Österliche Metamorphose Christi und jedes Menschen:

Durchgang vom Tod zum Leben

26.03.2010                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          

  Johannes öffnet uns in seinem mystischen Evangelium das „Herzens-Auge“. Hinter äußeren Ereignissen sieht er die verborgene Mitte, die essentielle Wirklichkeit. Seine Darstellung der Fußwaschung und Kreuzigung Jesu bietet uns einen Schlüssel, um das innerste Mysterium Jesu, des Christus, aufzuschließen: „ER liebte sie bis zum Äußersten“ (Joh 13, 1).


  Die Reinigung der Füße durch Jesus stellt Johannes als eine provozierende Symbolhandlung dar, die unsere übliche konditionierte Werte-Hierarchie auf den Kopf stellt. Nicht Überlegenheitsgehabe, sondern Hingabe, nicht Machtausübung, sondern liebender Dienst machen uns frei von einengenden Persönlichkeits-Fixierungen. Wir werden essentiell transformiert und reifen heran zu unserem wahren Selbst, wenn wir egozentrische Abwehrhaltungen und Ansprüche hinter uns lassen. „Wir sind aus dem Tod ins Leben hinübergegangen, weil wir die Brüder lieben. Wer nicht liebt, verbleibt im Tod.“ (1 Joh 3, 14)


  Das beeindruckendste Bild-Zeichen für die unbedingte Liebe Christi ist das Kreuz. Verständlich ist, wenn manche befangen bleiben in der Vorstellung einer abstoßenden Hinrichtungsszene. Über das Johannes-Evangelium kann eine tiefere Bedeutung des Kreuzes für unser Heilsein und das Heil der Welt bewusst werden. Angenagelt an das Kreuz (einem Symbol für die Vereinigung von Unten und Oben, Links und Rechts  (vgl. http://www.adolf.frahling.de/Web-Site/Gruener_Christus.html), Hände und Füße durchbohrt, die Herz-Seite geöffnet, gibt der Gekreuzigte sein Blut und seinen Lebensatem, sein Pneuma (Joh,19,30) hin für alle. Er ist der stärkste bildhafte Ausdruck dafür, was göttliche Essenz und die wahre Natur des Menschen ausmacht: völliges Ich-Aufgeben, Loslassen aller Ego-Kräfte,  Sich-Überlassen an den alles tragenden Urgrund („Vater“),  alles umarmendes Lieben (vgl. http://www.adolf.frahling.de/Web-Site/Der_Gekreuzigte__.html).

  „Menschen, die lange genug ´auf den Gekreuzigten schauen` (Joh 19, 37), mit kontemplativen Augen, werden in den tiefen Schichten ihres Schmerzes, ihrer Unversöhntheit, ihrer Aggressivität und ihres Opferseins geheilt. Dazu braucht es überhaupt keine theologische Ausbildung, nur einen ´inneren Austausch`, der das Bild des Gekreuzigten tief in sich aufnimmt und dafür seine Seele dem Gekreuzigten anvertraut.“ (R. Rohr: Ins Herz geschrieben, S. 264)

  Der Auferstandene Christus befreit Adam und Eva, die die ganze Menschheit repräsentieren, aus den Fesseln des Todes. Die orthodoxen Kirchen lieben dieses österliche Motiv, das den soteriologischen und kosmologischen Sinn der Auferweckung Christi so anschaulich vor Augen führt. in ihrer Spiritualität ist der Karsamstag nicht so sehr ein Tag der Grabesruhe wie in den westlichen Kirchen, sondern ein Tag der individuellen und kosmischen Metamorphose durch Christus. In seinem Durchgang durch den Tod steigt der Auferstandene hinab ins Herz der Welt, um alles zu erfüllen und zu verwandeln mit seinem Geist (Eph 4, 10). Die Totenkammern bricht er auf und geleitet die Menschen aus ihren Todeszonen in ein neues Leben.

In einer Predigt am Karsamstag aus dem 2. Jahrh. heißt es: „Untergetaucht ist die Gott-Sonne-Christus unter die Erde ... die Tore des Hades öffnen sich. Die ihr vom Leben abgeschieden seid, freut euch! Die ihr in Finsternis und Todesschatten saßet, empfanget das große Licht!“ (http://www.adolf.frahling.de/Web-Site/Auferstehung.html)

  „Am Abend dieses ersten Tages, als die Jünger bei verschlossenen Türen aus Furcht vor den Juden zusammen waren, kam Jesus, trat in die Mitte und sagte zu ihnen: Friede euch! Und als er das gesprochen, zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. ...  Dann hauchte er sie an und sagt: Empfanget heiliges Pneuma (Geist, Atem)!“  (Joh 20, 19-22)

  Der Auferstandene lässt seinen Lichtglanz, seine göttliche Essenz bestimmten Freunden und Freundinnen verhüllt aufleuchten. Als erster in einem Garten der Maria aus Magdala, dann den 11 Aposteln (?!)  in einem verbarrikadierten Raum, dann zwei Jüngern auf ihrem (Flucht-) Weg nach Emmaus, dann .....

