Das Herrenmahl: Offene Tischgemeinschaft


Kritische Anmerkungen zum Ausschluss

von evangelischen und wiederverheirateten Christen

                                                        Zurück zur Startseite                                         01. Februar 2014

Übersicht

1.  Einführung

2.  Die offene Tischgemeinschaft Jesu als sprechendes Zeichen des nahen Reiches Gottes

3.  Gemeinsames Mahl der getrennten christlichen Konfessionen ?!

4.  Ausschluss der Wiederverheirateten von der Eucharistie

        Fragwürdigkeit der Zulassungskriterien

        Innerkonfessionelle Zweiteilungen

5.  Offene Mahlgemeinschaft aller Christen und Diakonie

Erfahrungen mit konfessionsverbindender und konfessionsgetrennter Tischgemeinschaft


  Nach Aussage der Konzilsväter auf dem Vaticanum II (1962-65) ist die Eucharistie Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens. Sie ist das Sakrament der Einheit mit Christus und untereinander. Leider ist sie in ihrer heutigen Gestalt auch ein skandalöser Ausdruck und Gipfel von Spaltung und Ausschluss.

  Sehr schmerzlich habe ich die Trennung in der Feier des Herrenmahles vor ca. 30 Jahren auf dem „Ökumenischen Kirchenhügel“ in Köln-Porz-Finkenberg („Demo-Gebiet“) erlebt. Nach der gemeinsamen Initiation am Osterfeuer auf dem Platz vor den beiden neuerbauten Kirchen gingen die katholische und die evangelische Gemeinde auseinander. Die evangelischen Christen zogen mit ihrer Osterkerze in die Hoffnungskirche und feierten dort Abendmahl, wir katholischen Christen versammelten uns um unsere Osterkerze in der Maximilian-Kolbe-Kirche zu Lesungen aus der gemeinsamen Bibel und zur Feier der österlichen Eucharistie. Nach dem getrennt gefeierten Herrenmahl kam man wieder zusammen zu einer Agape-Feier, zu einem profanen (??) Liebesmahl mit Brot, Wein und Ostereiern.

  Dass die Aufspaltung des „Einen Leibes Jesu Christi“ in viele Kirchen ein von Menschen zu verantwortendes Ärgernis, ja einen „Skandal“ darstellt, die den Intentionen ihres „Herrn und Meisters“ entgegensteht, darin sind sich (fast) alle Kirchenvertreter einig. Aber trotz vielfältiger ökumenischer Bemühungen einzelner Gruppen ist die nach dem II. Vaticanum erhoffte eucharistische Gemeinschaft nicht verwirklicht worden. Die verfestigten, vermeintlich unaufgebbaren Positionen der kath. Amtskirche (Verbot von sakramentaler Tischgemeinschaft mit evangelischen Christen; Nicht-Zulassung von Wiederverheirateten zur Kommunion) werden allerdings seit Papst Franziskus neu bedacht und hoffentlich auch verändert.

St. Maxililian Kolbe   Osternachtfeier mit Pfr.Bernhard Antony und Pfr.Walter Löbbecke    Hoffnungskirche                                         

Kirchenfenster von Frére Éric aus Taize

(Fotos aus der Festschrift „30 Jahre Hoffnungskirche - 1983 bis 2013“)

  Eine offene sakramentale Tischgemeinschaft erlebte ich über 25 Jahre bei jährlichen Besuchen in Taizé. In dieser ökumenischen Gemeinschaft in Burgund war es selbst-verständlich, dass der Empfang des Leibes und Blutes Jesu Christi am Ende des meditativen Morgengebets offen war für alle Versammelten. Die gemeinsame Kommunion von Christen aller Konfessionen war einfach der natürliche sakramentale Ausdruck einer in Austausch und Gebet gewachsenen authentischen Communio.

Die offene Tischgemeinschaft Jesu

als sprechendes Zeichen des nahen Reiches Gottes

Gemeinsames Mahl der entzweiten christlichen Konfessionen

als Weg zur Einheit

   Für eine Wiedervereinigung der gespaltenen Christenheit sind zwei Zielpunkte im Auge zu behalten: eine ständige selbstkritische Orientierung am Geist des Evangeliums, einer universalen Liebe, die niemanden ausschließt und eine sehnsüchtige Erwartung des endzeitlichen universalen Völker-Mahles im Reiche Gottes, eine Verwirklichung der verheißenen Stadt Gottes, in der Gerechtigkeit wohnt.

