Universaler Christus

außerhalb von Christus: nichts / überall: Christus ganz

- Alles und in Allem Christus -

10.11.2008 / 2016                            Zur Willkommenseite

  Nach wie vor leidet das patriarchalisch-monotheistische Reden von Gott und eine einseitig-soteriologísche Vorstellung von Christus an der Ausblendung von Schöpfungsfrömmigkeit (vgl. http://www.adolf.frahling.de/Web-Site/Gruenender_Christus.html) und an der Missachtung von psychologischen Erkenntnissen.

  Vor allem an Nahtstellen der Ausbreitung des Christentums, in der Berührung und Auseinandersetzung mit „heidnischen" Naturreligionen wird die Tendenz im Christentum zur Ausgrenzung und Verteufelung fremder religiöser Anschauungen überdeutlich.

  Im Jahr 732 fällte der christliche Missionar Bonifatius bei Fritzlar die Donar-Eiche, Wohnort des germanischen Gottes Donar bzw. Thor. Diese Symbolhandlung zeigt, wie das Christentum theoretisch und praktisch mit der Natur-Religiösität unserer „heidnischen“ Vorfahren umging. Es verkannte (bis heute) die Numinosität von Naturphänomenen.

  Bonifatius fühlte sich wie viele andere Gottesmänner und Theologen seiner Zeit nicht ein in die religiöse Bilderwelt der Germanen, sondern tat sie ab als heidnischen Aberglauben. Allerdings ließ er das Holz der Gotteseiche nicht verbrennen, sondern daraus eine Kapelle bauen.

  In Naturreligionen war der Baum Gegenstand kultischer Verehrung, einzelne Bäume wurden bestimmten Göttern zugeordnet: die Zeder dem ägyptischen Gott Osiris und der griechischen Göttin Artemis, der Olivenbaum der Athena, der Lorbeer Apoll.

  Die Germanen betrachteten die Linde, den Baum der Göttin Frija, als Zeichen der Fruchtbarkeit  und die Eiche des Gottes Donar als Sinnbild der Kraft.

  Ihre Sehnsucht, das unbegreifliche Weltganze zu erklären und zu verehren, gestalteten sie in bestimmten Baum-Symbolen.

Die Weltesche "Yggdrasil" repräsentierte in der germanischen Mythologie den Weltenbaum im Zentrum des Alls, die Verbindung zwischen Erde und Himmel, die Konjunktion aller kosmischen Bereiche, des Unterirdisch-Chthonischen, des Lebens auf der Erde und des Überirdisch-Göttlichen. (vgl. „Grüner Christus“)

-   Christus erkennen,

    in dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen sind,

-   Seinen unerschöpflichen Reichtum ergründen (Eph 3),

-   Seine Real-Präsenz im Universum und meinem Selbst erspüren,

-   Christus als Alles und in Allem entdecken (Kol 3,11)   ----


diese spirituelle Sehnsucht möge durch die Anregungen auf dieser Webseite neu entbrennen.



  Auf dem Weg zu einer ganzheitlicheren Christus-Beziehung, zu einer Universalisierung des persönlichen Christus-Bildes können Erfahrungen aus Kunst,  Psychologie und außerchristlichen Religionen wichtige Impulse vermitteln. Gerade gefühlsintensive Erlebnisse mit Kunstwerken (Dichtung, Malerei, Musik), in psychotherapeutischen Prozessen oder in regelmäßiger christlicher Kontemplation bzw. Zen-Meditation können unmittelbar an unseren Seelengrund rühren und dort schlummernde Urbilder der Ganzheit wachrufen.

  Die von den Sachsen verehrte Irminsul, eine riesige Holz-Säule mit 9, 7 oder 12 Ästen bzw. Stufen, die sich oben in zwei Hauptäste aufteilte, versinnbildlichte die Welt-Säule, die Erde und Himmel verbindet, den Weltenbaum, der das ganze All trägt. 772 wurde sie durch christianisierte Franken auf Veranlassung Karl des Großen zerstört.

