Evangelium und Revolution

Das Evangelium der Bauern von Solentiname

Revolutionäre Vorbilder Ernesto Cardenals:

Thomas Merton - Camilo Torres - Fidel Castro - Che Guevara

Kosmischer Gesang  VII

   „Vor zwölf Jahren bin ich nach Solentiname gegangen. Ich war auf der Suche nach einem kontemplativen Leben, das ganz dem Gebet, der Einsamkeit, der Stille, der Meditation geweiht ist. Die Kontemplation führte uns zur Revolution. Sonst wäre es keine echte Kontemplation gewesen.“

   „Zu unserer Radikalisierung trug ganz wesentlich der direkte Kontakt mit der kubanischen Revolution bei. Meine Erfahrung in Kuba war entscheidend für mich. Meine erste Reise dorthin, 1970, veränderte mein Leben völlig. Es war wie eine zweite Bekehrung. Die erste war die religiöse, eine Bekehrung zu Gott, die  zweite eine Bekehrung zur Revolution. Von da an“, betont er, „schlugen alle Mitglieder meiner Kommune sowie die mutigsten und bewußtesten Bauern den gleichen Weg ein. Zu diesem Zeitpunkt kam unter den Priestern, Mönchen, Theologen, praktizierenden Christen eine Theorie auf, die sogenannte ,Theologie der Befreiung‘.     

   Es ist ein Christentum, in dem Evangelium und Revolution identisch sind.

„Meiner Meinung nach“, unterstreicht Cardenal, „wurde in Kuba eine Gesellschaft geschaffen, in der das Evangelium auf sozialer Ebene Praxis geworden ist. Wie schon Camilo Torres sagte, ,die Revolution ist tätige Nächstenliebe‘. Sie bedeutet, den Hungrigen laben, den Nackten kleiden, den Unwissenden lehren. Und all das durch ein sozial und ökonomisch neues System…. In Kuba ist man bemüht, den Egoismus der Menschen mit der Wurzel auszureißen. Natürlich kann das nicht in wenigen Jahren gelingen, aber es ist das angestrebte Ziel. Und einmal wird es erreicht sein. Einmal wird sich die vollkommene menschliche Gesellschaft herausgebildet haben. Das, was die Christen als ,das Reich Gottes auf Erden‘ bezeichnen.“


http://www.planetlyrik.de/ernesto-cardenal-in-nacht-leuchten-woerter/2015/12/

"Das Himmelreich auf dem Planeten.

In unseren Zellen, die Chromosomen von Helden.

    Auf seinem Poster sieht er aus

    wie ein traditioneller Christus, doch mit hartem Blick.

Er verlangte von den anderen das, was er von sich selbst verlangte.

´Ich war Arzt`, sagte der Che." (Cántico Cósmico 250)


„Der <Che> war immer großzügig,

ohne Groll behandelte er die verwundeten feindlichen Soldaten,

auch wenn er seinen eigenen Leuten

    weinger Medizin geben musste.“ 414


„Die Liebe dient dem Überleben.

Ohne die es den wirklichen Revolutionär nicht gibt,

so sagte der Che.“ 436

     Che Guevara wurde weltweit zur Ikone: Sein Portrait wurde millionenfach auf Postern, T-Shirts und Tassen... abgebildet.  Dass Cardenal den kubanischen Revolutionär zutiefst verehrte, wird daran erkennbar, dass er das eigene Outfit seinem Vorbild anpasste, das er bis zu seinem Tod mit 95 Jahren aufrecht erhielt:

schwarze Baskenmütze auf (immer weißer werdenden) langen Haaren, wachsender Bart, weißer Bauernkittel, Blue-Jeans und „Jesus-Latschen“.

   Ja, so kannte man ihn, den inzwischen prominentesten Dichter Lateinamerikas, wenn er auf seinen Vorlesereisen in den 70-ger und  und 80-ger Jahren auftrat in den größten  Hallen Deutschlands.

