Es ging De Mello als Exerzitienmeister und „Seelenführer“ hauptsächlich um die Verinnerlichung des christlichen Glaubens, um wahrhaftige Selbst- und Gottfindung, um persönliches Wachsen und nicht so sehr um einen interreligiösen Dialog oder um postmoderne theologische Konzepte. Wie Jesus erzählte er lieber Gleichnisse und Weisheitsgeschichten, die den Hörern / Lesern (häufig Priestern und Nonnen) einen konfrontativen Spiegel vor Augen hielten und sie zu einer ehrlichen desillusionierten Selbsterkenntnis befreiten.

  Mit der Veröffentlichung seiner „Sadhana“-Übungen (sanskrit: Anstrengung auf ein Ziel hin) 1978 wuchs seine Popularität in aller Welt. In über 40 Sprachen wurde „Sadhana“ (deutsch: Meditieren mit Leib und Seele, Kevelaer 1984) übersetzt. Es ist de Mellos Synthese aus den Evangelien, christlicher Mystik (Jesus-Gebet) und moderner Psychologie, kombiniert mit östlich-mantrischen Meditationstechniken.

   Neue Impulse für eine mystische Vertiefung und universale Ausweitung des (kath.) Christentums erfolgten im 20. Jahrhundert in der Begegnung mit östlicher Weisheit.

  Vereinzelt schon vor und vermehrt nach dem II. Vatikanischen Konzil (1962-65) lebten kath. Priester und Ordensleute jahrelang in japanischen Tempeln und indischen Ashrams, um Zen und Advaita Vedanta aus erster Hand zu erleben, die eigene kontemplative Praxis dadurch zu beleben

und - ein gefährliches Pflaster - in die christliche Theologie zu integrieren; der Jesuit Hugo Makibi Enomiya-Lassalle (1898 - 1990), der Pallotiner Johannes Kopp (1927 - 2016), der Benediktiner Willigis Jäger (1925-  ) u.v.a.m. in Japan, und die Benediktiner Henri le Saux (1910 - 73) und Bede Griffiths (1906 - 93) u.v.a.m. in Indien.

  Über eine konsequente meditative Praxis gewannen sie neue Zugänge zu eigenen christlch-kontemplativen Quellen, zu einer Integration von advaitischer Erfahrung und Christus-Bewusstsein, ohne ihre kirchliche Bindung aufzukündigen.

  Im Vorwort zu „Schneeflocken fallen in die Sonne. Christus-Erfahrungen auf dem Zen-Weg“ schreibt der Pallotiner-Mönch und Zen-Meister Johannes Kopp (geb. 1927): „Dieses Buch will verstanden sein als Zeugnis dafür, was in mir auf dem Zen-Weg geschah und geschieht, nachdem ich das Wort meines buddhistischen Meisters Yamada-Roshi (am 3.11.1978) als Koan empfing: ´Du musst verwirklichen, dass Jesus Christus in dir ist.` Nach elfjährigem intensivem Zen-Training und der Vollendung der Koanschulung ernannte ihn Yamada Roshi 1985 zum Zenlehrer.

  Worum es im ZEN geht, beschreibt der 2016 verstorbene Leiter eines Zen-Kontemplations-Zentrums im Bistum Essen 1994 ausführlich  in seinem lesenswerten Buch (s.o.). Einige Zitate:


  „Zen-Weg ist ein Erfahrungsweg zu jener Erfahrung , die grundsätzlich in allen Religionen die gleiche ist, aber in jeder Religion sich in anderer Weise ausdrückt“ (28).

  Mit großer Entschlossenheit suchte der französische Benediktinermönch Henri Le Saux (1910 - 73) indisch-vedantisches Einheits-Bewusstsein und Christsein zu versöhnen. Von 1948 bis zu seinem Tod lebte er als Hindu-Sannyasi mit dem Namen  „Abishiktananda" (Christus ist meine Glückseligkeit) in Indien. In einem von ihm gegründeten Ashram am Ufer des Flusses Kavery, in verschiedenen Höhlen des Berges Arunachala, im Herzen des Himalaya und schließlich in einer Einsiedelei am Ufer des Ganges gewann er immer tiefere Einsicht in die Wahrheit des upanishadischen Advaita (Nicht-Dualität des Seins), bis er schließlich einige Monate vor seinem Tod voll und ganz „erwachte“.

   Aber nicht nur die Upanishaden, die Heiligen Schriften des Hinduismus, sondern auch Bibel, Brevier und Kelch waren seine täglichen Begleiter. Die zahlreichen Veröffentlichungen spiegeln seine dramatische innere Auseinandersetzung zwischen Treue gegenüber seiner katholischen (vorkonzilaren) Tradition und der Versenkung in die Erfahrung des Advaita. Unvereinbar erschien Le Saux zunächst die ihn nun überwältigende Erfahrung des Einen ungetrennten Christus mit der gelernten Christologie und seiner mönchisch trainierten tiefen Beziehung zu Jesus Christus als seinem Vorbild und mystischem Gegenüber. Die Evidenz des „Einen-ohne-ein-Zweites“ und des „aham brahmasmi“ - „Ich bin Brahma“ und die non-duale allumfassende christliche Spiritualität des „Alles und in Allem: Christus“ und „Ich bin Christus“ vereinigten sich schließlich in seinem Erwachen zu dem Einen „Satchitananda“ - „Sein - Bewusstsein - Glückseligkeit“.