  Die Ur-Symbolik der Irminsul erwies sich aber als so stark, dass sie in der Kunst des christlichen Mittelalters noch lange gegenwärtig blieb, in den Säulen christlicher Kirchen und Krypten, in Miniaturen der Buchmalerei .... Das Kreuz Christi wird um 1000 häufig in der Form eines T dargestellt, als Weltsäule, als Weltenbaum.


Die Sensibilität für die Ur-Symbolik der Natur (Baum, Berg, Höhle, Fluss etc), die in biblischen und patristischen Texten (Joh.-Evangelium: ICH-BIN der Weinstock, das Brot, der Weg, das Licht)  wie selbstverständlich als augenfälliger Hinweis auf die in ihr sichtbar werdende göttliche Wirklichkeit empfunden und verstanden wurde, schwand im Zuge einer formelhaften und intellektualistischen Theologisierung des Christentums immer mehr.

  Im 19. und 20. Jahrhundert wurde die Gestalt Jesu Christi übertrieben historisiert und damit auf ein ethisches Vorbild reduziert. Zugleich wurde sie „entmythologisiert“, d.h. „entrümpelt“ und „befreit“ von scheinbar mythischen Restbeständen. Dass das Bild der Evangelisten von diesem Jesus von Nazareth im Wesentlichen nicht durch Augenzeugenschaft, sondern häufig viel stärker durch  Einflüsse aus ägyptischen, hellenistischen und anderen Religionen geprägt worden war, wurde akribisch diagnostiziert. In einer Attitüde der Besserwisserei wurden diese außer- bzw. vorchristlichen Ursprünge aber als „nur Einkleidung“, „nicht eigentlich christlich“, „unwesentlich“ in eine nicht-relevante, vorwissenschaftliche Ecke abgeschoben (Beispiele: Jungfrauengeburt, Himmelfahrt, Wundertaten Jesu).

  Solche übertriebene historisch-kritische Schriftauslegung führte sicherlich zu größerer intellektueller Redlichkeit, aber leider auch zu einer Verblassung und Sterilisierung eines anziehenden lebensstarken kosmischen Christus-Bildes.

Beide Tendenzen, beide Strömungen sind in der Geschichte des Christentum zu erkennen, zwischen denen die Kirchen und die einzelnen Christen auch heute wählen müssen:


  1. 1.Ausgrenzung und Verteufelung „heidnischer“, anders-religiöser, scheinbar nicht-christlicher Vorstellungen und Riten // Verengung  des Christus-Bildes hin zu einem segmentierten und domestizierten Kirchen-Christus  oder

  2. 2.Übernahme und Integration von Ur-Symbolen und Erfahrungen und Reflexionen aus anderen Religionen // Wachstum in der Erkenntnis des kosmischen Christus

II.  Christus - mit keinem Namen benennbar (in-nominabilis)


Erweiterung des Christus-Bildes über buddhistische und hinduistische Erfahrungen

(Henri Le Saux, Raimon Panikkar, Johannes Kopp)

  Der Pallotiner-Pater und Zen-Meister Johannes Kopp hat durch seine Meditationspraxis im Kardinal-Hengsbach-Haus in Essen-Werden und durch sein Buch „Schneeflocken fallen in die Sonne. Christus-Erfahrungen auf dem Zen-Weg“ ein sehr inspirierendes Zeugnis für eine gelungene Integration von Christus-Liebe und buddhistischer Versenkung abgegeben.