  Kurz vor dem Sturz des Somoza-Regimes 1979. dessen Nationalgarde inzwischen Solentiname zerstört hatte, erklärte Cardenal in einem Interview, welche Intentionen er mit der Gründung der christlichen Kommune auf einer Insel im Großen See von Nicaragua verfolgt habe:

   In der bezaubernden Landschaft des Großen Sees von Nicaragua wuchs aus der tiefen mystischen Erfahrung, die Ernesto Cardenal am 02. Juni 1956 überwältigt hatte, eine neue Verbundenheit mit der göttlichen LIEBE in der Natur. Als „blaue Geliebte“, als „Widerschein des Himmelreichs“ und „Mein Sakrament“ preist er emphatisch den Nicaragua-See und die Schönheit der auf den Inseln lebenden Tiere und Pflanzen.


   Die Wunderbarkeit, aber auch die Unfassbarkeit des Göttlichen hatte Cardenal schon vor seinem Solentiname-Abenteuer in der Weite und Tiefe des Universums aufgespürt. Der unendliche Kosmos und seine permanente Veränderung offenbarten ihm das universale Grundgesetz der Anziehung und LIEBE, das er in allen Lebensbereichen entdeckte, in der geologischen, vegetativen, animalischen und humanen Wirklichkeit.


  Eine dritte Lebensperspektive entwickelte Cardenal im Zusammenleben mit der armen Bevölkerung und jungen Intellektuellen auf Solentiname: die Überzeugung von der Notwendigkeit der Revolution in vielen lateinamerikanischen Ländern und eines persönlichen Engagements im nicaraguanischen Befreiungskampf.

Das Evangelium der Bauern von Solentiname

   Als eine vierte wunderbare Erfahrung in Solentiname bezeichnet Cardenal die Gespräche über das Evangelium, von denen er sich Notizen machte, später sogar Tonbandaufzeichnungen, und die er in seinem weltweit verbreiteten Buch „Das Evangelium der Bauern von Solentiname“ veröffentlichte.

   „Anfangs führten wir unsere Gespräche nach der Sonntagsmesse  und einem gemeinsamen Mittagessen in unserer Versammlungshütte. Weil sie uns aber wie eine Wiederholung von Evangelium und Predigt vorkamen, hielten wir sie gleich in der Messe ab, über den jeweiligen Evangeliumstext. Dieser Teil der Messe war der längste, informellste und lebendigste, und ich hielt keine Predigt mehr in der Messe. Der andere, kürzere Teil war das Abendmahl, gefolgt vom gemeinsamen Mittagessen.“ (II 304)

    „Die Gespräche über das Evangelium führten die Campesinos, die sonntags in die Messe kamen, außer unserer kleinen Gemeinschaft - William Agudelo, Teresita, den Jungs aus Solentiname, Alejandro, Laureano, Elbis  und einigen anderen, und den vielen Gästen und Besuchern, die zu uns kamen.

   Manchmal feierten wir die Messe nicht in der Kirche, sondern in entlegeneren Teilen des Archipels, von wo die Leute nur schwer in die Kirche kommen konnten, weil sie so weit rudern mussten.“

Esperanza Guevara: La Traición 1975  (Der Verrat)

Via crucis - Kreuzweg in Nicaragua 6. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

   Nicht nur das „Bibel Teilen“ in der sonntäglichen Messe war stets auf die konkreten Lebensumstände in Nicaragua bezogen. Auch wenn Maler*innen aus dem Volk Evangelien-Geschichten bildnerisch darstellten, wurden diese aktualisiert. So verlegt Esperanza Guevara den Ort der Gefangennahme

Jesus wandelt auf dem Wasser

(Matthäus 14, 22 - 33)

Revolutionäre Vorbilder Ernesto Cardenals

Thomas Merton - Camilo Torres - Fidel Castro - Che Guevara

   Auch die Begegnung des Kreuz tragenden Jesus mit den weinenden Frauen (Luk 23, 27f) und mit Veronika, die Jesus den Schweiß abwischt, läßt die Malerin in der Vegetation Nicaraguas stattfinden.

