf Stufe IX, ist der Berg durchaus Berg und der Fluss durchaus Fluss. Alles und jedes wird nun in absoluter Weise bejaht, weil es das ungeschiedene Göttliche Mysterium vergegenwärtigt.

  Auf welcher Stufe man auch angekommen sein mag, immer wieder kommt es einem so vor, als sei man in der vorhergehenden Phase völlig blind gewesen, als hätte man bisher „aber auch gar nichts kapiert“. Am extremsten kommt diese gefühlsintensive Einsicht in dem Kensho- (III) und Sartori-Erlebnis (VIII) und bei dem Übergang von VIII zu IX auf.

Die neue Bewusstseinsweite lässt auch diese Ent-Täuschung als Erscheinung des Göttlichen, als Manifestation des Einen erkennen. Alles ist zugleich absolutes Sein und kontingentes Seiendes, Wasser und Welle, Gold und Ring, Ton und Gefäß: nicht Eins - nicht Zwei. Es gibt nichts, was nicht eine Ausdrucksform des Göttlichen wäre. Christlich gesprochen: „Nihil extra Christum“ (Nichts außerhalb von Christus).


  Die „Übung des Alltags“ ist angesagt; auch für Zazen-Übende gibt es weitere Lebensräume und -situationen zu bestehen als im Zendo (Sitzen im Meditationsraum). Ruben Habito weist daraufhin, dass das „Mysterium im eigenen konkreten Alltagsleben inkarniert“ werden muss, „nachdem der Zen-Praktizierende (der „Mystiker“) die torlose Schranke der anfänglichen Erleuchtungserfahrung passiert hat.“ „Jeder Gedanke, jedes Wort und jede Handlung werden dann ein konkreter Ausdruck (des Mysteriums)... Die Zen-Erleuchtung führt einen nicht in eine Welt der euphorischen Zufriedenheit und der stoischen Distanziertheit ... kein Zufluchtsort im eigenen kleinen Selbst ... Vielmehr (besteht die) Bereitschaft, sich mitten ins Herz der Welt zu stürzen, in Solidarität mit allen Freuden und Hoffnungen, Schmerzen und Leiden aller fühlenden Wesen - und zwar gleich hier und jetzt“ (Zen leben - Christ bleiben S.32 f).

Wahnsinn


„Wenn es um die Frage seiner eigenen Erleuchtung ging, blieb der Meister immer sehr zurückhaltend. Das einzige, was die Schüler dazu erfuhren, war das, was er zu seinem jüngsten Sohn sagte, der wissen wollte, wie seinem Vater zumute war, als er erleuchtet wurde. Die Antwort lautete: „Wie einem Narren.“

Als der Junge fragte, warum, hatte der Meister geantwortet: „Nun, Sohn, es war, als ob man sich große Mühe gegeben hätte, in ein Haus einzubrechen, indem man eine Leiter erkletterte und ein Fenster einschlug, um später festzustellen, dass die Haustür offen stand.“


(Anthony de Mello)

  Nach dem Großen Loslassen in den bodenlosen Abgrund und der damit verbundenen Erfahrung von klarem Durchblick und Fülle (VIII) erfolgt die Rückkehr in den Alltag (IX). Die tiefe Versenkung in den grundlosen Grund hat bewusst gemacht, dass dieser „Grund“ weder eine höhere noch tiefere Etage im kosmischen Lebenshaus bildet, sondern dieses Lebenshaus selbst IST mit allem, was man in ihm vorfindet und was sich in ihm ereignet.

  Der „Hirte“ ist nach dem „Großen Durchlass“ zu dem Bewusstsein erwacht, dass absolute Leere und akzidentelle Formen, Nicht-Zwei und eins-zwei-drei-vier-fünf-sechs-sieben-usw. im Grunde die Eine Wirklichkeit ausmachen. „Gott“ und Welt, Seinsgrund und Seelengrund sind als untrennbar erfahren worden. Aufgeleuchtet ist die unmittelbare Gewissheit, dass es nichts gibt, was nicht eine Ausdrucksform des Göttlichen wäre.

Vielfarbige Weisheit Gottes Transparenz zur Transzendenz

(Glasbild von Margret Uieß

und Malerei von Paul 7 J.)

G-O-T-T ist aus sich herausgetreten und seine Herrlichkeit ist aufgeschienen in allem, was existiert.


(Die Hand Gottes im Torbogen der Kirche

San Clemente Tahull

Schöpfung als Ekstase „Gottes“ / „Shivas“ Tanz

  „Gott lässt sich nicht von der Evolution trennen. Gott ist Kommen und Gehen. Gott ist Geborenwerden und Sterben. Er ist der Tänzer, der die Evolution tanzt. Ein Tänzer ohne Tanz macht keinen Sinn - und einen Tanz ohne Tänzer kann man ebenso wenig denken. Auf diese Weise gehören Gott und Evolution zusammen.