  Das „nahe Reich Gottes“, die „basileia tou theou“, das schon „gegenwärtige Königtum Gottes“ war der archimedische Punkt, um den sich das ganze Leben Jesu und seine Frohe Botschaft drehten. Von dem Mysterium des Königtums Gottes erzählte Jesus nicht nur, sondern er verkörperte es durch sein gesamtes Tun und Leben. Für seine Zuhörer einleuchtender als seine Gleichniserzählungen etwa vom himmlischen Vater, der seinen beiden Söhnen, sowohl dem soliden Hoferben als auch dem Hallodri, ein Zuhause bietet, in dem auch gefeiert und getanzt

  Ein weiterer Orientierungspunkt für eine Wiedervereinigung der gespaltenen Christenheit  an dem Einen Tisch des Herrn könnte auch Luk 15 sein:

  „Es nahten sich Jesus aber all die Zöllner und die Sünder, um ihn zu hören. Und es nörgelten die Pharisäer und die Schriftgelehrten und sagten: Der da - er nimmt Sünder an und speist mit ihnen." Und Jesus begründet seine offene Tischgemeinschaft in drei parabolischen Erzählungen mit dem Handeln Gottes,

-  des guten Hirten, der dem verlorenen Schaf nachgeht und es nach Hause trägt auf „gute Weide“ (Joh 10, 9) und an „Wasser des Lebens“ (Ps 23);

-  der Frau, die eine kostbare Drachme verliert, in ihrem Hause aufräumt, vielleicht das Unterste zuoberst kehrt, so das Goldstück wiederfindet und mit der Nachbarschaft ein Freudenfest feiert;

  1. - und des gütigen Vater, der seinem entfremdeten Sohn, der lange Zeit „seinen Hunger mit billigem Zeug gestillt“ hatte, dann aber sein wahres Zuhause wiedergefunden hat, ein Festmahl bereitet.

  In der von den deutschen Bischöfen herausgegebenen Wochenzeitung „Publik“ erschien am 6. 11. 1970 ein Beitrag von Walter Kasper, damals Theologieprofessor in Münster, später Bischof, Kardinal und Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen:

„Die eigentliche Irregularität sind nicht solche offenen Kommunionfeiern, sondern die Spaltung und gegenseitige Exkommunikation der Kirchen. Die nicht positiv genug zu würdigende Funktion einzelner Gruppen, welche hier vorpreschen, ist es, dass sie den Kirchen den Skandal ihrer Trennung im Sakrament der Einheit immer wieder vor Augen führen und dafür sorgen, dass wir uns nicht bequem mit dem Status quo abfinden. Deshalb können einzelne gemeinsame Eucharistiefeiern, wenn sie in christlicher Verantwortung begangen werden, ein Zeichen der Hoffnung sein, dass die trennenden Mauern der Vergangenheit durch gemeinsame Anstrengung überwunden werden können, indem sich alle im Glauben an den einen Herrn um den einen Tisch versammeln, um das eine Brot zu teilen und sich zu einem Leib verwandeln zu lassen".

  Dass die Tischgemeinschaft mit Jesus, dem Christus, keine Belohnung für moralisches Wohlverhalten oder für eine bestimmte Glaubensauffassung ist, sondern vorbehaltlos allen ohne Ausnahme geschenkt wird, erzählen viele weitere Schlüssel-Texte des Evangeliums. Einer davon ist die Geschichte vom Zöllner Zachäus. Jesus lädt sich bei diesem schlitzohrigen Betrüger ein und spricht, isst und trinkt mit ihm, obwohl dieser nicht die von den Theologen und religiösen Amtsträgern geforderten moralischen Qualitäten aufweist. Jesus erwartet offensichtlich auch keine dem gemeinsamen Mahl vorhergehende und die Teilnahme erlaubende Bekehrung des Zöllners.

  Das ökumenische Leben in Taizé ist von diesem Geist des Evangeliums Jesu erfüllt.

„Wir möchten in diesen Tagen etwas entdecken, das diesem Festessen bei Levi gleicht. Wenn wir Jesus nachfolgen, verstehen wir, dass es an seinem Tisch für alle einen Platz gibt, für jeden Einzelnen von uns. Nicht weil wir besonders fähig wären, seinem Ruf zu folgen, sondern weil er uns liebt. Und Jesus weist den Ehrenplatz denen zu, die von Gott weit weg zu sein scheinen oder sich von ihm weit weg fühlen.

  Jesus bietet seine Freundschaft allen Menschen an. Aber wir können diese Freundschaft, die Jesus uns erweist, auch unter uns verwirklichen. Die, die überall auf der Erde Christus lieben, leben in seiner Nachfolge eine umfassende Freundschaft, die Gemeinschaft in Christus.“


(Frére Alois, Prior in Taizé, auf dem Europäischen Treffen am 28.12.13 in Straßburg)

Sieger Köder: Tischgemeinschaft

  Die von der persönlichen Bekehrung und einem voll-identifizierten Glauben unabhängige, „stets zuvorkommende Gnade Gottes“ wird in der Diskussion um die Erwachsenentaufe häufig als wichtigstes Argument für die  Kindertaufe eingesetzt - weshalb nicht auch für die selbstverständliche Praxis einer für alle Gläubigen offenen eucharistischen Mahlgemeinschaft, auch wenn sie einer nicht-katholischen Konfession angehören?! Eine radikale Neuorientierung an der Quelle des Glaubens, dem Evangelium, ist heute besonders geboten, um den unjesuanischen Ausschluss engagierter (aber nicht-katholischer !) Christen von der Eucharistie zu beenden. Bis zur vollen eucharistischen Einheit sollte die Teilnahme von katholischen, protestantischen und orthodoxen Christen an einem gemeinsamen Herrenmahl, also „Eucharistische Gastfreundschaft“ zumindest offiziell erlaubt sein bei Erstkommunionfeiern und Hochzeitsgottesdiensten. Die gemeinsame Teilnahme von konfessionsverschiedenen (und auch wiederverheirateten) Ehepaaren an Eucharistie oder Abendmahl sollte selbstverständlich praktiziert werden. Bei konfessionsverbindenden Hochzeiten und intensiven ökumenischen Treffen sollten auch Formen der Interkommunion möglich sein.