   Die letzten Worte von Thomas Merton (1915-68), dem berühmten Trappistenmönch, kurz vor seinem tragischen Tod in Bangkok zitiert Cardenal in seinen Erinnerungen wie ein „Neues Testament“:

  „Dort hatte er gesagt, dass die Marx`sche Definition des Kommuniismus dieselbe wäre wie die einer klösterlichen Gemeinschaft. Dieses Ideal ist das, welches die klösterliche Gemeinschaft von jeher zu verwirklichen versucht hat, das jedoch seiner Meinung nach nicht im Kommunismus, sondern nur in Klöstern erreicht werden kann.“ (Bd II 178)


   Dass Cardenal sich ausgerechnet in einem der strengsten Klöster des Christentums für Marxisnus und Kommunismus öffnete, ist schon sehr erstaunlich. Bis in die 60er Jahre wurde die marxistisch-kommunistische Weltanschaung von Lehramt und Theologen der kath. Kirche in der Regel als atheistisch und widerchristlich abgelehnt. Diese Öffnung Cardenals hatte sicherlich viel zu tun mit der Verehrung seines Novizenmeisters, der wie er von der Neugründung eines Klosters träumte,  wo es weder <mein> noch <dein> gibt, wo man in freiwilliger Armut lebt - frei von der Gier nach Geld und den Forderungen des Konsums - etwas Ähnliches also wie die <klassenlose Gesellschaft>.

379: „Auch die Revolution hat ihre Reliquien und ihre Märtyrer...

Donald, Elvis und Filipe, der ohne Grab umkam,

    ihr seid jetzt Heilige,

wie jener Heilige, der das Priesterseminar verließ (Camilo Torres)

und sagte, wir alle müssten wie die Heiligen leben.

Möge ich mit Gottes Hilfe eines Tages so heilig sein wie ihr.“

238: „Camilo zog dem Bischofskreuz

    das Kreuz Christi vor.

Wenn er gepredigt hätte in der Sprache von

    Enzykliken und Hirtenbriefen,

wär er eines natürlichen Todes gestorben.

Der Rektor hatte uns verboten, seinen Namen auszusprechen

im Seminar des Hirten Christus.

    Man vergrub ihn heimlich tief im Wald,

    <nicht dass er wiederaufersteht.>“

   Währernd seiner Seminarzeit in Kolumbien (1963-65) veröffentliche Ernesto Cardenal, der sich schon als Dichter einen Namen gemacht hatte, seine „Salmos“, die unter dem Titel „Zerschneide den Stacheldraht“ auch in Deutschland für Aufsehen sorgten. Mit bekannten Schriftstellern und Kirchenvertretern war er in brieflichem Kontakt. Mehr als die Hälfte aller Briefe im Seminar waren an ihn gerichtet. In dem erzkonservativen Priesterseminar musste sich Cardenal politisch-weltanschaulich sehr zurücknehmen, um seine Priesterweihe nicht zu gefährden.

  „Zu jener Zeit war es auch, dass Camilo Torres bekannt wurde. Wir hatten im Seminar schon von ihm gehört, einem progressiven Priester in Bogotá, einem streitbaren Studentenpfarrer, der eine ´Plattform der Einheitsfront des Kolumbianischen Volkes´ gegründet hatte. Die Macht hielt in Kolumbien eine Minderheit in den Händen. Das Land soll aber denen gehören, die es bebauen. Die ganze Bevölkerung muss kostenlose Gesundheitsversorgung bekommen. Und auch die Bildung soll für alle Kolumbianer gratis sein. Bald fanden sich Tausende auf dieser Plattform zusammen.“

  „Etwas Neues bei Camilo war, dass er zur Einheit von Christen und Marxisten aufrief, um für die Revolution zu kämpfen. Es ging nicht darum, darüber zu streiten, ob es Gott gab oder nicht, wenn wir wissen, dass es das Elend gibt.“

  Vier Monate vor seinem Tod schloss er sich der Guerilla an und ließ sich für den bewaffneten Kampf im Untergrund ausbilden. Bei einem ersten Scharmützel wurde er erschossen. Wo er begraben wurde, ist bis heute unbekannt.


  Fünf Tage, nachdem Ernesto Cardenal mit William Agueldo und Carlos Alberto in Solentiname angekommen waren, fiel Camilo Torres.


„Er war der erste Guerillapriester Lateinamerikas. Und er gab ein Beispiel, dem später noch viele folgten.“  (51)

Camilo Torres (1929 - 66)

Fidel Castro (1926 - 2016)

   Durch Thomas Merton, seinen Novizenmeister, erhielt Ernesto Cardenal die ersten Informationen über die gelungene Revolution in Kuba. Anführer der Guerillas, die zuvor im mexikanischen Exil militärisch ausgebildet wurden, waren Fidel Castro und Ernesto „Che“ Guevara. Es folgte ein über zweijähriger Guerillakampf in den Bergen der Sierra Maestra, Am 1. Januar 1959 musste der kubanische Diktator Batista fliehen und eine neue Regierung unter Fidel Castro wurde etabliert.