  Die Christen im 3. Jahrtausend werden ihr Christus-Bewusstheit weiter universalisieren und verinnerlichen. Wenn sie sich einlassen auf den universalen Strom der „conscious evolution“, einer Vertiefung und Ausweitung des menschlichen Bewusstseins, werden sie das überlieferte personale Gottes- und Christusverständnis überschreiten. Sie werden die intime Du-Beziehung zu Christus nicht einfach abtun und verwerfen, sondern transzendieren und integrieren in ein fundiertes Einheits-Bewusstsein. Ein intensiver Austausch mit spirituell erfahrenen Menschen in buddhistischen und hinduistischen Traditionen wird ihnen die Augen des Herzens öffnen für das Mysterium des Advaita, des „Einen-ohne-ein-Zweites“ und über diese Brücke für ihr eigenes tiefes Wissen, dass „nichts außerhalb von Christus“ existiert, dass Christus nicht nur das geliebte Gegenüber, sondern die universale schöpferische Liebe ist: in ihnen, in allen Menschen und allem, was existiert.  „Alles und in Allem Christus“ (Kol 3,11).

   Differenziert beschreibt Pater Johannes den Vollzug der Zen-Meditation, die wesentlichen Faktoren der äußeren und inneren Haltung (S. 131-256): nichts machen, nichts als sitzen; nichts tun als atmen; Erdboden - Atem - Situation annehmen; leerwerden, sich in seinen Gedanken lassen; das Unaussprechliche berühren; Nicht-Ich-Erfahrung, alltägliche Achtsamkeit.

  Pater Johannes hat für mich sehr überzeugend die reale Möglichkeit aufgezeigt, wie der Weg der Zen-Kontemplation in ein nicht-duales Christus-Bewusstsein führen kann.

  Im Vorwort der Sammlung von theologischen Aufsätzen Henri Le Sauxs zur Begegnung von Hinduismus und Christentum „Innere Erfahrung und Offenbarung“ schreibt der Jesuit Jacques Dupuis:


  „Advaitische Erfahrung ist ihrem Wesen nach unausdrückbar. Das Eine-ohne-ein-Zweites - ekam advitiyam - kann nicht ausgesprochen werden, ohne dass es sich verfälscht. Das Aham brahma asmi - ich bin Brahman (christlich formuliert: Ich bin Christus) - , seine notwendige und einzige Aussage, ist nur wahr auf der Ebene der Erfahrung...

  So impliziert die Erfahrung des advaita also ein radikales Verschwinden alles dessen, was nicht das Absolute ist ... Es gibt danach nicht mehr ein endliches Ich, das Gott ... kontempliert und an ihn sein Gebet richtet. Was bleibt ist das Erwachen dessen, der im eigenen Bewusstsein des Absoluten sich selbst erkennt, und nicht ein objektives Bewusstsein des Absoluten durch ein endliches Ich. Im Prozess der Erleuchtung räumt das menschliche Ich den Platz für das göttliche Aham (Ich bin). Dies ist das grundlegende Anliegen des advaita.“

„Der Name (Christus) muss aufhören, nur eine Benennung zu sein. ER muss der Weg sein, auf dem du gehst und auf dem du wirst, was du deinem Wesen nach schon bist“ (81).

„Christus ist mir der Weg äußerster Möglichkeit zur Selbstfindung. Und in ihm sind Selbstfindung, Dufindung, Wirfindung, Weltfindung und Gottfindung eins“ (83).

„Nur wenn ich realisiere, dass Christus in mir ist, in allen meinen Gliedern, in der Muskulatur, im Nervensystem, in meinem Atem, im Innersten meines Innern, dass ich durchtränkt bin von seinem Geist und dass er mein Grund und Lebensraum ist, kann ich mich in ihn einlassen mit meinem ganzen Wesen“ (239).

„Das Christentum ist ein Symbol, vielleicht das wunderbarste, um im Bewusstsein das Mysterium hervortreten zu lassen, das im Herzensgrund des Menschen ruht und diesen konstituiert." (3.7.1970)   22


„Die Erfahrung Christi im Jordan - Sohn/Abba – ist ein außerordentliches semitisches

Äquivalent des „Tat tvam asi“/„aham brahma asmi“ („Das bist du“/“Ich bin brahma“). Sicherlich kann ich mich der Erfahrung Christi bedienen, um die Christen zur Erfahrung des „ICH BIN“ zu führen, aber es ist diese Erfahrung des „ICH BIN“, die wirklich zählt. Christus ist das  Mysterium, „das ICH BIN“.