„Der Name Jesus Christus sei leise gesagt, in der Scheu, die immer noch offen lässt, was und wer mit diesem Namen sich offenbart, offen zum immer noch Größeren als stete Forderung und Transzendierung aller Begriffe. Was einzig und allein interessiert, das ist die Wirklichkeit. Jeder suche für sich den Namen, in dem nichts ausgelassen, sondern alles umfasst ist. Ich habe für mich in immer neuer Entdeckerfreude ... diesen Namen gefunden und noch viel mehr lasse ich mich von  ihm finden. Ich rede von ihm zugleich auch namenlos und höre ihn von Ergriffenen und Erfahrenen ausgesprochen als Wesensnatur, als Buddhanatur, als Leere und Fülle: im Nachgehen und Einholen der Liebe, mit der jeder Mensch geliebt ist.   (18)

Zusammenfassung


  Eine empathische Beschäftigung mit Naturreligionen und Mythologien könnte dahin führen, in der eigenen christlichen Religion bestimmte Wurzelgründe aufzudecken: die mit vielen Religionen gemeinsame Ur-Symbolik und die ureigene Botschaft von Christus, durch den Alles nach Seinem Bild geschaffen worden ist (Kol 1,16).


  Alles, was wir sehen, denken, empfinden, ist Abbild der Ikone Gottes par excellence: Christus.

Alles, was existiert, ist eine Manifestation des „Kosmischen Christus“.


  Christus ist der wahre Weinstock, die Tür, der Weg, der Baum, das Wasser und das Brot des Lebens, der Morgenstern, der Schlüssel, das Meer und die Welle, das Atom und das Universum ....


  Alles ist sozusagen „physisch christifiziert“.

  Interreligiöses Interesse der christlichen Öffentlichkeit heute focussiert sich auf einen oberflächlich  oder sogar falsch verstandenen Islam (Sufismus wird kaum beachtet).

  Zwar werden in vielen christlichen Bildungshäusern Kurse zu Inhalten angeboten, die ursprünglich östlichen Weltreligionen entstammen: Yoga, Zen, Tai Chi, Naikan, Qi Gong etc., aber die damit verbundene theologische Auseinandersetzung hat das öffentliche Bewusstsein leider kaum erreicht.


  Auch die Pioniere einer Integration buddhistischer und hinduistischer Spiritualität ins Christentum nach 1945:  Hugo Enomiya-Lassalle (1898-1990), Henri Le Saux (1910-1973), Raimon Panikkar (1918-2010), Willigis Jäger (1925- ), Johannes Kopp (1927- 2016), Anthony de Mello (1931-1987) sind kirchlich ausgegrenzt und/oder nur wenigen „Christen auf der Suche" bekannt.

  Östliche Meditationspraktiken sind im Westen zwar zunehmend beliebt, werden aber von vielen in Verbindung mit einer bewussten Abkehr von bisheriger kirchlicher Praxis und christlichem Glauben geübt.

  Meine Intentionen richten sich darauf, Weisheitsschätze außerchristlicher Religionen zu öffnen, dabei aber die eigenen christlichen Quellen nicht aufzugeben, sondern neu zu entdecken und zum Sprudeln zu bringen.

  Über die Spiritualität der Upanishaden oder des Zen-Buddhismus können Christen zum Beispiel die Botschaft des Völkerapostels Paulus vom „Kosmischen Christus" umfassender und tiefer verstehen.

  Der Benediktinermönch Henri Le Saux lebte von 1948 bis zu seinem Tod als hinduistischer Sannyasi mit dem Namen „Abishiktananda" (Christus ist meine Glückseligkeit) in Indien. Christlich und hinduistisch geprägtes monastisches Leben, die Erfahrung des advaita (Nicht-Dualität des Seins) und eine gelebte Christus-Frömmigkeit miteinander zu verbinden, war sein lebenslanges Anliegen.

  In vielen Schriften stellte er seine Anstrengungen dar, die erlebte Polarität zwischen der Spiritualität der Upanishaden und des Christentums auch theologisch-intellektuell zu versöhnen.