  Oder nehmen wir das Beispiel einer Symphonie: Der Kosmos ist eine Symphonie, und das, was wir ´Gott` nennen, erklingt als diese Symphonie. Jeder Ort, jeder Augenblick, jedes Wesen ist eine ganz bestimmte Note, die je für sich unverzichtbar für das Ganze ist ... Alle Noten sind das Ganze - ist Gott, der als dieses Ganze erklingt ... Gott inkarniert sich im Kosmos ... er manifestiert sich als Inkarnation.“


(Willigis Jäger: Die Welle ist das Meer, S.84)

  Erschreckend und traurig finde ich es, dass christliche Verkündigung und Katechese nur am Rande in dieses immer und überall präsente Mysterium Christi einführt. Als Leitfaden für eine christliche Mystagogie könnte der Psalmvers 4,7 dienen: „Ach, Herr, enthülle uns das Leuchten Deines Angesichts.“


  Christophanie ereignet sich nicht nur an Heiligen Stätten, in Domen, Kirchen, Tempeln, Moscheen, Synagogen, sondern an jedem noch so als weltlich / profan erklärten Ort auf dieser Erde. „Christus“ ist nicht gebunden an die heiligen Orte und religiösen Sprachspiele einer bestimmten Kultur und Geschichte. Darüber hinaus ist er ganz präsent in allem, was da ist: materiell und geistig, innen und außen, theoretisch und praktisch, real und virtuell, rational und intuitiv. „Nihil extra Christum“: Alles, was es gibt, existiert in Christus und ist von Christus erfüllt. Außerhalb seiner Omnipräsenz existiert nichts.


  Dem christlich sozialisierten „Hirten“, der sich bewusst auf den Weg zum Wahren Selbst begibt, mögen zu Beginn solche Aussagen als unrealistische abgehobene Kopf-Geburten erscheinen. Erst wenn er peu à peu seine vorprogrammierten und angewöhnten Christus-Vorstellungen loslässt oder „unfreiwillig“ durch eine atheistisch anmutende „Dunkle Nacht“ gehen musste (Stufe VIII der Zen-Parabel), kann er eine solche christliche theologia positiva als wahres Spiegelbild der Wirklichkeit an-erkennen. Dann werden ihm überraschender Weise auch manche altvertrauten christlichen Riten, Ikonen, Gebete etc., die er im Laufe seiner spirituellen Reise ad acta gelegt hatte, zu geliebten Ausdrucksformen des Göttlichen, zu Christophanien.

  Hieß ein bekannter Zen-Grundsatz auf Stufe VIII „Unendliche Weite - nichts von heilig“, so lautet er nun ebenso: „Unendliche Weite - alles ist heilig“.

  Die grundlegende Erfahrung des Advaita (Nicht-Zwei), dass Gott und Welt „unvermischt und ungetrennt“ existieren, hat die Christenheit mit einer Person verbunden und mit einem Namen ausgedrückt:      Jesus Christus ist diese Eine Wirklichkeit (Kol 2, 17):


1.  „Christus in-nominabilis“ (mit keinem Namen benennbar)das unerkennbare-unaussagbare Mysterium, Leere, Stille Gottheit, Tao, Brahman, Atman, ICH-BIN, Christus semper maior (der immer größere Christus), Ungeschiedenheit, Essenz, das ungeteilte Wahre Selbst, grundloser Grund, das absolute Sein .....

Symbol: weißer Kreis der Ewigkeit, transparente Kristallkugel ....

Die Übung des Alltags - ontologische Christus-Berührungen


  Eine Sensibilität für die Gegenwärtigkeit Christi in allen alltäglichen Dingen und Vorgängen gewinnen manche westlichen Christen heute über das Kennenlernen und Einüben von östlicher Weisheit.

  Exemplarisch für kompetente Begleiter auf diesem Weg nenne ich - wie auf vielen meiner Webseiten - den vietnamesischen Mönch Thich Nhat Hanh, den Pallotinerpater und Zen-Meister Johannes Kopp und

den indischen Priester Raimon Panikkar, der von sich sagte: „Ich bin als Christ gegangen, ich habe mich als Hindu gefunden und ich kehrte als Buddhist zurück, ohne doch aufgehört zu haben, ein Christ zu sein.“ In seinem „geistlichen Testament“ „Christophanie. Erfahrungen des Heiligen als Erscheinung Christi, Freiburg 2006“ fasste R. Panikkar seine non-duale Christologie zusammen: Christus ist das Symbol der ganzen Wirklichkeit, in Ihm sind Kosmos, Gott und Mensch vereint. „Jedes Wesen ist eine Christophanie, eine Manifestation des christischen Abenteuers auf dem Weg zum unendlichen Geheimnis.“ (s. 194)


  Wenn man achtsam und zutiefst mit dem gegenwärtigen Augenblick verbunden ist, berührt man den lebendigen Buddha und den lebendigen Christus in sich selbst, in allen Menschen und Dingen - so lautet eine der Grund-Ansichten Thichs. (vgl. ausführlichere Darstellungen auf http://www.adolf.frahling.de/Web-Site/Sakr._Augenblick.html).