  Nach heutiger amtskirchlicher Auffassung hätten die Emmausjünger wegen der Unvollständigkeit ihres Glaubens  ebenso wie die gesamte protestantische Christenheit gar nicht zugelassen werden dürfen zur Kommunion. Im Gegensatz aber zu der offiziellen Position katholischer Amtsträger verstehen die Evangelien die eucharistische Tischgemeinschaft mit Jesus nicht als den krönenden Abschluss einer langwierigen theologischen Diskussion, in der schließlich eine volle Glaubens-Einigung im Verständnis von Amts-Priestertum, eigentlichem Kirche-Sein und Realpräsenz  erzielt worden ist, und auch nicht als letztendliche Belohnung für das volle Einschwenken auf die geforderten moralischen Leitlinien, sondern als ein einheitsstiftendes Heilmittel, als Elixier für eine tiefere Gemeinschaft der Glaubenden in Christus.

Für die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zum Kommunionempfang

Kath. Messe mit deutschen Bischöfen  und  Evangelisches Abendmahl

selbsterrichtete Mauern abtragen !!!   

Feier des Abendmahls

Pontifikalamt im Kölner Dom

Sieger Köder: Das Mahl der Sünder (1973) - Ausschnitt

  Wer darf in einer katholischen Eucharistiefeier das Heilige Brot empfangen, und wer nicht? -

Sollen Christen, deren erste gültige und sakramentale Ehe geschieden ist, und die eine zweite Zivilehe eingegangen sind, weiterhin vom Kommunionempfang ausgeschlossen werden? -

Diese Fragen werden zur Zeit innerhalb der Katholischen Kirche heftig diskutiert; eine von Papst Franziskus einberufene Bischofssynode wird sich damit befassen.

Offene Mahlgemeinschaft aller Christen und Diakonie

Eucharistie und Fußwaschung

  Auffällig ist die römisch-katholische Fokussierung auf sexualmoralische und eine gewisse Blindheit für sozialpolitische Kriterien; während engagierte Christen wegen einer „ungültigen“ zweiten Zivilehe von den Sakramenten ausgeschlossen werden, konnten verbrecherische Staatsführer wie Augusto Pinochet, verantwortlich für tausendfache Folterung und Ermordung Andersdenkender, in aller Öffentlichkeit die Kommunion empfangen. 1988 spendete Papst Johannes Paul II bei einem Besuch in Chile dem Diktator sogar eigenhändig die Kommunion.

Christus und die samaritanische Frau am Jakobsbrunnen  /  Christus und die Ehebrecherin

(Evangeliar von Echternach - um 1045)

Jesus, der Christus, selbst die Quelle lebendigen Wassers, schenkt der nicht-jüdischen Frau am Jakobsbrunnen Wasser des ewigen Lebens, obwohl „diese fünf Männer gehabt hat und jetzt mit einem zusammenlebt, der nicht ihr Mann ist.“

(Joh 4, 18)

Christus: „ICH BIN das lebendige Brot und das Wasser des Lebens.“

Jesus entlarvt das gesetzestreue, aber unbarmherzige Verhalten der Pharisäer und Schriftgelehrten gegenüber einer Frau, die sie beim Ehebruch ertappt haben und deshalb überlegen, sie zu steinigen, wie vom Gesetz gefordert. Jesus: „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Und beschämt schleichen sie davon, die Ältesten zuerst.   (Joh 8,1-11)

Die Hochzeit zu Kana (Joh 2,1-12): Jesus füllt die leeren Krüge des Lebens randvoll mit gutem Wein. „Dies wirkte Jesus als Anfang seiner Zeichen (als erste sakramentale Symbolhandlung) und aufschien der Lichtglanz Gottes.“ 

                                                 (Evangeliar von Echternach - um 1045)

Fragwürdigkeit der Zulassungskriterien

  Der amerikanische Franziskaner Richard Rohr, einer der bekanntesten spirituellen Lehrer und Autoren heute, „nimmt manchmal kein Blatt vor den Mund“: „Ich lebe in einer Kirche, die Menschen für bestimmte Sünden des Geistes außerordentlich belohnt und Menschen vor dem Altar für mögliche Fehler des Fleisches schwer bestraft." (Wahres Selbst S. 60)

  Die Tendenz zu einem moralisierenden Eucharistie-Ausschluss von „Sündern“ ist oft verstärkt worden durch eine unvollständige Zitierung und falsche Auslegung der paulinischen Weisungen in 1 Kor 11. Die  Verse 27 und 29 „Wer also unwürdig (besser; unangemessen) das Brot ißt oder den Kelch (Becher) des Herrn trinkt, der ist schuldig am Leib und am Blut des Herrn... der isst und trinkt sich das Gericht“ wurden aus dem Kontext herausgeschnitten und die „Unwürdigkeit“ häufig mit Verstößen gegen das sechste Gebot assoziiert.

