Die Botschaft des Paulus, überliefert in 14 Briefen, erlitt ein ähnliches Schicksal.

Der Grund und Kern seines Evangeliums, seine Christusmystik:


-  überdeckt vom Staub einer rationalistischen Rezeptionsgeschichte,

-  ins falsche Licht gesetzt durch scheinbar frauenfeindliche Zitate,

-  vor allem in protestantischer Kirche verengt zu systematischer Theologie; 

Der Christusmystiker Paulus geriet in Vergessenheit und wird z.Zt. neu entdeckt - vgl. Publikationen von Anselm Grün, Eugen Biser, Gerhard Wehr u.a.  

Der Brief an die Kolosser mit seiner kosmischen Christologie führt bis heute ein Schattendasein und wird von manchem Theologen als nicht authentisch, als deutero-paulinisch, oder sogar als „Pseudepigraph“ – Falschzuschreibung ausgegrenzt.


Auf einer neuen Seite „Paulus der Mystiker“ demnächst mehr;

Anregungen nehme ich gerne auf (afrahling@gmx.de).

Auf der Säulenstraße in Perge; im Hintergrund die Ruinen des hellenistischen Tores, das Paulus vermutlich 46/47 durchschritten hat; überlebensgroße Statuen von Diana/Artemis, Hadrian und Isis (heute im Museum in Antalya) säumten in römischer Zeit die Hauptgeschäftsstraße in Perge.

Eine achttägige Busreise von Antalya (Attaleia) über Kale (Myra), Selcuk (Ephesus), Pamukkale (Hierapolis), Laodizea, Kolossä, Perge zurück nach Antalya

- zusammen mit meiner Frau, Studienfreund Günther G. und weiteren vierzehn interessierten westlichen Christen

- unter kulturhistorisch/theologisch/wirtschaftlich kompetenter Reiseleitung eines türkischen Muslim.

- auf den Spuren des Apostels Paulus an frühen Stätten der Christenheit in der heutigen Türkei

- in Vorfreude vor allem auf Ephesus und Kolossä, die Adressaten meiner paulinischen Lieblingsbriefe

- bei sporadischer Bus-Lektüre des Paulus-Buches von Adolf Deissmann in einer Ausgabe von 1911

Der Apostel Paulus – Zeittafel


Geboren um die Zeitenwende in Tarsus. Ausgebildet in Jerusalem.

33-35        Damaskuserlebnis, Aufenthalt in Arabien, Rückkehr nach Damaskus

36/37         Reise nach Jerusalem, erste Begegnung mit Petrus und weiteren Aposteln

36/37-46   Aufenthalt in Syrien, Zilizien, Tarsus, Antiochia

46/47         Zypern, Perge, Attalia, Südtürkei

49              Apostelkonzil in Jerusalem

49-51        Ikonium ..., Ankyra, Troas, Philippi, Thessalonich, Korinth, Athen, Ephesus

52-55/56    Dritte Missionsreise, Dreijähriger Aufenthalt in Ephesus, Briefe an die Korinther, Galater, evtl. Philipper, Philemon

57-59         Ankunft in Jerusalem, Verhaftung, Gefangenschaft in Cäsarea

59/60         Reise nach Rom

62              Märtyrertod in Rom

Besuch von Stätten der frühen Christenheit in der heutigen Türkei

1.  Myra

2.  Ephesus

3.  Hierapolis (Pamukkale)

4.  Laodizäa

5.  Kolossä

6.  Perge

7.  Attalia

„Es grüßt euch euer Epaphras... Ich bezeuge, dass er sich große Mühe gibt um euch (Kolosser) und um die Gläubigen in Laodizea und Hierapolis... Grüßt die Brüder in Laodizea, auch Nympha und ihre Hausgemeinde.“ (Kol 4, 12ff)

Mitempfängerin des Briefes an die Kolosser (Kol 4,16) und  Adressat eines Sendschreibens in Offg 3,14-22

An den Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe:

Ich kenne deine Werke. Du bist weder kalt noch heiß.

Weil du lau bist, will ich dich aus meinem Mund ausspucken.

Du behauptest: ich bin reich und wohlhabend, und nichts fehlt mir. Du weißt aber nicht, dass gerade du elend und erbärmlich bist, arm, blind und nackt.

Darum rate ich dir: Kaufe von mir Gold, das im Feuer geläutert ist, damit du reích wirst, und kaufe Salbe für deine Augen, damit du sehen kannst.

Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir.


Offg 3, 14-22

Empfänger des Kolosserbriefes; die antike Stadt ist bisher nicht ausgegraben.

Auf der ersten Missionsreise segelten Paulus und seine Begleiter von Paphos  auf Zypern nach Perge und wanderten weiter nach Antiochia (Apg 13,13f).  Auf dem Rückweg „kamen Barnabas und Paulus nach Pamphylien und verkündeten in Perge das Wort.“ (Apg 14,25)

Auf dem Rückweg „kamen Barnabas und Paulus nach Pamphylien und verkündeten in Perge das Wort und gingen dann nach Attalia hinab. Von dort aus fuhren sie mit dem Schiff nach Antiochia.“ (Apg 14,25 f)

                                                Wer war Paulus?


Auf unserer Reise durch die Westtürkei berührten wir nur einige Lebens- und Missionsorte (Ephesus, Perge, Laodizea, Kolossä) aus dem weiten Aktionskreis des Völkerapostels Paulus (Tarsus, Damaskus, Jerusalem, Antiochien, Galatien, Korinth, Philippi, Athen, seine Seereisen nach Zypern, Malta, Rom, evtl. Spanien). Der Besuch dieser faszinierenden antiken Städte aber und die langen Busreisen gaben zwei Facetten meines Paulus-Bildes Farbe und Lebendigkeit: der „kleine (parvus) große Paulus“ als unermüdlicher Wanderer („per pedes apostolorum“), Freund der einfachen Land-Bevölkerung und zugleich als Weltbürger, der die wichtigen Städte des Römischen Reiches aufsuchte und den „Neuen Weg“ verkündete.

Beeindruckend auch die Lektüre der Briefe an die Epheser und Kolosser dort, wo sie vor ca. 2000 Jahren zum ersten Mal gelesen wurden.

Paulus schreibt an die Epheser:


Mir wurde diese Gnade geschenkt:

den Völkern als Evangelium den unergründlichen Reichtum Christi zu verkündigen, ... auf dass ihr durch sein Pneuma erstarkt zum inwendigen Menschen und Christus wohne in euren Herzen ... damit ihr in die ganze Fülle Gottes erfüllt werdet.

Eph 3

Paulus schreibt an die Kolosser:


Ihr habt den alten Menschen ausgezogen und angezogen den neuen, der zur Erkenntnis erneuert wird nach dem Bild seines Schöpfers. Da gibt es nicht mehr Grieche oder Jude, Beschnittener oder Unbeschnittener, Ausländer, Sklave oder Freier - sondern Christus ist Alles und in Allem.

Kol 3, 10

Ephesus, wo Paulus drei Jahre gelebt hat, Perge, Laodizea und Kolossä:


-  zerstört durch Erdbeben und Kriege,

-  zugedeckt vom Staub der Geschichte,

-  überbaut durch neue Kulturen und bis ins 18. Jahrhundert vergessen. Nur            wenige Prozent der antiken Substanz sind bis heute ausgegraben worden.

Kolossä haben wir auf unserer Reise „links liegen gelassen“, da erst in einigen Jahren mit der Ausgrabung begonnen wird. 



15.04.2008             Zur Startseite

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