Das, was ich hinter allem in Christus finde, ist sein „ICH BIN“...“

„Es gibt in Wahrheit keinen Platz in mir, wo ´ich`im Wesen nicht auch ´Gott` wäre, und wo Gott im Wesen nicht auch ich wäre. (152)

Und der Guru außen ruft seinem Schüler zu, und der Atman innen ruft es ihm noch eindringlicher zu: Bleib nicht stehen, entferne jede Haut (jeden Schleier, jedes Gitter), tauche ohne Wiederkehr in diesen Ozean, der dir ohne Grund erscheint. Nur wenn du darin untergehst, wirst du ihn entdecken.“ (153)

„Die Idee ´ich bin dies oder das` verschwindet definitiv, wenn in der Mitte der Krypta des Herzens das höchste ICH (Aham - Christus) aufleuchtet. 

Einfach Sein (sat). Und in diesem Sein offenbaren sich cit und ananda, Bewusstsein und Glückseligkeit, das Mysterium der Erkenntnis und Liebe.“ (158)

„Gott (Christus) ist nicht ein Anderer.

Im tiefsten Grund des Ich, meines Ich, bist Du, Du, o mein Gott,

tiefer in mir als ich mir selber bin.

Du Seele meiner Seele, Leben meines Lebens (Augustinus).

Selbst meines Selbstes, Selbst jedes Selbstes,

das Selbst des Selbst.

Du bist an der Quelle meines Ich.

Du bist die Quelle meines Ich.

Du bist mein Ich.“

(Innere Erfahrung 147)


„Wie hätte ich noch das Recht, Dich Du zu nennen,

o tiefstes Zentrum in mir,

o mein tiefstes, ursprüngliches und überwesentliches Ich.“ (149)

Christus in jedem Menschen

und

OM oder AUM, das Urwort, der Urklang, der alle Zwei- und Dreiheiten (Körper, Seele, Geist) in sich vereinigt und in das Unsagbare, in die leere Stille führt

„Jesus Christus... ist ein Name der unendlichen Wirklichkeit. Nicht ein Name unter anderen, der sich von anderen abgrenzt, sondern der alles entgrenzt. Deswegen ist er ebenso ein Nichtname und kein Name. Er ist mir kein Gegenüber – wie könnte ich dem Unendlichen gegenüber sein! Ich würde mich aus dem Unendlichen herausnehmen und damit das Unendliche begrenzen und zerstören.

Erlöse uns, Herr, von dem Wahn, als wärest Du uns gegenüber wie irgendjemand und laß uns die erlösende Wahrheit aufleuchten, dass wir in Dir sind und Du in uns“ (60).

Pioniere eines Erfahrungs-Austausches zwischen Zen-Buddhismus und Christentum:

Hugo Makibi Enomiya-Lassalle, Johannes Kopp, Thich Nhat Hanh, Willigis Jäger

Hugo Enomiya-Lassalle    Henri Le Saux         Johannes Kopp       Anthony de Mello             Willigis Jäger          Raimon Panikkar

  Der wichtigste Wegbereiter für die Übung des Zen (Zazen) in christlichen Gruppen war der Jesuit  Hugo Enomiya-Lassalle. 1929 wurde er von seinem Orden in die japanische Mission gesandt und beschäftigte sich nun intensiv mit dem Zen-Buddhismus. Nach dem Krieg - den ersten Atombombenabwurf über Hiroshima am 06.08.1945 erlebte und überlebte er aus nächster Nähe - gründete er in Tokio und anderen japanischen Städten die ersten christlichen Meditationshäuser, in denen Zazen praktiziert  wurde. Er wollte in die Erfahrung einführen, dass christliche Frömmigkeit und die Übung des Zen sich nicht widersprechen, sondern befruchten. Er meditierte unter dem Kreuz und feierte täglich die Eucharistie. Ihm ging es um eine neues Denken, um einen neuen Menschen. Das neue entstehende Bewusstsein werde ein mystisches, aperspektivisches (d. h. absolutes) und auf Erfahrung gründendes sein.

  Ab 1968 gab er in ganz Europa die ersten Zen-Kurse. 

  Zen bezeichnet die Sammlung des Geistes und die Versunkenheit, in der alle dualistischen Unterscheidungen wie Ich und Du, Subjekt und Objekt, wahr und falsch, aufgehoben sind. Der Weg des Zen ist also eine mystische Erfahrung.

  Das Zazen ist das Sitzen in Versunkenheit und stellt den direktesten Weg zur Erleuchtung (Satori) dar. Im Zazen werden alle gedanklichen Vorstellungen überstiegen.