  Das Essen des Brotes und das Trinken des Bechers des Herrn „auf unwürdige Weise“ bezieht Paulus aber auf das gierige, unsoziale Verhalten der Reichen, die bei den „Zusammenkünften“ den Armen das Brot wegaßen und sich berauschten. Das Herrenmahl wurde von ihnen zu einem „Eigenmahl“ pervertiert und so die „Kirche Gottes verachtet“. Die „Unwürdigkeit“ besteht also nicht in der Übertretung eines Nüchternheitsgebotes oder bestimmter disziplinärer oder moralischer Vorschriften (Sünden nach dem Beichtspiegel, Wiederverheiratung etc.), sondern in einer sozialen Verletzung, in der Aufspaltung in Reiche und Arme.

  Unauffälliger, weniger aufregend sind andere herkömmlichen Zweiteilungen innerhalb der kath. Kirche. Die traditionelle Aufteilung des Kirchenraumes und der Feiernden - vorne, im Raum des Allerheiligsten mit Altar, Ambo und Priestersitz, ein paar Stufen höher, die Amtspriester und männlichen Helfer; unten, auf den Kniebänken des Gemeinderaums, das Volk Gottes, heute überwiegend Frauen - wird nur selten in Frage gestellt: „Ich fühle mich auch nicht besonders eucharistisch geeint, wenn eine „Männermauer" (der Ausdruck stammt nicht von mir) in Konzelebration um den Altar steht, während die Gemeinde fast nur aus Frauen besteht.“ (Teresa Berger, Professorin für kath. Theologie)

  Vor dem Vaticanum II (1965) war die räumliche Aufteilung „männlich: rechts - weiblich: links“ allgemein üblich. In jeder Hl. Messe hört die Gemeinde die Worte Jesu „Trinket alle daraus!“, aber alle nicht-amtspriesterlichen Teilnehmer/-innen werden in der Regel von der Kelchkommunion ausgeschlossen.

Solche offensichtlichen Zweiteilungen von Männern und Frauen, Amtspriestern und Laien in der Eucharistiefeier zeigen an, dass die propagierte Einheit des Leibes Christi sogar innerhalb der einzelnen Konfessionen nicht erreicht ist.

Johannes cap. 6: Jesus speist die „vielen Leute“ (5000 Männer und wieviele Frauen und Kinder?), „soviel sie wollten“. „Und Jesus sprach: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern.... Und wer zu mir kommt, den weise ich nicht zurück.“              (Evangeliar aus Echternach um 1045)

Wer waren die „vielen Leute“ konkret, die „zu Jesus kommen“ und unterschiedslos alle gesättigt werden? Aus welchen Lebensverhältnissen, mit welchen Glaubensvorstellungen kommen sie? Jesus grenzt niemanden aus; das Brot des Lebens, Wein in Fülle, lebendiges Wasser wird allen zuteil und stillt Hunger und Durst einer/s jeden. Einschränkungen oder Reglementierungen der Zughörigkeit zu der Mahlgemeinschaft kamen Jesus und seinen Freunden nicht in den Sinn.

  Innergemeindliche Spaltungen und Entzweiungen, mit denen der Apostel vor 2000 Jahren in Korinth umgehen musste, bedrohen auch heute die christlichen Konfessionen, besonders die katholische Kirche. Paulus berichtet im Eingang seines ersten Briefes an die Korinther von Streit und Zwistigkeiten. „Jeder von Euch sagt etwas anderes: Ich halte zu Paulus - Ich zu Apollo - Ich zu Kephas - ich zu Christus. Ist denn Christus zerteilt?“ Im zwölften Kapitel stellt er dieser zerstrittenen Gemeindesituation das Idealbild des „Einen Leibes Christi mit vielen Gliedern (Charismen)“ entgegen, dem er im Kapitel 13 das „Hohelied der Liebe“ anfügt.

  Frontenbildungen, Entzweiungen und manchmal unerbittliche Grabenkämpfe zwischen liberal-offenen und aggressiv-fundamentalistischen Gruppen innerhalb der röm.- kath. Konfession sind vermehrt zu registrieren auf Gemeinde-Ebene (Neuordnung der tradtionellen menschennahen Gemeinden zu XXL-Gemeinden), auf „katholischen“ Internet-Foren („Limburg“, Muslime in Deutschland, Attacken auf lebensnahe Bischöfe) und bis in die obersten Ebenen der Hierarchie hinein (Zweitehe, eigentliches Kirche-Sein, Wandlungsworte: „für alle“ oder „für viele hingegeben“). Abspaltungen von ultra-konservativen Gruppen werden immer wahrscheinlicher.