  Und ein Zitat aus „Schneeflocken fallen in die Sonne. Christus-Erfahrungen auf dem Zen-Weg“ von Johannes Kopp:


„Die Bedeutung der alltäglichen Handlung zu entdecken ist das große Aha-Erlebnis auf dem Weg zum wahren Selbst. Im Wegtragen der Mülltonne das Unendliche berühren und sich berühren lassen, das ist Sesshin ohne Ende ... In der täglichen Übung soll die Einladung bemerkt werden, im Kleinsten und Gewöhnlichsten die unendliche Liebe und die unendliche Barmherzigkeit (Christi) aufstrahlen zu lassen und so den Frieden zu finden im Nächstliegenden ...

  Wenn das Zen-Auge (das Dritte Auge) geöffnet ist, durchschaut es alle Dinge auf das Eine hin: Christus ist alles und in allem (Kol 3,11).“ (188)

Jede zeitliche Erscheinungsform ist die „wahre Form Christi“, des unaussprechlichen Mysteriums Gottes.


  Eine Dominikanerin berichtet über ihre Jesus-Beziehung („Jesus“, nicht „Christus“, ist für sie der All-Name, der Name über allen Namen):

Dann ist Jesus überall, in den Menschen, die sich plagen, in den Armen, in den Geringsten seiner Kreaturen, in meinen Schwestern, auch in den Reichen. Und ich diene ihnen allen als´Christus in jämmerlicher Verkleidung`.

  Manch einem mag es als Blasphemie erscheinen, aber Jesus ist in jedem Menschen, in jedem Stein, er begleitet alle unsere Taten, Erfolge und Irrtümer. Er ist die Pracht des Aprikosenbaums im Garten, das Geschenk, das ich meiner Nichte mache, er ist meine Hände und Augen. Ich spüre seine Anwesenheit in diesem irdischen Körper. Zu was für einem herrlichen Königreich können wir erwachen, wenn wir seine göttliche Gegenwart annehmen!“


J. Kornfield: Nach der Erleuchtung Wäsche waschen und Kartoffeln schälen, S. 122f)

  Marc Chagall (1887 - 1985) zählte vermutlich zu den „immer schon Befreiten“ (Ramakrishna). Die Grund-Erfahrungen von Stufe IX der Zen-Parabel waren ihm sozusagen schon in die Wiege gelegt. Sein Elternhaus in Witebsk atmete den Geist des Chassidismus, und so war sein alltägliches Leben von Geburt an geprägt durch das mystische Vertrauen, dass Alles durchströmt ist von göttlicher Liebe.


  Klaus Mayer, ehemaliger Pastor von St. Stefan in Mainz, den eine lange Freundschaft mit dem Künstler verband, hat in seinem Kommentar zu dessen Traumbildern („Songes“) von 1981 den Mystiker Marc Chagall so beschrieben:

„Auffallend und charakteristisch ist, daß der Künstler nie bei dem Innerweltlichen stehen bleibt. Sein Weltbild der Bibel läßt das nicht zu. Mag auch das Bildmotiv vielen als nur weltlich, irdisch erscheinen. bei Chagall ist es eingebettet in die eine Welt Gottes. Von seinem biblischen Weltbild her sieht er das Himmlische im Irdischen, das Geistige im Leiblichen, das Heilige im Alltäglichen... Schon 1914 erkannte der französische Dichter Guillaume Appolinaire: ´Bei Chagall ist das Übernatürliche natürlich.` Und als Pater Couturier Marc Chagall für Fenster in der Taufkapelle d´Assy zu gewinnen suchte, ließ er ihm volle Freiheit: ´Sie können einen Blumenstrauß malen. Auch er wird religiös sein.`... Stets war es Chagalls Anliegen, das Übernatürliche im Natürlichen, das Geistige im Leiblichen, das Hinter- und Übergründige im Vordergründigen sichtbar zu machen, und damit die eine Welt Gottes zu verkünden, die eine Aufspaltung in Sakral und Profan, Irdisches und Göttliches, Seele und Leib, Mann und Frau, und daraus konstruierte Gegensätzlichkeit nicht kennt.“ (S.12f)

Schon auf den


Radierungen zur Bibel (1931 - 39;

1956 veröffentlicht)


verwendete Chagall für die Darstellung der Transzendenz ein ähnliches Bild-Zeichen wie der Kalligraph der Zen-Parabel vom Ochs und seinem Hirten: einen weißen Lichtkreis der Ewigkeit, der sich allerdings wellenförmig ausbreitet oder rotiert, und in seiner Mitte wird das Tetragramm JHWH enthüllt, der unaussprechliche Name („Jahwe“) für den Einen Gott.


Vgl. meine Webseite zu Mystischen Bildern Chagalls

http://www.adolf.frahling.de/Web-Site/La_vie.html

Schöpfung (des Menschen)  (1958)


  Der weiße Lichtkreis mitsamt dem lichten göttlichen Flötenspieler ist transformiert in einen rot-gelben Feuerball, der alle Farben und Formen in einem wirbelnden Tanz aus sich herausschleudert und wieder in sich hineinzieht. Außerhalb dieses göttlichen Energiefeldes kann nichts existieren; feurige Liebe ist der Ursprung und die bleibende Mitte der kosmischen Evolution. 