  Alles ist der eine Geist, die eine Wirklichkeit. Alle Vielheit ist Illusion. „Diese eine Wirklichkeit kann nur dann erfahren werden, wenn all das, was die Wirklichkeit des einen Geistes nicht ist, fällt. Aber wie kommt man dahin?“ Er gibt darauf die folgende, erstaunlich einfache Antwort: „Der Weg zur Erfahrung deines wahren Angesichts vor deiner Geburt, dieser Weg zur Erleuchtung ist nichts anderes als ‚der alltägliche Weg.“ Dieser Weg kann also überall gegangen werden, wo immer man sich gerade befindet und auch zu jeder Zeit.

http://www.zenbuddhismus.de

  „Zen führt zu einer Erfahrung des unaussprechlich Lebendigen, das das Leben ausmacht“ (33.) Über ausdauerndes Sitzen in aufrechter Haltung, achtsames Wahrnehmen des Atems, das Lassen von Gedanken und das entschlossene und doch absichtslose  Lösen von im Grunde nicht lösbaren „Koans“ gelangt der Übende zu einer intuitiven Erkenntnis, die alles Denkbare übersteigt, zu einer Leere, die zugleich die Fülle ist. „Die unendliche Wirklichkeit ist in jedem und jedem Menschen offen als seine wunderbare Möglichkeit“ (327).

Pioniere eines spirituellen Austausches zwischen Hinduismus und Christentum

P. Henri Le Saux OSB (1910-73:

Versöhnung von Advaita (Nicht-Dualität) und Christusfrömmigkeit

P. Anthony de Mello SJ (1931-87): Bewusstheit, Bewusstheit, Bewusstheit - Aufwachen

Thich Nhat Hanh (geb. 1926): Christus ist allgegenwärtig. Er ist dein Zuhause.

Und du musst dich darin üben, ihn zu berühren.

  Thich Nhat Hanh, vietnamesischer Mönch, Zen Meister, Poet und Friedensaktivist, verbindet die spirituellen Wurzeln des Buddhismus mit den aktuellen brennenden Fragen westlicher Zivilisation.


  „Bist du imstande, dich selbst tief zu berühren und andere tief zu berühren, so berührst du die andere Dimension, die Dimension der letzten Wirklichkeit. Meditation bedeutet, tiefes Schauen zu üben, die Dinge tief zu berühren.

Achtsamkeit verhilft dir dazu, vollkommen lebendig zu werden und jeden Augenblick deines täglichen Lebens tief zu erleben. Achtsamkeit hilft dir dazu, mit den kraftspendenden und heilkräftigen Wundern des Lebens in Berührung zu kommen. Wir müssen erkennen lernen, dass wir Stabilität und Freiheit im

P. Hugo Makibi Enomiya-Lassalle SJ (1898-1990):

„Nicht-Dualität" im Zen entspricht im christlichen Sinn der „Einheit mit Gott"

P. Johannes Kopp SAC (1927-2016):  Wenn das Zen-Auge geöffnet ist,

durchschaut es alle Dinge auf das eine hin: „Christus ist alles und in allem“ (Kol 3,11)

P. Willigis Jäger OSB (geb. 1925):

„Ein spiritueller Weg, der nicht in den Alltag führt, ist ein Irrweg."

  „Die Beschäftigung mit den spirituellen Traditionen des Ostens ist außerordentlich heilsam. Ich habe erst durch meine langjährige Zen-Praxis erkannt, dass die christliche Mystik in ihrem Kern genau das gleiche lehrt wie die Zen-Schulen. Ich habe erst über den Umweg nach Japan die Schätze der eigenen christlichen Tradition wahrnehmen und würdigen können.“  (Die Welle ist das Meer, 2000 S.65)

  Advaitische Erfahrungen des Einen-ohne-ein-Zweites, des „Seins wie Gott“ (Phil 2, 6) machen auch die Essenz des Selbst-Bewusstseins Jesu aus: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10, 30). Diese GRUND-legende Einheitserfahrung, die Jesus auch seinen Jüngern zugestanden hat: „Dass alle eins seien, wie Du Vater in Eins mit mir und ich in Eins mit Dir, dass sie auch seien in Eins mit uns“ (Joh 17, 21), ist im Mainstream des Christentums monopolisiert worden für den „einzigen Sohn Gottes: Jesus Christus“, während für seine Jünger zunehmend die kaum überwindbare Differenz zwischen ihrer gottfernen conditio humana und ihrer Berufung zurm Leben bei Gott nach dem Tod betont wurde.

  Eine solche systemische Trennung von Gott und Welt/Mensch in Lehre und Verkündigung ist immer wieder durch authentische Erfahrung in Frage gestellt und als Verblendung durchschaut worden.. Prophetische Gestalten - christliche Mystiker - haben im Auf und Ab der Kirchengeschchte - meist nach längerem Verschweigen - bezeugt: Ich habe es wirklich erfahren. Ich bin eins mit Gott. Gott/Christus ist mir innerlicher als ich mir selbst. Jeder Mensch kann in sich und Allem, was existiert, diesen absoluten Seins- und Seelengrund erfahren - form- und namenlos, aber erleuchtend und beglückend, Leere und Fülle zugleich.