Innerkonfessionelle Zweiteilungen

Weg von Exklusion hin zu Inklusion

Kommunionausteilung während eines Hochamts im                                          Erstkommunion in der Pfarre Volders bei Innsbruck

                                 Kölner Dom

  Katholische, evangelische, altkatholische, lutherische, anglikanische Bischöfe / Bischöfinnen und Pfarrerinnen / Pfarrer, orthodoxe Popen und Patriarchen feiern gemeinsam Eucharistie und Abendmahl zusammen mit Christen aller Konfessionen und unterschiedlicher individueller Glaubensstufen. Alle, die teilhaben wollen an dem „Einen Leib Christi“, sind eingeladen; niemand wird ausgegrenzt  --------------. Nur eine Foto-Montage, ein illusionärer Traum ? Wie lange noch bei aller bleibenden reichen Vielfalt der gewachsenen Traditionen bis zur vollen Einheit des Leibes Christi ?!!

  Seine erste Reise unternahm der neue Papst Franziskus am 8.7.2013 auf die Insel Lampedusa, vor deren rettenden Ufern zuvor Tausende von afrikanischen Flüchtlingen zu Tode gekommen waren. An einem Altar, der auf einem einfachen Fischerboot stand, feierte er das Gedächtnismahl des Todes und der Auferstehung Jesu. In seiner Predigt prangerte er die „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ an, die „ uns taub macht für die Hilferufe der Anderen.“

  Am Gründonnerstag 2013 feierte Papst Franziskus die Abendmahl-Liturgie nicht im Vatikan, sondern in einem römischen Jugendgefängnis. Mit den jungen Häftlingen feierte er Eucharistie und wusch 12 von ihnen die Füße. Unter ihnen waren auch zwei Frauen, eine war muslimischen Glaubens. Papst Franziskus überstieg damit traditionelle vatikanische  Mauern, Gegner  sprachen von „Tabubruch“.

  Wie Jesus von Nazareth, sein „Herr und Meister“, hat auch Papst Franziskus ein Faible für Symbolhandlungen, für durch sich sprechende Zeichen des hier und jetzt aufscheinenden Reiches Gottes. Lange galt in der Kath.Kirche auch die Fußwaschung als ein Sakrament. Also könnte man sagen: Die Bewegung Jesu, die Sammlung seiner Anhänger in der Kirche, ist nicht nur „der Leib Christi“, sondern auch „die Diakonie Christi“, die „dienende Liebe Christi“. Dem Neuen Papst nimmt man die seit dem 6. Jahrh. offizielle päpstliche Selbstbezeicnung  „servus servorum dei“ - „Knecht der Knechte Gottes“ wirklich ab.

  Er geht in die Wohnorte und Häuser der „Armen“ (wie Jesus in das Haus de Zöllners Levi) und feiert dort das Mahl der Liebe mit „Sozialtouristen“ („Wirtschaftsflüchtlingen“) und „Knastis“, mit „arbeitsscheuem Gesindel“ und „asozialem Pack“. Seine Fußwaschung gilt nicht nur - wie rite festgeschrieben - den auserwählten „Gut-Katholischen“, sondern gerade den ausgegrenzten Vergessenen (Jesus reichte beim „Letzten Abendmahl“ auch dem von ihm berufenen Apostel Judas, seinem Verräter, Brot und Wein! Vermutlich wusch Jesus auch ihm wie dem Petrus, der ihn dreimal verraten sollte, die Füße - „und nicht den Kopf“!).

„Die Kirche ist keine Zollstation; sie ist das Vaterhaus, wo Platz ist für jeden mit seinem mühevollen Leben." (Papst Franziskus in „Evangelii gaudium“)

  Aufgeschlossene Theologen und Kirchenrechtler (Eberhard Schockenhoff, Matthäus Kaiser, Franz-Josef Nocke u.a - siehe Quellenangaben) haben nachgewiesen, dass die überkommene, angeblich „nicht aufgebbare“ kirchliche Ausgrenzung von Wiederverheirateten auf zwei fragwürdigen bzw. unzutreffenden Vorgaben beruht,

1.  auf einem überholten, aus dem römischen Staatsrecht im 4. Jahrh. übernommenem iuridischem Eheverständnis als Vertrag zwischen Mann und Frau (Übertragung des Rechtes auf die Sexualität des Partners etc.) und nicht auf dem biblisch begründeten Modell einer personalen Liebes- und Lebensgemeinschaft, und

2.  auf einer falschen Bewertung der zweiten Zivilehe als schwerer Sünde.

Die Fronten verlaufen konträr sogar in der Spitze des Vatikans. Papst Franziskus bezeichnete die Eucharistie  „nicht als Belohnung für die Vollkommenen, sondern als großzügiges Heilmittel und als Nahrung für die Schwachen.“ Der Präfekt der Glaubensbehörde Erzbischof Müller hielt dagegen: „Es gibt jedoch auch objektive Bedingungen für den Sakramentenempfang... Eine irreguläre Situation in einer Ehe ist ein objektives Hindernis für den Empfang der Eucharistie.“


Quellenangaben


Differenzierte Ausführungen finden Sie unter:

E.Schockenhoff: Kirche als Versöhnungsgemeinschaft

www.herder-korrespondenz.de/aktuelle_ausgabe/special/details?k_beitrag=3050590

E.Schockenhoff: Chancen zur Versöhnung? Freiburg 2011

M.Kaiser: Wiederverheiratete Geschiedene

www.stimmen-der-zeit.de/zeitschrift/archiv/beitrag_details?k_beitrag=2435012&k_produkt=2441786