Ernesto „Che“ Guevara  (1928 - 67)

   Der in Argentinien geborene Revolutionär, Guerillaführer, Arzt und Autor wurde in den 1960er Jahren als lateinamerikanischer Revolutionär weltweit bekannt. Ab 1956 kämpfte der Humanmediziner mit Fidel Castro auf Kuba für die Unabhängigkeit und das Selbstbestimmungsrecht der Völker, wobei er sich gegen die wirtschaftliche Weltmacht der USA wandte. Nach der Kubanischen Revolution (1959) wurde Ernesto "Che" Guevara kurzzeitig in der Regierung aktiv. In Bolivien organisierte er 1966 den Aufstand der Bauern und Bergarbeiter gegen die Militärregierung. 1967 wurde er von der bolivianischen Armee festgenommen und hingerichtet. Sein Tod im Namen einer revolutionären Bewegung machte ihn zu einem Märtyrer von Unabhängigkeis- und Befreiungsbewegungen in der ganzen Welt.

    „Im Noviziat gab es ein Schwarzes Brett mit Informationen, praktischen Hinweisen und höchst selten auch einer Nachricht von draußen, die Merton uns anschlug. Und ich erinnere mich, dass er eines Tages einen Zeitungsausschnitt mit Portraits der wichtigsten cubanischen Guerilleros fanden. Ich betrachtete sie lange, erstaunt wegen ihrer Bärte und vor allem der langen, lockigen Haare ... Dort mag Che Guevara gewesen sein, natürlich Fidel - ich kannte die Namen nicht.“  (Bd 1 179)

   Mehrere Begegnungen Cardenals mit Fidel Castro gab es vor und nach der Zerstörung Solentinames 1977, als er auch nach Kuba reiste, um finanzielle Unterstützung für den Guerilla-Krieg in Nicaragua zu sammeln, und nach der gelungenen Revolution 1979, als er als Kulturminister befreundete Länder besuchte. Kuba mit seiner konkreten Umsetzung der Alphabetisierungskampagne, dem Aufbau eines volksnahen Gesundheits- und Bildungswesen blieb für Cardenal viele Jahre ein Vorbild seiner ministeriellen Arbeit.

   „Aus den Fenstern der Kirche schauen wir auf einen ruhigen See.... Wir haben die Stelle gelesen, in der Jesus auf dem Wasser geht.... Jesus stieg in das Boot seiner Jünger und stillte den Sturm.

Oscar: Es scheint, dass den Jüngern die Angst, die sie beim Sturm ausgestanden hatten, noch in den Gliedern steckte. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass ER es sein konnte. Wir würden auch erschrecken und denken, es wäre ein verfluchter Spuk und sagen: <Ein Gespenst!>. Aber Jesus nahm es ihnen nicht übel, sondern sagte: <Habt Vertrauen!> Er wollte ihnen die Angst vor dem Sturm nehmen. Es gibt nicht nur Stürme auf dem See, es gibt auch andere Stürme, zum Beispiel das, was wir hier in unserem Land erleben, aber dafür dürfen wir auch keine Angst haben.

Esperanza: Dass er auf dem See gehen kann, bedeutet, dass er den See bzwingen und den Sturm stillen kann, weil er eine geheimnisvolle Macht besitzt. Und deshalb kann es sein, dass er auch den Sturm bezwingt, den wir in Nicaragua haben.

Ich (Ernesto C.): Und in diesem Sturm ist er kein Gespenst, kein Wahngebilde. Nein, er ist es wirklich.

Oscar: Dann, Ernesto, wird es sich zeigen, dass wir diesen Sturm, den wir gegenwärtig durchmachen, bezwingen können, wenn wir und alle uns vereinen, um gegen die Ungerechtigkeit zu kämpfen.

Manuel: So ging es auch mit dem Kommunismus, der am Anfang den Leuten Angst einjagte wie ein Gespenst. Aber jetzt, da wir ihn aus der Nähe gesehen haben, merken wir, dass er die Eintracht ist, die Brüderlichkeit zwischen den Menschen, die wirkliche Gemeinschaft aller mit allen und auch mit Gott. Mir scheint, der Kommunismus ist wie ein Gespenst, aber wenn er näherkommt, sagen wir: <Es ist ja Christus!> So gibt es jetzt viele Völker, die schon mit diesem Christus, den sie vorher für ein Gespenst, ein Schreckbild gehalten haben, im gleichen Boot fahren.