  „Gott läßt sich nicht von der Evolution trennen. Gott ist Kommen und Gehen. Gott ist Geborenwerden und Sterben. Er ist der Tänzer, der die Evolution tanzt.“

(Willigis Jäger: Die Welle ist das Meer, S. 84)

La vie (1964)


  Vor seiner Staffelei, die Palette  in der Hand, die Augen geschlossen, von einem Engel umarmt, er-innert, imaginiert, erschafft Marc Chagall „La vie“, „Das Leben“, sein eigenes Leben:

ein buntes Leben voller Tanz und Musik, aber auch bedroht durch verschlingende dunkle Kräfte. Wichtige Lebensstationen und -orte erscheinen als Diaphanien bzw. Epiphanien der wirbelnden göttlichen Energie, dargestellt im Bild-Zeichen eines  vielfarbigen sternförmigen Doppelkreises.  

Marc Chagall hat ein mystisches Bild gemalt: Das Leben ist in allen individuellen und kollektiven Geschehnissen gefärbt und getönt durch die immer und überall gegenwärtige göttliche Liebe und Energie.

http://www.adolf.frahling.de/Web-Site/La_vie.html

Erinnerung an Paris - Selbstportrait (1981 - Ausschnitt)


  Im Alter von 94 Jahren schuf Marc Chagall einen Zyklus von 20 Radierungen unter dem Titel „Songes“ - „Traumbilder“, Sequenzen seiner persönlichen Lebensträume.

  Blatt 14 stellt in zen-artiger Einfachheit seine mystische Selbst- und Gottes-Erfahrung dar.

  Jakobs Traum von der Himmelsleiter (vgl. http://www.adolf.frahling.de/Web-Site/Jakobs_Traum_%28Chagall%29.html) ist transformiert in eine klare Wesensschau Chagalls. Der Maler wächst wie die Leiter aus dem Ort seiner künstlerischen Selbstfindung - Paris - empor in den Bereich der Unendlichkeit, des Wahren Selbst. Seine Rechte hält die farben- und formenleere Palette (Zeichen für einen reinen Seelenspiegel), die Linke zeigt eine starke Herz-Berührung an, die ausgelöst ist durch ein Kensho oder Sartori, eine  Wesensschau, durch die Erkenntnis des EINEN. Sein Auge ist weit geöffnet.

Marc Chagall:

Die dynamische All - Gegenwärtigkeit  Gottes


„Bei Chagall ist das Übernatürliche natürlich“

(G. Appolinaire)

Il concerto (1957)


  Das Konzert des Lebens - eine Sinfonie aus blauem GRUND-ton und Gottheit-gelben und Liebe-roten Farbtönen ertönt. Ihren bleibenden Ursprung haben sie in dem weißen Lichtkreis der Ewigkeit: wie der berühmte weiße Zen-Kreis Leersein und Fülle in Einem.

  Musik und Gesang (Miriam und ihre israelitischen Schwestern am linken Ufer) begleiten das Liebespaar auf ihrer Reise ans „Andere Ufer“, wo ein Flötenspieler aus lichter Unendlichkeit sie erwartet.


  „Der Kosmos ist eine Symphonie, und das, was wir ´Gott` nennen, erklingt als diese Symphonie. Jeder Ort, jeder Augenblick, jedes Wesen ist eine ganz bestimmte Note, die je für sich unverzichtbar für das Ganze ist ... Alle Noten sind das Ganze - ist Gott, der als dieses Ganze erklingt.“ (W.Jäger S.84)

        Verhüllungen des omnipräsenten Christus


  Leider wird die Wirklichkeit des omnipräsenten Christus verschleiert nicht nur durch unser Anklammern an die Faszination der oberflächlich fassbaren gegenständlichen Welt, sondern auch durch kirchlich-doktrinäre Mäntel und Schleier. Die übliche christologische Verkündigung und Katechese vermittelt die Vorstellung einer individuellen Über-Person, die vor 2000 Jahren aus einer himmlischen Welt auf die Erde herabgestiegen und in Palästina in der Gestalt Jesu aufgetreten sei. Nach Kreuzestod und Auferstehung, die meist als Wiederbelebung missverstanden wird, sei sie in den Himmel zurückgekehrt in eine Wartestellung bis zum Ende der Zeiten. Dann aber werde dieser Jesus Christus wiederkommen und „richten die Lebenden und die Toten“. Dieses Glaubensbekenntnis mag in einem vorkopernikanischen Weltbild Sinn gemacht haben, nach den astronomischen Erkenntnissen der Neuzeit aber müsste es „entmythologisiert“ und transzendiert werden auf den  „Christus semper major“ hin, den Christus, der immer größer ist als jede menschliche Vorstellung, den „Christus ubique totus“ den überall ganzen Christus, der nicht segmentiert werden kann, sondern das Ganze umfasst und mit „Pneuma“ (Geist, Grünkraft, Energie) erfüllt.