Literaturangaben

  1. -Innere Erfahrung und Offenbarung. Theologische Aufsätze zur Begegnung von Hinduismus und Christentum, Innsbruck 2005

  2. -Die Spiritualität der Upanishaden, München 1994

  3. -Die Gegenwart Gottes erfahren, Erneuerung christlichen Betens in Begegnung mit dem Hinduismus, Mainz 1980

Die Synthese von Henri Le Saux / Swami Abishiktananda kurz vor seinem Tod:


  „Ob ich es will oder nicht, ich bin zutiefst an Jesus Christus gebunden und daher an die kirchliche koinonia. In ihm hat sich mir das ´Mysterium` seit meinem Erwachen zu mir selbst und zur Welt gezeigt. In seinem Bild, in seinem Symbol ist es, dass ich Gott erkenne, dass ich mich selbst und die Menschenwelt erkenne.

  Seit meinem Erwachen zu neuen Tiefen in mir (dem Selbst, atman) hier in Indien, hat sich dieses Symbol wunderbar ausgeweitet. Schon die christliche Theologie hat mir die Ewigkeit des Mysteriums Jesu in sinu Patris (im Schoß des Vaters) eröffnet. Später hat Indien mir das kosmische Ganze dieses Mysteriums offenbart, diese totale Offenbarung des Mysteriums, worin sich die jüdische Offenbarung einfügt. Der immense Christus, höher als die Himmel und auch unendlich nahe. ...

  Ich erkenne überhaupt dieses Mysterium, das ich immer unter dem Symbol Christi verehrt habe, in den Mythen von Narayana, Prajapati, Shiva, Purusa, Krishna, Rama etc. Dasselbe Mysterium. Aber für mich ist Jesus mein sadguru (der wahre Guru). In ihm ist Gott mir begegnet; in seinem Spiegel habe ich mich erkannt, indem ich ihn verehrte, ihn liebte, mich ihm weihte. Jesus ist der Guru, der das Mysterium verkündet." (Brief vom 24.7.1971 - zitiert in: Innere Erfahrung 23)


  „Christus verliert nichts von seiner wahren Größe, wenn er von den falschen Größen befreit wird, mit denen ihn die Mythen und die theologische Reflexion geschmückt haben.

Jesus ist die wunderbare Epiphanie des Mysteriums des Menschen, des Purusa, des Mysteriums jedes Menschen, wie es der Buddha war, und Ramana und so viele andere. Er ist das Geheimnis des Purusa, der sich im Kosmos sucht. Seine Epiphanie ist stark geprägt von der Zeit und dem Ort seines Erscheinens im Fleisch." (Brief vom 2.1.1973 - S. 24)


Purusa: der archetypale Mensch, der in seiner Seinsfülle vollkommene Mensch.

Sat-purusa: der wahre Mensch

  Die Upanishaden, zwischen 700 und 200 v.Chr. entstandene Heilige Schriften des Hinduismus, beschäftigen sich mit dem Wesen von brahman, der universellen Weltenseele, und von atman, der innersten Essenz eines jeden Individuums. Brahman - und damit auch Atman - ist unvergänglich, unsterblich, unendlich, ewig, rein, unberührt von äußeren Veränderungen, ist sat-chit-ananda, reines Sein an sich (Sat), Bewusstheit (Chit) und Glückseligkeit (Ananda).


  Im Zentrum der Upanishaden steht die Erfahrung des advaita, die fundamentale mystische Intution der Nicht-Dualität des Seins, der Nicht-Zweiheit des menschlichen Selbst und des höchsten Selbst, des Atman und des Brahman. Die Trennung zwischen Erkennendem und Erkanntem, Liebendem und Geliebtem ist aufgehoben.