Christliche Kontemplation und hinduistisch-buddhistische Versenkung

Gregor von Nyssa  Hidegard von Bingen      Marguerite Porète        Johannes Tauler        Teresa von Avila       Angelus Silesius

      340-394             1098-1179                           1255-1310                1300-1361                    1515-1582                1624-1677

„Die Zen-Meditation wird vollzogen, indem man sich in seinem Leibe aufrichtet und sich in seinen Gedanken lässt“

Hier und Jetzt zur Verfügung haben, und zwar ganze vierundzwanzig Stunden am Tag.

  Als Christ oder Christin spürst du, dass Jesus Christus dein Zuhause ist. Als Buddhist oder Buddhistin weißt du, dass der Buddha dein Zuhause ist. Dieses Zuhause ist verfügbar im Hier und Jetzt, denn Jesus Christus ist gegenwärtig, und der Buddha ist gegenwärtig. Du nennst Christus den ´lebendigen` Christus; also kannst du nicht meinen, Christus sei jemand, der nur in der Vergangenheit existierte und nicht länger gegenwärtig ist. Christus ist allgegenwärtig. Er ist dein Zuhause, und du musst dich darin üben, ihn zu berühren ... Der lebendige Christus, der lebendige Buddha – sie sind dein wahres Zuhause. Der lebendige Christus und der lebendige Buddha dürfen aber nicht bloß Vorstellung sein, nicht nur Ideen. Sie müssen zu Realitäten werden ... Dein Übungsweg wird dich dahin führen.

(Dialog der Liebe 43)

  Willigis Jäger verkörpert eine konfessionsunabhängige zeitgenössische Spiritualität, die den spirituell Suchenden des 21. Jahrhunderts Antworten auf ihre drängenden Fragen gibt.

  Als Zenmeister und Kontemplationslehrer ist er sowohl von der christlich-abendländischen Mystik als auch dem östlichen Zen geformt und geht gleichzeitig über beide Konfessionen hinaus auf das, was allen spirituellen Wegen des Westens und des Ostes zugrunde liegt. Sein Verständnis der West-Östlichen Weisheit basiert auf der Philosophia perennis, die ihren aktuellen Ausdruck im integrativen Denken und Handeln findet. Teil dieser Vision ist die Einbeziehung der modernen Naturwissenschaften, sowie das wirtschaftlich-politisch-soziale Handeln, im dem sich die Übung im Alltag manifestiert.

https://www.benediktushof-holzkirchen.de/willigis-jaeger/97-portrait.html

  Aufgrund dieser Gleichsetzung von „Lebendigem Buddha“ und „Lebendigem Christus“ erlaube ich mir, in dem folgenden Text von Thich „Buddha“ durch „Christus zu ersetzen:

„Deine Achtsamkeit und dein gesammelter Geist sind der Christus in dir. Du brauchst nicht 2000 Jahre zurückgehen, um Christus nahe zu kommen. Du brauchst nur zu sitzen und die Energie der Achtsamkeit und Konzentration in dir zu berühren. Dann ist Christus dir nahe, dann bist du Christus. Wenn du täglich mit Eifer praktizierst, kultivierst du diese kostbaren Energien in dir. Du weisst, dass dein Verstehen, deine Toleranz, deine Freundlichkeit und deine Liebe von diesen Energien abhängen. Du weisst, dass Christus kein bloßes Wort ist und keine Vorstellung. Christus ist eine Wirklichkeit, mit der du jeden Tag in Berührung kommen kannst.“

(Thich Nhat Hanh: Dialog der Liebe, Jesus und Buddha als Brüder, Herder Verlag Freiburg 2000 S. 77)

  „Ziel der Mystik ist der von der Tiefenerfahrung her erlebte und durchdrungene Alltag ... Höhepunkt des mystischen Lebens ist das Erfahren der Einheit mit dem göttlichen Leben in allem Geschöpflichen, in allem Handeln und Planen, auch im intellektuellen Planen und Wirken ….. Gott in allen  Dingen  schmecken heißt das Wesen der Dinge selber schmecken: den Regen im Regen, das Feuer im Feuer, die Erde in der Erde: aber auch die Freude in der Freude und das Leid im Leid und den Tod im Sterben... Dieses Sosein der Dinge erfahren, das ist die Erfahrung Gottes."  (Kontemplation S. 69-71)

„Der mystische Weg führt aus der Versenkung zurück in die Welt und in die Weltverantwortung. Er führt ins Handeln, ins Alltägliche und zum Mitmenschen - und ist Grundlage einer Ethik der Liebe, die im anderen Menschen sich selbst erkennt. Ein spiritueller Weg, der nicht in den Alltag führt, ist ein Irrweg.“  (Jenseits von Gott, 2012 S. 80)

„Die Präsenz der Zeitlosigkeit in jedem Augenblick zu erfahren, gibt jedem Augenblick eine außergewöhnliche Bedeutung.“ (Jenseits von Gott S. 84)

„... das allein in deinem Verstand existiert?“

Eines seiner Hauptziele:

die Wirklichkeit begreifen hinter unseren Vorstellungen, Etikettierungen und Formeln