  Wenn kirchlich von Realpräsenz Christi gesprochen wird, dann fast ausschließlich von seiner Gegenwart in der Eucharistie (kath.) oder im Wort Gottes, der Bibel (evang.). Ausgeblendet oder völlig verdunkelt bleibt seine „Pure Präsenz“ (Richard Rohr) in der Evolution des Universums oder im Grund der menschlichen Seele.

  „Es ist verrückt! Es ist einfach zum Lachen! Da bemüht man sich jahrzehntelang um Erleuchtung, man gewinnt eine Ahnung davon, dass das gesuchte Eine leer ist von allen Gedanken und Konzepten, dass alles, was uns umgibt, nur eine Traumwelt ist, nur unbeständige Maya, eine Illusion - und dann schlägt alles an Vorstellungen in einem Nu um. Man erwacht, und die ´normale` Um- und Innenwelt erscheint als die Wahre Eine Wirklichkeit.“

  Eine typische Reaktion auf das Erleuchtungserlebnis ist ein lange anhaltendes Lachen (vgl. Ruben Habito: „Gelächter und Tränen der Freude“ S.22); der „Erleuchtete“ ent-deckt, ihm wird enthüllt, dass das Gesuchte nicht in den Tiefen oder Höhen der Wirklichkeit verborgen ist, sondern die Wirklichkeit selbst ist, die vielfältige Realität hier und nun vor meinen Augen. Alles Suchen war im Grunde umsonst.

  Der Schleier ist weggezogen, aber er verhüllte nicht die Wirklichkeit, sondern die inneren Augen, das Bewusstsein. Die innere und äußere Wirklichkeit ist nach wie vor die, die sie ist. Nur der Mensch hat sich verändert. Die meisten der „dreißig oder vierzig Häute, dick, groß, schwarz, wie Bärenhäute “, die laut Johannes Tauler „dem Menschen die Sicht verdunkeln“ und „seine „inneren Augen und Ohren bedeckt“ haben (Predigt H 51), sind plötzlich durchstoßen oder nach und nach abgetragen worden. Doch er muss achtsam leben, damit sie nicht nachwachsen.

Die Welle ist das Meer

(Zensho W. Kopp: Im Farbenrausch des Göttlichen, S.121 - Ausschnitt)

  Die Suche bewegt sich nicht via direttissima auf das Mysterium zu, sondern umkreist es. Auch die Reihenfolge der Stationen ist nicht zwangsläufig vorgegeben, und die Gottes- und Selbst-Erfahrungen haben eine unterschiedliche Tiefe und Dauer. Vor und nach dem seltenen Großen Sartori gibt es weitere Kleine Erleuchtungen.

  Mit dem Großen Erwachen oder der Unio der Seele mit Gott ist die Reise nicht beendet, und es beginnt auch nicht ein Stadium ungestörter Ruhe und vollkommenen Friedens. Der Meister bleibt Schüler, der/die Fortgeschrittene ein Anfänger. Er/sie bleibt verwickelt in berufliche und familiäre Verstrickungen. Subtile Verführungen zu Anhaftungen (an Ruhm, Überheblichkeit, gewohnte Denkmuster etc.) machen ihm/ihr zu schaffen und manch blinder Fleck muss auch nach einem Erleuchtungserlebnis aufgehellt werden. Den Schriften der großen Mystikerin Teresa von Avila ist zu entnehmen, dass sie sich auch nach der Einkehr in die Innerste Wohnung mit extremen körperlichen Beschwerden, Anfeindungen durch die kirchliche Inquisition, neurotischer Sündenangst, Niedergeschlagenheit und Gottverlassenheit herumplagte.

  Seit der Beschäftigung mit der Parabel von Ochs und Hirt und zumal mit der IX. Station ent-decke ich Glanz und neue Kraft in einigen vergessenen Herzensbitten aus Kindheits- und Studenten-Zeiten:


  „Ein reines Herz!“ (Psalm 51, 12)

  „Ach, Herr, enthülle uns das Leuchten deines Angesichts.“ (Psalm 4,7)  Diese heute nicht mehr übliche Übersetzung tauchte plötzlich aus meiner Erinnerung an die samstägliche Komplet der Kath. Studentengemeinde Freiburg in den sechziger Jahren auf.

  Mit der Passage „In Deine Lieb versenken will ich mich ganz hinab. Mein Herz will ich DIR schenken und alles, was ich hab“ aus dem heute vielleicht kitschig anmutenden Weihnachtslied („Zu Bethlehem geboren ist uns ein Kindelein ...“) eröffne ich manchmal die Übung der Kontemplation.

  Auch ein anderes Gebet, das meine (katholisierte) Generation in ihrer Kindheit häufig gesprochen hat: „Jesus, sanftmütig und demütig von Herzen: Bilde unser Herz nach Deinem Herzen“ kann genau so wie die übliche Zen-Terminologie Grund-legende Erfahrungen der Inneren Reise sprachlich ausdrücken.

  Innere Erfahrung und Deutung finden ihren Ausdruck in einem weißen Lichtkreis, erweitert zu einem rotierenden Rad mit 10 Speichen. Es weckt Assoziationen an das buddhistische Dharma-Rad mit 8 Speichen, die den achtfachen Pfad der Befreiung symbolisieren. Chagalls Variante (10 Speichen) lassen an die Zehn Gebote, das „Zehntwort“ der Thora denken. Aus der Überhelle des inneren Kreises schaut ein Auge dem Künstler ins Herz; Seelengrund, Sehen und Seinsgrund sind EINS.