  Diese Alles umfassende und durchströmende Leere muss in der Tiefe des Herzens entdeckt werden als ein „inneres Licht, das innen wie außen leuchtet, und das alle Dinge im Glanz des Atman, des Selbst, leuchten läßt." (Spiritualität der Upanishaden 53)

1.  Henri Le Saux (1910 - 1973)

Erfahrung von advaita (Nicht-Zweiheit) und Christus-Liebe

  Jesus war erfüllt von der Erfahrung des advaita, seines ungeteilten Eins-Seins mit der unaussprechlichen Liebe Gottes: „Der Vater und ich sind ein- und dasselbe“ (Joh 10,30). „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9). Im semitischen Kulturkreis gebrauchte er für dieses „Eine-ohne-ein-Zweites“ ein Wort aus seiner aramäischen Muttersprache: „Abba“ - „Vater“. Sich selbst, sein Selbst benannte er „Sohn Gottes“. Bei seiner Taufe erwachte Jesus zu seinem Selbst-Bewusstsein des advaita, als sich der Himmel öffnete und er die STIMME hörte: „Du bist mein geliebter Sohn.“ Er erwachte zum absoluten „ICH BIN der ICH BIN DA“ (Ex 3,15), zum „aham brahma asmi“ - „Ich bin Brahma“, zum absoluten „Ego eimi - ICH BIN“ (Joh 8,58).

  Für Henri Le Saux /Abishiktananda ist Christus der sat-purusa, der wahre Gott-Mensch. Jeder von uns trägt den purusa in sich: den archetypischen inneren und kosmischen Menschen; die Manifestation des einen und unteilbaren Mysteriums, des atman-brahman.

„Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ (Gal 2,20)

Spiritualität der Upanishaden

I.  Christus - mit jedem Namen benennbar (omnio-nominabilis)


Christentum und „heidnische“ Mythologie

Missachtung von Naturreligionen und Übernahme von Ur-Symbolen

Sohn eines indischen Vaters

und einer spanischen Mutter,

eines Hindu und einer Katholikin:


„ Ich bin als Christ gegangen,

ich habe mich als Hindu gefunden

und ich kehrte als Buddhist zurück,

ohne doch aufgehört zu haben,

ein Christ zu sein.“

  „Christus ist das christliche Symbol der ganzen Wirklichkeit ... das bedeutet, dass in Christus nicht nur ´alle Schätze der Göttlichkeit` enthalten sind, sondern auch, dass ´alle Mysterien des Menschen` darin verborgen sind und alle Masse des Universums. Er ist ... das kosmotheandrische Symbol par excellence ... der Christus totus....

  Vier „Große Aussagen“ nähern sich diesem unaussprechlichen

Geheimnis an:

- Ich bin Brahman - aham brahma asmi

- Das bist du - tat tvam asi

- Dieser Atman ist Brahman

Brahman ist Bewusstsein


  „Im tiefsten Grund des Ich, meines Ich, bist Du, Du, o mein Gott,

tiefer in mir als ich mir selber bin.

Du Seele meiner Seele, Leben meines Lebens (Augustinus).


  „Im tiefsten Grund des Ich, meines Ich, bist Du, Du, o mein Gott,

Selbst meines Selbstes, Selbst jedes Selbstes,

das Selbst des Selbst.

Du bist an der Quelle meines Ich.

Du bist die Quelle meines Ich.

Du bist mein Ich.“


  „Wie hätte ich noch das Recht, Dich Du zu nennen,

o tiefstes Zentrum in mir,

o mein tiefstes, ursprüngliches und überwesentliches Ich.“


(Henri le Saux: Innere Erfahrung 147 / 149)

  Irgendwann in meinem Leben wurde mir Christus zu einem Ereignis, über das nichts mehr hinaus, sondern in das alles hineinging. (36)

Christus ist eigentlich kein Name, sondern ... bezeichnet das Wesen, in dem alles ist und das in allem ist.“ (305)


  „Jesus Christus... ist ein Name der unendlichen Wirklichkeit. Nicht ein Name unter anderen, der sich von anderen abgrenzt, sondern der alles entgrenzt. Deswegen ist er ebenso ein Nichtname und kein Name. Er ist mir kein Gegenüber – wie könnte ich dem Unendlichen gegenüber sein! Ich würde mich aus dem Unendlichen herausnehmen und damit das Unendliche begrenzen und zerstören.