FJ Nocke: Sakramententheologie, Düsseldorf 1997

http://alt.ikvu.de/html/archiv/ikvu/abendmahl/nocke-tischgemeinschaft.html

   Wiederverheiratete Geschiedene, die der katholischen Kirche angehören, sitzen weiterhin in einer spirituellen Falle, wenn die kath. Amtskirche die herkömmliche Gleichung „Gültigkeit der Ehe = Sakramentalität = Unauflöslichkeit = Unmöglichkeit einer Wiederheirat" nicht aufgibt. Nach dieser Auffassung ist das Eheband aufgrund einer nach röm.- kath. Kirchenrecht gültig geschlossenen Ehe sakramental, d.h. ein realisierendes Zeichen der unverbrüchlichen Liebe Christi zur Kirche, und damit unauflöslich. Wenn jemand dieses Band aufgelöst hat und eine neue Zivilehe eingeht, lebt er in „schwerer Sünde", die ihn automatisch vom Sakramentenempfang, von Kommunion und - völlig unverständlich - auch vom Bußsakrament ausschließt. Dieser Zustand ist irreparabel, es sei denn - was schon Augustinus als eine nicht ernstgemeinte makabre Lösung erwog -, er bringt seine erste Frau um, um so Frieden mit der Kirche schließen zu können. Denn als Mörder kann er nach entsprechender Bußzeit die Rekonziliation erhalten, die ihm als wiederverheirateten Geschiedenen verwehrt bleibt. (vgl. Schockenhoff: S.12) Das Eingehen einer Zweitehe und das Festhalten daran ist nach kanonischem Kirchenrecht halt ein schweres Vergehen, das leider Gottes von allen Sakramenten lebenslang ausschließt.

Dem „sensus fidelium", dem allgemeinen realitätsnahen Glaubenssinn erscheint eine solches kath. Ehe-Recht eher als spitzfindig und im eklatanten Widerspruch zur Verkündigung der grenzenlosen Barmherzigkeit Gottes zu stehen. Viele Betroffene selbst bewerten die geltende Regelung als eine  unberechtigte Ausgrenzung, zumal wenn sie ein neues Familienleben zusammen mit ihren Kindern in Liebe und christlicher Verantwortung führen. Als äußerst verletzend empfinden sie die kirchenamtliche Disqualifikation ihrer Lebenssituation als öffentlichen Ehebruch und als Leben in schwerer Sünde.  Auch die amtliche Regelung, dass der Verzicht auf Beischlaf als sicheres Kriterium für eine sündenvergebende Reue gewertet wird und den Kommunionempfang wieder ermöglicht, wird als wirklichkeitsfern, ja als absurd und lächerlich empfunden.

Viele getaufte Christen kehren deshalb ihrer Kirche den Rücken aus Zorn darüber, dass sie sich in ihrer verantworteten Entscheidung nicht ernstgenommen und weil sie sich moralisch disqualifiziert fühlen.


  Die herkömmliche Ehe-Theologie und der kirchenrechtliche Umgang mit Wiederverheirateten muss dringend überdacht und reformiert werden. Erst die kirchenamtlichen Regelungen führen ja in manche Sackgassen und Fallen hinein und nicht heraus aus schuldhaften Verstrickungen. Zuerst gräbt man die Fallgrube „Eine zweite Zivilehe ist ein schwerer Verstoß gegen die Gesetze Gottes und macht deshalb die volle eucharistische Teilnahme unmöglich", anschließend gibt man peinliche Ratschläge, wie Betroffene aus diesen Sackgassen wieder herauskommen können (cohabitatio fraterna = wie Bruder und Schwester zusammenleben; am Sonntagsgottesdienst teilnehmen, aber der Kommunionbank fernbleiben bzw. mit den Kommunikanten nach vorne gehen und durch den Priester ein Kreuzzeichen auf die Stirn empfangen, aber nicht die Kommunion; Annullierung der ersten Ehe etc.)

  In sakramentalen Zeichenhandlungen feiern wir die eigentliche „res“, die Wirklichkeit der  Wirklichkeiten in Natur und Geschichte, die auch schon vor und außerhalb einer kirchlichen Liturgie da ist in unserem Leben (Gemeinschaft, Vertrauen, Schönheit, Klarheit, Solidarität, Energie, Esprit, Geduld, Freude, Kreativität ...). Das wahre göttliche Wesen aller Dinge ist Liebe.

  Sakramente sind realisierende und motivierende Ausdrucksformen dieser Liebe „Gottes“, der essentiellen Wirklichkeit, des Wahren ursprünglichen Wesens der All-Wirklichkeit, wie sie verborgen schon immer und überall da-ist und woraufhin sie immer adäquater verwirklicht werden will. Sie sind zu verstehen als Ab-Bilder des Ur-Bildes „Christus“, der das Mysterion Gottes ist (Kol 2.2), lateinisch: das sacramentum Gottes, das Ur-Sakrament, das in allen Dingen und in jedem Menschen real-präsent, kreativ und berührbar ist. (vgl. www.adolf.frahling.de/Web-Site/Heilige_Zeichen.html  und www.adolf.frahling.de/Web-Site/IX.Goettlicher_Tanz.html - Die Wirklichkeit als Christophanie)

  Die institutionelle „Jesus-Bewegung“, so bezeichnet Paul M. Zulehner die Kirche, und die von Jesus Bewegten werden sich in den kommenden Jahren entscheiden müssen: Exklusion oder Inklusion? Restauration oder Reformation? Spaltungen oder Einheit? Für mich und hoffentlich für eine übergroße Mehrheit sind das rhetorische Fragen.