  Ein zweites Ding-Symbol im Raum der Unendlichkeit weckt die verehrende Achtsamkeit des (jungen ?!) Malers: ein übergroßer Fisch, der häufig in enger Verbindung mit dem Lichtkreis der Ewigkeit erscheint. Ein geheimnisvolles Bild-Zeichen! Symbolisiert es das verborgene Leben unter der sichtbaren Oberfläche, den GRUND der Seele und des Seins? Oder verschlüsselt es sogar die Verehrung Chagalls für Christus, die er auf manchen Gemälden offen zum Ausdruck gebracht hat? Schon in den frühchristlichen Gemeinden diente das Emblem eines Fisches als geheime Chiffre für den Glauben an Christus: die fünf Buchstaben des griechischen Wortes für Fisch „i-ch-th-u-s“ versinnbildlichten das Pentagramm „jesus christos theou uios soter“ – Jesus Christus Gottes Sohn Erlöser.

  Eine fremdartige, faszinierende Miniatur im romanischen Albani-Psalter (um 1140) nimmt das Bildmotiv eines tanzenden Gottes auf. Der Beter von Psalm 59 (60), den diese Initiale einleitet, spricht Gott als die Macht an, die „zerschlägt und wieder aufrichtet“, die „verwirft“ und „rettet“. Nach wie vor hat die christliche Theologie große Schwierigkeiten damit, solche Bibeltexte, die alle Phänomene, auch zerstörerische Kräfte, auf das Wirken des Einen Gottes zurückführen, mit der Vorstellung eines liebenden Gottes in Einklang zu bekommen.

  Der sogenannte Alexis Meister hat eine bildhafte Lösung gefunden, die der hinduistischen Shiva-Idee ähnelt: Gott, der hier wie auf allen Initialen in der Gestalt Christi dargestellt wird, wirkt Zerstörung und Rettung durch eine Art Tanz mit dem Menschen. Umfasst ist diese archetypische Szenerie von einem goldenen Kreis, der ausdrücklicher als der Zen-Kreis die Fülle der Einen Wirklichkeit hervorstellt.

Christus tanzt die Schöpfung (Albani-Psalter)    -    Shivas Welt-Tanz    -    Durch Christus ist Alles erschaffen

Bild IX der Zen-Parabel vom Ochs und seinem Hirten:

Zurückgekehrt in den Ursprung und GRUND

  Alles ist wie einst. Aber das Bewusstsein hat sich geöffnet: Diese unsere konkrete Welt ist in ihren sich ständig verändernden Formen und Farben, so wie sie ist, in ihrem kosmischen Wirbel des Werdens und Vergehens, nichts anderes als das Anwesen der form- und namenlosen Gottheit.

  Und Meister Eckart mahnt in seinen Reden der Unterweisung 6: „Wer Gott im Sein hat, der nimmt Gott göttlich, und dem leuchtet er in allen Dingen. Denn alle Dinge schmecken ihm nach Gott.“

  „Der Mensch ... soll sein Gemüt daran gewöhnen (darin üben), Gott allzeit gegenwärtig zu haben im Gemüt und im Streben und in der Liebe. Achte darauf, wie du deinem Gott zugekehrt bist, wenn du in der Kirche bist oder in der Zelle (oder im Zazen): diese selbe Gestimmtheit behalte und trage sie unter die Menge und in die Unruhe und in die Ungleichheit.“

  „In Gott eintauchen und bei den Armen auftauchen“ - so der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner.

  Der weiße Kreis der Ewigkeit, der auf den 10 Zen-Bildern das Leben in allen Phasen umfasst und durchpulst, wird  in anderen Vorstellungswelten - z.Bsp. in indischen Mythen oder der Kunst von Marc Chagall - variiert durch ein Flammenrad, eine rotierende Spirale oder einen vielfarbig ausstrahlenden Stern.

  Die Erkenntnis, dass das Universum (und darin unsere kleine Erde) keine statische, sondern eine höchst dynamische Wirklichkeit ist, die sich evolutiv entfaltet und explosionsartig auseinander driftet, ist heute jedem zugänglich. Dass wir Menschen auf unserm Stern zusammen mit unserer Galaxie rasend schnell ins endlose Weltall geschleudert werden, dass wir in der Spirale unserer Galaxie mit Milliarden von Sternen herumgewirbelt werden, und dass wir auf einer ständig rotierenden Kugel leben, bleibt uns im gewöhnlichen Tagesablauf aber meist unbewusst, wie uns ja auch die fundamentale Realität verborgen ist: unser In-Sein in „Gott“.