  1931 in einer indischen, Englisch sprechenden Familie bei Bombay aufgewachsen, war seine Kindheit geprägt von der damals üblichen kath. Frömmigkeit. Die Kirche, ihre Glaubens-Lehren und ihr alltäglicher und jährlicher Zeit-Rhythmus wurden zum Fundament seines Lebens. Im Alter von 16 Jahren trat er in das Noviziat der Jesuiten ein. Die verschiedenen  theologisch-spirituellen Ausbildungsphasen - anfänglich strikt und rigoros - wurden nach seiner Priesterweihe 1961 ergänzt und gewandelt durch ein Studium von Psychologie und Psychotherapie (C. Rogers, Eric Berne, Fritz Perls) in Chicago. Ab 1965 Oberer eines indischen Jesuitenkollegs, fand er seine Identität und ein großes Ansehen vor allem als Leiter von (30-tägigen und mehrmonatigen) Exerzitien / Gruppentherapien  und als geistlich-psychologischer Berater. Immer überzeugender integrierte er buddhistisch-hinduistische Psychologie und Meditationspraxis in seine christlichen Sadhana-Übungen.  

  Im Vorwort zu „Warum der Vogel singt“ (1984) schrieb De Mello: „Ich habe mich unbekümmert auch in nichtchristlichen, ja sogar nichtreligiösen Überlieferungen umgesehen und bin tief beeinflusst und bereichert worden. Aber stets kehre ich zu meiner (kath.) Kirche zurück, denn sie ist meine geistige Heimat. Und wenn ich mir auch schmerzlich, manchmal sogar peinlich berührt, ihrer Grenzen und gelegentlichen Enge bewusst bin, so weiß ich doch genauso deutlich, dass sie mich gebildet und geformt hat.“

Nur: Dass er diese vorkonziliare katholische Bildung und Formung zunehmend überschritt und ausweitete, verzieh ihm „seine“ Kirche nicht. 1998 - 11 Jahre nach seinem plötzlichen Tod in New York - beschuldigte ihn die römische Glaubensbehörde unter Kard. Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI, in einer Notifikation, die an alle Bischöfe der Welt versandt wurde, dass wesentliche „Positionen De Mellos mit dem katholischen Glauben nicht vereinbar sind und schweren Schaden verursachen können.“

  Theologische Häresien werden ihm unterstellt - Leugnung eines personalen Gottesbildes, Relativierung der einmaligen Offenbarung Gottes in Christus, falsche Einschätzung der Religionen als mögliche Hindernisse auf dem Weg zu Gott, Leugnung eines persönlichen Weiterlebens nach dem Tod. In dieser offiziellen römischen Indizierung der Schriften von A. de Mello ist ein gekränkter Grundtenor spürbar, der teilweise verständlich ist.  Nahmen doch seine Weisheitsgeschichten von buddhistischen Zen-Meistern, hinduistischen Rishis, jüdischen Rabbis, islamischen Sufi-Meistern, griechischen Philosophen  und christlichen Mystikern häufig „die Frommen“ aufs Korn und auf die Schüppe. In vielen Geschichten kritisiert er Frömmelei, Selbstgerechtigkeit, Kästchendenken etc. von frommen Leuten und macht sich darüber lustig. Diesem demaskierenden Trend De Mellos entsprechen die Karikaturen von Jules Stauber, mit denen viele seiner Bücher ausgestattet sind.

  In seinen ausdrücklichen Anleitungen zu Gebet und Meditation bewegt er sich meiner Meinung nach auf dem Boden des Evangeliums und theologischer Tradition. Allerdings ist ein neues Denken spürbar jenseits der von oben verordneten nachkonziliären Restauration. Anthony de Mello betont stärker die Wichtigkeit von individueller Bewusst- und Selbstwerdung im Hier und Jetzt, die Relativität aller Glaubensformeln und Gottesbilder, das Ganze der Schöpfung als Weg zu Gott und die Bedeutung weiterer charismatischer Lehrer außer Jesus dem Christus. Aber gerade ein solches  Überschreiten verfestigter kirchlicher Glaubenspositionen wurde in den gegenreformatorischen Zeiten unter P.Johannes Paul II und P. Bededikt XVI mit Lehr- und Publikationsverbor sanktioniert (s. Hans Küng, Leonardo Boff, Eugen Drewermann, Willigis Jäger u.v.a.m.).

Menschen reagieren nicht auf das, was in Wirklichkeit geschieht, sondern auf Vorstellungen, die sie im Kopf haben.               Käfig ohne Gitter

Ein Bär ging in seinem sechs Meter langen Käfig hin und her. Als die Gitterstäbe nach fünf Jahren entfernt wurden, ging der Bär weiterhin diese sechs Meter hin und her, als ob der Käfig noch da wäre. Für ihn war er da!