  Bei Tagesanbruch kam Jesus zu ihnen und ging auf dem Wasser. Und als die Jünger ihn auf dem Wasser gehen sahen, erschraken sie und riefen voller Furcht: Ein Gespenst! Aber Jesus sagte: Habt Vertrauen, Ich Bin`s. Fürchtet euch nicht!

  Da stieg Petrus aus dem Boot und lief über die Wasser auf Jesus zu. Aber als er zu

  sinken begann, schrie er: <Rette mich Herr!> Sogleich nahm Jesus ihn bei der Hand und

  sprach zu ihm: <O du Kleingläubiger, warum zweifelst du?>


Ein anderer junger Mann: Ich sehe da auch, dass die Einheit und die Liebe eine Wirklichkeit ist, die sich uns mitten im Sturm nähert. Und dieses Gespenst ist in Wirklichkeit die Liebe. Auch wir können auf dem Wasser gehen wie Petrus. Lieben ist wie auf dem Wasser zu gehen, ohne zu versinken.

(E. Cardenal: Das Evangelium der Bauern von Solentiname, S. 215 f)

Dom zu Monreale, Mosaik

Jesu vom palästinensichen Ölberg in die Fauna und Flora Solentinames. Jesus ist gekleidet wie die ersten Mönchsaspiranten in weißem Bauernkittel, Blue Jeans und Sandalen. Unter den Jüngern Jesu sind u.a. Ernesto Cardenal und Che Guevara zu erkennen. Die Soldaten, die Jeus gefangen nehmen, nachdem Judas ihn durch einen Kuss verraten hatte, sind gekleidet wie die Milizen der Nationalgarde.

Zwei Soldaten der Guardia Nacional treiben die klagenden Indio-Frauen mit Waffengewalt zurück. Eine weiße Frau in Soldatenuniform zieht dem Blue Jeans tragenden Jesus sein „Letztes Hemd“ aus, einen weißen Bauernkittel. Jesus wird als Indio gesehen, der sein ihm auferlegtes Kreuz und Leiden durchschleppen muss bis zu seinem Tod am Kreuz, den viele weinende Mütter begleiten (8. Station), und der „seiner Kleider beraubt wird“ (10. Station). Statt Tröstung eine weitere Erniedrigung.

   Restriktionen der Hierarchie folgten auf dem Fuße. Von allen priesterlichen Funktionen wurde er entbunden. Fast der gesamte Klerus setzte sich von ihm ab. Und man beschimpfte ihn als Judas, Renegaten, subversiven Priester, Kommunisten, Häretiker.

  Im Seminar wurde strikt verboten, den Namen Camilo Torres` auch nur zu nennen.


   „Unterdessen zog Camilo in den Städten, und Dörfern, Fabriken und Universitäten immer größere Menschenmengen an.

   Er sagte, der revolutionäre Kampf  sei ein christlicher und priesterlicher Kampf. Er sah darin die Verwirklichung der Nächstenliebe. Das Messopfer könne nicht authentisch sein, wenn vorher nicht die Nächstenliebe verwirklicht werde. Die Revolution sei notwendig, um dem Hungernden zu essen und dem Durstigen zu trinken zu geben. Er erkannte, dass er als Priester revolutionär sein musste, und dass die Revolution für alle Christen obligatorisch war.“

  Nur wenige Aussagen über Che Guevara sind in Cardenals „Cósmico Cántico“ zu finden. Der Poet und  inzwischen in Rente gegangene Revolutionär redet von ihm als „Der Che“, eine liebevolle Anrede an einen „Kumpel“, Freund, Bruder, und er preist ihn wegen seiner Menschenfreundlichkeit und Liebe.

Zunehmende Radikalisierung der christlichen Gemeinschaft von Solentiname

Verlauf der Sandinistischen Revolution

Theologische Deutung der Revolution als „Kommen des Reiches Gottes“

Weitere Überlegungen folgen ...

Thomas Merton und der Dalai Lama 1968 in Bangkok