Die hinduistische Spiritualität hat ein eindrucksvolles Bild entworfen: der Gott Shiva, eine Inkarnation Brahmas, des absoluten Mysteriums, tanzt die Schöpfung. Er tanzt inmitten eines Flammenkreises, durch den der endlose Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt dargestellt wird.  Das Leben entsteht infolge von Hitze (Leidenschaft) und endet im Feuer der Zerstörung, um immer wieder aufs Neue zu entstehen. Werden und Vergehen, Entfaltung und Zerstörung haben ihren Ursprung in Brahman. Dieser kosmische Tanz ist Brahman und ist es doch nicht. (Eine aufschlussreiche Beschreibung finden Sie unter www.sahajawissen.org/page66/page15/page15.html ).


Willigis Jäger und Hans Torwesten haben das Bild eines tänzerisch kreativen Gottes in ihre christlich orientierte Weltsicht übernommen.

  Torwesten versteht die Schöpfung als „Ekstase Gottes“. Dieses „Aus-sich-Herausgehen Gottes“ ist kein einmaliges Geschehen, sondern ein immerwährender Ausdruck ekstatischer Freude“. (80)

Schöpfung ist eine Äußerung und Entäußerung der Liebe Gottes, sie ist ein ewiger Schöpfungsvorgang ohne Anfang und Ende, ein immerwährendes Sich-Verströmen. (81)

  Der auslösende Funke dieser Ekstase Gottes ist nach Torwesten die göttliche Glückseligkeit. Sie manifestiert sich in der spielerischen Anmut und verführerischen Schönheit des kosmischen Tanzes. (9, 82)

  Die Ekstase des absoluten Grundes äußert sich in der Totalität des universalen Lebens mit all seinen lichten, aber auch dunklen Seiten. (87)

„Der Grund mag eine Wüste und Einöde sei, aber aus ihr blüht das Wunder des Lebens.“ (S.32)


(H. Torwesten: Der Mut auf den Grund zu gehen, Petersberg 2007 - eine der inspirierendsten Veröffentlichungen zum hinduistisch-christlichen Austausch;

H. Torwesten: Schöpfung - die Ekstase Gottes, Petersberg 2008)

Christus, der die Schöpfung tanzt (Albani-Psalter um 1140)

  Zentrale Aussagen der Bibel zum Universalen Christus („Christus ist der Anfang und das Ende“. „Alles ist durch ihn geschaffen“. „Alles hat in Christus Bestand“. „Die Gestalt dieser Welt vergeht - Christus bleibt in Ewigkeit“) gehören nicht zu den selbstverständlichen „Lebensmitteln“ eines normalen westlichen Christen.


  Alle christlichen Mystiker bezeugen es: Christus ist der Weg zum „Wahren Selbst“, er ist unser wahres Selbst (vgl. meine Ausführungen unter „Kosmischer Christus III / 4“). „Wir haben Gemeinschaft mit der göttlichen Natur“  (2 Petr 1,4). Wir sind göttlich-christischen Ursprungs. Nicht „Erbsündigkeit“ bestimmt unser wahres Wesen, sondern Licht und Freude und die vielfarbige Weisheit Christi. Diese unsere Christus-Natur und sein/ihr Aufscheinen (Christophanie) in allen Phänomenen unserer Umwelt könnten wir in einer Neu-Seh-Schule immer wieder enthüllen und aufdecken lernen.

Christophanie - in allen Phänomenen „Christus“ wahrnehmen

Mensch - Kosmos - „Gott“: die EINE Wirklichkeit

Das klare Licht der Wirklichkeit 18  I

Das ewig strahlende Licht der Wirklichkeit des Einen Geistes ist dein ursprüngliches wahres Wesen.

Das unwissende, herumirrende Ego dagegen ist nicht mehr als ein Schatten, der im Augenblick der Erleuchtung, wenn die Herrlichkeit des göttlichen Selbst aufstrahlt, verschwindet.

Dann wirst du erfahren, dass der eigene Geist und der Eine Geist eine einzige Wirklichkeit ist 16


Jenseits von Geburt und Tod  34  II

Haben wir erst einmal erkannt, dass die den Persönlichkeitswahn bildenden Daseinsfaktoren - Körperlichkeit, Empfindungen, Wahrnehmungen und Bewusstsein - nicht unser wahres Selbst sind, brauchen wir deren Tod auch nicht zu fürchten.


Der Aufgang des inneren Lichtes 56  III

Im Dunkel des Herzens, in unserem Allerinnersten, leuchtet ein strahlendes Licht, das gleich einer ewigen Flamme das ganze Universum erleuchtet.

Dieses unser wahres Wesen ist die allen unseren Erfahrungen zugrundeliegende Wirklichkeit: allgegenwärtig, still und rein und außerhalb von Raum und Zeit.


Klarer Geist 38  (IV)

Löse dich von deinen alten Anschauungen und Anhaftungen. Hör auf, mit dem begrifflichen Denken die Wirklichkeit verstehen zu wollen.

Dann bist du wirklich auf dem Weg zur Erleuchtung.

Mystischer Tod 58  (IV)

Die Erleuchteten aller Religionen verkünden, dass das Absterben von dir selbst und allen Dingen ein radikaler, mystischer Tod ist.


Auferstehung 60   (V)

Das Hineinsterben in den dunklen Abgrund des göttlichen Nichts ist ein Erwachen zur Wirklichkeit unseres wahren Seins.