  Maßstab für den weiteren Weg der Kirchen ist, wie radikal und universal sie denken und handeln.

Radikal - indem sie sich immer wieder neu orient-ieren an der Wurzel ihrer Existenz, an Jesu Eu-Angelion (Gute Botschaft) und Eu-Praxie (Gutes Sein und Tun), an dem „Orient“, dem Aufgang der Wahren Sonne. Dann wird eine wahrhaftig gelebte Universalität ihr glaubwürdiges und anziehendes Markenzeichen sein.

  Universal - die Feier des Herrenmahls wird offen sein für jedermann und jedefrau, das verheißene endzeitliche „Festmahl Gottes für alle Völker“ (Jes 25,6) wird immer authentischer erlebbar.

  Die Epiphanie und Diaphanie, das Auf- und Durchscheinen dieses „Christus ubique totus et praesens“ (Wilhelm von Thierry), des „immer und in allen Phänomenen ganzen und gegenwärtigen Christus“ ist vorrangig wahrzuhaben im Angesicht eines jeden Menschen. „Christus wohnt ausnahmslos in jedem Menschen“ - eine Kernaussage von Frére Alois, Prior der Communauté in Taizé.

Dass alle Diakonie und Caritas - sowohl institutionell als auch individuell-privat - vor allem den „Geringsten“ zu gelten hat und ihren GRUND in dieser Christus- Wirklichkeit findet, hat Matthäus als mystische Selbstaussage Jesu überliefert:

„Wenn der Menschensohn in seiner göttlichen Herrlichkeit

endgültig aufscheint, werden alle Völker vor ihm

versammelt sein.

Und er wird sprechen:

Hungrig war ich - und ihr habt mir zu essen gegeben.

Durstig war ich - und ihr habt mich getränkt.

Fremdling war ich - und ihr habt mich aufgenommen.

Nackt - und ihr habt mich gewandet.

Krank war ich - und ihr habt nach mir gesehen.

Im Kerker war ich - und ihr seid zu mir gekommen...

So viel ihr nur einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt - mir habt ihr es getan.“


(Matthäus 25 - übersetzt von Fridolin Stier)

Sieger Köder: Ihr habt mir zu essen gegeben (Mt 25)

  Eucharistisches Eins-Sein („ICH BIN das Brot des Lebens ... Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm“) und Fußwaschung („Ein Beispiel habe ich, der Herr und der Meister, euch gegeben, dass auch ihr tut, wie ich euch getan habe ... kein Knecht ist größer als sein Herr“) bilden nach dem Johannes-Evangelium die beiden Brennpunkte in der Ellipse des christlichen Lebens. In Herrenmahl und Diakonie sind glaubende Menschen mit Christus und untereinander mystisch vereint.

  Eine wahrhaft jesuanische Erneuerung der Kirchen und ihrer Mitglieder wird sich zunächst in Kopf und Herz vollziehen müssen in einer wachsenden universalen „Denke“, in einer selbstverständlichen Sympathie für die EINE Welt Gottes. In einem Brief an 19 neu ernannte Kardinäle schrieb Papst Franziskus: „Die Kardinalswürde ist keine Beförderung ... sie ist schlicht ein Dienst, der danach verlangt, den Blick zu weiten und das Herz zu öffnen. Und auch wenn es paradox erscheint: Diese Fähigkeit, weiter zu blicken und umfassender und mit größerer Intensität zu lieben, lässt sich nur erwerben, indem man demselben Weg folgt wie der Herr: dem Leben der Erniedrigung und der Demut, indem man die Gestalt des Dieners annimmt (Phil 2,5-8).“


  Grundlegend erforderlich ist es, dass die herkömmlichen theologischen Dualismen (Zweiteilung von Gott und Welt, Kirche und Andersdenkenden, Moral und Diakonie, Kult und Alltag ...) in den Blick genommen und überbrückt werden, damit Kirche wird, was sie ist: „Neu-Seh-Land“ und „Heil-Land“.

Ein „Heruntergekommener“, der zu den Heruntergekommenen geht

  Im mystischen Evangelium von Johannes fehlt der sogenannte Einsetzungsbericht. Stattdessen erzählt der „Lieblingsjünger, der an der Brust Jesu ruhte“, Jesus habe beim Passah-Mahl vor seinem Sterben seinen Jüngern die Füße gewaschen. Diese Zeichenhandlung ihres „heruntergekommenen Herrn und Meisters“ deutet Johannes als sakramentales Lebensmodell für seine Anhänger. Diakonie, Dienst eines Hausgehilfen soll ihr Lebensskript sein.