Bewusstheit


„Erlangt man Heil durch Taten oder durch Meditation?“

  „Weder noch: Heil erwächst aus dem Sehen.“

„Was sehen?“

  „Dass das goldene Halsband, das du erwerben möchtest, bereits um deinen Hals hängt. Dass die Schlange, vor der du solche Angst hast, nur ein Seil auf dem Boden ist.“

  Ziel seiner Exerzitien war „awareness“ - „Bewusstsein“, „Achtsamkeit“, „wahrhaftige Selbsterkenntnis“ und ein wichtiger Schritt zur Weisheit die Nichtidentifizierung mit Stimmungen, Gefühlen, Gedanken, die kommen und gehen; das Wahre Selbst existiert unabhängig davon.

Sich nicht mit den Etiketten zufriedengeben und theoretisieren über den Wein, seine Herkunft und seinen Jahrgang, sondern den Wein der Wirklichkeit trinken und genießen.

                               Der kleine Fisch


  „Entschuldigung“, sagte ein Fisch aus dem Ozean zu einem anderen. „Du bist älter und erfahrener als ich und kannst mir wahrscheinlich helfen, Sag mir, wo kann ich die Sache finden, die man Ozean nennt? Ich habe vergeblich überall danach gesucht.“

  „Der Ozean“, sagte der ältere Fisch, „ist das, worin du jetzt schwimmst.“

  „Das? Aber das ist nur Wasser. Ich such den Ozean“, sagte der jüngere Fisch sehr enttäuscht und schwamm davon, um anderswo zu suchen.

Kleiner Fisch, hör auf zu suchen, es gibt nichts zu suchen. Sei einfach still, öffne die Augen und sieh dich um. Du kannst es nicht übersehen.  (Warum der Vogel singt 18)

Worte


Die Welt, die du siehst, ist nicht das Königreich, das Kinder schauen, sondern eine zerstückelte Welt, die durch Wörter in Tausende einzelner Teile zerlegt ist ...

  Es ist, als sehe man jede Meereswelle einzeln und abgesondert vom Ozean.

Sobald Wörter und Gedanken zum Schweigen gebracht sind, erblüht das Universum fort - wirklich, ganz und eins  -, und Wörter werden das, was sie immer bedeuten sollten:

die Partitur, nicht die Musik; die Speisekarte, nicht das Essen; der Wegweiser, nicht das Reiseziel. (Unsinn 40)

Raimon Panikkar (1918 - 2010):

Christus ist das the-anthropo-kosmische Symbol par excellence

(Einheit von Gott-Mensch-Kosmos)

Jyoti Sahi: Transfiguration 2000

  Wie für P. Johannes Kopp blieb auch für Raimon Panikkar Jesus Christus der archimedische Punkt seines Lebens als wahrer Weltbürger, die mystische Mitte aller Wirklichkeit, die auch durch seine tiefen Erfahrungen mit hinduistischer und buddhistischer Weisheit nicht ins Abseits gedrängt wurde, sondern ihm immer einleuchtender als das Mysterium jeder kosmischen, menschlichen, göttlichen Wirklichkeit aufleuchtete.

  An Jesus interessierte ihn primär dessen innere Erfahrung, die jeder Mensch in sich selbst verstehen und erleben könne. Jesus habe als „Sohn des Abba-Vaters“, der „Quelle und dem Urgrund von Allem“, und im Bewusstsein einer untrennbaren Einheit damit („Ich und der Vater sind Eins“ - Joh, 10, 30) die Fülle seines Menschseins gelebt. Diese universale Erfahrung Jesu sei dann in jüdischen, hellenistischen, römischen und europäischen Kulturräumen in eine doktrinäre Christologie eingeflossen, aber auch erstarrt (???). Der „Beitrag von Asien, Afrika und Ozeanien zu diesem traditionellen Christus-Verständnis sei praktisch Null“.

  Religion ist für Panikkar primär keine Doktrin, sondern eine Lebenserfahrung, durch die man Teil des kosmischen Abenteuers ist, ohne Sorge und ohne Angst.

                              Hast du den Vogel singen hören?


  Das hinduistische Indien schuf ein schönes Bild, um die Beziehung zwischen Gott und seiner Schöpfung zu beschreiben. Gott „tanzt“ seine Schöpfung. Er ist der Tänzer, die Schöpfung der Tanz. Der Tanz ist etwas anderes als der Tänzer, und doch gäbe es keinen Tanz ohne ihn. Man kann ihn nicht nach Belieben in einer Schachtel mit nach Hause nehmen.Wenn der Tänzer innehält, gibt es keinen Tanz....