  Erlöse uns, Herr, von dem Wahn, als wärest Du uns gegenüber wie irgendjemand und laß uns die erlösende Wahrheit aufleuchten, dass wir in Dir sind und Du in uns“ (60).


  Wenn ich mich in Christus erkenne, dann erkenne ich alles und alle in Christus, und zwar in seiner namenlosen, anonymen, aber wirklichen und schöpferischen Präsenz. (83)

  In der Wirklichkeit „Jesus Christus“ sind und entfalten sich alle ihre Dimensionen. Da ist nichts Erlebtes und Gedachtes und nichts, was ich liebe außerhalb dieser Wirklichkeit. Und die Unendlichkeit öffnet sich. Das alles ist ausgesprochen mit diesem Namen, aber nur wenn er diese Wirklichkeit ist, so dass in ihm das Kind spielt, der Vogel singt, die Liebe liebt, gestorben und geboren wird. Und alle Worte hören auf, Worte zu sein, die Wirklichkeit selbst ist es. .... „Die Wirklichkeit aber ist Christus“ (Kol 2,17).


  Wenn das Zen-Auge (das Dritte Auge) geöffnet ist, durchschaut es alle Dinge auf das eine hin: „Christus ist alles und in allem“ (Kol 3,11).  (188)


Johannes Kopp: Schneeflocken fallen in die Sonne, Christus-Erfahrungen auf dem Zen-Weg, Annweiler 1998                                              http://www.zen-kontemplation.de/

Edelsteine als Symbole für den Prozess der Transparenz des Inneren Christus

  Im Grunde ist diese göttliche Wirklichkeit, dieses Eine-ohne-ein-Zweites ohne Formen, ohne Farben und ohne Namen, wortlos und bildlos. Die advaitische Erfahrung ist deshalb ihrem Wesen nach unausdrückbar. Von ihr kann nur gesagt werden: asti (es ist).

  Im Licht dieser höchsten spirituellen Erfahrung des Advaita erscheinen alle religiösen Begriffe, Formulierungen, Gebete, Vorstellungen und Bilder als namarupa, als vorläufig und relativ. Sie sind Zeichen; wichtige Zeichen für die Einführung des christlichen, hinduistischen oder buddhistischen Gläubigen in die „Letzte Wirklichkeit"; aber sie sind Nur-Zeichen, sie sind der Finger, der auf die Sonne zeigt, nicht aber die Sonne selbst.

  Nach Auffassung von Le Saux muss das Christentum diese advaita-Erfahrung integrieren, wenn es seinen Universalitätsanspruch beibehalten will; und das bedeutet: christliche Pastoral müsste intensiver zu mystischen Erfahrungen verhelfen und die „theologia negativa“  stärker betonen, deren Grundsatz es ist, dass das Wesen Gottes prinzipiell nicht adäquat erkannt und mitgeteilt werden kann. Eine solche Mystagogie hätte zur Folge, dass die eigenen Glaubensaussagen, Strukturen und Riten relativiert und als nicht voll-identisch mit der unausprechlichen Göttlichen Wirklichkeit dahinter angesehen würden (vgl. Upanishaden 67).

Christus spricht:

ICH BIN   der Weg   -   der Baum des Lebens   -   der Gute Hirte   -   der Wahre Weinstock   -   die Tür

2. Johannes Kopp (1927 - 2016)

3.  Raimon Panikkar (1918 - 2010)

Christus ist das Symbol der Vergöttlichung des Universums ... Unsere Vergöttlichung wird verwirklicht, wenn wir Teil von Christus totus werden, so dass wir ipse Christus (Christus selbst) sind.“


Alles Seiende, alles, was ist, ist eine Christophanie. Die Fülle des Lebens, die sehr viele Namen hat, wird in der christlichen Tradition „Jesus Christus“ genannt.


(Raimon Panikkar: Christophanie, Freiburg 2006)

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