Feier des Herrenmahls und Solidarität mit den „Geringsten“:

zwei Gesichter der Einen Christus-Münze

Realpräsenz Christi

im Brot des Lebens und im Angesicht eines jeden Menschen

Überbrückung von Exklusion und Spaltung

Papst Franziskus besucht eine evangelisch-lutherische Gemeinde in Rom

wird, war das, was sie sahen: das Verhalten Jesu. Er liebte es, mit anderen Menschen zu Tische zu liegen, sowohl mit den Gottestreuen aus der religiösen Hierarchie als auch mit denen, die Dreck am Stecken hatten, mit den „Zöllnern und Sündern“, und auch mit ihnen zu reden, zu essen und zu trinken. Von Gegnern wurde er deshalb als „Schlemmer und Weintrinker“ und als „Zöllner- und Sünderfreund" beschimpft (Mt 11, 19). Für Jesus war die Tischgemeinschaft mit allen Menschen ein sprechendes Zeichen des anbrechenden universalen Reiches Gottes.

  In Luk 5, 27-31 begründet Jesus gegenüber den Theologen und kirchlichen Oberen seine Mahlgemeinschaft mit den als unrein Abgestempelten folgendermaßen: „Der Zöllner Levi bereitete Jesus einen großen Empfang in seinem Haus. Viele Leute - Zöllner und andere - waren da, die mit ihnen zu Tische lagen. Und es murrten die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten und sagten zu seinen Jüngern: Warum esst und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern? Und Jesus sprach zu ihnen: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die übel dran sind." Das ist eine programmatische Aussage Jesu. Er versteht sich selbst als Arzt (und seine Bewegung als Heil-Land) und er wendet sich bewusst den „Unreinen“, Sündern, Blinden, Lahmen, Aussätzigen, Kranken ... zu, setzt sich mit ihnen an einen Tisch und teilt ihr Leben. Die sogenannte „Option für die Armen“ hat hier ihren Ursprung.

  Ob der „murrende“ ältere Sohn daran teilnimmt, wird nicht erzählt. Wird er kapieren, dass die Worte des Vaters „Du bist allezeit bei mir und all das Meine ist dein“ wirklich ihm persönlich gelten, allerdings auch dem jüngeren Bruder? Wird er einsehen, dass er selbst  äußerlich im Haus des Vaters, aber innerlich in der Fremde gelebt hat?


Rembrandt van Rijn: Das Gleichnis von den zwei verlorenen Söhnen (1669) - Ausschnitte

Speise und Trank von dem Tisch des Hochzeitsmahles für „Die da Draußen“ (Der arme Lazarus)

  Theologische Eignungstests und moralische Zulassungsbeschränkungen kennt Jesus nicht. Er schenkt seine Sympathie und Freundschaft allen, besonders aber den - aus welchen Gründen auch immer - moralisch Verurteilten und Ausgeschlossenen.  Kein Wunder, dass sich Zöllner  und Sünder aufgrund dieser Erfahrung und im Anschluss an diese Erfahrung bekehren, d.h. umkehren und sich abkehren von Besitzgier und Egozentrik. Das gemeinsame Mahl mit Jesus steht am Anfang einer neuen Lebensorientierung; die Gemeinschaft mit Jesus und seinen Jüngern bei Essen, Trinken, Miteinander-Reden wird auf dem folgenden gemeinsamen Weg dann immer intensiver gefüllt durch eine echte Communio mit Ihm im Fühlen, Denken und Verhalten.

  Auch die Erfahrungen der beiden Emmausjünger könnten grundlegend sein in der Frage der Zulassung zur Eucharistie. Der Auferstandene sitzt nach der Wanderung von Jerusalem nach Emmaus „mit ihnen zu Tische, er nimmt das Brot, spricht die Preisung, bricht das Brot und gibt es ihnen. Da werden ihre Augen erschlossen und sie erkennen ihn“ (Luk 24,30f). Erst durch das Brotbrechen Jesu in dem österlichen Mahl erwachen sie zu einem vollen Glauben. Vorher - auf der langen Wanderung mit dem Unbekannten - „brannte ihnen zwar das Herz“, aber bestimmte Essentials des Glaubens, die Auferstehung Jesu und seine Präsenz im eucharistischen Mahl waren ihnen noch verborgen.

Rembrandt: Emmaus (1656)

  Um zu dieser globalen pluralen Einheit in der Liebe und im Glauben zu gelangen, müssen noch schwierige Wege der Transformation weg von exklusivem zu inklusivem Denken und Tun gegangen werden. In diesem mühsamen Prozess werden sich vermutlich erzreaktionäre Gruppen von einer reformierten kath. Kirche abspalten.

  Bereiten wird ER - JHWH der Umscharte - allen Völkern der Erde ein Festmahl mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den besten und feinsten Speisen, mit den besten und erlesensten Weinen. ER zerreißt die Hülle, die alle Nationen verhüllt, und die Decke, die alle Völker bedeckt.  (Jesaja 25, 6.7)

Universale Eucharistie

Feier des Lebens - Konsekration der „Hostie“ Erde - Lobgesang des Alls

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