  Alle, denen sich Christus erfahrbar macht, schwanken zwischen Sehen und Doch-nicht-Sehen, zwischen Herzensberührung und Abwehr, zwischen Angst und Freude - ein Seelenzustand, den die kennen, die (sich auf) IHN eingelassen haben. Aber ER kommt durch verschlossene Türen, ER öffnet unsere Verschlossenheit, ER macht unsere inneren Barrieren und Blockaden durchlässig. ER klärt unsere getrübten Augen. ER haucht uns neuen Lebensatem und inneren Frieden ein (http://www.adolf.frahling.de/Web-Site/Geist_Gottes.html). Und durch diesen heiligen Geist, durch sein Pneuma werden wir eins ums andere Mal verwandelt und erleben wir eine kleine österliche Metamorphose.

  Auch den „Sakral-Touristen“ überkommt beim Anblick dieser 1000-jährigen Kunstwerke ein Gefühl des ehrfürchtigen Staunens; manche mögen sich in ein oberflächliches ästhetisches Genießen oder historisierendes Erklären flüchten. Aber viele Besucher, zumal die Teilnehmer an der „Göttlichen Liturgie“, spüren tief: in diesen wunderbaren Darstellungen von Passion und Auferstehung Jesu Christi kommst Du Selbst vor.

  Die Mosaiken er-innern das „Geheimnis des Glaubens“, das Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi. Das ist mehr als eine historische Reminiszenz an 2000 Jahre vergangene Ereignisse in Jerusalem. Über das Schauen des „Pascha-Mysteriums Christi“ mit den leiblichen Augen werden innere Bilder geweckt und bewusst gemacht, wir werden er-innert an unser eigenes „Übergangs-Geheimnis“ vom Tod zum Leben. Die österliche Metamorphose Jesu Christi erscheint als Grundmuster unseres Lebens. Sein Weg der Transformation - auch durch Angstschweiß, Schmerzen und Gefühle der Verlassenheit von Freunden und Gott hindurch - ist unser Lebensweg. Seine Wahrheit lässt uns unser wahres Wesen entdecken und entwickeln, sein Leben ist das Ur-Bild unseres eigenen. Unsere lebenslange Metamorphose in das ursprüngliche Bild Christi hinein haben die Mystiker Johannes und Paulus in kostbaren „diamantenen“ Worten zusammengefasst:

  „Wir alle aber, die wir unverhüllten Angesichts die Herrlichkeit des Herrn widerspiegeln, wir  werden in dasselbe Bild verwandelt - wir erleben eine Metamorphose -  von Lichtglanz zu Lichtglanz, und zwar durch den Kyrios, der Pneuma ist.“ (2 Kor 3,18; vgl Röm 8, 29)

„Gestorben seid ihr, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott. Wenn Christus, unser Leben, aufscheint, dann werdet auch ihr mit ihm aufscheinen in Lichtglanz.“ (Kol 3, 3f)

„Wenn ER erscheint, werden wir ihm gleich sein. Wir werden IHN sehen, wie ER ist.“ (1 Joh 3, 2)


  Allgegenwärtig ist auf den Mosaiken in „Hosios Lukas“ der Goldgrund, der Essenz und Transparenz symbolisiert. Psychisches und kosmisches Leben, wie verwundet, entstellt und glanzlos es auch sein mag, ist „im Grunde“ geprägt und grundiert von göttlicher Essenz.

Und so können uns die Gold-Mosaiken im Kloster des Seligen Lukas die allgemein gültige Bedeutung der österlichen Geheimnisse von Tod und Auferstehung Christi enthüllen. Sie laden uns ein, das Mysterium der Metamorphose Christi und den göttlichen Goldgrund immer wieder in unserem ureigenen Leben aufzudecken und bewusst zu machen und zu lobpreisen.


  Vier Stationen dieses byzantinischen Bilderzyklus lassen uns anhalten und  im Schauen verweilen: Fußwaschung, Kreuzigung Christi, sein Abstieg in die Unterwelt und die Erlösung der Menschheit, sein Erscheinen bei verschlossenen Türen.  Schmerzhaft werden uns vielleicht eigene Fehlentwicklungen bewusst und tröstet uns das Vertrauen, dass wir in das Urbild der Schöpfung - Christus - verwandelt werden, „ob wir leben oder sterben“ (Röm 14, 8).

Kloster „Osios Loukas“

Der Heilige Lukas

I. Gründonnerstag: Fußwaschung

III. Karsamstag: Abstieg in die Unterwelt / Erlösung der Menschheit (Adam und Eva)

II. Karfreitag: Kreuzigung

IV. Ostersonntag: Erscheinung Christi bei verschlossenen Türen

  Eine der schönsten byzantinischen Kirchen ist in Mittelgriechenland am Berg Helikon zu bewundern, das Kloster des Osios Loukas, des seligen Lukas.

Bis 946 lebte er hier als Eremit und Gründer einer mönchischen Gemeinschaft. Nach seinem Tod strömten immer mehr Pilger an diesen Ort und die Klosteranlage wurde ausgebaut. Neben der neuen architektonischen Komposition beeindrucken besonders die Gold-Mosaiken aus dem 11. Jahrhundert.

Zur Willkommenseite                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    

Zur Startseite