  Sei still und sieh dem Tanz zu. Nur hinschauen: ein Stern, eine Blume, ein welkendes Blatt, ein Vogel, ein Stein.Jeder Teil des Tanzes ist geeignet: Schauen, lauschen, riechen, berühren, schmecken. Und sicher wird es nicht lange dauern, bis du ihn siehst, den Tänzer selbst! (Warum der Vogel 19)

  Aus seinem letzten Brief vom 1.Juni 1987, einen Tag, bevor Anthony de Mello starb: „Ich spüre, dass sich mein gesamtes Interesse auf etwas Anderes konzentriert, auf die ´Welt des Geistes`, und mir kommt alles andere derart oberflächlich und belanglos vor ... nie zuvor in meinem Leben habe ich mich so glücklich, so frei gefühlt.“ (142)

  „Du und ich, wir sind zwei unscheinbare und doch unendlich kostbare Teilchen im Herzen des Universums, das im Herzen Christi pulsiert. Würden die Menschen die Unendlichkeit des Raumes auf sich wirken lassen und ihr Herz auf die Universale Seele einstimmen, dann würden sie mit der verrückten Jagd nach Macht und Reichtum bald aufhören.“ (Hörten den Vogel singen 122)

  Besonders überzeugend für mich und in sich stimmig hat - neben dem Pallotinerpater und Zen-Meister Johannes Kopp aus Essen - der Naturwissenschaftler und kath. Theologe Raimon Panikkar im Laufe seines langen Lebens ein Konzept einer postmodernen Christosophie entwickelt. „Christophanie“ („Aufscheinen Christi“) - so heißt der deutsche Titel seines „Versuchs, die Leidenschaft seines ganzen Lebens zu erfassen.“ Die spanische Originalausgaber von 2004 trägt den Titel „La plenitud del hombre“: „Die Fülle des Menschen“.

  Als Kind eines spanischen Katholikin und eines indischen Hindu geboren, und pomoviert zum Doktor der Philosophie, Chemie und Theologie - 1946 empfing er die Priesterweihe - war R. Panikkar schon frühzeitig interessiert an einer intellektuellen und spirituellen Synthese von Christentum, östlicher Weisheit und postmoderner Wissenschaft.

   In neun Sutras („eher Verdichtungen gelebter Erfahrungen innerhalb einer Tradition“) hat Pannikar seine christosophischen Erfahrungen und Reflexionen zusammengefasst:


  1. 1.Christus ist das christliche Symbol der ganzen Wirklichkeit.

Alles und jedes Wesen ist eine Christophanie, eine Manifestation des christischen Abenteuers der ganzen Wirklichkeit auf dem Weg zum unendlichen Geheimnis.

  1. 2.Der Christ erkennt Christus in Jesus und durch ihn.

Jesus ist der Christus, aber Christus kann nicht vollständig mit Jesus identifiziert werden.

  1. 3.Die Identität Christi ist nicht seine Identifizierung

mit menschlichen Attributen Jesu (Eltern, Jude, Berufung, Worte und Taten, Rolle, sozialer Satus, Sprache, Kultur etc.)

  1. 4.Die Christen haben nicht das Monopol für das Erkennen Christi.

Von den Christen ist zu erwarten, dass sie in anderen Religionen Vorstellungen und Erleuchtungen desselben Mysteriums Christi anerkennen und sie als weitere Aspekte Christi betrachten.

  1. 5.Die Christophanie ist die Überschreitung der an Sippe und Geschichte gebundenen Christologie.

Die Gestalt Christi ist fast ausschließlich im Dialog mit den Kulturen des Mittelmeerraumes in den ersten 1500 Jahren geprägt worden. Später entdeckte Weisheitstraditionen in Amerika, Asien, Afrika wurden nicht anerkannt, sondern als heidnisch abgetan und missioniert.

  1. 6.Der protologische, historische und eschatologische Christus ist ein und dieselbe Wirklichkeit, die sich in Zeit und Raum ausdehnt und intentional in uns wohnt.

Christus ist weder räumlich noch zeitlich teilbar. Er ist jederzeit und jederorts im universalen evolutiven Prozess erschaffend, heilend und vollendend präsent.

  1. 7.Die Inkarnation als historisches Ereignis ist auch Inkulturation.

Die Fleischwerdung des göttlichen Logos kann nicht auf das einmalige Auftreten Jesu reduziert werden. Die incarnatio continua des göttlichen Geistes geschieht in unterschiedlichen Graden immer und überall.

  1. 8.Die Kirche betrachtet sich als den Ort der Inkarnation.

Kirche ist im ursprünglichen Sinn des Wortes katholisch, koextensiv. Sie erstreckt sich so weit wie das Universum. Diese Kirche kann nicht mit einer Institution identifiziert werden.

  1. 9.Die Christophanie ist das Symbol des Mysteriums der Vereinigung der göttlichen, menschlichen und kosmischen Wirklichkeit.

In Jesus Christus begegnen sich das Endliche und U/nendliche. In ihm sind das Menschliche und Göttliche vereint. In ihm ist das Materielle und das Spirituelle eins  - wie auch das Männliche und das Weibliche, Historisches und Transhistorisches, Zeit und Ewigkeit. Vom historisch-religiösen Gesichtspunkt könnte man Christus als den beschreiben, der die Distanz zwischen Himmel und Erde, Gott und Mensch, Transzendenz und Immanenz auf Null reduziert - genau das Prinzip des Advaita.

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