Das strahlende Licht der Gottheit 62   (VI)

In unserem vollkommenen Loslassen und Hineinsterben in den göttlichen Grund offenbart sich uns das Licht, nach dem wir alle suchen.


Selbstgewahrsein des Geistes 84   (VII)

Wahre Meditation bedeutet, frei zu sein von jedem Verlangen.


Buddha-Paradies 86    (IX)

Du brauchst nirgendwo hinzugehen, um die höchste Wahrheit zu finden. Das Tao liegt unter deinen Fußsohlen.  

Vollkommene Freiheit    (IX)

Der wahre Mensch erlebt die Wirklichkeit seines wahren Seins mitten in der Welt. Frei und unabhängig kommt und geht er, weil er kein Sklave von Konditionierungen und Verhaltensmustern ist. Deshalb braucht er sich auch nicht von der Welt zurückziehen. Ganz im Gegenteil: Er wandelt mitten in der Welt der Erscheinungen in vollkommener Freiheit.


Vollkommene Harmonie (X)

Gott, oder in der Sprache des Zen: der Eine Geist ist die Liebe. Und wer in dieser Liebe bleibt - in diesem Ganzen, in dieser Nicht-Dualität , in diesem Nicht-Getrenntsein - der bleibt in der Wirklichkeit des Einen Geistes und die Wirklichkeit des Einen Geistes in ihm.

  Aus dem Vorwort von E. Duvernoy:

Der leere Grund des Bildes  wird, wie in der Zen-Malerei, mit dem leeren Grund des Seins identifiziert und steht für die form-, farb- und eigenschaftslose Leere, Shunyata. Deser leere Grund ist jene absolute Wirklichkeit, die durch die Transparenz aller Formen und Farben und somit durch alle Erscheinungen hindurchleuchtet.

Wahres Selbst manifestiert in

9 Enneatypen

Alles

und in Allem:

Christus

Kreis der Ewigkeit

Brahman: Leere-Fülle Unbekannter Christus

Monstranz: der Universale Christus in der Hostie

Göttlicher Tanz

Ewiger Kreislauf von Werden und Vergehen

  Im Grunde ist alle Suche unnötig gewesen, denn das Gesuchte war immer schon da. Die Türen zur Erleuchtung standen von Beginn an offen.

  Der Hirte ist in sein alltäglich-weltliches Wesen zurückgekehrt, und dort wohnt er im Göttlichen Grund und Ursprung. Allerdings bedarf es weiterhin der ständigen Übung der Achtsamkeit, des Grund-Vertrauens und der Reinigung des Seelenspiegels.


(Der Ochs und sein Hirte, Eine altchinesische Geschichte - erläutert von Meister Daizohkutsu R. Ohtau mit japanischen Bildern aus dem 15. Jahrhundert, Klett-Cotta-Verlag, Stuttgart 2008, Zehnte Auflage, S.117ff)

Der Traum ist meine Wirklichkeit.

Mit leeren Händen bin ich zurück auf dem Spielplatz.

Ich bin das Kind!

Ich bin der Mann!

Ich bin glückselig.

Ich sehe Wesen und Dinge, die ich nie zuvor gesehen habe...

Der Traum ist meine Wirklichkeit.

Ich liebe sie.

Cow and Person disappear  -  VIII           http://www.flickr.com/photos/h-k-d           Playground  - X                                                         

  artworks and text by Hartwig Kopp-Delaney

Im Farbenrausch des Göttlichen

Gemälde und Worte

des westlichen Zen-Meisters Zensho W. Kopp

(Schirner-Verlag Darmstadt 2011) s. auch S. 24, 26f

https://www.tao-chan.de/zen-meister-zensho.html

2.  und zugleich „Christus omnio-nominabilis“ (mit jedem Namen benennbar)

(Raimon  Panikkar): Person und Nicht-Person, DU und In-Sein, Namen, Formen und Farben; Jeschua, Krshna, Kali, Gottessohn, Menschensohn, Messias, Satpurusa, Vielfalt der Dinge und Gedanken, Kreislauf von Entstehen und Vergehen, Maya, Shivas Tanz, jedes Seiende.....


  Alles Wirkliche ist „Christophanie“ (Raimon Panikkar). Alle empirischen Phänomene sind  Manifestation Christi,  des zeit- und raumlosen „Wortes Gottes“ (Joh 1, 1 ff),  der uranfänglichen „vielfarbigen Weisheit Gottes“ (Eph 3, 10)


„Jesus Christus“ ist der Name für die lebendige Symbiose von Gottheit (VIII) und Menschheit / Materie (IX) und somit der Prototyp eines jeden Menschen. In ihm sind das Endliche und das Unendliche, das Göttliche und das Menschliche, Zeit und Ewigkeit vereint. Seine creatio continua bestimmt den Wirbeltanz der Schöpfung, seine incarnatio continua vollzieht sich ständig in jedem mikro- und makromateriellem Prozess (Teilhard de Chardin).

  1. 10.Bild: Auf dem Markt mit offenen    

                         Händen


                       All - Liebe